mini|hochkant|Jakob Dircksz de Graeff Jakob Dircksz de Graeff (* 1571 wahrscheinlich in Emden;Nederland’s Adelsboek. Band 83, 1993, S. 429. † 6. Oktober 1638 in Amsterdam), Vrijheer der Hohen Herrlichkeit Zuid-Polsbroek, war ein einflussreicher Amsterdamer Regent und Bürgermeister des Goldenen Zeitalters der Niederlande.

De Graeff war für seine „freidenkende“, „republikanische“, liberale Gesinnung, aber auch für seine „Ruhmsüchtigkeit“ bekannt.Pieter C. Vies: (PDF; 2,7 MB) Er trat gemeinsam mit seinem Neffen Andries Bicker für die Anerkennung der Remonstranten in Amsterdam ein. Nach dem politischen Ende von Reinier Pauw kam die Leitung der Stadtregierung in die Hände der „arminischen Clique“ rund um De Graeff und Bicker.Eelco Beukers: Geschiedenis van Holland, Teil 2, Band 2, S. 44 (books.google.at). Diese gab auch der, seit der Ermordung von Johan van Oldenbarnevelt geschwächten, republikanischen „Staatspartei“ neue Impulse und konnte die Amsterdamer Politik bis zu der Krise des Rampjaar 1672 bestimmen.Jonathan I. Israel: The Dutch Republic – Its Rise, Greatness, and Fall – 1477–1806. Clarendon Press, Oxford 1995, ISBN 0-19-873072-1, S. 494. Er war aber trotzdem kein prinzipieller Anti-Orangist, denn er hielt das Erbe seines Vaters Dirck Jansz Graeff, das diesen freundschaftlich mit Wilhelm dem Schweiger von Oranien verband, in Ehren. Seine Söhne wurden durch diese antagonistische Haltung ihres Vaters in politischen Fragestellungen beeinflusst.

De Graeff betrieb neben seiner politischen Tätigkeit auch naturwissenschaftliche Experimente und Forschungen und führte ein chemisches Labor. Er unterhielt hierbei eine nahe Zusammenarbeit mit Constantijn Huygens und via Huygens auch mit René Descartes.

Leben und Werk Familie De Graeff Gesellschaftspolitischer Hintergrund Im Laufe des Goldenen Zeitalters der Niederlande standen die Mitglieder der Familie De Graeff in harscher Kritik zum sich immer mehr ausbreitenden Einfluss des Hauses Oranien-Nassau. Gemeinsam mit den führenden republikanischen Staatsmännern, den Gebrüdern Bicker und den De Witt, waren sie für eine Aufhebung der Statthalterschaft, zumindest in der Provinz Holland. Weiters beanspruchten sie den Erhalt einer (ihrer) vollen Souveränität als Stadtregenten.Pieter C. Vies: (PDF)

Herkunft Jakob Dircksz de Graeff entstammte dem Patriziergeschlecht De Graeff und war das dritte von vier Kindern,Angaben zu den Eltern und Geschwistern nach Croockewit: Genealogie van het geslacht de Graeff (1898), Sp. 132f. des Reeders, Großhändlers und Bürgermeisters Dirck Jansz Graeff und der Agnes (Agniet) Pietersdr van Neck, Tochter des Pieter Pietersz van Neck.Joost Van den Vondel: Al de dichtwerken. Naar tijdsorde gerangschikt en in de …. Band 2, S. 645 (books.google.at). Er wurde wahrscheinlich in Emden geboren, wohin sein Vater als gewichtiges Mitglied der Reformierten Kirche sich zu Beginn der Unabhängigkeitskriege im Jahre 1572 für einige Jahre zurückgezogen hatte. Nachdem seine Mutter im Jahre 1578 verstorben war, ging sein Vater mit Teeuwt Cat, Tochter des Amsterdamer Ratsherren und Bürgermeisters Jan Claes Cat, eine zweite Ehe ein, die jedoch kinderlos blieb. Von des Vaters Seite erhielt Jacob de Graeff den Familiensitz „Huis De Keyser“ (benannt nach der außerhalb des Gebäudes angebrachten „Keizerskroon“) in Amsterdam, den Landsitz Valkenburg bei Oud-Naarden sowie das große Landgut Vredenhof bei Voorschoten als Erbe. Die Herrlichkeit und das Schloss Engelenburg ist durch den kinderlosen Tod von Jacobs jüngerem Bruder Pieter Dircksz Graeff durch Vererbung an das Geschlecht der Bicker verlorengegangen.

Wappen mini|hochkant|Stammwappen Jacob Dircksz de Graeff geviert

Das Herkunftswappen von Jacob Dircksz de Graeff war eventuell noch geteilt und zeigte im Wappenfeld 1 die silberne Schaufel auf rotem Grund der Herren von Graben,In älteren Quellen wird erwähnt, dass Pieter Graeff (* 1450/1460) ein Sohn des sich 1476/1483 in Holland befindlichen Wolfgang von Graben († 1521) aus dem Uradelsgeschlecht der Herren von Graben ist. Jener Pieter Graeff war der Urgroßvater von Jacob Dircksz de Graeff. Das Geschlecht De Graeff führt noch heutzutage das Graben-Wappen in dem Ihrigen. und im Wappenfeld 2 zeigt es einen silbernen Falken auf blauem Grund. Der Ursprung des Falken liegt im Besitz des Landgutes Valckeveen (dem späteren Landsitz Valckenburg) in Gooiland. Anmerkung zur Wappenvererbung: Jacobs Vater Dirk Jansz Graeff führte als Stammwappen in Feld 1 die silberne Schaufel auf rotem Grund der Herren von Graben, und in Feld und 2 einen silbernen Schwan auf blauem Grund, der von dem Geschlecht De Grebber aus dem Waterland herrühren soll.De wapens van de magistraten der stad Amsterdam sedert 1306 tot 1672. Band 1, S. 94. Von Pieter Anthony Johan van den Brandeler Nach seiner Heirat führte er dann in Feld 2 zu Ehren seiner Ehefrau Agniet Pietersdr van Neck einen silbernen Falken mit einer roten Haube auf blauem Grund. Der Ursprung des Falken liegt in seinem Landgut Valckeveen. Nach dem Erwerb der herrlichen Rechte des Gutes Vredenhof im Jahr 1581 führte Dirk Jansz Graeff anstatt des Falken erneut einen Schwan – nun den heraldischen von Vredenhof – in seinem Wappen, das nun geviert wurde, wobei die Felder 1 und 3 die Schaufel zeigen, und 3 und 4 den silbernen Schwan auf blauem Grund. Dieses Wappen vererbte er an seinen ältesten Sohn Jan Dircksz Graeff (?–1627) weiter [der jenes Gut mitsamt dem Wappen nach seinem Tod im Jahre 1627 an seinen Bruder Pieter Dircksz Graeff vermachte, der dieses 1645 wiederum an seinen Neffen und Jacob Dirckszs Sohn Andries de Graeff vererbteY. Kuiper, Ben Olde Meierink, Elyze Storms-Smeets (Hrsg.): Buitenplaatsen in de Gouden Eeuw: De rijkdom van het buitenleven in de Republik. 2015, S. 83 (books.google.com).], währenddessen sein zweitältester Sohn Jacob Dircksz de Graeff das gevierte Wappen mit den Schaufeln und Falken führte.

Das persönliche Wappen von Jacob Dircksz de Graeff ist geviert und zeigt in den Wappenfeldern 1 und 3 die silberne Schaufel auf rotem Grund der Herren von Graben und in den Wappenfeldern 2 und 4 einen weißen Falken auf blauem Grund. Mit dem Erwerb der Hohen Herrlichkeit Zuid-Polsbroek 1610 erhielt sein Wappen einen Herzschild der drei weiße Rauten auf Rot zeigt.Joost van den Vondel: De werken van Vondel in verband gebracht met zijn leven, en voorzien van … S. 245 und 246 (books.google.at). Es existiert aber keine bekannte Wappendarstellung mit den Schaufeln und Falken sowie diesem Herzschild.

Junge Jahre, Heirat und Familie mini|hochkant=1.3|Abstammungen von Andries Boelens. Übersicht über die maßgeblichen Familienbeziehungen der Amsterdamer Oligarchie um die Geschlechter Boelens Loen, De Graeff, Bicker (van Swieten), Witsen sowie Johan de Witt im Goldenen Zeitalter.

Nach dem Tod von De Graeffs Vater im Jahr 1589 trat dessen Freund Cornelis Andriesz Boelens Loen – mit dessen Tochter Aaltje er sich später verheiratete – als sein Versorger auf. Mit seiner Unterstützung ging er an die Universität Leiden, um dort Klassische Sprachen zu studieren. Während seiner Studienzeit wohnte er im Haus des Professors Rudolf Snellius. 1591 unternahm er mit seinem Freund Justus Lipsius eine Kavaliersreise durch Frankreich, Italien und Deutschland und lebte anschließend drei Jahre in Genf im Haus des calvinistischen Predigers Giovanni Diodati.

1597 kehrte De Graeff nach Amsterdam zurück und heiratete am 5. Oktober Aaltje Boelens Loen (* 27. Februar 1579 in Emden; † 29. August 1630 in Amsterdam), Tochter seines Versorgers Cornelis Andriesz Boelens Loen, sowie eine Ur-ur-Enkelin des bedeutenden Amsterdamer Regenten und Bürgermeisters Andries Boelens (1455–1519), mit dessen Nachkommenschaft die Familie De Graeff auch verwandt war. Aus der Ehe mit Aaltje gingen zwölf Kinder hervor, von denen sechs oder sieben das Erwachsenenalter erreichten:Angaben zu den Kindern, wo nicht anders ausgewiesen, nach Croockewit: Genealogie van het geslacht de Graeff (1898), Sp. 132 ff.Joost van den Vondels: Op Den Edelen En Gestrengen Heer Jakob de Graeff. (books.google.at). Cornelis de Graeff (1599–1664), Regent und Bürgermeister von Amsterdam, Staatsmann der Niederlande; sein Nachfolger als Vrijheer in Zuid-Polsbroek Dirk de Graeff (1601–1637), Vroedschap und Schepen von Amsterdam Agneta de Graeff van Polsbroek (1603–1656), heiratete Johan Bicker; ihre Tochter Wendela Bicker wurde die Ehefrau Johan de Witts Hendrik de Graeff (* 1605–1622 oder um 1670). Über Hendrik bestehen diverse Lebensberichte; einerseits soll er bereits im Alter von 17 Jahren verstorben sein, andererseits noch 1671 (im Alter von 66) Schriften und Gedichte verfasst haben.Graeff, Mr. Hendrick de. In: Letterkundig woordenboek voor Noord en Zuid. (dbnl.org). Er soll zwei Söhne gehabt haben. Hendrik galt als ein bekannter Verfasser von Bühnenstücken.Graeff (Hendrick de). In: Biographisch anthologisch en critisch woordenboek der Nederduitsche dichters. Teil 2: CAB–GYZ. (dbnl.org). 1665 hatte er Calderóns Komödie Lances de amor y fortuna ins Niederländische übersetzt.Francois le Metel de Boisrobert als Dramatiker und Nachahmer des spanischen Dramas: I. Die Tragikomodien, S. 157 (books.google.at).Zeitschrift für vergleichende Litteraturgeschichte, Band 5, S. 193 (books.google.at). In weiterer Folge wurde Hendriks Übersetzung als Bearbeitungsvorlage für die Auftritte der Wanderbühne des Johannes Velten verwendet.Gerhard Spellerberg, Hans Feger (Hrsg.): Studien zur Literatur des siebzehnten Jahrhunderts. S. 337 (books.google.at). Wendela de Graeff (1607–1652), verehelicht mit Pieter van Papenbroek und hernach mit Willem Schrijver; wurde mit ihrer Familie durch Rembrandt als Josephs Frau Asnath im Rembrandts Jakobssegen (Jakob segnet die Söhne des Joseph) als biblische Personen vertont Christina de Graeff (1609–1679), Frau der Herrlichkeit und des Schlosses Engelenburg; verlobt 1631 mit dem im selben Jahr verstorbenen Jan Verburgh van Vlooswyck, verheiratet 1642 mit Jacob Bicker sowie 1648 mit Pieter Trip; 1645 erbte ihr zweiter Mann von ihrem Onkel Pieter Dircksz Graeff Engelenburg; Christina hatte von ihrem Vater auch Valkenburg (das vormalige Valckeveen) bei Heemstede geerbt, dass sie 1675 um 7.480 Gulden zu gleichen Teilen an ihren Bruder Andries und ihre Neffen Pieter de Graeff und Gerard Bicker (I) van Swieten veräußerte.Mr. Andries de Graeff, ridder. In: Johan Engelbert Elias: De Vroedschap van Amsterdam, 1578–1795. Teil 1, S. 520 (resources.huygens.knaw.nl) Ab 1685 war Pieter de Graeff der alleinige Besitzer,Graeff, Cornelis de, vrijheer van Zuid-Polsbroek. – Kinderen. In: Johan Engelbert Elias: De Vroedschap van Amsterdam, 1578–1795. Teil 1, S. 422 (resources.huygens.knaw.nl). in dessen Familie es noch einige Generationen lange verblieben ist. Andries de Graeff (1611–1678), Regent und Bürgermeister von Amsterdam, holländischer Staatsmann; sein Nachfolger als Heer van Vredenhof

Anmerkungen: mini|hochkant=0.5|ohne|Zwei Kinder (1617) Früh verstorbene Kinder von Jacob Dircksz de Graeff und Aaltje Boelens Loen

Politisches und gesellschaftliches Wirken Unterartikel: Regent von Amsterdam