mini|hochkant|Friedrich Nerly: Bildnis Carl Friedrich von Rumohr, um 1823–1827 rahmenlos|zentriert|150px|klasse=skin-invert-image mini|hochkant|Robert Schneider-August Semmler Rumohr Porträt (ca. 1834) Ausschnitt

Carl Friedrich Ludwig Felix von Rumohr (* 6. Januar 1785 in Reinhardtsgrimma; † 25. Juli 1843 in Dresden) war ein deutscher Kunsthistoriker, Schriftsteller, Zeichner und Maler, Agrarhistoriker, Gastrosoph, Kunstsammler und Mäzen.

Leben und Wirken

Carl Friedrich von Rumohr entstammte einem holsteinischen Uradelsgeschlecht. Sein Vater, Henning von Rumohr (1722–1804), Gutsbesitzer auf Trenthorst und Schenkenberg, hatte durch seine Mutter Agnete Caecilie, geb. von Wickede (1700–1723) auch das wickedesche Gut Groß Steinrade, das heute eines der Lübschen Güter ist, geerbt. Seine Mutter Wilhelmine, geb. von Fersen (1751–1807), war eine Tochter des hannoverschen Offiziers Joachim Heinrich von Fersen († 1760).G. Kegel: Carl Friedrich von Rumohr. In: Gesellschaft f. Schleswig-Holstein. Geschichte (Hrsg.): Schleswig-Holsteinisches Biographisches Lexikon. Band 3, Neumünster 1974, S. 230–235 (shlb.de). E. Y. Dilk: Rumohr, Carl Friedrich Ludwig Felix von. In: Neue Deutsche Biographie. Band 22, Berlin 2005, S. 250–251 (daten.digitale-sammlungen.de).

Rumohr wuchs auf den väterlichen Gütern bei Lübeck auf, besuchte 1799 bis 1802 das Gymnasium in Holzminden und studierte von 1802 bis 1804 an der Universität Göttingen. Hier belegte er Vorlesungen bei dem Klassischen Philologen Christian Gottlob Heyne, dem Historiker Arnold Heeren und dem Mathematiker Bernhard Friedrich Thibaut. Einen nachhaltigen Einfluss hatte Johann Dominik Fiorillo, bei dem er Zeichenunterricht nahm, und der ihn in die Schriften Vasaris einführte. Er wurde durch Ludwig Tieck mit den Ideen der Romantik vertraut und trat 1804 zusammen mit den Brüdern Riepenhausen zur katholischen Kirche über. Im selben Jahr wurde er durch den Tod seines Vaters Erbe eines beträchtlichen Vermögens.

Rumohrs erste Italienreise (1805–1806) zusammen mit Tieck und den Brüdern Riepenhausen führte nach Rom und Neapel. In Rom traf er Joseph Anton Koch und andere deutsche Künstler und machte sich mit den dortigen Kunstwerken der Renaissance und Antike vertraut. Auf der Rückfahrt über Frankfurt – seine Freundschaft mit den Brüdern Riepenhausen war zerbrochen – führte Tieck ihn in den Kreis um Clemens Brentano ein. Die nächsten Jahre verbrachte er teils auf seinen Gütern bei Lübeck, teils auf Reisen, auf denen er die Bekanntschaft vieler kultureller Persönlichkeiten seiner Zeit machte. Von Wichtigkeit für ihn wurde die Begegnung mit Schellings Naturphilosophie. Er schrieb sich in der Akademie der Bildenden Künste München ein und befreundete sich mit dem Sohn des damaligen Direktors, Johann Peter von Langer. Rumohr publizierte 1812 seine erste bedeutende kunsthistorische Studie über die Ildefonso-Gruppe: Ueber die antike Gruppe Castor und Pollux.eine zeitgenössische kritische Rezension: Allgemeine Literaturzeitung \ Jahrgang 1813 \ Band 2 \ Numero 153 \ Rumohr, C. F. von: Ueber die antike Gruppe Castor und Pollux (1812) Digitalisat der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena Eine historische Studie behandelte das Vineta-Problem.C. F. von Rumohr: Über das Verhältnis der seit lange gewöhnlichen Vorstellungen von einer prachtvollen Wineta zu unsrer positiven Kenntniß der Kultur und Kunst der deutschen Ostseeslaven. In: Sammlung für Kunst und Historie. Perthes & Besser, Hamburg, Erster Band Erstes Heft. 1816

mini|Rumohr: Zeichnung zu Geist der Kochkunst (1822) mini|Rumohr: Zeichnung zu Geist der Kochkunst (1822) Eine zweite Italienreise 1816 bis 1821 zusammen mit dem jungen Maler Franz Horny führte Rumohr zuerst nach Florenz und Siena zum Studium der dortigen Archive. In Rom traf er Koch wieder und vermittelte die Aufnahme Hornys in dessen Werkstatt. Tief beeindruckt von den Werken der Nazarener, die seit 1810 in Rom arbeiteten, wurde er ihnen ein bedeutender Mäzen und unterstützte sie durch Veröffentlichungen und Ankäufe, bis er sich mit den jüngeren Nazarenern um Passavant und Schnorr überwarf.Gerhard Kegel (Hrsg.): Carl Friedrich von Rumohr: Briefe an Johann Georg Rist. 1993, S. 91. Dem späteren dänischen König Christian VIII und dem bayrischen Kronprinzen Ludwig diente er in Rom als Führer. Er kehrte 1821 über Venedig zuerst nach München und im folgenden Jahr auf seine holsteinischen Güter zurück.

Rumohr veröffentlichte 1822 sein erfolgreichstes Buch, den Geist der Kochkunst von Joseph König, eine gastrosophische Schrift, unter dem Namen seines Leibkochs. Es wendet sich gegen Exzesse jeglicher Art und plädiert für eine traditionelle und bescheidene nationale (nicht nur deutsche) und regionale Küche. In vielem ist es zeitlos; es wurde in den 1970er Jahren neu aufgelegt.Rezensiert aus heutiger Sicht in der Neuen Zürcher Zeitung vom 24. Dezember 2010, abgerufen am 1. März 2011. Rumohr war in der Neuzeit möglicherweise der erste, der 1822 die Beziehung zwischen dem römischen Garum und südostasiatischen Fischsaucen herausstellte.

Die Gastronomische Akademie Deutschlands vergibt als höchste Auszeichnung seit 1963 den Carl-Friedrich-von-Rumohr-Ring an Persönlichkeiten, die sich um die Kochkunst und Tafelkultur in besonderem Maße verdient gemacht haben.

1824 wurde Rumohr zum Ehrenmitglied des zwei Jahre vorher gegründeten Hamburger Kunstvereins ernannt.Gerhard Kegel (Hrsg.): Carl Friedrich von Rumohr: Briefe an Johann Georg Rist. 1993, S. 7. Er beteiligte sich aktiv bis zu seinem Ausscheiden (1831 oder 1832) an den jährlichen Verlosungen von Bildern junger Künstler, die auf diese Weise unterstützt wurden.

Auch beriet und förderte Rumohr viele dieser jungen Hamburger Künstler, unter anderen Otto und Erwin Speckter, Julius Oldach, Carl Julius Milde, Adolph Friedrich Vollmer, Christian Morgenstern, und übernahm 1823 die künstlerische Ausbildung des 16-jährigen Friedrich Nerly. Der Umgang mit dem um die 20 Jahre älteren Rumohr war nicht ohne Schwierigkeiten: So konstatiert einerseits Rumohr in seinen Erinnerungen 1832:Drey Reisen nach Italien S. 246, zitiert in: G. Kegel: Ein Brief des Hamburger Malers Adolph Friedrich Vollmer an Otto Speckter aus dem Jahre 1827. In: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte. Band/Jahrgang, Nr. 83,1, 1997, , S. 343–366 (Hamburger Kulturgut Digital. S. 359.) (Kegel fügt diesem Zitat hinzu: ). Den Einfluss Rumohrs auf Nerly sieht Paul Ferdinand Schmidt jedoch positiv: Andererseits diktiert der erblindete Vollmer, auf sein Leben zurückschauend, seinem Sohn:

Aus dem Studium von Vasari erwuchs sein Hauptwerk Italienische Forschungen. 1827 erschienen die ersten zwei Bände. Durch die Verwendung historischer Urkunden und ihre kritische Bearbeitung wird Rumohr mit diesem Werk zum Mitbegründer der quellenkritischen Kunstgeschichte. Nach Wilhelm von Humboldt ist es

Rumohr und der Kunsthistoriker Gustav Friedrich Waagen beteiligten sich als Berater an dem Aufbau der Berliner Gemäldegalerie, ein Projekt, zu dem der Archäologe Aloys Hirt bereits 1797 den ersten Anstoß gegeben hatte und das die Unterstützung von Karl Friedrich Schinkel und dem preußischen Kronprinzen fand.

Auf seiner dritten Italienreise von 1828 bis 1829, begleitet von Nerly, der nach Rom weiterfuhr und sich später in Venedig niederließ, schloss er erfolgreiche Verhandlungen über Ankäufe für die Berliner Gemäldesammlung ab, diente dem preußischen Kronprinzen als Führer durch Florenz und Siena und arbeitete an einem Roman.

In den folgenden Jahren arbeitete Rumohr an den verschiedensten Schriften, zum Teil nie veröffentlicht. Der dritte Band der „Italienischen Forschungen“ erschien 1831; eine kritische Rezension durch Aloys Hirt führte zum Bruch und zu zahlreichen Streitschriften. mini|hochkant|Rumohrs Grab auf dem Inneren Neustädter Friedhof in Dresden 1834 ordnete er zusammen mit Just Mathias Thiele die königliche Kupferstichsammlung in Kopenhagen, wurde zum dänischen Kammerherrn ernannt und förderte den jungen dänischen Maler Lorenz Frølich.

Im Frühjahr 1837 trat Rumohr seine vierte Italienreise nach Mailand an, wo er vor allem das lombardische Bewässerungssystem studierte.beschrieben in: Reise durch die östlichen Bundesstaaten in die Lombardey. Eine fünfte kürzere und letzte Reise führte ihn 1841 zu Nerly nach Venedig und wieder nach Mailand. Nach Kopenhagen zurückgekehrt, erbat er sich von dem dänischen König Christian VIII vergeblich das Amt eines Intendanten der Kunstsammlungen, lehnte die angebotene Position als Direktor der Kupferstichsammlung ab und ließ sich in Lübeck nieder, um sich seiner umfangreichen Kunstsammlung zu widmen. 1842 kaufte er das Haus Kapitelstraße 8.Wilhelm Brehmer: Lübeckische Häusernamen nebst Beiträgen zur Geschichte einzelner Häuser. H. G. Rathgens, Lübeck 1890, S. 73.

Rumohr starb 1843 in Dresden. Der Arzt, Naturphilosoph und Maler Carl Gustav Carus hat ihm die Totenmaske abnehmen lassen und unternahm eine Obduktion.Eine Photographie der Totenmaske ist abgebildet in: Welt online vom 15. November 2010 (welt.de) abgerufen am 1. März 2011.Carus veröffentlichte den Obduktionsbericht in: H. W. Schulz, Leipzig 1844.

Sein Grab befindet sich auf dem dortigen Inneren Neustädter Friedhof. Christian VIII stiftete das von Gottfried Semper entworfene Grabdenkmal; 2010 wurde es restauriert.siehe im Internet-Archiv archivierte Seite der damals noch existierenden

Rumohrs Kunstsammlung wurde am 19. und 20. Oktober 1846 in Dresden versteigert. Dazu erschien ein von Johann Gottfried Abraham Frenzel besorgter Katalog.Die Kunstsammlung des Freiherrn C. F. L. F. von Rumohr. Lübeck: Rahtgens 1846 (Digitalisat, Danmarks Kunstbibliothek)

Rumohr im Urteil seiner Zeitgenossen

Johann Georg Rist (1775–1847), Diplomat und langjähriger Freund Rumohrs:Doch scheint es, dass es nach 1838 zum Bruch kam: dazu Kegel (1993), S. 72, Anm. 192.

Just Mathias Thiele (1795–1874), dänischer Kunsthistoriker und Schriftsteller:

Schriften

Über die antike Gruppe Castor und Pollux oder von dem Begriffe der Idealität in Kunstwerken. Perthes, Hamburg, 1812 (uni-heidelberg.de). Altertümer des transalbingischen Sachsen. 1813. Denkwürdigkeiten der Kunstausstellung des Jahres 1814. Fleischmann 1815. Sammlung für Kunst und Historie. Perthes & Besser, Hamburg (slub-dresden.de). Erster Band Erstes Heft. 1816: Über das Verhältnis der seit lange gewöhnlichen Vorstellungen von einer prachtvollen Wineta zu unsrer positiven Kenntniß der Kultur und Kunst der deutschen Ostseeslaven. Zweytes Heft. 1825 Italienische Novellen von historischem Interesse. übersetzt und erläutert. Italienische Forschungen. Nicolai’sche Buchhandlung, Berlin und Stettin Teil 1–3. Erster Theil. 1827 Beigabe zum Ersten Bande. 1827 Zweyter Theil. 1827 Dritter Theil. 1831 Ueber den gemeinschaftlichen Ursprung der Bauschulen des Mittelalters. Nicolai’sche Buchhandlung, Berlin und Stettin 1831 (slub-dresden.de). Drey Reisen nach Italien. Erinnerungen. F. A. Brockhaus, Leipzig 1832 (slub-dresden.de). Geist der Kochkunst. 2., verm. u. verb. Aufl., Stuttgart und Tübingen 1832 (slub-dresden.de). Schule der Höflichkeit für Alt und Jung. Cotta, Stuttgart 1834; . Kynalopekomachia: Der Hunde Fuchsenstreit. Mit sechs Bildern von Otto Speckter. V. Rohdensche Buchhandlung, Lübeck 1835 (). Hans Holbein, der jüngere, in seinem Verhältnisse zum deutschen Formschnittwesen. Anstalt für Kunst und Literatur, Leipzig 1836; . Zur Geschichte und Theorie der Formschneidekunst. Anstalt für Kunst und Literatur (R. Weigel), Leipzig 1837 (slub-dresden.de). Reise durch die östlichen Bundesstaaten in die Lombardey und zurück über die Schweiz und den oberen Rhein in besonderer Beziehung auf Völkerkunde, Landbau und Staatswirthscharft. Rohden’sche Buchhandlung, Lübeck 1838 (slub-dresden.de).