Warendorf (westfälisch Warnduorp) ist eine mittlere kreisangehörige Stadt und die Kreisstadt des Kreises Warendorf. Sie liegt im Regierungsbezirk Münster im Norden Nordrhein-Westfalens. Warendorf gilt aufgrund seiner starken Verbindung zu Pferdesport und Pferdezucht als "Stadt des Pferdes". Hier haben Institutionen wie das Nordrhein-Westfälische Landgestüt, das Deutsche Olympiade-Komitee für Reiterei (DOKR) und die Deutsche Reiterliche Vereinigung (Bundesverband für Pferdesport und -zucht) ihren Sitz.

Geografie Warendorf liegt an der Ems im östlichen Münsterland. Dieser Teil der Westfälischen Tieflandsbucht ist von intensiver, allerdings relativ kleinteiliger landwirtschaftlicher Nutzung geprägt; wegen des abwechslungsreichen Bilds, das Äcker, Wiesen, Weiden, kleine Wäldchen und Wallhecken ergeben, spricht man von der „Münsterländer Parklandschaft“.

Die nächstgelegenen Großstädte sind Gütersloh, etwa 30 km östlich und Münster etwa 30 km westlich. Weitere Großstädte in der Umgebung sind Osnabrück, etwa 40 km nördlich, Bielefeld, etwa 45 km östlich und Hamm, etwa 35 km südlich.

Nachbargemeinden Warendorf grenzt an folgende Städte und Gemeinden (die Aufzählung erfolgt von Norden im Uhrzeigersinn): Sassenberg, Beelen, Ennigerloh, Sendenhorst, Everswinkel, Telgte, Ostbevern und Glandorf (in Niedersachsen).

Stadtgliederung mini|Ortsteile von Warendorf (auch die, die nicht offiziell als Ortsteil ausgewiesen sind, jedoch auf einer alten Gemeinde basieren) mini|Ortsteile von Warendorf mini|Blick auf den Warendorfer Marktplatz mit der Laurentiuskirche Seit der kommunalen Neugliederung 1975 besteht Warendorf aus fünf Stadtteilen. Neben der beiderseits der Ems gelegenen Kernstadt sind dies die Ortsteile Milte und Einen/Müssingen im Norden des Stadtgebiets, sowie Freckenhorst und Hoetmar im Süden.Hauptsatzung der Stadt Warendorf in der Fassung vom 20. Juni 2008 § 3a, Abs. 1

Geschichte Im 9. Jahrhundert gingen der Ursprung und der Name Warendorfs auf den uralten sächsischen Oberhof Warantharp („Das Dorf am Uferdamm“) zurück, der wahrscheinlich schon vor 700 n. Chr. bestand. Zwischen 1197 und 1201 wird Warendorf zur Stadt. Etwa in dieser Zeit wird neben der bereits bestehenden Pfarrgemeinde, zu der die „Alte Kirche“ (St. Laurentius) gehört, eine zweite Pfarrgemeinde im Westen der Innenstadt mit der „Neuen Kirche“ (St. Marien) gegründet. Eine Urkunde über die Verleihung der münsteranischen Stadtrechte im mittelalterlichen Rechtssinn fehlt allerdings wie in Münster, da während der Herrschaft der Täufer sämtliche Urkunden und Dokumente vernichtet wurden. Zur Stadtwerdung hat insbesondere Bischof Hermann II. von Katzenelnbogen (Bischof 1173–1202) beigetragen.

Im Jahre 1224 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung Warendorfs als Civitas, das heißt als bürgerlich-städtische Gemeinde. Der Wohlstand der Warendorfer wuchs stetig an. Im Jahre 1255 kam es zum Anschluss an den Rheinischen Landfriedensbund zum Schutz der Kaufleute vor Wegelagerern. Warendorf entwickelte sich in dieser Zeit mehr und mehr zu einer wichtigen Handels- und Hansestadt, da es geografisch günstig zwischen westlich-östlich Münster und Oelde und nördlich-südlich zwischen Osnabrück und Soest liegt. Diese Handelsbeziehungen dürften z. B. die Ansiedelung von Familienzweigen des Adelsgeschlechts Warendorf in Münster und Lübeck begünstigt haben. Außerdem profitierte Warendorf von der Produktion und dem Handel mit Leinen. Die wohlhabenden Warendorfer siedelten am Marktplatz, in der Ems- und an der Oststraße. Auch heute wird das Warendorfer Stadtbild von dieser Stadtkulisse geprägt. Die ärmere Bevölkerung lebte dagegen in einfachen Häusern mit gestampftem Lehmboden, der teilweise schlechter als der Straßenbelag war. Die schlechten Lebensbedingungen führten zu Seuchen und Krankheiten.

Im Jahre 1404 ereignete sich in Warendorf ein Stadtbrand, dem neben 600 Häusern auch die Alte Kirche (St. Laurentius) und das Rathaus mit allem Inventar zum Opfer fielen. Eine große Holztafel im Rathaus erinnert an den Stadtbrand.

Im Jahre 1533 breitete sich wie in Münster eine Täuferbewegung in Warendorf aus. Diese übernahm im Oktober 1534 für eine Woche die Macht in der Stadt, bis sie nach einer kurzen Besetzung durch Bischof Franz von Waldeck beendet wurde. Vier täuferische Apostel und die Warendorfer Rädelsführer wurden zum Tode verurteilt und auf dem Marktplatz durch das Schwert gerichtet. Zur Abschreckung wurden die Leichen der „Apostel“ an den vier Stadttoren aufs Rad gelegt. Als Folge verlor Warendorf die Stadtrechte und erlangte sie sukzessive ab 1542 wieder; die freie Wahl des Rates erst im Jahre 1556 unter Bischof Franz’ Nachfolger. Die Täuferbewegung hielt sich bis ins 17. Jahrhundert hinein im Untergrund, ohne eine Gefahr für Stadt und Kirche zu bedeuten.Hans-Joachim Behr: Die Stadt Warendorf in der Territorialgeschichte des Fürstbistums Münster bis 1803. In: Geschichte der Stadt Warendorf – Band 1. Ardey-Verlag, Münster 2000, ISBN 3-87023-179-3, S. 304–308.Alois Schröer: Die Kirche von Warendorf zur Zeit der Reformation und der katholischen Erneuerung (1500–1650). In: Geschichte der Stadt Warendorf – Band 1. Ardey-Verlag, Münster 2000, ISBN 3-87023-179-3, S. 351–358.

mini|links|Warendorf im Jahre 1616 Zwischen 1627 und 1632 kam es zum erneuten Verlust des Stadtrechts während der Glaubenskämpfe im Dreißigjährigen Krieg. Von 1657 stammt die erste Erwähnung des Fettmarkts. Dieser Markt ist bis in die heutige Zeit ein wichtiger Jahrmarkt geblieben. 1741 brach ein weiterer großer Stadtbrand aus, dem die Neue Kirche (St. Marien) und 332 Häuser zum Opfer fielen. Durch den dadurch bedingten Fortzug vieler Handwerker geriet Warendorf in zunehmenden wirtschaftlichen Niedergang. Die einst blühende Stadt verarmte.

Im Jahre 1802 kam Warendorf unter preußische Oberherrschaft. Im Jahre 1826 erfolgte die Gründung des Westfälischen Landgestüts in Warendorf durch die preußische Gestütsverwaltung. Im Jahre 1887 wurde die Eisenbahnlinie Münster–Warendorf–Rheda eröffnet. Im Zuge dessen wurde das erste Bahnhofsgebäude errichtet. Es ist erhalten, wird jedoch nicht mehr als Bahnhofsgebäude genutzt. Für den Anschluss der Strecke aus Beckum wurde 1902 ein neues Bahnhofsgebäude errichtet und in Betrieb genommen, fiel jedoch am 13. Januar 1995 einem Brand zum Opfer.

In den Jahren 1937 und 1938 wurde Warendorf Garnisonsstadt. Es wurden Kasernen im Norden der Stadt gebaut, in denen heute die Sportschule der Bundeswehr ansässig ist.

Eingemeindungen Am 1. Oktober 1945 wurde die Gemeinde Neuwarendorf eingegliedert. Am 1. Juli 1969 wurden die bisher selbstständigen Gemeinden Velsen und Vohren, die seit der Ausgliederung aus Altwarendorf im Jahr 1844 existierten, eingemeindet. Am 1. Januar 1975 erfolgte eine weitere kommunale Neugliederung durch die Integration der Gemeinden Einen und Milte und den Zusammenschluss mit der Stadt Freckenhorst. Der neue Kreis Warendorf wurde durch Zusammenschluss der Kreise Warendorf und Beckum gebildet. Warendorf wurde zur Kreisstadt bestimmt.

Religionen mini|Katholische Kirche im Ortsteil Einen mini|Franziskanerkloster mini|St.-Josef-Kirche (Luftbild, 2014) Die Stadt ist überwiegend katholisch geprägt. Im Bereich der Kernstadt Warendorf befinden sich folgende Kirchengemeinden:

Die römisch-katholischen Gemeinden Sankt Laurentius (älteste Gemeinde der Stadt) Sankt Marien (zweitälteste Gemeinde der Stadt) Sankt Josef (jüngste Gemeinde der Stadt) sowie ein Franziskanerkloster, in dessen Kirche sich eine Kanzel von 1771 des Bildhauers Johann Heinrich König aus Münster befindet.

Die drei katholischen Kirchengemeinden sind 2010 zur Gemeinde St. Laurentius fusioniertKirchenfusion: Vielfalt in einer Wohnung leben. Website der Westfälischen Nachrichten. Abgerufen am 5. Februar 2013., das Franziskanerkloster wurde vom Orden an einen privaten Investor veräußert, der es nun zu Wohnungen umbaut. Außerdem ist in der ehemaligen Klosteranlage das Westpreußische Landesmuseum angesiedelt.Warendorfer Kloster soll Museum werden, Tageszeitung "Die Glocke" vom 6. Januar 2012, Website "Die Glocke". Abgerufen am 5. Februar 2013. Die in der Bauerschaft Vohren gelegene Affhüppenkapelle wurde bis in die 1950er Jahre durch die Kirchengemeinde St. Laurentius für Gottesdienste genutzt. Zuletzt diente sie im Eigentum des Bistums Münster als Lapidarium und wurde 2024 an einen privaten Investor verkauft.

Im Ortsteil Einen befindet sich eine der ältesten noch im ursprünglichen Baustil erhaltenen Kirchen im Münsterland, an die im Jahre 1983 eine neue Kirche gebaut wurde. Man kann davon ausgehen, dass direkt neben einer der ältesten Kirchen der Region die neueste Kirche steht.

In der evangelischen Kirchengemeinde, welche in Warendorf-Nord und Warendorf-Süd unterteilt ist, hat sich im Jahr 2005 ein Christlicher Verein Junger Menschen gegründet.

Außerdem gibt es eine neuapostolische Gemeinde, einen Königreichssaal der Zeugen Jehovas, eine mennonitische Gemeinde und eine evangelische Freikirche.

An der Wallpromenade befindet sich eine Moschee des türkisch islamischen Kulturvereins DiTIb.

Bis 1941 bestand die bedeutende Jüdische Gemeinde Warendorf. Die Gemeindemitglieder, die bis dahin noch nicht aus Deutschland vor der NS-Diktatur geflohen waren, wurden deportiert und schließlich ermordet. Nach Mai 1945 fanden wieder jüdische Gottesdienste in Warendorf statt.Elfi Pracht-Jörns: Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen, Band 4: Regierungsbezirk Münster (= Beiträge zu den Bau- und Kunstdenkmälern von Westfalen, Band 1.2). J. P. Bachem, Köln 2002, ISBN 3-7616-1397-0, S. 8. Spätestens seit 1949 gehören die Warendorfer Juden zur Jüdischen Gemeinde Münster. Die ehemalige Synagoge ist in veränderter Form erhalten.Alfred Smieszchala: Die Warendorfer Synagoge. Ein Beitrag zur Baugeschichte. In: Warendorfer Schriften, Jg. 19/20 (1989/1990), S. 131–142. Verschiedene Gedenksteine erinnern an jüdisches Leben in Warendorf.

Politik Stadtrat Die Ergebnisse der Kommunalwahl am 14. September 2025.des/der Landrats/Landrätin - Stadt Warendorf , auf wahlen.citeq.de

Die Sitzverteilung im Stadtrat seit 2009 zeigt die folgende Tabelle: Partei/ListeSitze20252020 2014 2009 Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU)2118 20 19 Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)810 10 9 Bündnis 90/Die Grünen6106 6 Freie Demokratische Partei (FDP)233 5 Freie Wähler (FWG)543 5Die Linke32Die PARTEI1ÖDP1 Gesamt46 48 42 44

Bürgermeister Amtierender Bürgermeister ist seit dem 1. November 2020 der parteilose Peter Horstmann. Er gewann am 27. September 2020 die Stichwahl mit 76,10 % gegen den vorherigen Amtsinhaber Axel Linke. Peter Horstmann wurde bei den Kommunalwahlen am 14. September 2025 mit einem Wahlergebnis von 73,6 % der Stimmen wiedergewählt.

Wappen, Flagge und Dienstsiegel Die Stadt führt ein Wappen, eine Flagge und ein Siegel.

Blasonierung „In Gold (Gelb) ein roter Torturm mit doppeltem Zinnenkranz, offenem Tor mit darüber hängendem silbernen (weißen) Fallgatter und beiderseits anschließender, ansteigender roter Zinnenmauer.“ Das Wappen basiert auf dem ältesten erhaltenen Abdruck des Stadtsiegels, welches sich unter einem Vertrag mit der Stadt Köln von 1255 befindet. Es wurde in dieser Form zuletzt 1952 vom Stadtrat angenommen. Beschreibung der Hissflagge „Die Flagge zeigt die Farben weiß-blau-rot, und zwar viermal nebeneinander.“ Ihre Verwendung ist seit 1680 belegt. Beschreibung des Banners „Das Banner zeigt die Farben weiß-blau-rot, und zwar viermal nebeneinander mit dem Wappen in der oberen Hälfte. Es wird auch ohne Wappen gezeigt.“Peter Veddeler: Siegel, Wappen und Flagge der Stadt Warendorf. In: Geschichte der Stadt Warendorf – Band 1. Ardey-Verlag, Münster 2000, ISBN 3-87023-179-3, S. 662. Beschreibung des Dienstsiegels „Die Stadt führt im Dienstsiegel das Stadtwappen mit der Umschrift „Siegel der Stadt Warendorf a.d.Ems“.“§ 2 der Hauptsatzung der Stadt Warendorf (PDF; 80 kB) mini|hochkant=1.1|Rathaus Warendorf

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