mini|Satellitenbild des Franz-Josef-Landes (Juli 2005) mini|Satellitenaufnahme (August 2011) mini|Beschriftete Aufnahme der zentralen Inselgruppe (August 2011)
Franz-Josef-Land ( ) ist eine Inselgruppe im Nordpolarmeer nördlich der großen Doppelinsel Nowaja Semlja und gehört zur Oblast Archangelsk in Russland. Benannt wurde sie in den 1870er Jahren nach dem Kaiser von Österreich und König von Ungarn (siehe Österreich-Ungarn), Franz Joseph I.
Das Kap Fligely auf der Rudolf-Insel (Ostrow Rudolfa) ist der nördlichste Landpunkt Eurasiens, bei 81° 51′ N Breite. In einigen geographischen Abhandlungen sowie auch englischsprachigen Beiträgen wird Franz-Josef-Land zu Asien gezählt. Auf Franz-Josef-Land herrscht etwa vom 10. April bis 1. September Polartag. Die Sonne steigt mittags zur Sommersonnenwende auf maximal 33°. Die Zufahrt ist nicht in jedem Jahr eisfrei und für Besucher nur wenige Sommerwochen lang auf einer der sporadisch durchgeführten Kreuzfahrten mit Eisbrechern möglich. Landexpeditionen sind in der Regel nicht erlaubt, doch gibt es Ausnahmen wie für die Payer-Weyprecht-Gedächtnisexpedition 2005.
Geographie Die Inselgruppe liegt nordwestlich der Inselgruppe Sewernaja Semlja („Nordland“). Franz-Josef-Land bildet zusammen mit der 160 km westlich und näher an Spitzbergen gelegenen Victoria-Insel (Ostrow Wiktorija) das gleichnamige russische Inselterritorium, das zur Oblast Archangelsk gehört. Die Inseln sind durch Fjorde und Buchten vielfach gegliedert und durch meist zugefrorene Meerengen getrennt. Der nördlichste Punkt Franz-Josef-Lands ist ca. 900 km vom geographischen Nordpol entfernt. Nur Grönland und die ihm nördlich vorgelagerten kleinen Eilande wie Kaffeklubben Ø sowie Ellesmere Island und Ward Hunt Island im kanadisch-arktischen Archipel liegen näher am Pol. Die südlichste Insel Franz-Josef-Lands ist etwa 370 km von Nowaja Semlja („Neues Land“) entfernt. Franz-Josef-Land begrenzt die Barentssee im Norden.
Die Inselgruppe ist vulkanischen Ursprungs, die mit höchste Erhebung liegt auf der Wiener-Neustadt-Insel (Ostrow Winer Neischtadt). Die Gesamtfläche der Inseln beträgt 16.090 km², was etwa der Größe der Steiermark oder Thüringens entspricht. Im Einzelnen wurden 191 Inseln gezählt, nach anderer Quelle 187, deren Gesamtfläche zu 85 % ständig mit Eis bedeckt ist (Stand 2003). Damit weist die Inselgruppe die höchste Vergletscherungsrate aller arktischen Länder auf.Robert Kostka, Aleksey Sharov: Operational Image-Based Mapping in the Franz Josef Land Archipelago (PDF; 1,8 MB). In: International Archives of Photogrammetry and Remote Sensing 31, Teil B4, 1996, S. 469–475. Die mittlere Eisdicke beträgt rund 180 m. Gletscher bilden etwa 60 % der Küstenlinie.
In Franz-Josef-Land gilt die Zonenzeit UTC+3 als Moskauer Standardzeit (MSK), gleich MEZ +2 Stunden. 2007 gab es noch zwei Stationen, die ganzjährig besetzt waren: die Wetterstation Nagurskaja auf Alexandraland mit einer Winterbesatzung von fünf Personen und das Geophysikalische Observatorium E.T. Krenkel auf der Hayes-Insel mit vier Personen.Алексей Сусликов:
Die Inseln
Benennung der Inseln mini|Champ-Insel mini|Kap Tegetthoff (Hall-Insel) mini|Northbrook-Insel mini|Franz-Josef-Land (2015) Semlja Alexandry (Alexandraland), mit der russischen Polarbasis Nagurskaja, die nördlichste Grenzschutzbasis Russlands samt einer Landepiste. Ostrow Bell (Bell-Insel), von Benjamin Leigh Smith 1880 entdeckt und benannt nach dem markanten Berg, der an eine Glocke erinnerte. Ostrow Tschamp (Champ-Insel, benannt nach William S. Champ) liegt im Innern der Inselgruppe und ist vor allem bekannt durch das Auftreten von Konkretionen in Form von Steinkugeln mit bis zu drei Metern Durchmesser. Semlja Georga (Prinz-Georg-Land) ist die größte und längste der Inseln, von Frederick George Jackson 1897 benannt nach George Frederick Ernest Albert, Prince of Wales, dem späteren britischen König George V. Ostrow Greem Bell (Graham-Bell-Insel, benannt nach Graham Bell) mit der längsten Landebahn des ganzen Archipels (2.100 m). Hier starteten und landeten auch schwere Transportmaschinen. Ostrow Gallja (Hall-Insel, benannt nach Charles Francis Hall) mit dem markanten Kap Tegetthoff und seinen vorgelagerten Felsnadeln. Das Kap war das erste Land, das Payer und Weyprecht nach ihrer über zwölf Monate langen Drift auf dem Expeditionsschiff Admiral Tegetthoff sichteten. Ostrow Heissa (Hayes-Insel) mit dem geophysikalischen Observatorium „Ernst T. Krenkel“. Ostrow Gogenloe (Hohenlohe-Insel) mit Kap Schrötter. Ostrow Gukera (Hooker-Insel) mit dem Rubini-Felsen, dem bedeutendsten Vogelfelsen des Archipels. Von 1929 bis 1959 befand sich auf Hooker-Island die sowjetische Forschungsstation Buchta Tichaja. Ostrow Nordbruk (Northbrook-Insel, benannt nach Thomas Baring, 1. Earl of Northbrook), eine der südlichsten Inseln und relativ gut zugänglich. Ostrow Rudolfa (Rudolf-Insel), nördlichste Insel und Ausgangspunkt für Pol-Expeditionen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts (Teplitz-Bucht). Auf einem flachen Gletscher befindet sich eine kurze Eis-Landepiste. Ostrow Wiltscheka (Wilczek-Insel), südlichste Insel und von Payer und Weyprecht am 1. November 1873 erstmals betretenes Land, Grab des Maschinisten Ota Kříž. Semlja Wiltscheka (Wilczek-Land), zweitgrößte der Inseln, mit Kap Heller. Ostrow Winer Neischtadt (Wiener-Neustadt-Insel) mit dem höchsten Berg der Inselgruppe (Peak Parnass mit 620 m). Ostrow Ziglera (Ziegler-Insel), benannt nach dem US-amerikanischen Sponsor zweier Polarexpeditionen – der Baldwin-Ziegler-Expedition 1901–1902 und der Fiala-Ziegler-Expedition 1903–1905.
Inseln nach Fläche Insel russisch Flächekm²HöhemPrinz-Georg-LandЗемля Георга2820,8416Wilczek-LandЗемля Вильчека2203,3606Graham-Bell-InselОстров Греэм-Белл1556,6509AlexandralandЗемля Александры1095,3382Hall-InselОстров Галля1049,4502Salisbury-InselОстров Солсбери960,0482McClintock-InselОстров Мак-Клинтока611,5521Jackson-InselОстров Джексона521,4481La-Ronciere-InselОстров Ла-Ронсьер478,3431Hooker-InselОстров Гукера459,8576Ziegler-InselОстров Циглера448,0554Champ-InselОстров Чамп374,3507Luigi-InselОстров Луиджи370,6468Salm-InselОстров Сальм344,0343Karl-Alexander-InselОстров Карла-Александра329,2365Rudolf-InselОстров Рудольфа295,5461Northbrook-InselОстров Нортбрук288,6344Eva-Liv-InselОстров Ева-Лив288,0381Wiener-Neustadt-InselОстров Винер-Нёйштадт237,0620Bruce-InselОстров Брюса190,8301Nansen-InselОстров Нансена164,1372Payer-InselОстров Пайера160,0284Rainer-InselОстров Райнера139,8284Hayes-InselОстров Хейса132,2242Greely-InselОстров Грили127,2447Arthur-InselОстров Артура111,2275 übrige Inseln 333,1 Franz-Josef-Land Земля Франца-Иосифа 16090,0 620 Zu den Inseln mit weniger als 100 Quadratkilometern zählen unter anderem die Alger-Insel (Алджер), die Becker-Insel (Остров Беккера), die Bell-Insel (Белл), die Hochstetter-Inseln (Острова Хохштеттера), die Hoffmann-Insel (Остров Гофмана), die Hohenlohe-Insel (Гогенлоэ), die Kane-Insel (Остров Кейна), die Koldewey-Insel (Остров Кольдевея), die Kuhn-Insel (Остров Куна), Lütke-Insel (Остров Литке), Mabel-Insel (Мейбел), die Perlmutt-Insel (Перламутровый) und die Wilczek-Insel (Остров Вильчека).
Klima Raues, arktisches Klima herrscht im Gebiet der Inselgruppe vor, es kommt oft zu Stürmen und besonders am Ende des sehr kurzen Sommers zu dichtem Nebel. Die Temperaturen liegen im Durchschnitt bei +2 °C im Sommer und −22 °C im Winter. In den letzten Jahren lagen die Extremwerte bei +10 °C bzw. −48,9 °C. Diese Daten beziehen sich auf die Wetterstation Nagurskoje auf Alexandraland (Semlja Alexandry) im Westen des Archipels.
Die Inselgruppe liegt am Rand der Packeisgrenze, das heißt, dass nördlich der Inselgruppe das Eis auch im Sommer nicht aufbricht, jedoch zirkumpolar driftet. Aber auch weiter südlich bedecken gewaltige Packeisfelder fast 70 % der nördlichen Barentssee.
Flora und Fauna Flora So nah am Nordpol ist die Vegetation sehr spärlich. Sie bedeckt nur 10 % der eisfreien Fläche. Nur unterhalb von Vogelfelsen gibt es aufgrund der Düngung durch Guano geschlossene Vegetationsflächen.
Verbreitet sind vor allem Flechten, die in über 100 Arten heimisch sind. Einige Grasarten und die wenigen anderen Blütenpflanzen, die im Frühsommer eine kurze Blüte erleben, kommen nur bis zu einer Höhe von 130 m vor. Bis zu 175 m Höhe dominieren Moose und Flechten, darüber nur noch Flechten. In manchen von der Sonne beschienenen Schneefeldern entwickeln sich in den oberen Schichten des tauenden Schnees sehr farbenprächtige Schneealgen, zum Beispiel in Scharlachrot oder Grasgrün.
Fauna Vögel
Auf Franz-Josef-Land wurden 41 Vogelarten beobachtet, von denen 14 hier auch brüten. Die Anzahl der brütenden Arten nimmt innerhalb des Archipels von Südwesten nach Nordosten ab. Am häufigsten sind Meeresvögel. Die häufigsten Arten sind: Krabbentaucher (~ 500.000 Brutpaare) Dickschnabellumme (~ 200.000 Brutpaare) Gryllteiste (~ 30.000 Brutpaare) Dreizehenmöwe (~ 20.000 Brutpaare) Eissturmvogel (~ 20.000 Brutpaare)
Für die seltene Elfenbeinmöwe ist der Archipel eines der wichtigsten Brutgebiete in der russischen Arktis. Die Population wird hier auf 1000 bis 1500 Paare geschätzt.
Säugetiere Landsäugetiere An Landsäugetieren sind nur der Eisbär und in geringer Zahl der Polarfuchs heimisch. Der Eisbär wird manchmal auch als Meeressäuger eingeordnet, da er sein Leben zum Großteil im Packeis verbringt. Sich verschlechternde klimatische Bedingungen führten bereits im Mittelalter zum Aussterben der früher heimischen Rentiere. Das Alter der gefundenen Rentiergeweihe wurde auf 6400 bis 1300 Jahre datiert.Andreas Umbreit:
Meeressäuger Verbreitete Meeressäuger sind Sattelrobben, Ringelrobben und Bartrobben. Auch das Walross ist nicht selten. Im Meer lebt eine kleine Population des Grönlandwals. Viele Walarten kommen im Seegebiet zwischen Spitzbergen und Franz-Josef-Land vor, darunter der Blauwal, der Finnwal und im Packeis nördlich der Inselgruppe auch der Narwal.
Wirbellose Tiere Es finden sich die für die Arktis typischen Arten von Krill, die die Grundlage der Nahrungskette der meisten Tiere bilden und sich dank der beständigen Algenblüte im Sommer reichlich vermehren. Auf dem Meeresboden wächst die ebenfalls für arktische Gewässer typische Megafauna, von Rippenquallen über Krebstiere bis hin zu den Seeanemonen.
Fische Von 33 Fischarten ist bekannt, dass sie in den Gewässern um Franz-Josef-Land leben. Es gibt den in kleinen Höhlen und Spalten im Packeis wohnenden Polardorsch. Keine von den 33 Fischarten wird kommerziell genutzt.
Geschichte Das Seegebiet um den Archipel wurde vermutlich schon im 17. Jahrhundert von Robbenjägern und Walfängern bereist. In mehreren Dokumenten wird von Inseln östlich von Spitzbergen berichtet, so 1614 bei William Baffin und 1675 bei Cornelis Roule. Die Angaben sind aber so ungenau oder weitab der wirklichen Lage des Archipels, dass zweifelhaft ist, ob es sich um Franz-Josef-Land gehandelt hat.Andreas Umbreit:
mini|Auf der Schonerbark Admiral Tegetthoff mit dem Packeis driftend sichtete 1873 die Nordpolarexpedition unter Weyprecht und Payer Land bei rund 80° N und benannte es nach Kaiser Franz Joseph I.
Der norwegische Robbenfänger Nils Fredrik Rønnbeck berichtete, 1865 Land östlich des Spitzbergen-Archipels gesichtet zu haben. Hier könnte es sich um eine der westlichsten Inseln Franz-Josef-Lands gehandelt haben; doch sind genaue Positionsbestimmungen und Beschreibungen markanter Punkte nicht bekannt.