Das Clavius-Gymnasium (CG) ist ein naturwissenschaftlich-technologisches Gymnasium (NTG) in Bamberg. Es besitzt zudem einen wirtschaftswissenschaftlichen Zweig (WWG). Benannt ist es nach Christophorus Clavius, der bei der Gregorianischen Kalenderreform einen fundamentalen Beitrag leistete. Es wurde 1833 gegründet. Das Clavius-Gymnasium ist eine Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage und das größte Gymnasium Oberfrankens.
Geschichte
Institutsgeschichte Gründung im 18. Jahrhundert Das heutige Clavius-Gymnasium wurde am 16. Oktober 1794 als Ingenieurs- und Zeichenakademie von Leopold Westen nach dem Vorbild des Lehrstuhls für Zivil- und Militärbaukunst an der Universität Würzburg gegründet. 1794 legte er dem Fürstbischof Franz Ludwig von Erthal den Plan zur Gründung einer entsprechenden Akademie vor. Auch der Stadtmagistrat der Stadt Bamberg würdigte die Gründung unter der Bedeutung insbesondere für das Handwerk und Gewerbe und stellte daher einen Saal im Obergeschoss des Hochzeitshauses samt Heizung und Reinigung zur Verfügung.
Anerkennung als Gewerbeschule 1833 Ab 1833 wurde die aus städtisch-privater Initiative entstandenen Akademie zur Vereinigten landwirthschaftlichen und Gewerbeschule ernannt und bekam erstmals Anerkennung von staatlicher Seite. 1833 ist daher als eigentliches Gründungsjahr anzusehen. 1854 wurde eine Handelsabteilung hinzugefügt, Schüler dieser Abteilung konnten nun die neuen Fächer Englisch, Handelskunde, Stenographie, Deutsch und Italienisch besuchen.
Obwohl die Gewerbeschule Stück für Stück immer weitere Räumlichkeiten im Hochzeitshaus beziehen konnte, zeigten sich die benötigten Räumlichkeiten als entweder zu klein oder als nicht vorhanden. Den Sportunterricht hielt man zur Winterzeit in der säkularisierten Karmelitenkirche am Kaulberg, ansonsten auf einem Paradeplatz im Ostwesten der Stadt, welcher heute Wilhelmsplatz heißt, und schließlich im ehemaligen Kapuzinerkloster, auf dessen Gebiet das Clavius-Gymnasium heute steht, ab.
Umwidmung zur Realschule 1877 Am 14. Dezember 1871 brannte der Dachstuhl des Hochzeitshauses und damit der Kern der Räumlichkeiten der Schule. Deren Beengung zeigte sich nun so offensichtlich, dass ein eigener Neubau angestrebt wurde. Ungeachtet der schwierigen Bedingungen wurde die Einrichtung 1877 auf königlichem Wunsch zur Realschule für bürgerliche Knaben ernannt. 1880 konnte die Einrichtung ihre neuen Räumlichkeiten an ihrem heutigen Standort beziehen.
Erweiterung zur Oberrealschule 1923 1923 wurde die Realschule per Ministerialentscheidung zur Oberrealschule ernannt, wie seit 1870 viele ehemalige Gewerbeschulen. Diese Umstellung bedeutete eine Erweiterung um zwei weitere Klassenstufen; denn seit 1900 waren die oberrealschulischen Abschlüsse denen eines Gymnasiums gleichgestellt. Im Jahr 1930 waren ca. 550 Schüler und ca. 15 Schülerinnen aller Gesellschaftsschichten vertreten.
Vereinnahmung durch die Nationalsozialisten Die Oberrealschule vollzieht eine Entwicklung, wie sie an allen staatlichen Schulen im Deutschen Reich zu beobachten ist. Die zeitweise sehr detailliert geführte Schulchronik gibt auch darüber Auskunft. Schon am 10. März 1933 wurde ein Lehrer aufgrund seines jüdischen Glaubens entlassen, der offizielle Grund waren kommunistische Umtriebe. 1932/33 waren 66 %, drei Jahre später schon 94 % des Lehrkörpers Mitglied in den NS-Organisationen. 1934 sind das gemeinsame Hören der Reden Hitlers und eine erste Flaggenehrung verzeichnet. Ab 1939 wurden zahlreiche Lehrkräfte zum Wehrdienst einberufen, wenig später auch die Schüler der Abschlussklassen. Weiterhin verzeichnet die Schulchronik die gefallenen oder durch Bombenangriffe umgekommenen Schüler. Zwei Gedenktafeln erinnerten bis zum Umbau 2016 im Treppenhaus des Hauptgebäudes, nach Differenzen wieder seit 2017 im Foyer an die Gefallenen beider Weltkriege.
1938 wurden alle jüdischen Schüler „beurlaubt“, 1943 das Gebäude als Lazarett beschlagnahmt und der Notunterricht in die Räume des Neuen Gymnasiums, sowie des Aufseesianums verlegt. (Die in späteren Jahren durch die gestiegene Schülerzahl entstandene Raumnot und die dadurch bis zum Umbau 2011–2017 nötig gewordene Auslagerung des Unterrichts in Domschule und Aufseesianum hat also schon traurige Tradition gehabt.) Ab dem 28. März 1945 fand kein Unterricht mehr statt.Clavius-Gymnasium Bamberg (Hg.): 175 Jahre Clavius-Gymnasium Bamberg. Festschrift. Bamberg 2008, S. 65–92. 1938 war die Oberrealschule in Oberrealschule an der Kapuzinerstraße umbenannt worden, jedoch wurde diese Änderung 1946 wieder rückgängig gemacht.
Das Lazarett blieb bis Anfang 1946 eingerichtet, das Gymnasium und die benachbarte Grundschule danach als Flüchtlingsunterkunft und Hilfskrankenhaus genutzt. Zu Beginn des Schuljahres 1947/48 konnten die knapp 1000 Oberrealschüler wieder zurück in ihre Unterrichtsräume. Dennoch konnte nur stark eingeschränkter Unterricht stattfinden, es fehlte neben Mobiliar auch an Heizmöglichkeiten und Brennstoff. Die tatsächlich durchgeführte Anzahl an Unterrichtsstunden wich daher stark von den eigentlich vorgeschriebenen Stunden ab. Seit dem Schuljahr 1950/51 fand der Unterricht im Schichtbetrieb statt.
Die Raumnot führte zum Bau des Dientzenhofer-Gymnasiums im Osten der Stadt nach den Plänen von Hans Rothenburger; seit 1964 stand damit in Bamberg zur Entlastung der Oberrealschule in der Stadtmitte eine zweite jenseits der Bahnlinie zur Verfügung. Diese besuchten ab 1965 nun jene Schüler, die „hinter“ dem Bahndamm wohnten; eine ähnliche Einteilung hat sich bis heute erhalten. Beide Schulen haben einen Sprengel bis weit in den Landkreis Bamberg hinein.
Umbenennung zum Gymnasium 1965 alternativtext=Clavius-Gymnasium ehem. Oberrealschule. 1879/80 von Karl Georg Lang anstelle des ehem. Kapuzinerklosters errichtet. Seit 2004 Naturwissenschaftlich-technologisches und Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Gymnasium|mini|Tafel am Haupteingang des CGs
Im Zuge einer Reform in den deutschsprachigen Ländern wurden auch in Bayern die naturwissenschaftlichen Oberrealschulen zu naturwissenschaftlichen Gymnasien umbenannt. Nach der Eröffnung des Entlastungsbaus im Osten entstand am 20. Oktober 1965 aus der ehemaligen Oberrealschule das Clavius-Gymnasium als Mathematisch-naturwissenschaftliches Gymnasium, die Namensgebung geht auf einen Vorschlag aus dem Lehrkörper zurück.
1986 wurde es zum mathematisch-naturwissenschaftlichen und wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasium. 1998 erfolgte ein Schulversuch Europäisches Gymnasium II. 2002 nahm das Clavius-Gymnasium die heutige Schulform mit den Bereichen NTG und WSG-W an.
Im Juli 2005 war das Clavius-Gymnasium Ausrichter für die 49. Theatertage der bayerischen Gymnasien.
Technik- und Mediengeschichte Schon im Jahr 1924 wurde in der Oberrealschule eine Radioempfangsstelle eingerichtet, 1929 wurde eine moderne Dampfheizung installiert, sie ersetzte die bis dato einzeln durch den Hausmeister mit Kohle befeuerten Kanonenöfen in den Unterrichtsräumen. Die im Schuljahr 1982/83 erstmals im Unterricht verwendeten PCs waren die erste große technische Neuerung. Das Clavius-Gymnasium war in ihrer Verwendung Vorreiter. Zu Beginn des Jahres 1988 wurde ein neuer Computerraum mit 16 Commodores eingerichtet, dies war sogar der Regionalzeitung eine Meldung wert. Seitdem hält die Schule Informatikunterricht ab. 1995 installierten Schüler und Lehrer eine Photovoltaikanlage auf dem Dach eines als Mittagsbetreuung genutzten, einstöckigen Ergänzungsbaues der Schule am linken Flügel der Martinschule. Seit 1995/96 war das Clavius-Gymnasium eine der ersten Schulen mit eigener Homepage, zu diesem Anlass wurde ein eigenes, 2005 erneuertes Logo entwickelt. Laptopklassen gibt es am CG seit 2004, eine Mediothek seit 2005. Diese hat als Bibliothek nach dem Umbau eine deutliche Aufwertung bekommen und befindet sich nun in der ehemaligen Aula.
Baugeschichte
Gründung im Hochzeitshaus Die 1794 gegründete Akademie blieb auch 1833 – als sie Landwirtschafts- und Gewerbeschule wurde – im Obergeschoss bzw. in weiteren Räumlichkeiten des Hochzeitshauses beheimatet. Dort befindet sich heute die geisteswissenschaftliche Fakultät der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. 1859 wurde die ehemalige Kapuzinerkirche St. Heinrich und Kunigund des Kapuzinerklosters zum 25-jährigen Schuljubiläum als Schulkirche unter der Leitung des Architekten und Schullehrers Jakob Schmitt-Friedrich hergerichtet.
Planung eines eigenen Gebäudes Immer wieder in ihrer Geschichte steht die Schule vor dem Problem des Platzmangels. Schon seit ihrer Gründung und Anerkennung 1833 führte man eine ähnlich breite Diskussion wie in den 1960er und 2000er Jahren. Beschleunigt durch den Brand im Dezember 1871 lag schon im Februar 1872 ein Entwurf von Karl Georg Lang, dem Bamberger Stadtbaumeister, vor. Er präferierte den Standort, an dem das CG heute steht.
Die Standortfrage allerdings war nicht so eindeutig zu klären gewesen, wie es scheinen mag. Zuvor bevorzugte man einen Standort an der heutigen Luitpoldbrücke, später berücksichtigte man die noch fast frisch restaurierte ehemalige Kapuzinerkirche und plante einen dreiflügeligen Bau um die Kirche herum. Nachdem der Bau 1873 wesentlich schlichter geplant wurde als eigentlich vorgesehen, diskutierte man 1874 dann den möglichen Bau anstelle des Stadtbades bei Geyerswörth, zwei Jahre später den Standort zwischen Weide und Markusstraße. Nach einem Vorschlag zum Bau an der Schützenstraße entschied man sich im Dezember 1877 für den ursprünglich geplanten Standort. Diese kurzfristige Entscheidung blieb nicht unbeeinflusst von der Erhebung der Gewerbeschule zur Königlichen Realschule. Für diesen Standort plädierte allen voran Bezirksgerichtsarzt Dr. Joseph Anton Rapp mit den Worten: Die Straße in der das Gebäude zu stehen kommt, ist breit, freundlich und luftig, ohne an dieser Stelle zugig zu sein, wohl belebt, aber eben nicht durch den Hauptverkehr der Stadt gestört und belästigt. Es sei ein stolzes, die ganze Straße zierendes Unterrichtsgebäude. Nicht zuletzt fürchtete man in der Schützenstraße Gesundheitsgefahren für die Schüler durch die Hopfendarren.
Die Werkpläne für die Bamberger Bauverwaltung fertigte Gustav HaeberleStadtentwicklung in Bamberg um 1900. Hans Erlwein 1872–1914, Bamberg 1997 (= Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung im Stadtarchiv Bamberg, 1997–1998. Redaktion: Robert Zink), S. 104, am 4. Juli 1878 lagen die Entwürfe schließlich vor. Das ehemalige Kapuzinerkloster und die zugehörige Kirche wurden noch im Oktober desselben Jahres dem Abriss preisgegeben. Der erste Spatenstich erfolgte am 11. März 1879, im August wurde der Rohbau schon mit einem Dach versehen, am 20. September 1880 war der Bau fertig. Am 11. Oktober 1880 zogen die Lehrer und Schüler nach dem Festgottesdienst in der Martinskirche über den Grünen Markt in die neuen Räumlichkeiten ein. Erzbischof Friedrich von Schreiber (1819–1890) weihte den Bau.
Wachsender Riese – Auslagerung des Unterrichts links|mini|Südflügel des CGs von 1908/09 Schon 1892 reichten die Räume nicht mehr aus, man scheiterte beim Versuch, das Nachbarhaus Kapuzinerstraße 27 zu kaufen. Es folgte also 1895 – lediglich 15 Jahre nach Eröffnung – die erste Erweiterung mit einer Turnhalle im Schulhof, welche als solche bis 2012 genutzt wurde. 1908 wurde nach den Plänen des Stadtbaumeisters Wilhelm Schmitz ein Zeichensaal als Südflügel erbaut und am 11. September 1909 eröffnet. Ab 1920 stellte man Planungen zur Erweiterung der Schule auf dem Gebiet der heutigen Martinschule an.