mini|Franz Schmidberger, Lourdes, 2008 Franz Schmidberger FSSPX (* 19. Oktober 1946 in Riedlingen, Württemberg-Hohenzollern) ist Priester in der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X. Er war von 1982 bis 1994 ihr zweiter Generaloberer.
Leben Frühes Leben bis zur Priesterweihe Schmidberger wuchs als jüngstes Kind neben zwei älteren Schwestern (ein älterer Bruder war schon im Kleinkindalter verstorben) in einer Bauernfamilie auf. Er besuchte in Göffingen die Volksschule, in der acht Klassen in einem Raum von einem Lehrer unterrichtet wurden.Schmidberger: Erinnerungen. Vom Bauernbub zum Generaloberen, S. 8 f. Aufgrund von Wachstumsstörungen, unter denen er als Kind litt, entstanden Zweifel an dem ursprünglichen Plan, dass er als einziger männlicher Nachkomme den elterlichen Hof übernehmen sollte und die Eltern betrieben seinen Wechsel an das Gymnasium in Riedlingen,Schmidberger: Erinnerungen. Vom Bauernbub zum Generaloberen, S. 12 wo er im Oktober 1966 die Abiturprüfung bestand.Schmidberger:Erinnerungen. Vom Bauenbub zum Generaloberen, S. 14
Nach dem Abitur entschloss sich Schmidberger zu einem Studium der Wirtschaftsmathematik an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Schmidberger immatrikulierte sich zum Wintersemester 1966/67. Während seiner Studienzeit schloss er sich einer Gruppe um den Philosophieprofessor Reinhard Lauth an, was er in seinen Erinnerungen als eine entscheidende Lebenswende beschrieb.Schmidberger: Erinnerungen. Vom Bauernbub zum Generaloberen, S. 15
1972 schloss Schmidberger sein Studium mit dem Diplom ab und trat nach kurzer Tätigkeit als Lehrer im Landschulheim in Schondorf am AmmerseeSchmidberger: Erinnerungen. Vom Bauernbub zum Generaloberen, S. 26 noch im selben Jahr im schweizerischen Ecône in das Priesterseminar der von Erzbischof Marcel Lefebvre gegründeten Priesterbruderschaft St. Pius X. ein. Am 3. Februar 1974 empfing Schmidberger die Tonsur, am 30. März 1974 und am 2. Juni 1974 die niederen Weihen. Am 8. Dezember 1975 spendete ihm Erzbischof Lefebvre in Econe das Sakrament der Priesterweihe. Die Primizfeier sollte am 13. Dezember 1975 in der Wallfahrtsbasilika Birnau am Bodensee stattfinden, jedoch verbot der damalige Erzbischof von Freiburg i. Br., Hermann Schäufele, die Feier in der Kirche, weswegen Schmidberger auf den Campingplatz in Birnau-Maurach ausweichen musste.Schmidberger: Erinnerungen. Vom Bauernbub zum Generaloberen, S. 43
Tätigkeiten für die Priesterbruderschaft Am 6. Januar 1977 gründete Schmidberger in seiner Eigenschaft als Distriktsoberer für Deutschland die Katholische Jugendbewegung (KJB), bis heute die Jugendorganisation der Priesterbruderschaft St. Pius X.Die Gründung der Katholischen Jugendbewegung
1978 gründete Schmidberger im Auftrag Lefebvres das Internationale Priesterseminar Herz Jesu im Schloss Zaitzkofen und wurde 1979 zum deutschen Distriktoberen der FSSPX ernannt.
Generaloberer Als Generalvikar Erzbischof Lefebvres folgte er diesem von 1982 bis 1994 als zweiter Generaloberer der Piusbruderschaft. In seine Amtszeit als Generaloberer fielen die ohne Genehmigung von Papst Johannes Paul II. durchgeführte Weihe von vier Bischöfen der Bruderschaft und der Tod von Erzbischof Levebvre.
Im Vorfeld des Generalkapitels war über die Möglichkeit der Wiederwahl des Generaloberen diskutiert, diese aber später bestätigt worden. Im Generalkapitel selbst wurde Schmidberger allerdings nicht wiedergewählt. In seinen Erinnerungen äußert er sich nur diskret über die Hintergründe:
Spätere Aufgaben in der Piusbruderschaft Nach dem Generalkapitel 1994 war er erster Assistent des ihm als Generaloberer nachfolgenden Bischof Bernard Fellay. Im Sommer 1996 übernahm er die Leitung des österreichischen Distrikts der Bruderschaft in Jaidhof; ab 2003 war er Regens am Priesterseminar in Zaitzkofen. Seit 2006 war er erneut deutscher Distriktoberer mit Sitz in Stuttgart, um dann ab dem 15. August 2013 bis zum Sommer 2020 wieder als Regens dem Priesterseminar in Zaitzkofen vorzustehenQuellen: , 22. Juni 2020..
Im Sommer 2020 trat Schmidberger in den Ruhestand. 2021 veröffentlichte er seine Memoiren.
Auffassungen Stellung zum Zweiten Vatikanischen Konzil Schmidberger lehnt, wie die Piusbruderschaft überhaupt, die grundsätzliche Ausrichtung des Zweiten Vatikanischen Konzils ab.Es sei „durch das II. Vatikanische Konzil und die daraus folgenden Reformen die Kirche der Erniedrigung und die Seelen dem Verderben ausgeliefert und dem Dreifaltigen Gott die schuldige Ehre geraubt“ worden - so Schmidberger in einem Begleitschreiben an die deutschen Bischöfe vom Oktober 2008 Hans Urs von Balthasar habe „katholische Einrichtungen“ und „das katholische Dogma“ geschleift. Die „moderne Exegese“ habe, „inspiriert von dem protestantischen Rationalisten Bultmann, den Glauben in der Kirche“ abgebaut, Rahner habe „sein Zerstörungswerk“ „mit der Verkündigung des »anonymen Christen«“ „in Gang“ gesetzt. Johannes XXIII. habe eine „Angleichung an die geänderten Zeitverhältnisse“ propagiert, anstatt „zur Heiligkeit aufzubrechen“.Schmidberger: Die Zeitbomben des Zweiten Vatikanischen Konzils, Vortrag in Mainz am 9. April 1989, ; später etwa: der Geist des Konzils sei der „verderbliche Geist der Entthronung Unseres Herrn“; „Die katholische Kirche ist heute nicht mehr ein 800 Millionen umfassendes Heer, die wohlgeordnete Schlachtreihe Gottes, sondern ein müder Haufen von Erlahmten, Eingeschlafenen, Fahnenflüchtigen, denen die Sache des Meisters vollkommen gleichgültig ist oder die gar mit dem Feind gemeinsame Sache machen.“ Zudem habe, entgegen der Ausrichtung des Konzils, die Kirche „an erster Stelle“ nicht den Einsatz für eine „humanere ... Welt“, sondern eine „übernatürliche“ Aufgabe.Zeitbomben Das Konzil und die daraus hervorgegangenen Reformen habe zu jener „Notsituation“ geführt, welche die unrechtmäßige Bischofsweihe durch Lefebvre rechtfertige.Im erwähnten Begleitschreiben spricht Schmidberger von einer „Notsituation, hervorgerufen durch den im II. Vatikanum triumphierenden Liberalismus und die neue Theologie“
Wenngleich Schmidberger für eine „Abweisung des zerstörerischen Konzilsgeistes“ eintritt, hält er es für möglich und notwendig, „die Texte selbst an[zu]nehmen, indem man ihnen eine katholische Interpretation gibt“, sie „im Lichte der Tradition interpretier[t]“.So in einem Begleitschreiben an die deutschen Bischöfe vom Oktober 2008, bei dem es sich um eine leicht ergänzte Fassung des „Zeitbomben“-Vortragstextes von 1989 handelt Allerdings lehnen Schmidberger und die Piusbruderschaft zahlreiche zentrale Lehren des Konzils explizit ab – in seinen eigenen Worten „insbesondere den Ökumenismus, die Religionsfreiheit und die Kollegialität“Begleitschreiben. Dem folgt die im Kontext eindeutig rhetorische Frage: „Oder sollen wir in einem rein praktischen Abkommen, wie Kardinal Castrillòn Hoyos es dringend wünscht, die beanstandeten Konzilstexte grundsätzlich anerkennen ...?“. Diese gingen „an den Rand der Häresie“, seien „Lügen“Zeitbomben - dort gegen die Lehre von AN, dass Menschen im Hinduismus das göttliche Geheimnis zum Ausdruck bringen; „Sie suchen in der Weise des aszetischen Lebens oder durch tiefe Betrachtung oder auch, indem sie mit Liebe und Vertrauen Zuflucht zu Gott nehmen, Befreiung von der Enge und Beschränktheit unserer Situation.“, „verderblich“, ein „Generalangriff auf das Christentum“, „Gotteslästerung“Zeitbomben oder Teufelswerk.Zeitbomben: „Hier ist wieder einmal der Diabolus, der Durcheinanderwerfer und Verwirrer, am Werk“ - dort gerichtet gegen die Konzilsaussage, dass einzelne Kirchenglieder nicht mit voller Glut aus der göttlichen Wahrheit leben; Schmidberger: hier werde „die objektive göttliche Schöpfungs- und Erlösungsordnung mit der subjektiven Verwirklichung im Einzelmenschen, mit der Anwendung in der konkreten Person vermischt“. Die Lehre von der „Hierarchie der Wahrheit“ nennt er ein „teuflisches Hintertürchen“ und einen „Generalangriff auf das Christentum“. Unter die abgelehnten Konzilsaussagen fallen insbesondere:
Lehren des Ökumenismus-Dekrets Unitatis redintegratio
Dieses spricht „getrennten Kirchen“ (im Plural) „Bedeutung und Gewicht im Geheimnis des Heiles“ zu.UR 3 Des Weiteren zielt das Konzil auf eine „Zusammenarbeit in den Aufgaben des Gemeinwohls“ und eine Zusammenkunft „zum gemeinsamen Gebet“ dort, „wo es erlaubt ist“.UR 4 – Dagegen Schmidberger: Die Kirche könne „in keiner Weise mit anderen Religionsgemeinschaften verglichen oder als von christlichen Denominationen nur graduell, quantitativ verschieden dargestellt werden“. Das Konzil fordere ferner dazu auf, im Dialog mit dem Protestantismus „eine ganze Anzahl der inhaltsreichsten Dogmen“ zu „verschweigen“.Zeitbomben; UR 11 formuliert. „Die Art und Weise der Formulierung des katholischen Glaubens darf keinerlei Hindernis bilden für den Dialog mit den Brüdern.“ Die Konzilslehre einer Hierarchie der Wahrheit sei „eine Ungeheuerlichkeit“.Zeitbomben; „Zwar gibt es eine Ordnung der Dogmen insofern, als das eine aus dem anderen fließt, das eine also das ändere direkt zur Grundlage hat; aber nie und nimmer in dem Sinn, daß das eine weniger wichtig als das andere wäre; denn wer auch nur ein einziges Dogma bewußt in Abrede stellt, der stellt die das Dogma tragende Autorität Gottes und damit jedes Dogma, den gesamten Glauben, in Abrede.“
Lehren der Konstitution über die Kirche Lumen gentium
Dem Konzilstext zufolge subsistiert die einzige Kirche Christi in der katholischen Kirche.LG 8 Hier werde eine „wirklich häretisch(e)“ Annahme vorausgesetzt, nämlich, dass „die Kirche Gottes rein wesensmäßig, gedanklich getrennt werden kann von der katholischen Kirche, daß zwei verschiedene Einheiten bestehen (Kirche Christi und katholische Kirche), die in akzidentieller Weise, also zufällig zusammenfallen“.Zeitbomben So werde die Aussage jedenfalls auch von Josef Ratzinger verstanden.Zeitbomben, unter Berufung auf Johannes Rothkranz: Die Kardinalirrtümer des Hans Urs von Balthasar (Vorwort von Walter Hoeres, Verlag Anton A. Schmid 1988, ISBN 978-3-929170-01-6. Schmidberger: „Die Kirche Gottes könne sich auch in anderen Religionsgemeinschaften ausdrücken, Gestalt annehmen; und damit sind wir genau bei der Leugnung der Absolutheit der Kirche, der Absolutheit Jesu Christi, der Absolutheit Gottes, der Sünde gegen das erste Gebot.“ Tatsächlich ist gemäß einer Erklärung der Kongregation für die Glaubenslehre diese Passage anders zu verstehen.Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche vom 29. Juni 2007
Auch die Konzilslehre einer doppelten Autorität, jener des Papstes und jener der Bischöfe in Verbindung mit dem Papst, und zwar nicht nur in Konzilien, lehnt Schmidberger ab.Vgl. Zeitbomben
Lehren des Dekrets über die nichtchristlichen Religionen Nostra aetate
Das Konzil kommt dem Hinduismus, Buddhismus, Islam und Judentum verhältnismäßig weit entgegen. Dagegen meint Schmidberger, dass „diese nichtchristlichen Religionen den Menschen eher ... von der vollen übernatürlichen Wahrheit, dem gekreuzigten und auferstandenen Jesus, abhalten als zu ihr hinführen.“Zeitbomben; „sie sind nicht nur keine Heilswege, sie sind viel eher Systeme des Widerstands gegen den Heiligen Geist. Sie befreien den Menschen nicht, sondern sie halten ihn gefangen im Irrtum, im Dunkel des Unglaubens und nicht selten in Leidenschaft und Unmoral. Es ist beispielsweise tausendmal schwieriger - ja praktisch unmöglich - einen Mohammedaner zur Kirche zu bekehren als einen Heiden aus dem afrikanischen Busch.“
Konkret gebe es, so Schmidberger, im Hinduismus „kein Erbarmen und keine Barmherzigkeit“, sondern ein „völlige(s) Fehlen der Nächstenliebe“, was in der Reinkarnationslehre wurzele.Zeitbomben; „Und die geplagten, unerlösten, zum Teil haßerfüllten Gesichter drücken etwas ganz anderes aus als Vertrauen und Liebe.“