Borsdorf ist ein Stadtteil von Nidda im hessischen Wetteraukreis.
Geographische Lage Der Ort liegt in der nördlichen Wetterau am südlichen Rand des Vogelsberges. Borsdorf liegt nordwestlich von Nidda.
Ortsgeschichte mini|hochkant|Evangelische Kirche Vor- und Frühgeschichte Um 1855 wurde zwischen Nidda und Borsdorf der Griff eines etruskischen Beckens gefunden, den man in der Archäologie als „Borsdorfer Henkel“ bezeichnet. Dabei handelt es sich um den Henkel eines Bronzegefäßes aus der Zeit der Kelten, vermutlich Ende des 5. Jahrhunderts vor Christus. Diese Zeit nennt man die frühe Latènezeit. Der Griff stellt zwei gegeneinander gestellte Ringer dar. Aufgrund seiner Nähe zum Glauberg (ca. 13 km) kann er mit dem dort gefundenen Fürstengrab in Verbindung gebracht werden.Das Rätsel der Kelten vom Glauberg. Stuttgart 2002. ISBN 3-8062-1592-8. Katalog der ausgestellten Funde S. 268–327. S. 277. Heute befindet sich der Henkel im Hessischen Landesmuseum Darmstadt. Im Bereich des damaligen Fundortes wurde 2024 bei Bauarbeiten für einen Gewerbepark eine Siedlung ergraben, welche ca. 6500 Jahre alt ist.Klaus Nissen: Noch eine Siedlung aus der Steinzeit. In: Wetterauer Zeitung Nr. 248 vom 24. Oktober 2024, S. 27.
Mittelalter Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung des Ortes als „Barstorp“ erfolgte 1207.Wilhelm Wagner: Borsdorf. Überarbeitet und ergänzt von Rainer Kritzler. In: Nidda. Die Stadt und die Geschichte ihres Umlandes. Herausgegeben von Ottfried Dascher in Verbindung mit Reinhard Pfnorr. Nidda 2003. S. 295–297. S. 296. Eine weitere Erwähnung als Barstorph stammt vom 1. September 1329.Eigenbrodt, Urkunden. in: Archiv für Hessische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 2, 1841, S. 227 ff., Nr. 35. In der Namenskunde wird der Ortsnamen von „Bar“ = bloß, alleinstehend gedeutet. Also wäre Borsdorf das alleinstehende Dorf.
1434 wurde Landgraf Ludwig I. von Hessen vom Abt Johann von Fulda mit Burg und Stadt Nidda, der Grafschaft, der fuldischen Mark und Stornfels belehnt. In diesem Gebiet gehörte Borsdorf zum Amt Stornfels zusammen mit den Orten Ulfa, Ober-Widdersheim und Unter-Widdersheim.Karl Ernst Demandt: Das hessische Verwaltungszentrum Nidda im 15. und 16. Jahrhundert. In: Nidda. Die Stadt und die Geschichte ihres Umlandes. Herausgegeben von Ottfried Dascher in Verbindung mit Reinhard Pfnorr. Nidda 2003. S. 85.
Neuzeit Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Borsdorf:
Die Evangelische Kirche wurde 1873 erbaut.
Hessische Gebietsreform (1970–1977) Im Zuge der Gebietsreform in Hessen fusionierten zum 1. Dezember 1970 die bis dahin selbständigen Gemeinden Bad Salzhausen, Borsdorf, Fauerbach bei Nidda, Geiß-Nidda, Harb, Kohden, Michelnau, Ober-Lais, Ober-Schmitten, Ober-Widdersheim, Stornfels, Ulfa, Unter-Schmitten, Wallernhausen und die Stadt Nidda zur neuen Stadt Nidda. Für die ehemals eigenständigen Gemeinden sowie für die Kernstadt Nidda wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung eingerichtet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Borsdorf angehört(e):
vor 1450: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Nidda, Amt Nidda 1450–1495: Erbstreit zwischen der Landgrafschaft Hessen und den Grafen von Hohenlohe ab 1450: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Nidda, Gericht Stornfels ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Amt Stornfels (Söhne der Margarethe von der Saale) ab 1584: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Amt Stornfels 1787: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Schotten und Stornfels, Gericht Widdersheim ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Oberhessen, Amt Schotten und Stornfels, Gericht Widdersheim ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Schotten und Stornfels, Gericht Widdersheim ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk NiddaTrennung zwischen Justiz (Landgericht Nidda) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Nidda ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda ab 1867: Norddeutscher Bund,Der Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs. Infolge des Deutschen Krieges wurde die Provinz Oberhessen dort zwangsweise Mitglied. Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda ab 1874: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Büdingen ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Büdingen ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis BüdingenIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Oberhessen aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Büdingen ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Büdingen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Büdingen ab 1970: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Büdingen, Stadt NiddaAm 1. Dezember 1970 wurde Stornfels der Stadtgemeinde Nidda als Stadtteil eingegliedert. ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Wetteraukreis, Stadt Nidda
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Borsdorf 624 Einwohner. Darunter waren 24 (3,8 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 93 Einwohner unter 18 Jahren, 267 waren zwischen 18 und 49, 138 zwischen 50 und 64 und 126 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 292 Haushalten. Davon 93 Singlehaushalte, 90 Paare ohne Kinder und 69 Paare mit Kindern, sowie 27 Alleinerziehende und 6 Wohngemeinschaften. In 54 Haushalten lebten ausschließlich Senioren/-innen und in 186 Haushaltungen leben keine Senioren/-innen.
Einwohnerentwicklung • 1791: 293 Einwohner • 1800: 293 Einwohner • 1806: 315 Einwohner, 65 Häuser • 1829: 384 Einwohner, 68 Häuser • 1867: 440 Einwohner, 89 bewohnte Gebäude • 1875: 424 Einwohner, 89 bewohnte Gebäude
Historische Religionszugehörigkeit • 1829: 384 evangelische (= 100 %) Einwohner • 1961: 494 evangelische (= 83,16 %), 75 katholische (= 12,63 %) Einwohner
Kulturdenkmäler Siehe: Liste der Kulturdenkmäler in Borsdorf
Verkehr Durch den Ort verläuft die Bundesstraße 455. Den Regionalbusverkehr stellt die Regionalverkehr Kurhessen GmbH sicher.
Der Ort hat einen Haltepunkt an der Bahnstrecke Gießen–Gelnhausen, auf der annähernd stündlich Regionalbahnen der Hessischen Landesbahn verkehren.
Literatur
Weblinks
Stadtteil Borsdorf. In: Webauftritt der Stadt Nidda.
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise Die Zugehörigkeit des Amtes Schotten anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und
Kategorie:Ort im Wetteraukreis Kategorie:Geographie (Nidda) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Wetteraukreis) Kategorie:Ersterwähnung 1329 Kategorie:Gemeindeauflösung 1970