Die Truppen des Schwäbischen Reichskreises waren Bestandteil der Reichsarmee des Heiligen Römischen Reiches. Ab 1694 unterhielt der Schwäbische Reichskreis als einziger Reichskreis ein stehendes Heer.

Kreismiliz Siehe auch Kreismiliz des Schwäbischen Reichskreises.

Im Gegensatz zu der Entwicklung in anderen Reichskreisen oder Staaten behielt im Schwäbischen Reichskreis das Wort „Miliz“ seine Bedeutung als Synonym für die Streitkräfte als solche, gleichgültig ob sie sich aus geworbenen „Söldnern“ oder aus aufgebotenen, als tauglich ausgewählten („ausgeschossenen“) und bewaffneten Bauern und Bürgern – den „Ausschüssern“ – zusammensetzten.

Als Feldherr verteilte der Kreis die vom Reichstag festgelegten Mannschaftsstärken (Reichsmatrikel) auf die einzelnen Stände. Besonderen Wert legte der Kreis darauf, als Feldherr selbst über den Einsatz seiner Truppen bestimmen zu können; schon die „Instruktion für die Commissare“ 1595 wies diese an darauf zu achten, dass das „regiment anders nicht als zu dem Krieg gegen die Türken gebraucht werde, das regiment also nur dem Feldobersten in Ungarn gehorsam zu leisten habe“.Instruktion 1595

Bei der konkreten Aufstellung von Truppen sah sich der Kreis vor das Problem gestellt, den Gegensatz zwischen gleichmäßiger Verteilung der finanziellen Lasten auf alle Stände und der dadurch bedingten Größe des zu stellenden Kontingentes auf der einen Seite sowie die militärische Forderung von räumlicher Nähe der Kontingente zur schnelleren Zusammenführung und besseren Ausbildung auf der anderen Seite aufzulösen. Im Laufe der Zeit entwickelten sich hierzu folgende Grundsätze:

Möglichst wenig Stäbe und Truppeneinheiten, um Kosten zu sparen. Möglichst wenig verschiedene Standeskontingente in einer Kompanie. Möglichst jedes Standeskontingent vollständig in einem Truppenteil, um die Zersplitterung in Kontingentsteile auf mehrere Einheiten zu vermeiden. Möglichst bankverwandte Standeskontingente in einem Truppenteil. Möglichst Standeskontingente gleicher Religionszugehörigkeit in einem Verband.Dies bezog sich nicht auf die Konfession der Soldaten, sondern diejenige der sie stellenden Stände: Storm, S. 302, Fußnote 7: „Bey den Regimentern zu Pferdt seindt Evangelische und Catholische beysamen gestanden, wie solches anders nicht seyn kann. Bey den beiden Regimentern zu Fuß aber hat man zwar sovil möglich unter denselben ein Unterschied gemacht, gleich wohl seindt ein und andernweg etliche Evangelische Stände Leuthe bey jenen undt eben ihre bey diesen zu stehen kommen.“ Möglichst Kontingente benachbarter Stände in einer Einheit. Möglichst Mischung (Melierung) alter und neuer Mannschaft bei der Rekrutierung. Möglichst gleiche Personalstärken aller vergleichbaren Einheiten innerhalb der Kreismiliz und mit der Armee, mit der zusammen sie zum Einsatz kam.

Die Nummerierung der Regimenter unten ist nicht zeitgemäß, sie erfolgte erst durch die Geschichtsschreibung zur besseren Unterscheidung und Gliederung.nach Storm, ebenso die Stärkeangaben Damals wurden die Regimenter nach ihren Inhabern benannt. Die aufgeführten Dienstgrade wurden – soweit im Einzelnen nichts anderes genannt – vom Reichskreis (ab Stabsoffizieren) bzw. den einzelnen Ständen (übrige) verliehen.

Truppen des Kreises Die Kreistruppen bestanden gemäß der Matrikel aus Kavallerie- und Infanterieverbänden. Die Verteilung der Matrikel auf die Kreisstände 1563 enthält die Einteilung der Kreisviertel. Eigene Artillerieeinheiten unterhielt der Kreis nicht.

Der Zeit entsprechend waren die Soldaten bis Ende des 17. Jahrhunderts jeweils für einen bestimmten Feldzug angeworbene Söldner, teilweise aus dem Kreis, überwiegend aus anderen Territorien.

1500 bis 1647 1542 Regiment Eberstein

Die Kreisexekutionsordnung von 1563 sah die Aufstellung von 6 Fähnlein nach folgendem Schlüssel vor: 1 Fähnlein durch geistliche Fürsten und Prälaten 1 Fähnlein durch weltliche Fürsten 1 Fähnlein durch Grafen und Herren 3 Fähnlein durch die Städte.

Dieser Plan wurde 1564 vom Kreistag zurückgewiesen.

1569 genehmigte der Kreis dem Markgrafen Karl von Baden 6.000 fl. Er sollte damit einen Leutnant mit Schutztruppe (bis zu 1.200 Schützern mit 400 Pferden) aufstellen, dazu zusätzlich zwei Rittmeister in Breitschaft, die bei Bedarf jeweils weitere 400 Reiter zuführen sollten. Die Truppe wurde aber nicht aufgestellt.

Am 31. Januar 1591 (Abschied des Kriegsrätetags) wurde dem Kreisobrist Herzog Johann Friedrich von Württemberg das Recht eingeräumt, bei eilender Not des Kreises „ein-, zwei- oder dreyhundert zu roß und dan in drey fenlein knecht, das fendtle ongefahrlich zu dreyhundert starck gerechnet“ aufzubringen.

Der Osmanische Angriff 1593 gegen Ungarn veranlasste den Kreis zunächst nur zu besonderen Kreishilfen in Geld (1593 225.564 fl 12 x und 1594 116.600 fl). 1595 bat Kaiser Rudolf II. die Reichskreise um Truppen. Der Kreis beschloss eine Umlage von 20 Römermonaten zur Aufstellung eines Regiments für die Dauer von sechs Monaten.

Regiment von Schönau, Obrist der Augsburger Landvogt Hans Kaspar von Schönau Das Regiment bestand aus 10 Fähnlein zu je 200 Doppelsöldner mit Langspießen (Sold 14 fl) und 200 Musketieren (Sold 14 fl) und Schützen (Arkebusiere, Sold 8 fl). Dazu kamen 6 Kartaunen und 6 Falkonetten, die einschließlich der Bedienungsmannschaften von Augsburg gegen Bezahlung ausgeliehen wurden. Nach der Musterung vom 15. bis 24. April verlegte das Regiment in zehn Tagen auf der Donau nach Wien. Dazu wurden 2 Schiffe für den Oberst und seinen Stab, 48 Schiffe für die Mannschaft, 14 Flöße für das Material, 4 Flöße für die Munition (180 Ctr. Pulver, 200 Ctr. Blei, 400 Ctr. Lunten) von Augsburg aus sowie 4 Zillen, mit denen der Regimentsquartiermeister und die Fouriere vorausfuhren, benötigt. Am 12. November wurde das Regiment mit einem halben Monatssold abgedankt und erhielt dabei zusätzlich einen Monatssold als „Sturmprämie“. Dem Kreis entstanden durch das Regiment Gesamtkosten von 313.000 fl.

Im Jahr darauf stellte der Kreis wieder ein Regiment zur Reichstürkenhilfe auf.

Regiment Mörsberg, Obrist Hans Friedrich von Mörsberg und Befort Das Regiment bestand wieder aus 10 Fähnlein zu je 400 Mann sowie 4 Geschützen und 10 Büchsenmeistern aus Augsburg. Bei der Werbung sollten Musketiere den Arkebusieren vorgezogen werden. Es wurde am 26. November vor Wien mit einem halben Monatssold abgedankt und erhielt dabei zusätzlich einen Monatssold als „Sturmprämie“. Dem Kreis entstanden durch das Regiment Gesamtkosten von 335.500 fl.

Auch 1597 stellte der Kreis ein gleich starkes Regiment auf.

Regiment Mörsberg, Obrist Hans Friedrich von Mörsberg und Befort Das Regiment wurde am 29. November in Haimburg abgedankt. 1605 Regiment Mörsberg 1606 Regiment Mansfeld

1622 beschloss der Kreis, 1.000 Reiter und 3.000 Knechte zu Fuß für drei Monate anzuwerben.

1648 bis 1694 Nach dem Westfälischen Frieden gab es zwei Projekte des Kreises zur Aufstellung von Truppen.

Im 1. Projekt von 1651 plante der Kreis „bei Bedarf“ die Aufstellung von

1.570 Mann zu Roß in 2 Regimentern 3.150 Mann zu Fuß in 2 Regimentern zu je 8 Kompanien

als Ausschusstruppen, also aus dem Landesaufgebot. Es blieb jedoch bei dem Plan.

Das 2. Projekt von 1660 ging von geworbenen Truppen aus in der Stärke von 3.100 Mann, gegliedert in

2 Regimenter zu Roß mit je 4 Reiterkompanien zu 101 Mann 2 Regimenter zu Fuß mit je 8 Kompanien zu 113 Mann 2 Dragonerkompanien zu 101 Mann.

Auch dieses Projekt bestand nur auf dem Papier.

„Erste Armatur“ 1664 Nachdem der Reichstag am 28. Januar 1664 eine freiwillige Türkenhilfe zu gewähren beschlossen hatte, stellte der Kreis Truppen auf.

Katholisches Regiment zu Fuß mit einer Stärke von 1.555½Die Angabe ½ bezieht sich nicht auf echte Personen, sondern ergibt sich aus der Geldumlage.Nach Stadlinger 21 Offiziere, 100 Unteroffiziere und 1425 Mannschaften = 1.546 + 4 Zivilpersonen (Feldprediger, Kreiskommissar, Proviantmeister, Secretarius). Mann zu 7 Kompanien (als 7. Kompanie waren die Anteile der Reichsritterschaft St. Georgen Schild eingegliedert.Dies war das einzige Mal, dass sich die freien Reichsritter in Schwaben an den Truppen des Schwäbischen Kreises beteiligte.) Regimentsinhaber war Obrist Graf Franz Fugger zu Kirchberg und Weißenhorn, Reichsgeneralfeldzeugmeister und Statthalter zu Ingolstadt (gefallen am 1. August 1664 in der Schlacht bei Mogersdorf, siehe unten). Evangelisches Regiment zu Fuß mit einer Stärke von 1.588Nach Stadlinger 24 Offiziere, 93 Unteroffiziere und 1.437 Mannschaften = 1554 + 4 Zivilpersonen. Mann zu 8 Kompanien. Regimentsinhaber war Obrist Pfalzgraf Christian von Zweibrücken-Birkenfeld-Bischweiler Zwei Drittel jeder Kompanie war mit Musketen ausgerüstet, ein Drittel hatte Piken. Jedes Fuß-Regiment verfügte über zwei Regimentsstücke, die nach der Abdankung den Kreisausschreibenden Fürsten überlassen wurden. Kreisreiterei mit einer Stärke von 386 Mann zu 4 Kompanien. Kommandeur war Obristleutnant mit dem Titel eines Obrist Graf Maximilian Franz Graf zu Fürstenberg. Die Reiterei bildete kein Regiment, da Württemberg seine 170 Reiter unter Prinz Ulrich von Württemberg nicht zur Kreismiliz, sondern unmittelbar zum Allianzkorps des Rheinischen Bundes nach Ungarn abstellte. In der Ersten Armatur hatte der Kreis wegen der Fahnen einen Reichsschluss abwarten wollen, jedenfalls über die Gestaltung der Fahnen keinen Beschluss gefasst. Ulm setzte 1664 folgendes über die Fahnen fest: Storm, Seite 504

Die Truppen des Kreises kämpften 1664 in der Schlacht bei Mogersdorf. Die im November zurückgekehrten Reste der Truppen wurden zunächst noch in Anerkennung ihres Einsatzes für drei Monate in „Sold und Brot“ gelassen, am 28. Februar 1665 wurde die Armatur dann aufgelöst.mini|Parade des Ulmer Kreiskontingents 1677

„Zweite Armatur“ 1673–1677 Während des Französisch-Holländischen Krieges stellte der Kreis 1673 wieder Truppen auf, die jedoch nicht zur Reichsarmee stießen, sondern im Lande blieben.

Katholisches Kreisregiment zu Fuß mit einer Stärke von 1.012 Mann zu 5 Kompanien. Regimentsinhaber war Obrist Graf Anthon zu Montfort Evangelisches Kreisregiment zu Fuß mit einer Stärke von 969 Mann zu 5 Kompanien. Regimentsinhaber war Obrist Markgraf Karl Gustav von Baden-Durlach. Für die beiden Fuß-Regimenter lieh der Kreis vier Regimentsstücke von den Kreisausschreibenden Fürsten und kaufte das Zubehör einschließlich Munition auf Kosten der Kreiskasse. Nach der Auflösung verblieben diese Geschütze zunächst in Offenburg und wurden dann wieder zurückgegeben. Katholisches Kreisregiment zu Roß mit einer Stärke von 306 Mann zu 3 Kompanien. Regimentsinhaber war Obrist Landgraf Maximilian Franz zu Fürstenberg-Stühlingen Evangelisches Kreisregiment zu Roß mit einer Stärke von 271½ Mann zu 3 Kompanien. Regimentsinhaber war Obrist Herzog Friedrich Carl von Württemberg-Winnental.

Die im Frühjahr 1674 von beiden Religionsteilen beschlossene Verdoppelung (Duplum) der Kreismiliz betraf nur die Kompanien, d. h. die Anzahl der Kompanien je Regiment wurden verdoppelt (Die Musterung der Reiterei 1674 ist hier beschrieben). Die Kreisreiterei wurde im Frühjahr 1675 wieder auf das Simplum abgerüstet, wobei die besten Mannschaften und Pferde aus beiden Simpla zusammengefasst und gegen den Widerspruch des Reichsfeldmarschalls in zwei Schwadronen unter je einem Obristwachtmeister formiert wurden. Im August folgte der Kreis dem vorangegangenen Reichsschluss auf das Duplum und verdoppelte die Reiterei. Unter den alten Regimentsstäben wurden die 6 katholischen Kompanien (Stärke 102–108 Reiter) und 6 evangelischen Kompanien (Stärke 88-93 Reiter) formiert. Das Fußvolk war im Frühjahr bereits auf 1,5 Simplum herabgesetzt worden in 10 katholische und 10 evangelische Kompanien mit Stärken zwischen 139 und 146 Mann. Diese Einteilung blieb bis zur Auflösung der Kreismiliz im April 1677.