Die Oker in Braunschweig besteht aus der Okerumflut und den Wasserläufen im historischen Innenstadtbereich, den so genannten Stadtgräben. Die Okerumflut teilt sich in zwei künstlich angelegte Wassergräben, die als Umflutgraben bezeichnet werden und als Teil der Stadtbefestigung geschaffen wurden. Sie bilden die Begrenzung des historischen Stadtkerns Braunschweigs. Dieser Artikel behandelt hauptsächlich den Okerverlauf im historischen Stadtkern und verweist auf weitere Einträge über die Oker im Stadtgebiet. Informationen zum gesamten Fluss bietet der Hauptartikel Oker.

Die Oker in der mittelalterlichen Stadt mini|Verlauf der Okerarme im Braunschweiger Stadtgebiet um 1400 mit Benennung und Mühlen mini|Darstellung des Zusammenflusses der Stadtgräben im Stadtmodell Braunschweig, Städtisches Museum Braunschweig. Blick aus Richtung Norden mini|Zusammenfluss der Innenstadtgräben beim Inselwall (2009) mini|Historische Stadtmauer am Neustadtmühlengraben bei der Echternstraße/Gieselerwall mini|Eingang zum Wehrgang unter der alten Stadtbefestigung hinter dem Stobwasserhaus Echternstraße 16 hinunter zum Neustadtmühlengraben

Historischer Verlauf Der ursprüngliche Verlauf der Oker bis zur Besiedlung und Stadtgründung war vielarmig und von einer sumpfigen Auenlandschaft geprägt. Zwischen Erhebungen, die Klint genannt werden, verzweigte sich der Fluss, mäandrierte und bildete sogenannte Werder als inselartige Einschlüsse. Heutige Straßennamen wie Klint deuten auf die Erhebungen und Werder auf Inseln hin.

Das historische Niveau der Okerniederung wird mit etwa 68 m ü. NN angenommen.Heinrich W. Schüpp: Die mittelalterliche Stadt bis zum Verlust der Selbständigkeit 1671 Braunschweig. In: Das Bild der Stadt in 900 Jahren, Band 2: Braunschweigs Stadtgeschichte. Braunschweig 1985 (Hrsg.): Städtisches Museum Braunschweig In dem Bereich des heutigen Bürgerparks teilte sich der Fluss in zwei Hauptarme und eine Vielzahl von Nebenarmen auf. Es entstand eine breite, sumpfige Aue, die sich über das unbesiedelte Bruchgebiet erstreckte und sich erst in dem Gebiet der heutigen Innenstadt auf etwa 300 m verengte. Eine nach Osten gerichtete Landzunge mit 70 m ü. NN schnürte diese Aue ein und war als Standort für die später erbaute Burg Dankwarderode vorteilhaft. Es wird dort eine frühe Okerfurt vermutet. Auf einer der höchsten Erhebungen mit über 76 m ü. NN wurde 1115 das Aegidienkloster gegründet, andere Flächen höher als 73 m ü. NN waren günstig für die ersten seit dem 9. Jahrhundert bezeugten historischen Besiedlungen (Kohlmarkt und Altstadt) sowie die um 1000 datierte Besiedlung des östlichen Okerufers im Bereich der Altewiek (Nikolaikirche). Außerhalb des späteren Stadtgebietes wurde auf einer Anhöhe das Cyriakusstift errichtet.

Gestaltung im 12. Jahrhundert In der Herrschaftszeit Heinrichs des Löwen erfolgte die Stadterweiterung sowie die äußere Befestigung aller Weichbilde mit Stadtmauer, Wall und Graben. Das Gebiet des Hagens wurde mit Hilfe eingebürgerter Friesen entwässert. Der Straßenname Friesenstraße weist auf ihren Wohnort hin. In dieser Zeit wurden neue Gräben angelegt und vorhandene Flussteile verlegt, z. B. der archäologisch nachgewiesene Quellbach vom Rennelberg, der auf dem Gebiet der Neustadt verlief. Die Braunschweiger Innenstadt erhielt im 13. Jahrhundert ihre heutige Form und für Jahrhunderte durch die äußeren Okerarme ihre Begrenzung. Das Bruchgebiet südlich der Stadt blieb aus dem Befestigungsgürtel ausgeklammert und über Jahrhunderte unbesiedelt.

Die Karte zeigt den bis dahin gebauten Verteidigungsring mit den äußeren Umflutgräben, wie sie um das Jahr 1400 vermutet werden. Im innerstädtischen Bereich sind der verzweigte Verlauf der Oker sowie die künstlich angelegten Stadtgräben erkennbar: Der Burgmühlengraben (A) als ursprünglich linker Okerarm verlief zwischen südwestlicher Stadtmauer im Bruchgebiet bis zum Nickelnkulk vollständig innerhalb der Stadt vermutlich dem natürlichen Flussverlauf folgend.Wolfgang Ernst: Braunschweigs Unterwelt. Kanäle und Gewölbe unter der Stadt. Band 1: Der Burgmühlengraben im Wandel der Zeit. Braunschweig S. 31 sowie die Karten auf S. 14. Der Münzgraben (B) als ursprünglich östlicher Okerarm bildete die Stadtbegrenzung im Bruchgebiet und floss ab Ottilienteil bis zum Zusammentreffen mit dem Burgmühlengraben innerhalb des Stadtgebiets. Der Bruchgraben (C) diente als Abzweig vom westlichen Okerarm der südlichen Stadtbegrenzung und der Entwässerung im Bruchgebiet, wo noch weitere kleinere Gräben vorhanden waren. Stein- bzw. Wendengraben (G) zweigten vom Münzgraben ab und entwässerten das Gebiet des Hagens. Ihr Verlauf deutet auf eine künstliche Anlage hin. Der Mauergraben (F) begrenzte den Hagen nach Süden, während der parallel zur Friesenstraße verlaufende Graben (L) die Altewiek nach Norden abschloss. Der Burggraben (E) zweigte vom Burgmühlengraben ab, umschloss den Burgbezirk und grenzte ihn von dem Weichbild Sack ab. Auch er dürfte im Zuge der Burgerrichtung entstanden sein. Die Driebe (K) zweigte im nördlichen Stadtgebiet vom Burgmühlengraben ab und umfasste den Werder. Als Begrenzungsgräben und frühe Verteidigungsgräben sind verzeichnet: Der Neustadtmühlengraben, der im Bereich Gieseler vom westlichen Okerarm abzweigt und die äußere Grenze der Weichbilder Altstadt und Neustadt darstellt. Er verläuft bis zur Neustadtmühle und zweigt als Unterwasser der Mühle noch heute in die Oker ab, während der Bosselgraben das vor der Neustadtmühle am Wehr überlaufende Wasser aufnahm und bis zum Zusammenfluss der Gräben beim Nickelnkulk führt. Nicht benannter Graben (D), abzweigend vom östlichen Okerarm und die Altewiek umschließend. Dieser Graben ist bereits im 17. Jahrhundert nicht mehr verzeichnet. Der Wendenmühlengraben (L), vom Münzgraben bei der Ägidienmühle abzweigend, bildete ab dem Steintor bis zum Wendentor die äußere Stadtbegrenzung. Die innerstädtischen Gräben treffen noch heute am früheren Nickelnkulk bei der heutigen Schubertstraße nahe dem Gauß-Denkmal als offene Gräben zusammen. Am Neustadtmühlengraben ist an der Echternstraße ein eindrucksvoller Rest der Stadtmauer sichtbar, im Bereich des Bosselgrabens ist erst 2007 im Zuge von Horizontalbohrungen zwischen Inselwall und Wendenmühlengraben ein meterdicker Rest der Stadtmauer durchbohrt worden. (PDF; 1,6 MB)

Separat von den äußeren Gräben sind die Umflutgräben deutlich als breit angelegte und weitestgehend geradlinige Verläufe der Oker erkennbar. Sie treffen ebenfalls im Gebiet der heutigen Bammelsburger Straße zusammen.

Mühlen in der historischen Kernstadt Die Namen Burg-, Neustadt- und Wendenmühlengraben weisen Mühlen innerhalb der historischen Stadt hin. In der Karte sind sechs Standorte verzeichnet, wobei die Mühlen den Weichbildern bzw. anderen selbstständigen Bezirken zugeordnet waren. Ägidienmühle unmittelbar westlich der Ägidienkirche am Abzweig des Wendenmühlengrabens vom Münzgraben, etwa am Standort der Neuapostolischen Kirche nahe dem Konsumverein, gemäßWolfgang Ernst: Braunschweigs Unterwelt. Kanäle und Gewölbe unter der Stadt. Band 1: Der Burgmühlengraben im Wandel der Zeit. Braunschweig, S. 17. wahrscheinlich seit dem 12. Jahrhundert vorhanden und im 18. Jahrhundert mit vier Mahlgängen ausgestattet, Südmühlen am Eintritt des Burgmühlengrabens durch das Südmühlentor in die befestigte Altstadt, heute etwa Friedrich-Wilhelm-Platz, ab dem 18. Jahrhundert nur noch eine Mühle mit sechs Mahlgängen, Dammmühle mit fünf Mahlgängen, innerhalb der Stadt, heute westliche Bebauung der Münzstraße gegenüber dem C&A-Kaufhaus Burgmühle unmittelbar gegenüber der Burg, heute neben dem Standort der Skulptur 2000 Jahre Christentum am Ruhfäutchenplatz, ausgestattet mit vier Mahlgängen, Neustadtmühle am Neustadtmühlengraben, zunächst zwei Mühlen und im 18. Jahrhundert eine Mühle mit sechs Mahlgängen, im 19. Jahrhundert in der heute noch vorhandenen Gestalt erneuert, Wendenmühle am Wendentor mit fünf Mahlgängen, heute Standort des Verwaltungsgerichts Um den Wasserhaushalt und den Zufluss einer Mühle zu regulieren, ist ein zusätzlicher Mühlengraben mit entsprechenden Wehren notwendig. Für die Damm-, die Neustadt- und die Wendenmühle ist jeweils ein ausgedehnter Graben in den Karten vorhanden.

Wasserversorgung ab dem 16. Jahrhundert Im 16. Jahrhundert wurden Wasserkünste zur Versorgung ausgewählter Bürgerhäuser mit Trinkwasser aus der Oker errichtet, ab der Säcker Wasserkunst unter der Bauleitung von Barward Tafelmaker: Ägidienwasserkunst (1525) bei der Ägidienmühle Säcker Wasserkunst (1527) gegenüber der Burgmühle Neustädter Wasserkunst (1529) bei der Neustadtmühle Hägener Wasserkunst (1540) bei der Burgmühle Vordere Südkunst (1541) in der Altstadt bei der Südmühle am Bruchtor (auch Reichskunst genannt) Hintere Südkunst (1561) ebenfalls an der Südmühle Gieseler-Kunst (ab 1560) vor der Altstadt am Gieseler, fertiggestellt nach dem Tod Tafelmakers (1565). Die Wasserkünste wurden im 19. Jahrhundert nach Verlegung zentraler Wasserleitungen aus dem Pumpwerk Bürgerpark aufgelöst.

Schifffahrt mini|Boot auf der Oker in Braunschweig an der Bammelsburg, dem heutigen Inselwall, Kupferstich von Anton August Beck, 1716 Schon für die frühe Besiedlungszeit werden Häfen für den überörtlichen Frachtverkehr vermutet, wobei man sich einfache Anlegestellen für Kähne vorzustellen hat, siehe auch Okerschifffahrt. Die Mühlen im Stadtgebiet machten eine durchgängige Befahrung der Oker äußerst schwierig, so dass zwei Standorte für den Verkehr angenommen werden: Ein Hafen im südlichen Gebiet wird beim Zusammenfluss von Bruch- und Münzgraben vermutet. Dort ist die Existenz einer Nikolaikirche überliefert, deren Namensgeber der Schutzpatron der Seefahrer ist. Eine Anlegestelle im nördlichen Gebiet ist bisher nicht nachgewiesen, wird aber im Bereich Großer Hof beim ehemaligen Nickelnkulk vermutet. Ein weiterer Anlegepunkt war im Hägener Stadtgebiet beim Werder vorhanden, jedoch möglicherweise nur für den innerstädtischen Verkehr relevant.

Fernhandelswege und Stadttore mini|Informationstafel über den Standort des Hohen Tors in der Sonnenstraße, wo die Umrisse in das Straßenpflaster eingelassen sind Braunschweig lag an mehreren wichtigen Fernhandelswegen. Im ausgehenden Mittelalter waren die Okerumflut und die südlichen Okerverläufe die äußere Grenze der Gesamtstadt und die Handelswege querten die Okerumflut an den Stadttoren: Das Ägidientor, später Augusttor genannt, im Bereich des heutigen John-F.-Kennedy-Platzes, durch das die Straße nach Wolfenbüttel und Leipzig rechts der Oker führte. Das Magnitor bei der heutigen Straße gleichen Namens, dieses Tor wurde jedoch später geschlossen, der Verkehr Richtung Magdeburg führte dann nur noch durch das Steintor, dessen Standort bei der Georg-Eckert-Straße angenommen werden kann. Die heute noch vorhandenen Zollhäuser an der Helmstedter Straße sind aus der Zeit der Bastionärbefestigung. Das Fallersleber Tor am Standort der Fallersleber Straße und des gleichnamigen Torwalls für die Straße Richtung Osten, später Berliner Straße. Das Wendentor an der Kreuzung der gleichnamigen Straße und des Torwalls am Gaußberg für die Straße Richtung Hamburg, also rechts der Oker. Das Neustadttor bei der Neustadtmühle, der Weg führte in die Masch, das Tor wurde später geschlossen. Das Petritor beim heutigen Petritorwall und der gleichnamigen Straße. Die Bezeichnung „Am Neuen Petritor“ und „Am Alten Petritor“ deuten darauf hin, dass der Tordurchgang verlegt worden ist. Hier entlang führte die Straße über Celle nach Bremen, also links der Oker. „Das Hohe Tor“ mit der Straßenverbindung unmittelbar zum Altstadtmarkt lässt auf eine sehr alte und herrschaftliche Nutzung schließen. Der Grundriss des historischen Stadttors ist in der Sonnenstraße eingelassen. Die auswärtige Straße führte nach Hildesheim, verzweigte aber auch nach Süden.