Marie-Michèle Gagnon (* 25. April 1989 in Lévis, Québec) ist eine ehemalige kanadische Skirennläuferin. Ihre stärksten Disziplinen waren Riesenslalom und Slalom sowie die Kombination. Im Verlaufe ihrer Karriere gewann sie zwei Weltcuprennen.
Biografie Gagnon fuhr ihre ersten FIS-Rennen im Dezember 2004 und feierte bereits einen Monat später ihren ersten Sieg auf dieser Stufe. Bei ihrer ersten Teilnahme an nationalen Juniorenmeisterschaften holte sie sich im März 2005 den Titel im Super-G. Im Nor-Am Cup ging sie ab November 2005 an den Start und fuhr am 8. Dezember 2005 erstmals in die Punkteränge. Die ersten Siege im Nor-Am Cup errang Gagnon am 5. Februar 2007, als sie in Apex am selben Tag sowohl den Super-G als auch die Super-Kombination zu ihren Gunsten entschied. Am Ende der Saison 2006/07 reichte dies für den ersten Platz in der Kombinationswertung, den zweiten Platz in der Super-G-Wertung und den fünften Platz in der Gesamtwertung. Aufgrund eines dreifachen Beinbruchs konnte sie in der Saison 2007/08 keine Rennen bestreiten.
Am 13. Dezember 2008 hatte Gagnon beim Riesenslalom von La Molina ihre Premiere im Weltcup. Nachdem sie sich in den drei folgenden Rennen nicht für den zweiten Durchgang qualifizieren konnte, überraschte sie am 25. Januar 2009 in Cortina d’Ampezzo mit dem neunten Platz im Riesenslalom und holte damit ihre ersten Weltcuppunkte. Im Nor-Am Cup 2008/09 feierte sie vier Siege und sicherte sich damit den Gesamtsieg sowie den Sieg in der Riesenslalomwertung. Zum Ende des Winters gewann sie den ersten von insgesamt 15 kanadischen Meistertiteln. Ein 14. Platz war im Weltcup 2009/10 ihr bestes Ergebnis. Im Nor-Am Cup 2009/10 erreichte Gagnon mit zwei Siegen den dritten Platz in der Riesenslalomwertung. Bei den Olympischen Winterspielen 2010 war Platz 21 ihr bestes Ergebnis. Vom Winter 2010/11 an konzentrierte sich Gagnon nun überwiegend auf den Weltcup. Das beste Ergebnis dieser Saison war Platz 5 im Riesenslalom von St. Moritz. Bei den Weltmeisterschaften 2011 in Garmisch-Partenkirchen wurde sie 22. im Super-G und 23. im Riesenslalom.
Auch in der Saison 2011/12 hielt sich Gagnon nahe der Weltspitze und erzielte mehrere Top-10-Platzierungen. Nachdem sie am 4. März 2012 als Fünfte des Slaloms von Ofterschwang ihr Karrierebestergebnis egalisiert hatte, fuhr sie sechs Tage später im Slalom von Åre auf den dritten Platz, gleichbedeutend mit ihrer ersten Podestplatzierung. Ihren ersten Weltcupsieg feierte Gagnon in der Weltcupsaison 2013/14 in der Super-Kombination in Zauchensee am 12. Januar 2014, vor Michaela Kirchgasser und Maria Riesch. Dies war der erste kanadische Weltcup-Podestplatz in dieser Disziplin überhaupt. Da die zweite Super-Kombination in Crans-Montana abgesagt werden musste, stand Gagnon nach nur einem Bewerb als Disziplinensiegerin fest. Im darauf folgenden Winter 2014/15 konnte sie dieses Niveau nicht ganz halten, klassierte sich aber fünfmal unter den ersten zehn. Die Weltcupsaison 2015/16 brachte wieder eine Leistungssteigerung: Gagnon wurde Dritte des Slaloms von Crans-Montana und gewann am 28. Februar 2016 in Soldeu erneut eine Super-Kombination, vor Wendy Holdener und Anne-Sophie Barthet. Ihr bestes Ergebnis in der Saison 2016/17 war Platz 4 in der Super-Kombination von Crans-Montana.
Anfang Dezember 2017 stürzte Gagnon beim Abfahrtstraining in Lake Louise schwer und zog sich im rechten Knie einen Kreuzbandriss zu, womit sie für die restliche Saison ausfiel. Bei ihrem Comeback zu Beginn der Saison 2018/19 verzichtete sie fortan auf Slaloms und wandte sich vermehrt den schnellen Disziplinen zu. Das Saisonbestergbnis gelang ihr denn auch in einem Super-G, als sie in St. Moritz auf Platz 6 fuhr. In der Saison 2019/20 war ein 13. Platz in der Abfahrt von Bansko das beste Ergebnis. Von der Saison 2020/21 an verzichtete Gagnon auch auf Riesenslaloms und Kombinationen, wodurch sie sich zur reinen Speed-Spezialistin wandelte. Dieser Schritt bescherte ihr unter anderem einen dritten Platz im Super-G von Garmisch-Partenkirchen. In der Saison 2021/22 fuhr sie fünfmal unter die besten zehn, bei den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking resultierten Platz 8 in der Abfahrt und Platz 14 im Super-G. Nach einer mäßig verlaufenen Saison 2022/23 mit nur einem Top-10-Ergebnis und dem Verzicht auf die WM-Abfahrt in Cortina d’Ampezzo erklärte Gagnon am 15. Februar 2023 ihren Rücktritt vom Spitzensport.
Privates Gagnon ist seit 2008 mit dem US-amerikanischen Skirennläufer Travis Ganong liiert. Kennengelernt hatten sie sich am Mont Sainte-Anne über ihren gemeinsamen Bekannten Louis-Pierre Hélie. Im September 2021 verkündeten Gagnon und Ganong in Zermatt ihre Verlobung. Am 22. März 2023 gaben sie nach dem gemeinsamen Karriereende ihre Hochzeit bekannt.
Erfolge
Olympische Spiele Vancouver 2010: 21. Riesenslalom, 31. Slalom Sotschi 2014: 9. Slalom Peking 2022: 8. Abfahrt, 14. Super-G
Weltmeisterschaften Garmisch-Partenkirchen 2011: 22. Super-G, 23. Riesenslalom Schladming 2013: 8. Riesenslalom, 13. Slalom Vail/Beaver Creek 2015: 10. Slalom, 23. Riesenslalom St. Moritz 2017: 6. Alpine Kombination, 19. Super-G, 20. Riesenslalom, 20. Slalom Åre 2019: 14. Alpine Kombination, 21. Super-G, 23. Riesenslalom, 32. Abfahrt Cortina d’Ampezzo 2021: 6. Super-G, 13. Abfahrt Méribel 2023: 10. Alpine Kombination, 26. Super-G
Weltcupsiege 5 Podestplätze, davon 2 Siege: Datum Ort Land Disziplin 12. Januar 2014 Zauchensee Österreich Super-Kombination 28. Februar 2016 Soldeu Andorra Super-Kombination
Weltcupwertungen Saison Gesamt Abfahrt Super-G Riesenslalom Slalom Kombination Platz Punkte Platz Punkte Platz Punkte Platz Punkte Platz Punkte Platz Punkte 2008/09 73. 63 – – – – 35. 31 33. 32 – – 2009/10 103. 21 – – – – – – 43. 21 – – 2010/11 29. 225 – – 49. 5 16. 87 22. 85 15. 48 2011/12 21. 373 – – 44. 5 26. 75 10. 248 12. 45 2012/13 21. 349 – – 32. 25 23. 104 17. 143 4. 77 2013/14 13. 521 51. 2 19. 66 19. 121 6. 232 1. 100 2014/15 28. 279 – – 31. 29 34. 19 11. 186 5. 45 2015/16 16. 598 – – 44. 8 14. 174 11. 271 4. 145 2016/17 14. 452 – – 30. 44 15. 156 15. 152 7. 100 2017/18 86. 40 – – – – 37. 14 38. 26 – – 2018/19 46. 167 – – 23. 77 24. 70 – – 13. 20 2019/20 63. 95 30. 49 37. 27 49. 3 – – 27. 16 2020/21 24. 253 16. 128 11. 125 – – – – – – 2021/22 36. 248 18. 177 26. 71 – – – – – – 2022/23 66. 77 37. 20 29. 57 – – – – – –
Nor-Am Cup Saison 2006/07: 5. Gesamtwertung, 1. Kombinationswertung, 2. Super-G-Wertung Saison 2008/09: 1. Gesamtwertung, 1. Riesenslalomwertung, 6. Slalomwertung Saison 2009/10: 5. Gesamtwertung, 3. Riesenslalomwertung, 10. Slalomwertung Saison 2013/14: 7. Slalomwertung Saison 2015/16: 6. Riesenslalomwertung, 7. Slalomwertung 25 Podestplätze, davon 16 Siege Datum Ort Land Disziplin 5. Februar 2007 Apex Kanada Super-Kombination 5. Februar 2007 Apex Kanada Super-G 3. Januar 2009 Craigleith Kanada Slalom 4. Januar 2009 Craigleith Kanada Slalom 5. Januar 2009 Georgian Peaks Kanada Riesenslalom 1. Februar 2009 Nakiska Kanada Riesenslalom 17. März 2010 Waterville Valley USA Riesenslalom 18. März 2010 Waterville Valley USA Slalom 23. März 2012 Mont Sainte-Anne Kanada Slalom 3. Dezember 2013 Lowland Valley USA Riesenslalom 4. Dezember 2013 Lowland Valley USA Slalom 5. Dezember 2013 Lowland Valley USA Slalom 24. November 2015 Jackson Hole USA Slalom 2. Dezember 2015 Copper Mountain USA Riesenslalom 13. Dezember 2015 Copper Mountain USA Riesenslalom 20. November 2017 Copper Mountain USA Riesenslalom
Juniorenweltmeisterschaften Québec 2006: 45. Riesenslalom Zauchensee 2007: 15. Super-G, 45. Riesenslalom Garmisch-Partenkirchen 2009: 9. Riesenslalom, 24. Super-G
Meistertitel Gagnon ist 15-fache kanadische Meisterin: Super-G (2): 2013, 2016 Riesenslalom (4): 2011, 2013, 2016, 2019 Slalom (6): 2010, 2011, 2012, 2013, 2014, 2016 Kombination (3): 2009, 2010, 2011
Weitere Erfolge Kanadische Juniorenmeisterin im Super-G 2005 2 Podestplätze im Europacup 4 Podestplätze im Australia New Zealand Cup, davon 2 Siege 1 Sieg im South American Cup 18 Siege in FIS-Rennen
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Einzelnachweise
Kategorie:Alpiner Skirennläufer (Kanada) Kategorie:Kanadischer Meister (Ski Alpin) Kategorie:Olympiateilnehmer (Kanada) Kategorie:Teilnehmer der Olympischen Winterspiele 2010 Kategorie:Teilnehmer der Olympischen Winterspiele 2014 Kategorie:Teilnehmer der Olympischen Winterspiele 2022 Kategorie:Teilnehmer einer Alpinen Skiweltmeisterschaft Kategorie:Kanadier Kategorie:Geboren 1989 Kategorie:Frau