mini|Regierung von Oberbayern

Oberbayern ist sowohl ein Bezirk (dritte kommunale Ebene) als auch ein flächengleicher Regierungsbezirk in Bayern. Oberbayern liegt im Südosten des Freistaats und grenzt im Süden und Südosten an Österreich, im Nordosten an Niederbayern und die Oberpfalz, im Norden an Mittelfranken und im Westen an Schwaben. Verwaltungssitz des Bezirks und Sitz der Bezirksregierung ist München.

Die bayerischen Bezirke sind als dritte kommunale Ebene Selbstverwaltungskörperschaften, die mehrere Landkreise und kreisfreie Städte umfassen. Flächengleich gibt es jeweils einen gleichnamigen Regierungsbezirk, das Zuständigkeitsgebiet der Bezirksregierung (oft nur kurz Regierung) als staatlicher Mittelbehörde. Anders als bei den Landratsämtern, die zugleich staatliche und kommunale Behörde sind, existieren hierfür in Bayern mit den Bezirksverwaltungen und den Regierungen getrennte Behörden.

Oberbayern ist eine Bezeichnung für eine administrative Einheit, deren Grenzen sich im Laufe der Jahrhunderte mehrfach verändert haben und keine Rücksicht auf Stammes- oder Sprachgrenzen genommen haben. Insbesondere gibt es keinen spezifisch oberbayerischen Dialekt. Der Begriff „Oberbayern“ erscheint zum ersten Mal im Jahre 1255 bei der bayerischen Landesteilung. Die Ausdehnung war jedoch ursprünglich eine andere: Der Chiemgau und die Gegend von Bad Reichenhall gehörten damals zu Niederbayern. Die Bezeichnung bezieht sich auf die relative Lage an der Donau und ihren Nebenflüssen: Stromabwärts wird Oberbayern gefolgt von Niederbayern, Oberösterreich, Niederösterreich.

Oberbayern ist in Deutschland nach Hamburg die Region mit dem zweithöchsten Bruttoinlandsprodukt je Einwohner.Wirtschaftskraft im EU-Vergleich auf destatis.de – Statistisches Bundesamt Die Oberzentren in Oberbayern sind (nach Einwohnerzahl geordnet) München, Ingolstadt, Rosenheim, Freising, Erding, Garmisch-Partenkirchen, Weilheim in Oberbayern und Traunstein.

Politische Gliederung Seit 1972 Der Regierungsbezirk Oberbayern umfasst drei kreisfreie Städte und 20 Landkreise:

Kreisfreie Städte München Ingolstadt Rosenheim

Landkreise

Anmerkungen: In der Übergangszeit vom 1. Juli 1972 bis zum 30. April 1973 trugen vier Landkreise andere Namen: Der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen hieß Landkreis Bad Tölz. Der Landkreis Berchtesgadener Land hieß Landkreis Bad Reichenhall. Der Landkreis Neuburg-Schrobenhausen hieß Landkreis Neuburg a. d. Donau. Der Landkreis Weilheim-Schongau hieß Landkreis Weilheim i. OB.

Bis 1972 Vor der Kreisgebietsreform am 1. Juli 1972 hatte der Regierungsbezirk sieben kreisfreie Städte und 26 Landkreise:

Kreisfreie Städte Bad Reichenhall (heute Große Kreisstadt im Landkreis Berchtesgadener Land) Freising (heute Große Kreisstadt im Landkreis Freising) Ingolstadt Landsberg am Lech (heute Große Kreisstadt im Landkreis Landsberg am Lech) München Rosenheim Traunstein (heute Große Kreisstadt im Landkreis Traunstein)

Landkreise

Planungsregionen Oberbayern umfasst vier Planungsregionen. Dies sind die Planungsregion Ingolstadt, Planungsregion München, Planungsregion Oberland und Planungsregion Südostoberbayern.

Geschichte

Mit der ersten bayerischen Landesteilung 1255 wurde unter Ludwig dem Strengen ein selbstständiges Herzogtum Oberbayern geschaffen, das jedoch mit dem heutigen Regierungsbezirk nicht deckungsgleich war. Nach vorübergehender Wiedervereinigung 1340 wurde das Herzogtum Bayern 1392 dreigeteilt: In Oberbayern entstanden Bayern-München und Bayern-Ingolstadt, in Niederbayern Bayern-Landshut. Daneben bestand in Niederbayern als viertes Herzogtum seit 1353 Bayern-Straubing. 1505 waren alle Teilherzogtümer wiedervereint.

Zu Verwaltungszwecken wurde Bayern in der Folge in Rentämter aufgeteilt. So entstanden im Süden des Herzogtums das Rentamt München und das Rentamt Burghausen. Mit der Säkularisation 1802/03 kamen die Gebiete des Hochstifts Freising zu Bayern. 1810 kam der Rupertiwinkel an Bayern, die endgültige Grenze zu Österreich wurde erst 1816 mit dem Vertrag von München festgelegt, als das Herzogtum Salzburg abgetreten wurde.

Mit der Bayerischen Verfassung von 1808 erfolgte die systematische Einteilung des nunmehrigen Königreichs Bayern in Kreise, die als Mittelbehörden nicht den heutigen Landkreisen, sondern den heutigen Bezirken entsprachen. 1837 ließ der romantisch bewegte König Ludwig I. das französische Benennungssystem der bayerischen Kreise nach Flussnamen durch historisierende Bezeichnungen ersetzen, die die Geschichte der bayerischen Landesteile widerspiegeln sollten. Dadurch entstand aus dem Isarkreis der Kreis Oberbayern. Die Bezeichnung „Kreis“ wurde in der NS-Zeit jedoch der preußischen Bezeichnung „Regierungsbezirk“ angeglichen. Daneben bestand 1930 bis 1945 der Gau München-Oberbayern, was ab 1933 während der NS-Diktatur politisch Bedeutung hatte.

Die innerbayrischen Grenzen haben sich in der Folge mehrfach geändert. Im Jahre 1972 fielen im Zuge der großen Gebietsreform in Bayern die Stadt und der Hauptteil des Landkreises Neuburg a.d. Donau sowie die Fuchstalgemeinden des bisherigen Landkreises Kaufbeuren an Oberbayern und der Hauptteil des bisherigen Landkreises Aichach an Schwaben.

Konfessionsstatistik Beim Zensus 2011 gehörten noch etwa zwei Drittel der Bevölkerung Oberbayerns der römisch-katholischen Kirche (51,3 %) oder der evangelischen (13,5 %) an. Der Anteil der Protestanten und Katholiken an der Gesamtbevölkerung ist seitdem jährlich um 1 Prozentpunkt gesunken. Nach den Ergebnissen des Zensus 2022 lag der Anteil bei der römisch-katholischen Kirche im Jahr 2022 bei 40,7 % und bei der evangelischen Kirche bei 10,3 %, zusammen war das mit 51 % nur knapp die Mehrheit.

Wirtschaft Erwerbstätigkeit Die Arbeitslosenquote in Oberbayern betrug 2019 im Jahresdurchschnitt 3,6 Prozent. Etwa 1,6 Millionen Menschen in Oberbayern sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt, über eine Million davon im Dienstleistungssektor. Weniger als 500.000 arbeiten im produzierenden Gewerbe und etwa 11.000 in Land- und Forstwirtschaft. Der Bezirk betreibt mit den Kliniken des Bezirks Oberbayern ein Kommunalunternehmen.

Im Vergleich mit dem BIP der EU ausgedrückt in Kaufkraftstandards erreicht der Regierungsbezirk einen Index von 178 (EU-28=100) (2015). Er ist damit eine der wirtschaftsstärksten Regionen in Europa.

Tourismus Oberbayern zählt seit jeher zu den bedeutendsten nationalen und internationalen Destinationen im Tourismus. Mit weltweit bekannten Sehenswürdigkeiten wie den Schlössern des Königs Ludwig II., 414 Museen, den Attraktionen in der Landeshauptstadt München und vielen Naturschönheiten ist Oberbayern eine beliebte Urlaubsregion.

Der Dachverband der oberbayerischen Tourismuswirtschaft ist seit seiner Neugründung im Jahr 2015 der Verein Tourismus Oberbayern München.

Der Brutto-Umsatz des oberbayrischen Tourismus auf 12,6 Mrd. Euro durch Übernachtungsgäste und Tagesbesucher, wobei der Schwerpunkt bei letzteren liegt.Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Fremdenverkehr in Bayern. Statistische Berichte 2010, München 2010. Der Beschäftigungseffekt wirkt sich auf rund 200.000 Personen aus, die im Tourismus arbeiten können und ihren Lebensunterhalt mit einem durchschnittlichen Primäreinkommen bestreiten.Oberbayern Broschüre „Gemeinsam sind wir stark“ Tourismus in Oberbayern 2009.

Bezirk mini|100px|Wappen des Bezirks Oberbayern mini|100px|Flagge des Bezirks Oberbayern mini|Logo des Bezirks Oberbayern

Der Bezirk Oberbayern mit Sitz in München (Prinzregentenstraße 14) bildet mit den anderen bayerischen Bezirken die dritte kommunale Ebene des Bundeslandes. Die Kernaufgaben des Bezirks liegen im sozialen und kulturellen Bereich. Die Organe der Körperschaft des Öffentlichen Rechts sind der Bezirkstag, der Bezirksausschuss und der Bezirkstagspräsident ( Bezirksordnung).

Geschichte 1978 wurden die Bezirke mit der Bezirksreform („Gesetz zur Stärkung der kommunalen Selbstverwaltung auf der Ebene der Bezirke“) zur eigenständigen (dritten) kommunalen Ebene gemacht, insbesondere wurden die Verwaltungen der Bezirke aus den Regierungen herausgelöst. Die Bezirkstagspräsidenten erhielten mehr Befugnisse.

Ende der 90er-Jahre erschütterten Skandale um die damaligen oberbayerischen CSU-Bezirkstagspräsidenten Erwin Filser und Hermann Schuster die Öffentlichkeit, aufgrund derer die Bezirke als dritte kommunale Ebene in ganz Bayern nur knapp der kompletten Abschaffung durch den Landtag entgingen.

Soziales Die Körperschaft ist unter anderem überörtlicher Sozialhilfeträger. Damit ist er zuständig für Leistungen wie Hilfe zur Pflege für alte und pflegebedürftige Menschen sowie für Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen.

Gesundheit Als Träger der psychiatrischen und neurologischen Versorgung betreibt der Bezirk Oberbayern eigene Fachkrankenhäuser. Die „Kliniken des Bezirks Oberbayern“ sind an mehr als 20 Standorten in Oberbayern präsent und werden als Kommunalunternehmen betrieben.

Bildungswesen Der Bezirk Oberbayern ist Träger einiger Berufs- und Förderschulen. Er fördert zudem private Bildungseinrichtungen.

Kulturförderung Das Kulturreferat fördert überregionale kulturelle Veranstaltungen in Oberbayern und die Denkmalpflege. Der Bezirk Oberbayern ist auch Träger der Freilichtmuseen auf der Glentleiten und in Amerang und des Kultur- und Bildungszentrums im ehemaligen Kloster Seeon. Zudem betreibt der Bezirk eine Galerie in seinem Verwaltungsgebäude im Münchner Stadtteil Lehel und fördert junge Musiker durch einen Popularmusikbeauftragten.

Heimatpflege Der Bezirk betreibt ein Volksmusikarchiv, ein Trachteninformationszentrum, das Zentrum für Volksmusik, Literatur und Popularmusik (ZeMuLi) in Bruckmühl sowie in Benediktbeuern das Zentrum für Trachtengewand und das Forum Heimat und Kultur.

Liste von Pfarrhäusern in Bayern (Oberbayern) Liste von Burgen und Schlössern in Oberbayern

Bezirkstag

Der Bezirkstag wird parallel zum Bayerischen Landtag gewählt und setzt sich derzeit aus 82 Abgeordneten zusammen, davon sind 21 Sitze Überhang- und Ausgleichsmandate.

Zusammensetzung Wahl CSU SPD Grüne1978 AUD mit Kennwort Die Grünen FW FDP Die Linke ödp BP REP NPD GDP1954 und 1958 GB/BHE KPD PiratenAfDTiersch.VoltBasisPARTEI Gesamt2023277151331219111182201826818105322*7*182 2013Wahlergebnis Bezirkstagswahl 2013 Abgerufen am 5. März 2014.Bezirkstag: Mitglieder Abgerufen am 13. Januar 2018 30 13 8 6 2** 1 2 3 2** 67 2008 28 13 9 7 7 2 1 1 68 2003 34 11 6 2 2 1 1 57 1998 35 18 5 2 1 1 1 2 65 1994 34 17 6 2 2 1 3 65 1990 34 16 6 4 1 1 3 65 1986 36 17 6 3 2 64 1982 36 22 3 3 64 1978 37 21 1 5 64 1974 39 19 4 62 1970 31 23 3 1 1 59 1966 25 23 3 4 4 59 1962 23 22 3 4 2 54 1958 23 19 2 6 4 54 1954 18 17 3 10 5 1 54

*2023 wechselte ein Bezirksrat der AfD zur BP, so dass die BP seitdem 3 und die AfD 6 Mandate hatten.

**2015 wechselte ein Bezirksrat der Piratenpartei zur FDP, so dass die FDP seitdem 3 und die Piraten nur noch ein Mandat hatten.

Die Bezirkstagspräsidenten und ihre Vorläufer im Amt

Präsident des Landrat(h)s (1828 bis 1919)Michael W. Weithmann: Kleine Geschichte Oberbayerns. Pustet, 2016. Georg Ludwig Maurer, 1829, 1830 Maximilian von Freyberg-Eisenberg, 1832, 1834–36 Maximilian Graf von Hundt, 1833 Theobald Graf von Butler-Clonebough, 1837, 1839 Karl August Röckel zu Lauterbach, 1840, 1841, 1842, 1844 Kaspar von Steinsdorf, 1844, 1846–1848, 1858 Friedrich von Hofstetten, 1850 Erasmus Freiherr von Malsen, 1852, 1853 Franz Seraph Dobler, 1854–1857 Franz Xaver von Badhauser, 1859–1881 Friedrich von Schultes, 1882–1899 Josef von Seuffert, 1900–1913 Philipp von Brunner, 1914–1918

Kreistagspräsident (1919 bis 1945)

Jakob Kroher (BVP), 1919–1931 Alfons Stollreither (BVP), 1931–1933 Christian Weber (NSDAP), 1933–1945, ab 1939 als Präsident des Bezirksverbandstags

Bezirkstagspräsident

Peter Hecker (CSU), 1954–1966 Georg Klimm (CSU), 1966–1986 Hermann Schuster (CSU), 1986–1998