mini|Minebreaker-Panzerfahrzeug – ISAF – Militärhistorisches Museum Dresden mini|hochkant|Minensuchender Soldat der Fremdenlegion in Dschibuti, 2005 Als Minenräumung (seltener Entminung) wird der Vorgang bezeichnet, Land- oder Seeminen von einem Gebiet zu entfernen. Grundsätzlich werden zwei Methoden unterschieden. Zum einen die Entfernung in Friedenszeiten (ziviles Minenräumen), zum anderen die Minensäuberung im Rahmen eines militärischen Einsatzes.
Problematik Die Verlegung von Minen ist relativ einfach und kostengünstig, ihre Räumung dagegen umso schwieriger und kostenintensiver. Im Landkrieg hinterlassen heute besonders asymmetrische Konflikte wie Bürgerkriege gefährliche Minenfelder, weil diese bei der Verlegung selten kartografiert werden, großflächig ungezielt eingesetzt werden und der Einsatz besonders oft in Arealen zivilen Lebens erfolgt.
Bei der Verlegung von Minen ist es üblich, verschiedene Minenarten zu mischen, damit z. B. Minenräumpanzer nicht gefahrlos in ein Feld von Anti-Personenminen fahren können und im Gegenzug menschliche Minenräumer nicht ungefährdet Panzerminen entschärfen können. Panzerminen mit Druckzünder werden durch das Gewicht eines Menschen normalerweise nicht ausgelöst, aber durch Sicherungsminen, Aufnahmesicherungen und Sprengfallen wird ihre Räumung dennoch erschwert.
Militärisches Minenräumen
mini|Pioniere der Wehrmacht bei der Ausbildung mit Minen (Bebelsheim 1939) thumbtime=248|mini|Minenräumen nach dem Zweiten Weltkrieg, Mai 1945. (Nachgespielte Szene aus dem Jahr 2014) In der Kampfzone wird Minenräumung betrieben, um Minenfelder schnell zu durchbrechen, damit ein sicherer Pfad für die Truppen oder die Schiffe vorhanden ist. Geschwindigkeit ist in diesem Fall aus zwei Gründen von großer Bedeutung. Zum einen, aus taktischen Gründen, zum anderen besteht die Gefahr des feindlichen Beschusses beim Durchbrechen des Minenfeldes. Aufgrund des hohen Stellenwertes der Geschwindigkeit, wird es in Kauf genommen, dass die Räumung nicht ganz vollständig ist und eventuell noch einige unentdeckte Minen vorhanden sind. Damit wird auch das Risiko des Menschen- und Materialverlustes in Kauf genommen. Die Methoden der militärischen Minenräumung sind primär auf Effektivität ausgerichtet, Schäden im betroffenen Gebiet, z. B. durch Bodenabtragung sind zum Teil erheblich. Der Minenräumpanzer Keiler fräst z. B. eine Gasse mit 4,70 m Breite und 25 cm Tiefe durch das Gelände. Abseits dieser Gasse können sich weiterhin nicht ausgelöste Minen befinden, die weiterhin eine Gefahr darstellen.
Ziviles Minenräumen Die Minenräumung für die Zivilbevölkerung hat ein gänzlich anderes primäres Ziel als die militärische Minenräumung. In Zeiten des Friedens werden Minen in einem gründlichen und zeitaufwendigen Prozess entfernt, damit das Gebiet wieder normal benutzt werden kann. Es ist von großer Bedeutung, dass die Räumung in diesem Fall sehr gründlich ist. Selbst wenn nur wenige Minen unentdeckt bleiben, ist dies sehr gefährlich. Bewegen sich Menschen frei in einem Gebiet, da sie davon ausgehen, dass es minenfrei ist, können sie durch Detonationen verletzt oder gar getötet werden.
Der für zivile Minenräumung aus dem englischen fälschlich eingebürgerten Begriff „humanitäre Minenräumung“ wird zumeist eingeengt als manuelle Minenräumung „durch Menschen“ („by human“) missverstanden. Tatsächlich wird bei der zivilen Minenräumung weiterhin hauptsächlich das manuelle Räumen verwendet.
Speziell zur Verdachtsflächen-Reduzierung () werden aber auch mechanische Räumgeräte eingesetzt. Diese mechanischen Systeme eignen sich nur bedingt zum zivilen Minenräumen. Im motormechanischen Räumprozess werden oft nicht alle Minen unschädlich gemacht, sondern manche beschädigt in einem unsicheren Zustand hinterlassen. Der Einsatz in Wäldern, schwerem Gelände und bebautem Gebiet ist nicht möglich. Die meisten Systeme graben die oberste Erdschicht um. Dieses zerstört jegliche Infrastruktur (z. B. Straßen), wie auch vorhandene Vegetation.
Es wird geschätzt, dass eine Jahresleistung von einer Milliarde US-Dollar genug wäre, um die gesamte Welt zu entminen.Stand: Februar 2007. Im Jahre 2000 wurden allerdings nur etwa 400 Millionen für diesen Zweck gestiftet. Es braucht ein bis zwei Millionen US$ um einen Quadratkilometer von Minen zu säubern. Oftmals ist die Minenräumung eine notwendige Bedingung, damit andere humanitäre Programme begonnen werden können. Es wurden mehrere internationale Anstrengungen unternommen, um existierende und neue Technologien für die Minenräumung zu testen und zu bewerten, besonders in der EU, den Vereinigten Staaten, Kanada und Japan.. In: itep.ws (englisch). In: serac.jrc.it (englisch).
Offiziell galt vor dem 1. Oktober 2001 aufgrund der „International Standards for Humanitarian Mine Clearance Operations“ 1997 Standard, eine Räumquote für die Handentminer von 99,6 % bis zu einer Tiefe von 200 mm als ausreichend. In: mineactionstandards.org/ (englisch). Da im Regelfall aber die Anzahl der gesamt verlegten Minen unbekannt ist, ist eine wirksame Kontrolle dieser Räumquote selten möglich. Seitdem beschreiben die „International Mine Action Standards“ (IMAS) Edition 2 das Ziel, alle Minen zu räumen oder unschädlich zu machen. In: mineactionstandards.org (englisch).
Die einzige Methode, um die International Mine Action Standards. einzuhalten, ist meist nur die manuelle Aufspürung und Entfernung von Minen. Dies ist allerdings relativ langsam, teuer und gefährlich. Neue Technologien werden eventuell sicherere Alternativen schaffen.
Minenortung Manuell mini|Foerster Minex 2FD 4.500: Metalldetektor, welcher von der französischen Armee genutzt wird. Die am meisten angewandte Methode ist die manuelle Suche mit Metalldetektoren samt Minensuchnadel. In einem ersten Schritt wird ein Gebiet mit einem Metalldetektor abgesucht,Dieter Guelle, Andy Smith, Adam Lewis, Thomas Bloodworth: In: serac.jrc.it, ISBN 92-894-6236-1 (englisch). der sensibel genug ist, um eine möglichst große Anzahl Minen aufzuspüren. Dabei wird in Kauf genommen, dass auf eine Mine etwa tausend Fehlanzeigen kommen. Stellen, an denen Metall angezeigt wird, werden vorsichtig untersucht, um festzustellen, ob eine Mine vorhanden ist. Die Minensuche darf erst weitergehen, wenn der metallische Gegenstand, der die Detektormeldung ausgelöst hat, gefunden worden ist. Plastikminen, in denen kein Metall enthalten ist, können mit dieser Methode jedoch nicht aufgespürt werden.
Tiere Zunehmend kommen auch Tiere zum Einsatz. Es gibt Minenspürhunde (speziell trainierte Sprengstoffspürhunde), die in Landminen enthalte Sprengstoffe wie TNT aufspüren können. Minenspürhunde werden in einigen Ländern eingesetzt. Von der belgischen NGO Apopo werden auch speziell auf den Geruch von Sprengstoff dressierte Riesenhamsterratten eingesetzt.
Die US Navy benutzt unter anderem Seelöwen und Delfine, um Seeminen aufzuspüren.. In: spawar.navy.mil (englisch).
Minenräumung Es gibt verschiedene Räummethoden, die sich in der Verfügbarkeit, der Geschwindigkeit und der Genauigkeit der Räumung unterscheiden. In der Regel kommt nicht nur eine Methode zum Einsatz, sondern eine Kombination. Beim Überwinden der Minenfelder im Zweiten Golfkrieg wurde oft zuerst eine pyrotechnische Räumung mittels Sprengschnur, dann eine mechanische Räumung mittels Pflug und dann zur Bestätigung mit einem Walzensystem durchgeführt. Abschließend suchten Pioniere die Gasse manuell und steckten sie für die Fahrer der nachfolgenden Fahrzeuge erkennbar ab.
Manuell Nachdem eine Mine geortet worden ist, wird diese per Hand entschärft oder vor Ort gesprengt. Zur Entschärfung wird das Erdreich vorsichtig abgetragen und so die Mine freigelegt. Die Entschärfung erfolgt dann in der Regel per Hand, indem der Entschärfer den Zünder unschädlich macht. Dabei kann eine maschinelle Vorbereitung des Geländes für die Handentminer erfolgen, mit der Strauchwerk, Büsche und Gräser oberhalb des Bodens durch „Vegetation Cutter“ abgemäht werden. Bei nicht handhabungssicheren Minen oder Minen mit Aufhebeschutz werden diese durch Sprengung am Fundort mit einer Schlagladung zerstört.
Mechanische Räumung mini|Fahrzeug der US-Army mit Pflug-System mini|Minenräumpanzer Keiler im Räumeinsatz während des SFOR-Einsatzes in Bosnien-Herzegowina mini|Fahrzeug der US-Army mit Walzensystem
Der tatsächliche Gegensatz zur manuellen Minenräumung ist die „voll-mechanische Minenräumung“, bei der der Mensch nicht mehr unmittelbar am Ort der höchsten Gefahr arbeiten muss, sondern die gefährliche Arbeit von Maschinen ausführen lässt.
Speziell entwickelte Maschinen kombinieren effektiv die Minenerkennung sowie die Minenentfernung in einem Vorgang. In der Vergangenheit wurden die Maschinen sowohl für den humanitären Einsatz als auch für die militärische Säuberung genutzt. Diese Maschinen können benutzt werden, um Land zu durchkämmen, in welchem Minen vermutet werden, oder als eine zusätzliche Sicherheitsmaßnahme, nachdem das Gebiet bereits nach einer anderen Methode, beispielsweise mittels Hunden, gesäubert wurde.
Diese Maschinen sind speziell aufgebaut: Der Fahrer befindet sich hinter einem massiven Schutzschild oder die Maschine wird ferngesteuert. Mit dieser Maschine wird dann das Minenfeld durchkämmt. Die Maschine selbst ist so robust gebaut, dass diese eventuelle Detonationen ohne größere Schäden übersteht.
Man unterscheidet folgende Räumungsmethoden: Pflug-System Eine Methode ist es, Minenpflüge an der Vorderseite herkömmlicher Panzer oder anderer Fahrzeuge zu montieren, wie z. B. beim auf dem US-amerikanischen M1 Abrams basierenden Assault Breacher Vehicle (ABV). Diese Fahrzeuge arbeiten aber nicht perfekt, denn einige Minen detonieren nicht und werden in der Mechanik nicht oder nur leicht beschädigt, weshalb eine manuelle Nachräumung vor der Freigabe eines Geländes weiterhin nötig ist.Thomas Houlahan: Mine Field Breaching in Desert Storm. In: Journal of Mine Action, Vol. 5, Iss. 3, Article 9. 2001, jmu.edu (englisch). Flegel-System An einem drehbaren Zylinder sind Kettenstücke befestigt. Der Zylinder dreht sich schnell. Die Ketten peitschen gegen den Boden und bringen die Minen zur Explosion. Es besteht dabei die Gefahr der Teilbeschädigung und des Eindrückens von Minen in größere Tiefe. Bei der zivilen Minenräumung kann eine Flegelfräse immer nur die Räumung von Hand vorbereiten. Es gibt Landminen, die mit einer Flegel-Fräse nicht ausgelöst werden können. Beispiele für Flegelfräsen: Keiler, Digger D2. Walzensystem Vor dem Fahrzeug werden schwere Minenwalzen befestigt, die in der Fahrspur liegende Minen auslösen sollen. Bodenfräse Hierbei wird der Erdboden bis zu einer gewissen Tiefe (20 cm – 1 m) umgegraben und zerkleinert. Minen werden dabei regelmäßig gezündet, Blindgänger und Hindernisse (Büsche, Wurzeln, Steine) zerkleinert. Im Gegensatz zum Pflug wird der Boden nicht nur an mehreren Punkten durchpflügt, sondern im ganzen Volumen verarbeitet. Magnetsystem Es wird oft in Verbindung mit Minenwalzen oder Minenpflügen eingesetzt. Durch vor dem Fahrzeug angebrachte Elektromagnete wird ein Feld erzeugt, das Magnetzünder vorzeitig auslösen soll.
Auch eine Entschärfung per ferngesteuertem Roboter ist denkbar, in armen Ländern aber nicht realistisch. Es gibt Pläne zum Einsatz von vielen kleinen, billigen, autonom agierenden Robotern, welche die Minen zur Detonation bringen sollen. Dieses Projekt ist aber noch nicht in die Praxis umgesetzt worden und würde auch weiterhin eine manuelle Nachräumung verlangen.
Massoud Hassani hat 2012 Mine Kafon designt, eine Laufkugel gebildet aus Bambusstacheln mit gefederten Tellern als Füßen. Das Gebilde mit 2 m Durchmesser rollt in der Ebene alleine vom Wind angetrieben, während ein GPS-Datenlogger im Kern die überstrichene Spur registriert und über GPRS nach außen kommuniziert.The Mine Kafon: Massoud Hassani at TEDxUtrecht. YouTube-Video vom 5. Dezember 2012.
Pyrotechnische Räummethoden mini|M1 Assault Breacher Vehicle