mini|Gesamtansicht von Süden mini|Fassade der Kirche
Die dreitürmige ehemalige Abteikirche St. Mauritius (Französisch: Abbatiale Saint-Maurice) ist die Hauptsehenswürdigkeit des Dorfes Ebersmünster bei Schlettstadt. Das 1727 vollendete Gotteshaus, ein Werk des Vorarlberger Architekten Peter Thumb, gilt als eine der schönsten Barockkirchen im Osten Frankreichs.
Geschichte St. Mauritius von Ebersmünster entstand als Kirche der inzwischen aufgelösten Benediktinerabtei Ebersmünster, die auf das 7. Jahrhundert zurückging und zu den ältesten Abteien im Elsass gehörte.
Beschreibung Der heutige Bau folgt dem Vorarlberger Münsterschema, das von den Baumeistern der Auer Zuft in vielen Kirchenbauten Süddeutschlands und der südlich angrenzenden Regionen verwirklicht wurde. Meist wird als Baumeister Peter Thumb genannt, aber es gibt Anhaltspunkte, dass der Bau trotz dessen Beteiligung hauptsächlich Franz Beer von Bleichten zuzuschreiben ist, wie Thumb ebenfalls aus Au (Vorarlberg) stammend.vgl. Dorothée Eggenberger-Billerbeck, Die ehemalige Benediktinerkirche Ebersmünster. Ein Beitrag zur Vorarlberger Barockbaukunst (Dissertation). Haguenau 1974 (Societé de l'Église d'Alsace)
Das Gebäude gliedert sich in ein rechteckiges dreijochiges Kirchenschiff, ein kaum auskragendes Querhaus und den daran anschließenden eingezogenen Chor mit halbrundem Abschluss. Die streng aber stark gegliederte Doppelturmfassade im Westen beherrscht das Bauwerk, das auf einen Vorgängerbau aus dem 17. Jahrhundert zurückgeht. Die Giebelspitze der Fassade krönt eine Madonnenstatue. Im obersten Giebelfeld findet sich in einer Konche eine Statue des Kirchenpatrons St. Mauritius. Eher ungewöhnlich ist ein dritter Turm am östlichen Chorhaupt, Tour des païens (Heidenturm) genannt, der nahezu gleich hoch wie die beiden Fassadentürme ist. Die Türme sind bedeckt mit Zwiebelhauben, denen Laternen aufgesetzt sind. Am Ostturm befindet sich unterhalb der Haube ein Umgang.
Nördlich an das Kirchenbauwerk schließen sich die ehemaligen Konventsgebäude an.
Dem eher schlicht gehaltenen Äußeren entspricht im Inneren eine prachtvolle Raumgestaltung und Ausstattung. Diese ist zum großen Teil das Werk von Tiroler Künstlern: Die Deckengemälde, mit Darstellungen des Mauritius- und der Benedikt-Legende, stammen von Josef Mattes (Langhaus) und Josef Mages (Chor, Querschiff, Vierung), auch das Chorgestühl und die Beichtstühle wurden von Tiroler Künstlern gefertigt. Doch auch Elsässer waren an der Gestaltung des hellen und farbenfrohen Innenraums beteiligt: Der ausdrucksvolle Samson der Kanzel (vergleiche auch St. Georg in Schlettstadt) wird Clemens Winterhalder zugeschrieben; die Kanzel selbst ist neueren Datums. Der mächtige Hochaltar stammt von dem Schlettstädter Jean-Léonard Meyer. Die anderen Altäre sind Werke des Schlettstädters Anton von Wihl und des Colmarers Anton Ketterer.
Ausmaße Außenlänge: 68,90 Meter Außenbreite der Fassade: 25 Meter Innenlänge: 56,80 Meter Innenbreite des Kirchenschiffs: 19,90 Meter Innenbreite des Chors: 12,30 Meter Innenhöhe des Mittelschiffs: 19,30 Meter Innenhöhe des Chors: 16,30 Meter Höhe der Fassadentürme: 47,80 Meter Höhe des Chorturms: 44,70 Meter
Baumaßnahmen Im Jahre 2004 wurden im Gemäuer des hinteren Turmes (genannt Tour des païens, Heidenturm) Risse festgestellt. Überprüfungen zeigten, dass die Grundfesten den Turm nicht mehr genügend stützten und dieser mittelfristig vom Einsturz bedroht war. 2007 brachte die Gemeindeverwaltung vorläufig Stahlträger als äußere Stützen an den Turm an. Nach langwieriger Kostenberechnung und -Aufteilung auf Staat, Region, Departement und Gemeinde begannen am 29. Januar 2009 Baumaßnahmen zur dauerhaften Konsolidierung und Restaurierung des Turmes, die 2010 abgeschlossen wurden.
mini|hochkant=0.9|Prospekt der Silbermann-Orgel Silbermann-Orgel In der Kirche befindet sich ebenfalls eine 1730–1732 von Andreas Silbermann gebaute Orgel, die zu den am besten erhaltenen Werken des berühmten Orgelbauers gehört. Sie wurde 1997–1999 von Gaston Kern, Yves Koenig (Gehäuse und Farbfassung) und Richard Dott (Schlösser und Metallverschläge) restauriert.Jürgen Weyers: Der Staub aus 60 Jahren. Zur Geschichte und Restaurierung der Andreas-Silbermann-Orgel in Ebersmünster. In: Orgel international. Zeitschrift für Orgelbau und Orgelmusik. Heft 1999/3. S. 208–212. Das Instrument hat 29 Register auf 3 Manualen und Pedal. Erwähnenswert ist das Echowerk mit verkürztem Tonumfang.Nähere Informationen zur http://decouverte.orgue.free.fr/orgues/ebersmun.htm, gesehen am 17. April 2020.
Disposition I Positif de Dos C–c3 1. Bourdon 8′ 2. Prestant 4′ 3. Nasard ′ 4. Doublette 2′ 5. Tierce ′ 6. Fourniture III 7. Cromorne 8′ Tremblant doux II Grand Orgue C–c3 8. Bourdon 16′ 9. Montre 8′ 10. Bourdon 8′ 11. Prestant 4′ 12. Nasard ′ 13. Quarte de nasard 2′ 14. Tierce ′ 15. Cornet V 16. Fourniture III 17. Cymbale III 18. Trompette 8′ 19. Clairon 4′ 20. Voix humaine 8′ III Echo c1–c3 21. Bourdon 8′ 22. Prestant 4′ 23. Cornet III 24. Trompette 8′ Tremblant doux Pédale C–c1 25. Flûte 16′ 26. Octavebasse 8′ 27. Bombarde 16′ 28. Trompette 8′ 29. Clairon 4′ Koppeln: I/II
Jedes Jahr wird von Mai bis Juli in der Abteikirche eine Konzertreihe veranstaltet, Les Heures Musicales d’Ebersmunster, deren Ertrag der Restaurierung der Kirche zugutekommt.
Glocken Die ehemalige Klosterkirche besitzt ein vierstimmiges Geläut:Quelle: youtube – Geläute der Abteikirche St. Mauritius in Ebersmunster
Glocke Schlagton Gießer Ort Gussjahr 1 d' Honoré Perrin-Martin Lothringen 1866 2 e' Causard-Dury Colmar 1957 3 g' Causard-Dury Colmar 1929 4 h' Karlsruher Glockengießerei Karlsruhe 199?
Fotogalerie
Ausstattung Kanzel (Ebersmunster) Beichtstühle (Ebersmunster) Kirchenbänke (Ebersmunster) Chorgestühl (Ebersmunster)
Literatur HB Kunstführer Straßburg – Colmar – Elsaß. 1986, , korrigierte ISBN 3-616-06520-8. Roger Lehni: Die Abteikirche von Ebersmünster. Éditions Mage, Drancy 1986. Jean Philippe Meyer: L'ancienne église abbatiale romane d'Ebersmunster en Alsace (XIIe siècle). In: INSITU. Zeitschrift für Architekturgeschichte 7 (1/2015), S. 5–20.
Einzelnachweise
Weblinks
Geschichte und Beschreibung der Silbermann-Orgel Heures Musicales (frz.)
St. Mauritius Ebersmunster Kategorie:Kirchengebäude im Département Bas-Rhin Kategorie:Barockbauwerk in Grand Est Kategorie:Mauritiuskirche Kategorie:Kirchengebäude im Erzbistum Straßburg Kategorie:Disposition einer Orgel Kategorie:Erbaut in den 1720er Jahren Kategorie:Barocke Kirche Ebersmunster Kategorie:Monument historique seit 1898 Kategorie:Kloster Ebersmünster