Rudolf Till (* 8. April 1911 in Freystadt; † 6. Juni 1979 in Buckenhof)Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. 2003, S. 626. (online auf: books.google.de) war ein deutscher Altphilologe.
Leben Das Studium von Latein, Griechisch und Geschichte in Breslau und München schloss er 1933 mit dem Staatsexamen ab. Zum 1. Mai 1933 war er der NSDAP beigetreten (Mitgliedsnummer 1.941.733)Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/44790509 und schloss sich auch dem NSDStB und der SA an.E. Kraus, H.-M. Körner: Die Universität München im dritten Reich. 2006, S. 216 ff. (online auf: books.google.de) 1934 wurde er in München mit der Dissertation Die Sprache Catos promoviert und war danach als Assistent tätig. 1936 ging er nach Marburg, wo er im Sommersemester 1936 mit der Schrift Die Redenfragmente des M. Porcius Cato habilitiert wurde. Am 23. Dezember 1936 erhielt er dann eine Dozentur für Klassische Philologie an der Universität Berlin.Gnomon. Kritische Zeitschrift für die gesamte klassische Altertumswissenschaft. 1936, Band 12, S. 672; BA Berlin, R 4901/13278, Bl. 775f. Das Bestreben des Münchner Dekans und SS-Brigadeführers Walther Wüst, Till als Vertretung auf einen Lehrstuhl zu berufen, hatte 1937 Erfolg, doch die Berufung als Professor wurde zunächst durch die Vertreter der Fakultät verhindert. Die Fakultät hatte stattdessen den renommierten Altphilologen Friedrich Klingner als Nachfolger für den vakanten Lehrstuhl gewünscht.
Nachdem Wüst schon seit 1937 die Aufnahme Tills in das Ahnenerbe der SS angestrebt hatte und dieser im Februar 1938Michael H. Kater: Das „Ahnenerbe“ der SS 1935–1945: Ein Beitrag zur Kulturpolitik des dritten Reiches. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2006, ISBN 3-486-57950-9, S. 457. (online auf: books.google.de) Leiter der Forschungsstätte für klassische Philologie und Altertumswissenschaft des SS-Ahnenerbe geworden war, bat Wüst im März 1938 den Reichsführer SS Heinrich Himmler um Unterstützung, und mit Wirkung vom 1. Mai 1938 erhielt Till eine planmäßige außerordentliche Professur für klassische Philologie,Gnomon. Kritische Zeitschrift für die gesamte klassische Altertumswissenschaft. 1938, Band 14, S. 400. den unbesetzten Lehrstuhl seines Doktorvaters Johannes Stroux. Für diese Berufung war Till sogar bereit gewesen, in die SS einzutreten (SS-Nummer 307.451), bei der er 1940 Obersturmführer wurde. Bei dieser Mitgliedschaft handelte es sich jedoch lediglich um eine „SS-Ehrenmitgliedschaft“, wie es 1948 im Entnazifizierungsverfahren vor der Spruchkammer München festgestellt wurde.Maximilian Schreiber: Altertumswissenschaften im Nationalsozialismus. Die klassische Philologie an der Ludwig-Maximilians-Universität. In: Elisabeth Kraus (Hrsg.): Die Universität München im Dritten Reich. Aufsätze. Teil I, Herbert Utz Verlag, München 2006, ISBN 3-8316-0640-4, S. 246. Erst 1947, zwei Jahre nach der Absetzung Tills, sollte Friedrich Klingner auf den Münchner Lehrstuhl berufen werden.
Till wurde im August 1941 zu einer Luftnachrichtenkompanie in Kolberg eingezogen, wo er als Hilfsausbilder bis November 1942 Dienst tat. Bis zum September 1943 arbeitete er wieder an der Universität München, wurde dann jedoch bis Kriegsende erneut beim Militär eingesetzt.Maximilian Schreiber: Altertumswissenschaften im Nationalsozialismus. Die klassische Philologie an der Ludwig-Maximilians-Universität. In: Elisabeth Kraus (Hrsg.): Die Universität München im Dritten Reich. Aufsätze. Teil I, Herbert Utz Verlag, München 2006, ISBN 3-8316-0640-4, S. 243–244. Trotz seiner Mitgliedschaft in NS-Organisationen soll Till in seinen Seminaren und Vorlesungen nie doktrinäre Anschauungen vertreten haben und dort, wie in seinen Veröffentlichungen, auch international bekannte sowie jüdische Wissenschaftler mit Respekt erwähnt und zitiert haben.Maximilian Schreiber: Altertumswissenschaften im Nationalsozialismus. Die klassische Philologie an der Ludwig-Maximilians-Universität. In: Elisabeth Kraus (Hrsg.): Die Universität München im Dritten Reich. Aufsätze. Teil I, Herbert Utz Verlag, München 2006, ISBN 3-8316-0640-4, S. 234. In seinen Forschungen vermied Till in der Regel direkte Bezüge auf die nationalsozialistische Ideologie.
Nach Ende des Krieges wurde Till auf Anordnung der Besatzungsmacht entlassen. Er war zunächst Lehrer, ab 1949 Unterrichtsleiter der Internatsschule Birklehof in Hinterzarten und wurde zum Professor zur Wiederverwendung ernannt. 1958 erhielt er einen Ruf als ordentlicher Professor und Lehrstuhlinhaber an die Universität Erlangen.Gnomon. Kritische Zeitschrift für die gesamte klassische Altertumswissenschaft. 1959, Band 31, S. 96.Ab 1. Dezember 1958: Personen- und Vorlesungsverzeichnis WS 1970/71, S. 56 ff. 1976 wurde Till emeritiert. Tills Verwicklung in den NS-Staat wurde erst lange nach seinem Tod bekannt, als 2006 ein Sammelband über die Universität München unter dem Hakenkreuz erschien.https://www.utzverlag.de/assets/pdf/40639dbl.pdf
Schriften (Auswahl) Die Sprache Catos. Dieterich, Leipzig 1935 (zugl. Dissertation, München 1934) Die Redenfragmente des M. Porcius Cato. Marburg 1937 (zugl. Habilitations-Schrift, Marburg 1936) Handschriftliche Untersuchungen zu Tacitus Agricola und Germania : Mit e. Photokopie d. Codex Aesinas. Ahnenerbe-Stiftung Verlag, Berlin 1943. Römische Elegiker : Tibull, Properz, Ovid, Copa. Kerle, Heidelberg 1957. Das Leben des Julius Agricola / Tacitus. Akademie-Verlag, Berlin 1961. Historiarum libri / Cornelius Tacitus. Kerle, Heidelberg 1963. Einführung in Leben und Werk des Tacitus. Klett, Stuttgart 1968.
Literatur Inge Auerbach: Catalogus professorum academiae Marburgensis. Die akademischen Lehrer der Philipps-Universität in Marburg. Zweiter Band: 1910 bis 1971. Marburg 1979, ISBN 3-7708-0662-X, S. 619–620. Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945? Fischer, 2003, ISBN 3-10-039309-0. Maximilian Schreiber: Altertumswissenschaften im Nationalsozialismus. Die klassische Philologie an der Ludwig-Maximilians-Universität. In: Elisabeth Kraus (Hrsg.): Die Universität München im Dritten Reich. München: Herbert Utz Verlag, 2006, S. 181–248, ISBN 3-8316-0639-0.
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Einzelnachweise
Kategorie:Altphilologe (20. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Standort Erlangen) Kategorie:Hochschullehrer (Ludwig-Maximilians-Universität München) Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:SS-Mitglied Kategorie:SA-Mitglied Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1911 Kategorie:Gestorben 1979 Kategorie:Mann Kategorie:Person (Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz) Kategorie:Person (Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe)