Alfred Weidenmann (* 10. Mai 1916Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 650; Filmportal.de; Deutsche Nationalbibliothek. in Stuttgart; † 9. Juni 2000 in Zürich, Schweiz – Pseudonym (unter Verwendung seines Vornamens als Ananym): W. Derfla„Alfred“ rückwärts gelesen, „W.“ für Weidenmann.) war ein deutscher Regisseur und Autor von Jugendbüchern.
Leben und Werdegang Alfred Weidenmann war der Sohn des Fabrikanten Ludwig Weidenmann und seiner Frau Josefine geborene Göttle. Schon als Schüler eines Realgymnasiums drehte er Schmalfilme.
Nach dem Abitur studierte er drei Semester an der Kunstakademie Stuttgart Malerei und Grafik und arbeitete dann als Fotograf für Stuttgarter Zeitungen. Nach Mitgliedschaft in einem Pfadfinderbund trat Weidenmann 1934 in die Hitlerjugend und die NSDAP (Mitgliedsnummer 3.456.764) ein.Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 650. Er arbeitete als Journalist bei der Berliner Illustrirten Zeitung, war von 1934 bis 1936 bei der völkischen Reichssturmfahne sowie 1935/36 beim NS-Kurier. Im Auftrag der Reichsjugendführung bereiste er als Journalist europäische Länder, über deren Jugend er in mehreren Publikationen des Loewe Verlages berichtete. Ab 1934 bis Frühjahr 1936 war Weidenmann außerdem Presse- und Propaganda-Referent in der Propagandaabteilung der HJ-Gebietsführung Württemberg in Stuttgart und anschließend dort Abteilungsleiter für die Sparte „Film“.
1935 drehte er auf der Insel Norderney einen Propagandafilm über die Hitlerjugend namens Jungbann 2., mit dem er 1936 bei einem Amateurfilmwettbewerb den ersten Preis gewann. Erlebnisse bei den Aufnahmen verarbeitete er in seinem ersten Jugendroman Jungzug 2. Daraus machte er später eine Trilogie 50 Jungen im Dienst (Trupp Plassen, 1937; Kanonier Brakke Nr. 2, 1938) für die Weidenmann 1937/38 mit dem 3. Preis des Hans-Schemm-Preises des NSLB ausgezeichnet wurde. Weidenmann leistete seinen Reichsarbeitsdienst und von Herbst 1936 bis 1938 seinen Wehrdienst in der Wehrmacht.
Von 1938 bis 1940 übernahm Weidenmann, als Nachwuchsschriftsteller gefördert, die Herausgabe der dreizehnbändigen Buchreihe Bücher der Jungen. Sein 1939 entstandener Roman Jakko über die Aufnahme eines verwaisten Zirkusjungen durch die Marine-HJ wurde 1941 verfilmt. Ab 1939 gehörte Weidenmann zur Reichsjugendführung der NSDAP. Im Presse- und Propagandaamt der Reichsjugendführung übernahm er die Schriftleitung der „Kriegsbücherei der deutschen Jugend“, für die er unter dem Pseudonym W. Derfla auch als Autor schrieb. Im Laufe des Jahres 1940 wurde Weidenmann zur Wehrmacht einberufen, wurde aber nach Fronteinsatz in Frankreich und der Sowjetunion freigestellt.
Im April 1942 zum Bannführer der HJ befördert, wurde Weidenmann Leiter und Regisseur der HJ-Filmschau Junges Europa, die bis 1945 acht Ausgaben für das Kino-Vorprogramm lieferte, und wurde zugleich Leiter der Hauptabteilung „Film“ in der Reichsjugendführung. Im selben Jahr debütierte er als Filmregisseur mit dem Spielfilm Hände hoch!. Gemeinsam mit Herbert Reinecker realisierte er den Propagandaspielfilm Junge Adler (1943/44).
Während der Schlacht um Berlin geriet Weidenmann in die Gefangenschaft der Roten Armee. Dort leitete er eine Soldatenbühne, die vor den Mitgefangenen spielte.Malte Georgi: Mit dem Schmalfilm fing es an…. In: General-Anzeiger Wuppertal, 27. Juni 1955, nach Alfred Weidenmann – Regisseur (siehe Literatur) Mehrere seiner Schriften wurden in der Sowjetischen Besatzungszone auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt.polunbi.de oder polunbi.de
Nach der Entlassung aus der Gefangenschaft schrieb er zunächst Jugendbücher. Diese erschienen im Loewe Verlag, in dem er bereits vor 1945 hauptsächlich publiziert hatte. Kaulquappe, Boss der Zeitungsjungen, die Fortsetzung Kaulquappe und die Falschmünzer sowie Gepäckschein 666 zählen zu den erfolgreichsten Jugendbüchern ihrer Zeit; Gepäckschein 666 wurde 1961 von Theo Mezger verfilmt. Auch Weidenmanns Buchreihe Die glorreichen 7, die bis 1986 sechs Bände umfasste, erfreute sich großer Beliebtheit. Daneben war er als Autor von Theaterstücken, Hörspielen und Operettenlibretti aktiv.
Als Filmregisseur drehte Weidenmann seit 1953 drei Kulturfilme, von denen Weg in die Freiheit den Deutschen Filmpreis erhielt. Damit begann die erneute enge Zusammenarbeit mit Herbert Reinecker, der auch in den sich nun anschließenden Spielfilmen meist als Autor fungierte. Ein Beispiel, in dem er ein zeithistorisches Thema verfilmte, war Canaris (1954). Filmportal.de, eine Homepage, die sich unter anderem mit dem Film im Nationalsozialismus beschäftigt, nennt diesen Film eine „Geschichtsverfälschung à la 1950er Jahre“. Weidenmann führte auch bei Kriminal- und Unterhaltungsfilmen Regie, in denen prominente deutsche Schauspieler und Schauspielerinnen auftraten. Ein Beispiel ist Scampolo (1957) mit Romy Schneider.
In den 1970er Jahren wurde aus dem routinierten Kinoregisseur ein gefragter Fernsehregisseur, der unter anderem bei den Serien Der Kommissar, Derrick und Sonderdezernat K1 sowie bei Fernsehspecials mit Lilli Palmer und Martin Held mitwirkte.
Ab 1959 lebte Weidenmann in Berlin-Dahlem. Im Jahr 1984 verlegte er seinen Wohnsitz in die Schweiz nach Zollikon. Zuletzt lebte er auch wieder in Stuttgart.
Alfred Weidenmann starb im Alter von 84 Jahren in Zürich bei den Vorbereitungen zu einer Folge der Serie Der Alte. Sein Grab befindet sich auf dem Waldfriedhof Stuttgart.
Auszeichnungen 1936 1. Preis beim Wettbewerb des Verbandes deutscher Amateurfilmer 1938: Hans-Schemm-Preis des NSLB für die Buch-Trilogie Jungen im Dienst 1942 „bester Jugendspielfilm des Festlandes“ beim Filmwettbewerb der europäischen Jugend in Florenz für Hände hoch 1954 Bundesfilmpreis für Weg in die Freiheit (bester Kulturfilm des Jahres) 1955 Filmband in Gold (Bester Regisseur) für Canaris Prix Femina (Paris) für Canaris Preis des spanischen Kritikerverbandes für Canaris 1956 Filmband in Silber für Alibi 1981 Goldener Gong für Sonderdezernat K1, gemeinsam mit Martin Boettcher und Harald Vock
Filmografie 1936: Jungbann 2. 1941: Jakko (Buchvorlage) 1941: Soldaten von morgen (Reportage über Ausbildungszweige der Hitlerjugend) 1941: Außer Gefahr (Reportage über die Kinderlandverschickung) 1942: Hände hoch! 1944: Junge Adler 1945: Die Schenke zur ewigen Liebe (unvollendet) 1949: Wir bummeln um die Welt 1953: Weg in die Freiheit (Dokumentarfilm, auch Produzent) 1953: Ich und Du 1954: Canaris 1955: Der Himmel ist nie ausverkauft 1955: Alibi 1956: Kitty und die große Welt 1957: Der Stern von Afrika 1957: Sonntags-Eltern (Dokumentarfilm, auch Produzent) 1958: Scampolo 1958: Solange das Herz schlägt 1959: Buddenbrooks (zweiteilig) 1960: Bumerang 1960: An heiligen Wassern 1961: Julia, du bist zauberhaft 1962: Ich bin auch nur eine Frau 1963: Das große Liebesspiel 1964: Verdammt zur Sünde 1965: Schüsse im 3/4 Takt 1965: Die Herren – 5. Episode: Die Bürger 1965: Das Liebeskarussell – 3. Episode: Dorothea 1966: Ich suche einen Mann 1966: Maigret und sein größter Fall 1970: Unter den Dächern von St. Pauli 1971: Das Freudenhaus 1972: Eine Frau bleibt eine Frau (1) 1972: Sonderdezernat K1: Vier Schüsse auf den Mörder 1973: Sonderdezernat K1: Kassensturz nach Mitternacht 1973: … aber Jonny! 1973: Eine Frau bleibt eine Frau (2) 1975: Derrick: Tod am Bahngleis 1975: Sonderdezernat K1: Flucht 1975: Derrick: Ein Koffer aus Salzburg 1975: Liebe mal so – mal so 1975: Der Kommissar: Mord nach der Uhr 1976: Derrick: Kalkutta 1976: Derrick: Das Bordfest 1976: Sanfter Schrecken (TV-Film) 1977: Konkurs 1977: Eine Frau bleibt eine Frau (3) 1977: Sonderdezernat K1 – MP-9mm frei Haus 1977: Der keusche Lebemann 1977: Sonderdezernat K1 – Der Regen bringt es an den Tag 1978: Der Schimmelreiter 1978: Unsere kleine Welt (4 Geschichten) 1978: Der große Karpfen Ferdinand 1978: Eine Frau bleibt eine Frau (4) 1979: Geschichten mit Martin Held 1980: Die Karten lügen nicht 1980: Derrick: Ein Lied aus Theben 1981: Sonderdezernat K1: Die Spur am Fluss 1981: Sonderdezernat K1: Die Rache eines V-Mannes 1981: Der Alte: Der Überfall 1982: Derrick: Hausmusik 1982: Unsere schönsten Jahre (4. Folge) 1983: Unsere schönsten Jahre (6. Folge) 1983: Derrick: Die Tote in der Isar 1984: Derrick: Keine schöne Fahrt nach Rom 1984: Mann ohne Fahrschein 1986: Der Alte: Killer gesucht 1986: Derrick: Der Fall Weidau 1986: Derrick: Die Rolle seines Lebens 1987: Wer erschoss Boro? 1987: Ein teuflischer Plan 1988: Derrick: Kein Risiko 1988: Derrick: Die Mordsache Druse 1988: Der Alte: Der Freispruch 1988: Der Alte: Ein ganz gewöhnlicher Mord 1989: Derrick: Diebachs Frau 1990: Derrick: Der Augenblick der Wahrheit 1990: Der Alte: So gut wie tot 1991: Derrick: Caprese in der Stadt 1991: Der Alte: Der Tagebuchmord 1992: Derrick: Die Reise nach München 1992: Derrick: Die Festmenüs des Herrn Borgelt 1993: Derrick: Mann im Regen 1993: Derrick: Melodie des Todes 1994: Derrick: Das Thema 1994: Derrick: Eine Endstation 1994: Der Alte: Verschwunden … und nicht vermisst 1994: Derrick: Abendessen mit Bruno 1995: Derrick: Ein Mord, zweiter Teil 1995: Derrick: Teestunde mit einer Mörderin? 1995: Derrick: Eines Mannes Herz 1995: Derrick: Herr Widanje träumt schlecht 1996: Derrick: Einen schönen Tag noch, Mörder! 1996: Derrick: Das dunkle Licht 1997: Derrick: Verlorener Platz 1998: Derrick: Mama Kaputtke 1999: Der Alte: Die zweite Frau
Jugendbücher (Auswahl) Jungzug 2. Loewe, Stuttgart 1936. Trupp Plassen. Loewe, Stuttgart 1937. (= Jungen im Dienst; 2). Kanonier Brakke Nr. 2. Loewe, Stuttgart 1938. (= Jungen im Dienst; 3). Jakko. Loewe, Stuttgart 1939. (1941 von Fritz Peter Buch verfilmt). Unternehmen Jaguar. Taten der Panzerwaffe in Polen. Reihe: Kriegsbücherei der deutschen Jugend, 8. Steiniger Verlage, Berlin 1940 (als Derfla). Junges Europa. Loewe, Stuttgart 1940. Junges Griechenland. 1940. Junges Italien. Loewe, Stuttgart 1940. Junges Portugal. 1940. Junges Spanien. 1940. Kaulquappe, Boss der Zeitungsjungen. 1951. Winnetou junior fliegt nach Berlin. 1952. Kaulquappe und die Falschmünzer. 1953. Gepäckschein 666. Loewe, Stuttgart 1953. (1961 von Theo Mezger verfilmt). Die Fünfzig vom Abendblatt. 1960. (Zusammenfassung der beiden Kaulquappe-Bücher). Ganz Pollau steht kopf. 1961. Der blinde Passagier. Loewe, Bayreuth 1968. Die Glorreichen 7 und der rätselhafte Kunstraub. Loewe, Bindlach 1972 (Neuauflage 1994), ISBN 3-7855-2702-0. Der gelbe Handschuh. Loewe, Bayreuth 1974, ISBN 3-7855-1679-7. Die Glorreichen 7 und der Junge aus dem Meer. Loewe, Bayreuth 1976. ISBN 3-7855-1712-2. Die Glorreichen 7 und das Geheimnis der grünen Maske. Loewe, Bayreuth 1976. ISBN 3-7855-1741-6. Die Glorreichen 7 und der Sohn des Häuptlings. Loewe, Bayreuth 1979. ISBN 3-7855-1808-0. Die Glorreichen 7 und der doppelte Schlüssel. Loewe, Bayreuth 1981. ISBN 3-7855-1858-7. Die Glorreichen 7 und das unheimliche Haus. Loewe, Bindlach 1986. ISBN 3-7855-2048-4. Dicke Fische – Kleine Gauner. Das große Alfred-Weidenmann-Buch. Loewe, Bayreuth 1982. ISBN 3-7855-1906-0. Die Spur führt nach Tahiti. Loewe, Bindlach 1995. ISBN 3-7855-2739-X.
Literatur Otto Brunken: Ein schwieriger Fall. Alfred Weidenmanns ‘Gepäckschein 666‘. In: Bettina Hurrelmann (Hrsg.): Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur. Fischer Taschenbuch, Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-596-12668-1, S. 479–501 Jörg Schöning: Alfred Weidenmann – Regisseur. In: CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, Lg. 34 (2000)