mini|Sitz der Zentrale: Hochhaus Uptown München in München (2018)

Die Telefónica Deutschland Holding AG mit Sitz in München ist ein Telekommunikationsunternehmen der Telefónica-Gruppe. Es vertreibt vor allem unter der Kernmarke O2 Mobilfunk- und Festnetzanschlüsse. Die UnternehmensgruppeSie besteht aus der Holding (Telefónica Deutschland Holding AG) und ihren Tochtergesellschaften. Siehe Telefónica Deutschland Holding AG: Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2018. Veröffentlicht im Bundesanzeiger am 21. März 2019. betreut aufgerundet 35 Millionen Mobilfunk- sowie 2,4 Millionen Breitbandanschlüsse und ist, wie auch Telekom Deutschland, Vodafone und 1&1 ein Mobilfunknetzbetreiber in Deutschland.

Unternehmensgeschichte Gründungsjahre Das Unternehmen ging aus dem 1995 gegründeten Mobilfunkunternehmen VIAG Interkom hervor. Damals hielten VIAG und BT Group jeweils 45 Prozent der Unternehmensanteile, 10 Prozent lagen bei Telenor.Telefónica Deutschland. In: General-Anzeiger, 24. Juli 2013. Die Lizenz zum Aufbau eines GSM-Netzes erhielt das Unternehmen zwei Jahre später. Im August 2000 erwarb die Gesellschaft für 16,52 Mrd. DM eine von insgesamt sechs UMTS-Lizenzen. Im selben Jahr übernahm die BT Group die Anteile von Telenor und kündigte auch die Übernahme der Anteile an, die E.ON hielt, der Rechtsnachfolger von VIAG.

Die BT Group trennte 2001 den Mobilfunk vom übrigen Geschäft und nannte ihn mmO2. Daraufhin wurde im Jahr 2002 der Name VIAG Interkom zu O2 Germany angepasst.

Übernahme durch Telefónica, S.A. und Börsengang 2006 übernahm die spanische Telefongesellschaft Telefónica im Zuge ihrer Expansionsstrategie in Europa O2 mit deren Töchtern in Deutschland, Großbritannien und Irland für insgesamt 17,7 Mrd. Pfund Sterling.Olive Classe, aktualisiert von Christina M. Stansell und M. L. Cohen: Telefóncia S.A. In: International Directory of Company Histories. Bd. 108, St. James Press, Farmington Hills, Michigan, 2010, S. 475–482 (englisch). Auf der Internationalen Funkausstellung 2007 stellte O2 Germany seine Discountmarke Fonic vor. Ein Jahr später wurde aus O2 Germany die Telefónica O2 Germany.

2010 schloss das Unternehmen die ein Jahr zuvor bekanntgegebene Übernahme des Festnetz- und Internetanbieters HanseNet ab. Im selben Jahr ersteigerte das Unternehmen für 1,38 Mrd. Euro LTE-Frequenzen.Bundesnetzagentur: Eine weitere Umfirmierung folgte am 1. April 2011. Das Unternehmen hieß nun Telefónica Deutschland.

Am 30. Oktober 2012 erfolgte der Börsengang von Telefónica Deutschland mit einem Ausgabepreis von 5,60 Euro. Der spanische Mutterkonzern veräußerte damit einen Minderheitsanteil (rund 23 Prozent) des Unternehmens. In diesem Zusammenhang entstand im September 2012 durch Rechtsformwechsel die Telefónica Deutschland Holding AG aus der Telefónica Germany Verwaltungs GmbH. Der Börsengang war der größte an der Frankfurter Börse seit 2007.Telefónica Deutschland gelingt Debüt. Dax legt 1,1 Prozent zu – New Yorker Börsen am Mittwoch wieder geöffnet. In: Börsen-Zeitung, 31. Oktober 2012. Im März 2013 wurde die Aktie von Telefónica Deutschland Holding AG in den TecDAX aufgenommen, im September 2018 erfolgte erstmals die Aufnahme in den MDAX.Nikolaus Hammerschmidt: Großoffensive im Mobilfunkmarkt. Telefónica Deutschland. In: Börse Online, 21. März 2013.

Zusammenschluss mit E-Plus und Netzkonsolidierung Vier Monate nach dem Börsengang berichtete die Presse, dass das Unternehmen seinen Wettbewerber E-Plus übernehmen wolle. Durch den Zusammenschluss der damals viert- und drittgrößten Mobilfunkanbieter entstand der nach Anschlüssen größte Mobilfunkanbieter Deutschlands.Stephan Bauer: Großzügig kalkuliert. In: Euro am Sonntag, 27. Juli 2013. Der anfängliche Widerstand von Carlos Slim, einem wichtigen Anteilseigener des niederländischen E-Plus-Mutterunternehmens KPN, war im August 2013 überwunden.América Móvil begnügt sich mit einem Viertel. KPN gibt Widerstand gegen Verkauf von E-Plus an Telefónica Deutschland auf. In: Der Standard, 27. August 2013. Mitte 2014 stimmte die Europäische Kommission dem Verkauf unter Auflagen zu. Dazu zählten die Abtretung von 30 Prozent der Netzkapazitäten, eines Radiowellenspektrums und bestimmte Vermögenswerte. KPN erhielt für den Verkauf 8,6 Mrd. Euro, 5 Mrd. Euro davon in Geldmitteln.Übernahme genehmigt. O2 darf E-Plus schlucken. In: Wirtschaftswoche, 2. Juli 2014.Brüssel läutet Konsolidierung im Mobilfunk ein. Telefónica Deutschland darf E-Plus unter Auflagen übernehmen – Zugangschancen für neue Konkurrenten sollen erhalten bleiben. In: Börsen-Zeitung, 3. Juli 2014.Verschmelzung von O2 und E-Plus kostet 1600 Jobs. In: Berliner Morgenpost, 18. Oktober 2014. Im Februar 2019 forderte die EU-Kommission die Einhaltung aller Auflagen.

Nach Meinung von Experten stellte nach 2014 die physische Integration der beiden Mobilfunknetze eine erhebliche Herausforderung dar.Telefónica Deutschland ist 6,4 Milliarden Euro wert. In: Rheinische Post, 24. Juli 2013.Telefónica-Statthalter Markus Haas. „Der bisherige Weg in Deutschland war falsch“ (Interview von Stephan Scheuer mit Markus Haas). In: Handelsblatt, 13. August 2018. Mit rund 25.000 Standorten handelte es sich um die zu diesem Zeitpunkt größte vollständige Netzintegration in Europa. Die Zusammenlegung wurde Ende 2018 abgeschlossen.Telefónica Deutschland muss sparen. Stellenabbau in Netzsparte – Analysten: Dividende in Gefahr durch 5G-Auktion. In: Börsen-Zeitung, 9. April 2019. Nach dem Zusammenschluss mit E-Plus stellte Telefónica Deutschland Mobilfunkmarken auf den Prüfstand: Die Discount-Marke Yourphone wurde 2014 an Drillisch veräußert.Telefónica Deutschland stößt Yourphone ab. Drillisch übernimmt Billigmarke mit 235.000 Kunden. In: Börsen-Zeitung, 15. November 2014. Simyo wurde als Marke aufgegeben, Blau übernahm bis Ende 2016 deren Kunden. Das Aus von E-Plus als Marke stand seit 2015 fest. Base wurde im Frühjahr 2019 aufgegeben, Bestandskunden wurden ebenfalls zu Blau migriert.

Bei der Frequenzversteigerung 2015 investierte Telefónica Deutschland 1,2 Mrd. Euro in weitere Mobilfunk-Frequenzen. 2015 verkaufte Telefónica Deutschland 7.700 Funkstandorte an die Telekom Deutschland.Telekom kauft 7.700 Mobilfunkmasten. In: Die Tageszeitung, 21. Juli 2015. Im Jahr darauf veräußerte das Unternehmen weitere 2.350 Sendemasten an eine Holding der Gruppe und mietete sie anschließend.

Rückzug von der Börse Zwischen Dezember 2023 und Januar 2024 stockte die Telefónica-Gruppe ihren Aktienanteil an Telefónica Deutschland von rund 72 Prozent auf rund 93 Prozent auf. Nach rund zwölf Jahren an der Börse kündigte die Telefónica-Gruppe Anfang 2024 ein Übernahmeangebot über 2,35 Euro je Aktie für die verbleibenden Aktien an und läutete formell den Prozess für ein Delisting ein. Die Aktien wurden mit Ablauf des 18. April 2024 von der Frankfurter Wertpapierbörse delistet. Seit diesem Zeitpunkt können die Aktien nicht mehr an der Frankfurter Wertpapierbörse gehandelt werden.

Die Aktionärsstruktur ist, Stand Januar 2026, folgende: AnteilAnteilseigner 94,35 % Telefónica Germany Holding Ltd. 3,21 % BlackRock 2,44 % Streubesitz

Unternehmenstransformation und Stellenabbau Der Deutsch-Spanier Santiago Argelich Hesse übernahm zum 1. Januar 2026 das Amt des Vorstandsvorsitzenden vom bisherigen CEO Markus Haas, dessen Vorstandsvertrag nach 8 Jahren an der Unternehmensspitze vorzeitig aufgelöst wurde. Im Juli 2026 kündigte Telefónica Deutschland im Rahmen einer grundlegenden Umstrukturierung bis Ende 2026 den Abbau von rund 1.100 der 6.820 Vollzeitstellen über freiwillige Programme sowie die Schließung von 60 eigenen O2-Shops an. Die Maßnahmen sollen ab 2028 jährlich rund 180 Millionen Euro einsparen. Hintergrund der Restrukturierungen waren anhaltende Umsatz- und Gewinnrückgänge seit dem Wechsel des Großkunden 1&1 in das Netz des Konkurrenten Vodafone im August 2024.

Unternehmensstruktur Organisation Die Telefónica Deutschland Holding gehört mehrheitlich der Telefónica Germany Holdings Limited (94,35 Prozent, Stand: 2026), welche zur Telefónica, S.A. zählt. Diese gehört, gemessen am Umsatz, zu den zehn größten Telekommunikationsunternehmen weltweit (Stand: 2024).

Die Telefónica Deutschland Holding ihrerseits ist die Muttergesellschaft der Telefónica Germany GmbH & Co. OHG. Unter dieser sind rund 15 Tochtergesellschaften angegliedert, beispielsweise die für die Callcenter.

Geschäftsfelder Das Unternehmen bietet Mobilfunk- und Festnetzdienste für Privat- und Geschäftskunden an. Den größten Umsatz erwirtschaftet das Unternehmen mit Mobilfunkdiensten. Hierzu zählen Sprach- und Datendienste mit Laufzeitvertrag (Postpaid) oder auf Prepaidbasis. Im Jahr 2025 entfielen rund 2/3 der Umsätze auf das Geschäft mit Mobilfunkdiensten. Das Unternehmen arbeitet überdies mit Handelspartnern, die Mobilfunk-Leistungen für eigene Kunden über das Netz von Telefónica Deutschland abwickeln. Zu letzteren zählen beispielsweise Aldi Talk, NettoKom, Media Markt, Freenet oder Lebara.

Festnetzleistungen bietet das Unternehmen primär über Kooperationen mit der Deutschen Telekom, Vodafone, Tele Columbus sowie weiteren regionalen Anbietern an. Es verfügt über keine eigene flächendeckende Festnetz-Infrastruktur. Die eigene DSL-Infrastruktur hat das Unternehmen bis Ende 2018 sukzessive zurückgebaut. Bereits seit 2013 verkauft das Unternehmen VDSL- und Vectoring-Anschlüsse über das Festnetz der Telekom, seit 2021 wird zudem Glaserfaser über die Telekom bezogen. Im Zuge der Übernahme von Unitymedia musste sich der Kabelnetzbetreiber Vodafone zu einer Öffnung des Kabelfernsehnetzes verpflichten. Von Vodafone erhält Telefónica seit Ende 2020 Zugriff auf das Kabelnetz. In Kooperation mit der Allianz betreibt Telefónica seit 2020 eine eigene Glasfaserinfrastrukturgesellschaft, "Unsere Grüne Glasfaser" (UGG). Der Fokus liegt vor allem auf der Anbindung ländlicher Regionen.

Ein weiteres Geschäftsfeld ist der Verkauf von Hardware wie Mobiltelefonen, Tabletcomputern, Smartwatches, Laptops sowie Gaming-Konsolen und Gaming-Peripherie.

Zu den vertriebenen Zusatzprodukten zählen beispielsweise Versicherungen, Virenschutz-Applikationen oder Musik- und Videostreaming. Am 9. April 2019 kündigte Telefónica in Kooperation mit waipu.tv das IPTV-Produkt O2 TV an. Das Angebot umfasste mehr als 100 Sender, die über eine App auf dem Fernseher oder dem Smartphone abgerufen werden konnten. Bis zu vier Programme konnten gleichzeitig angeschaut und Sendungen bis zu 100 Stunden online aufgenommen werden. Seit September 2024 bietet Telefónica das Produkt O2 TV ohne den bisherigen Partner waipu.tv an. Zum Einsatz kommt seitdem eine technische Eigenentwicklung, basierend auf der globalen TV-Plattform der Telefónica-Gruppe.

Marken

Kernmarke des Unternehmens ist O2. Seit 2002 werden unter dieser Marke Post- und Prepaid-Mobilfunkprodukte, mobile Datendienste, Internet-Produkte im Mobilfunk und im Festnetz sowie Zusatzprodukte wie O2 TV vertrieben. Die Marke richtet sich an Privat- und Geschäftskunden.

Als Zweitmarken werden Blau, Ay Yildiz, Fonic und Ortel Mobile geführt.

Blau Mobilfunk wurde 2005 als eigenständige GmbH gegründet und 2008 vom E-Plus-Mutterkonzern KPN übernommen. Im Sommer 2015 wurde das bis dahin eigenständige Unternehmen auf die Telefónica Germany GmbH & Co. OHG verschmolzen, Blau blieb als Marke erhalten. Anfang August 2016 wurden Kunden der Marke simyo auf Blau übertragen, im Frühjahr 2019 Kunden der Marke Base.

Ay Yildiz ist ein 2005 von E-Plus gestarteter Mobilfunkdiscounter, der sich in Deutschland an Menschen mit türkischem Migrationshintergrund richtet. Seit der Übernahme von E-Plus zählt Ay Yildiz zur Markenfamilie von Telefónica Deutschland.