Die Atlantische Hurrikansaison 2003 dauerte offiziell vom 1. Juni bis zum 30. November. Sie begann jedoch mit einem Frühstart, da sich am 20. April 2003 der Tropische Sturm Ana bildete, und sie endete erst am 11. Dezember mit der Auflösung des Tropischen Sturms Peter. Die Saison 2003 war die erste Hurrikansaison in fünfzig Jahren, in der sowohl vor Beginn als auch nach Ende der offiziellen Saison Stürme auftraten.

Insgesamt entstanden 21 tropische Tiefdruckgebiete, 16 Tropische Stürme und sieben Hurrikane, von denen sich drei zu schweren Hurrikanen der Kategorie drei oder hoher entwickelten. Der stärkste Sturm des Jahres war Hurrikan Isabel; er erreichte die fünfte Kategorie der Saffir-Simpson-Hurrikan-Windskala und verursachte 3,6 Milliarden Dollar Sachschäden, 51 Menschen verloren durch diesen Hurrikan ihr Leben.

Weitere Hurrikane mit Landauswirkungen waren: Hurrikan Fabian traf Anfang September die Bermudas als ein Kategorie-3-Hurrikan. Fabian war der stärkste Wirbelsturm, der diese Inselgruppe seit 1926 getroffen hatte. Der Hurrikan verursachte einen Sachschaden von 300 Millionen US-Dollar und tötete vier Menschen. Hurrikan Juan traf Nova Scotia und Halifax als Kategorie-2-Hurrikan und war damit der stärkste Sturm der Region seit 1893. Die tropischen Stürme Claudette und Erika trafen auf Texas.

Saisonprognosen Prognosen vor Beginn der Saison Der bekannte Hurrikan-Experte William M. Gray sagte am 4. April zwölf Stürme voraus, von denen acht Hurrikanstärke erreichen sollten. Von diesen Acht sollten drei Stürme mindestens Kategorie Drei erreichen.typhoon.atmos.colostate.edu: (englisch)

Die Voraussagen der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) vom 19. Mai 2003 sagten 11 bis 15 Tropische Stürme, sechs bis sieben kleine Hurrikane und zwei bis vier Hurrikane, die mindestens Kategorie Zwei auf der Saffir-Simpson-Hurrikan-Windskala erreichen, voraus. Insgesamt gingen die Voraussagen von einer 55-prozentigen Wahrscheinlichkeit einer erhöhten Hurrikangefahr aus, was auf das El-Niño-Phänomen, welches sich in dieser Zeit entwickelte, zurückzuführen ist.NOAA: NOAA Forecasters say six to nine Hurricanes could threaten in 2003. 19. Mai 2003 (englisch). Weitere Voraussagen vom 30. Mai orientierten sich in ihren Interpretationen an William M. Gray. Sie gaben die Hurrikansaisons von 1952, 1954, 1964, 1966 und 1998 als vermutlich ähnlich verlaufene Saisons an. Die Prognosen sprachen außerdem von einer 68-prozentige Wahrscheinlichkeit eines Hurrikans über US-Gebiet.typhoon.atmos.colostate.edu: (englisch)

Prognosen im Laufe der Saison Am 6. August gab Gray bekannt, dass seine Prognosen vor Beginn der Saison zutreffend waren. Einen Tag später veröffentlichte die NOAA eine modifizierte Voraussage mit einer 60-prozentigen Wahrscheinlichkeit einer erhöhten Hurrikan-Aktivität. Sie erwarteten 12 bis 15 Stürme, sieben bis neun Hurrikane und drei bis vier starke Hurrikane.National Hurricane Center: NOAA: 2003 Atlantic Hurricane Outlook Update, vom 7. August 2003 (englisch).

Stürme Tropischer Sturm Ana

Ein nicht-tropisches Tiefdruckgebiet entwickelte sich am 18. April durch den wechselseitigen Einfluss eines Höhentroges und einer bodennahen Troglinie etwa 390 Kilometer südsüdwestlich der Bermudas. Zunächst zog es nordwestwärts, driftete dann jedoch nach Südosten ab. Am 20. April entwickelte die Störung eine Zirkulation und wurde als Subtropischer Sturm Ana eingestuft. Zu diesem Zeitpunkt befand sich das System westlich der Bermudas. Am 21. April entwickelte der Sturm tropische Eigenschaften und erreichte Windgeschwindigkeiten von 95 km/h.National Hurricane Center: (englisch) Schließlich zog der Sturm ostwärts über den Atlantik und traf am 24. April auf eine Kaltfront, verlor an Stärke und löste sich schließlich auf.Sturm ANA von Thomas Sävert Ana zog nur über Wasser und richtete somit keine direkten Schäden an. Jedoch kenterte ein Boot bei Jupiter Inlet, Florida durch die Dünung, die von Ana verursacht wurde und die zweiköpfige Besatzung ertrank. Anas Resttief brachte außerdem stärkere Regenfälle auf die Azoren und ins Vereinigte Königreich.

Als Ana zunächst ein subtropischer Sturm wurde, war dies nach einem subtropischen Sturm 1992 erst der zweite subtropische Sturm im April. Der Übergang in einen tropischen Sturm machte Ana zum ersten tropischen Sturm seit Beginn der systematischen Wetteraufzeichnungen, der im April entstand. Auf Bermuda brachte der Sturm Niederschläge von 67 mm.

Tropisches Tiefdruckgebiet Zwei

Am 6. Juni löste sich eine tropische Welle von der Küste Westafrikas. Diese zog an einem niedrigen Breitengrad nach Westen, als eine Störung an der Wellenachse sich am 9. Juni besser organisierte, da die Bedingungen in der Umgebung trotz der Jahreszeit günstig waren. Anfänglich fehlte dem System eine gut definierte Bodenzirkulation, die Konvektion nahm am 10. Juni jedoch zu und das System wurde am frühen 11. Juni im mittleren tropischen Atlantik als Tropisches Tiefdruckgebiet Zwei klassifiziert. Es war erst das dritte Mal, dass die Bildung eines tropischen Tiefs im Juni östlich der Inseln über dem Winde verzeichnet wurde – die beiden anderen waren Ana 1979 und der zweite Sturm von 1933.

Zunächst wurde vorhergesagt, dass sich dieses System in einen tropischen Sturm entwickeln würde, da Ausströmung und einige Regenbänder gut ausgebildet waren und Satellitenbeobachtungen vom 11. Juni deuteten darauf hin, dass es kurz davor war, diesen Status zu erlangen. Die Konvektion fiel jedoch zusammen und wurde nordöstlich des Zentrums versetzt und spät am 11. Juni degenerierte das Tiefdruckgebiet in eine offene tropische Welle, etwa 1535 km ostsüdöstlich von Barbados. Als solche unterhielt sie eine gut ausgebildete Bodenzirkulation, starke Windscherung verhinderte jedoch die Wiederentwicklung. Am 13. Juni passierten die Reste der Welle die Kleinen Antillen und zogen weiter westwärts durch das Karibische Meer.

Tropischer Sturm Bill

Der tropische Sturm Bill entwickelte sich am 29. Juni aus einer tropischen Welle nördlich der Halbinsel Yucatán vor der Küste Mexikos. Das System zog nordwärts und erreichte kurz vor dem Landfall 43 km westlich von Chauvin, Louisiana seinen Höhepunkt mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 95 Kilometern pro Stunde. Bill schwächte sich über Land sehr schnell ab, traf jedoch auf eine Kaltfront und dadurch entstanden 34 Tornados. Bill wurde am 2. Juni zurückgestuft und von der Kaltfront absorbiert.

Mit dem Auftreffen auf Land kam es zu einer Sturmflut in Louisiana. Im Nordosten des Staates kam es zu einem Deichbruch und dadurch zu Überschwemmungen. Der Wind riss Bäume um, wodurch Häuser getroffen und einige Stromleitungen beschädigt wurden. Hunderttausende waren vorübergehend ohne Strom. Insgesamt richtete Bill einen Sachschaden in Höhe von 50 Millionen US-Dollar an und tötete vier Menschen.

Hurrikan Claudette

Eine gut organisierte tropische Welle zog am 7. Juli schnell über die Kleinen Antillen hinweg. Sie erzeugte zwar Wind in Sturmstärke, konnte jedoch keine Bodenzirkulation aufbauen. In der Karibischen See angekommen, gelang die Organisation besser und am 8. Juli entwickelte sich das System südlich der Dominikanischen Republik zum Tropischen Sturm Claudette. Die Stärke des tropischen Sturms schwankte in den folgenden Tagen. Nachdem Claudette für kurze Zeit am 10. Juli zum ersten Hurrikan der Saison wurde, schwächte sich das System ab und traf Puerto Morelos auf der Halbinsel Yucatán am 11. Juli als tropischer Sturm. Weil die Windscherung mäßig war, blieb der Sturm zunächst disorganisiert, konnte aber dann, nachdem er westnordwestlich abgeschwenkt war vor der Küste von Texas am 15. Juli erneut die Stärke eines Hurrikans erreichen. Beim Landfall auf Matagorda Island erreicht der Sturm seine Spitzenwind von 145 km/h. Über Land schwächte sich Claudette langsam ab und zog über den Norden von Tamaulipas, bevor das System sich im nordwestlichen Chihuahua auflöste.

Das vorausgehende Tief verursachte auf den Kleinen Antillen geringere Schäden, die Wellen des Hurrikans verursachten vor der Küste Floridas einen indirekten Todesfall. Ausgedehnte Überflutungen und böige Winde zerstörten oder beschädigten schwer 412 Gebäude im Südosten Floridas, mehr als weitere 1346 Gebäude wurden leichter beschädigt. An der Küste führte der Hurrikan örtlich zu starker Küstenerosion. Der starke Wind entwurzelte an der Küste zahlreiche Bäume, der Sachschaden wurde auf $180 Millionen US-Dollar beziffert.

Hurrikan Danny

Eine tropische Welle löste sich von der Küste Westafrikas am 9. Juli. Der nördliche Teil der Welle wanderte nach West-Nordwesten, und an der Wellenachse bildete sich am 13. Juli ein Konvektionsgebiet. Das System entwickelte sich langsam und nachdem sich eine geschlossene Bodenzirkulation gebildet hatte, wurde das System als Tropisches Tiefdruckgebiet Fünf klassifiziert, etwa 1020 km östlich von Bermuda. Es entwickelt sich rasch und wurde schon am Tag nach seiner Entstehung zum tropischen Sturm. Danny zog an der Peripherie einer Antizyklone nordwestwärts, bevor er nach Norden und später nach Nordosten schwenkte. Obwohl sich Danny schon relativ weit nördlich befand, setzte der Sturm seine Intensivierung dank ungewöhnlich warmer Wassertemperaturen fort und erreichte am 19. Juli etwa 850 km südlich von St. John’s Hurrikanstatus.

Die Windscherung nahm am nächsten Tag zu, als der Hurrikan nach Osten dreht und löste einen stetigen Trend zur Abschwächung aus. Dieser beschleunigte sich, als das System über kühleres Wasser gelangte. Am 20. Juli zog Danny nach Südosten, hatte sich aber bereits zu einem tropischen Sturm abgeschwächt. Am 21. Juli degenerierte das System zum Resttief, das auf einem umherirrenden Kurs nach Südwesten zog und sich schließlich am 27. Juli völlig auflöste, als es sich etwa 1015 km östlich der Stelle befand, an der das System sich entwickelte. Im Zusammenhang mit Danny wurden keine Schäden an Sachen und Personen gemeldet.

Tropisches Tiefdruckgebiet Sechs

Eine tropische Welle wanderte am 14. Juli vor der westafrikanischen Küste westwärts. Sie wanderte stetig in westlicher Richtung. Schließlich entwickelte sich eine Gewitterzone, da die Bedingungen in der Höhe vorteilhaft für eine Entwicklung waren, sodass das National Hurricane Center spät am 19. Juli das Tropische Tiefdruckgebiet Sechs klassifizierte, etwa 1675 km östlich der Inseln über dem Winde. Von da an unterhielt das Tiefdruckgebiet schlecht definierte Regenbänder nördlich und südlich des Zentrums. Ursprünglich wurde angenommen, dass das System Hurrikanstärke erreichen würde, bevor es die Inseln über dem Winde passieren würde. Mit dem warmen Wasser und der vorhergesagten sehr leichten Windscherung erfüllten die Bedingungen in der Umgebung vier der fünf Parameter für eine rapide Intensivierung. Die Konvektion ging jedoch zurück, als eine Folge von kalter Luft und durch die Instabilität als Ergebnis einer Störung südöstlich des Systems.

Aufgrund der hohen Vorwärtsgeschwindigkeit wurde die Bestimmung einer bodennahen Zirkulation schwierig. Die Konvektion nahm am 21. Juli wieder zu, und mehrere Inseln der Kleinen Antillen gaben Sturmwarnungen aus. Nachdem das System nördlich an Barbados vorbeigezogen war, konnte ein Aufklärungsflug durch Hurrikanjäger keine geschlossene bodennahe Zirkulation mehr feststellen, weswegen angenommen wurde, dass sich das System spät am 21. Juli in eine offene tropische Welle degeneriert hatte. Das Resttief brachte Schauertätigkeit für den Inselbogen; eine erneute Entwicklung wurde im Karibischen Meer jedoch durch stärkere Windscherung verhindert. Der nördliche Teil der Wellenachse trennte sich dann ab und entwickelte sich zum Tropischen Tiefdruckgebiet Sieben.

Tropisches Tiefdruckgebiet Sieben