mini|270px|Dieburg – Plan der Innenstadt
Dieburg (im lokalen Dialekt: Dibborsch) ist eine Stadt und ein Mittelzentrum in Südhessen, etwa 15 km östlich von Darmstadt. Sie war bis 1977 Kreisstadt des Landkreises Dieburg und liegt im östlichen Teil des Landkreises Darmstadt-Dieburg. Die Stadt ist einer der Standorte der Hochschule Darmstadt.
Geographie Geographische Lage Dieburg liegt in Südhessen, circa 15 km östlich von Darmstadt im weitläufigen Tal der Gersprenz. Geologisch ist Dieburg durch das Tal der Gersprenz geprägt. Die Böden bestehen überwiegend aus tertiären Ablagerungen wie Kies, Sand und Ton überdeckt von jüngeren Flussablagerungen sowie Löss- und Flugsanddecken. Die Stadt liegt nördlich des auslaufenden Mittelgebirges Odenwald in der Dieburger Bucht, die ein westlicher Ausläufer der Hanau-Seligenstädter Senke (Hanauer Becken oder auch Östliche Untermainebene) ist. Nördlich und westlich der Stadt liegen ausgedehnte Waldgebiete der Dreieich. Höchste Erhebung ist der Mainzer Berg (auch Moret genannt) mit 227 m ü. NN.
Nachbargemeinden Im Norden grenzt Dieburg an die Gemeinde Münster (Hessen), im Osten an den Ortsteil Münster-Altheim, im Südosten an den Groß-Umstädter Ortsteil Semd, im Süden an die Gemeinde Groß-Zimmern und dessen Ortsteil Klein-Zimmern sowie im Westen an den Ortsteil Grube Messel der Gemeinde Messel.
Stadtgliederung Dieburg umfasst offiziell nur eine Gemarkung (Gmk.-Nr. 61067) und besitzt keine Stadtteile. Trotzdem gibt es für die Dieburger aber Viertel, welche die Stadt weiter unterteilen. Eine Grenze zwischen Dieburg-Ost und Dieburg-West verläuft quer über den Leerparkplatz, den größten Parkplatz, westlich der Innenstadt. Die Grenzlinie zwischen Dieburg-Süd und Dieburg-Nord bildet die Bahnlinie Aschaffenburg – Darmstadt Hbf.
Geschichte Vorgeschichte bis Eisenzeit Die Besiedlung des Stadtgebietes reicht bis in die Bronzezeit hinein. Ob die sogenannte Ochsenfigur von Dieburg aus der Kupferzeit aus der Dieburger Gegend stammt, ist nicht mehr eindeutig verifizierbar.
In der auslaufenden Eisenzeit siedelte im Gebiet um die Stadt der Stamm der Auderiensier.
Zeit als römische Civitas
Die fruchtbare Dieburger Bucht wurde dann in den Jahren von 85–90 n. Chr. in die Provinz Obergermanien des Römischen Reiches eingegliedert. Etwa um 125 n. Chr. wurde im Bereich des heutigen Südhessen die Civitas Auderiensium gegründet, deren Hauptort das heutige Dieburg mit dem nur unvollständig überlieferten Namen …MED… wurde. Als neuangelegte, stadtähnliche Siedlung befand sich das Forum im Kreuzungsbereich Frankfurter-/Aschaffenburger Straße. Zahlreiche Kultgegenstände, darunter ein bedeutendes Zeugnis des Mithraskultes, konnten ergraben werden und sind heute im Stadtmuseum zu sehen.
In der Zeit um 200 blühte die Siedlung auf. Das römische Dieburg war ein Vicus, allerdings mit städtischem Charakter. In der für Landwirtschaft gut geeigneten Umgebung entstanden zahlreiche Villae Rusticae, die als Wirtschaftsgüter …MED… und die Truppen am nahen Limes versorgten.
Im Laufe des 3. Jahrhunderts häuften sich allerdings Raubüberfälle der Alamannen aus dem Gebiet außerhalb des Limes. Obwohl der Ort, der die spätere mittelalterliche Stadt in seiner Fläche weit übertraf, mit einer Stadtmauer gesichert wurde, konnte nicht verhindert werden, dass sich das Römische Reich ab 260 n. Chr. auf linksrheinische Gebiete Germaniens zurückziehen musste (Limesfall).
Frühes Mittelalter Das Schicksal der Stadt bis zum frühen Mittelalter liegt im Dunkeln. Eine Kontinuität der Besiedlung ist aber, wenn auch in weit einfacherem Rahmen als zuvor, sehr wahrscheinlich. Münzfunde und Bebauungsspuren deuten darauf hin. So liegt die heutige Wallfahrtskirche im westlichen Bereich des römischen Forums, ihr Grundriss wird durch römische Vorgängerbauten bestimmt. Vermutlich vermischte sich der zurückbleibende Teil der römischen Bevölkerung, der hauptsächlich germanischen und keltischen Ursprungs war, mit den hinzuströmenden Alamannen, die eventuell als Föderaten im Vorfeld des römischen Mainz (Mogontiacum) noch regen Handel mit dem Imperium trieben.
Mittelalter mini|Das älteste Siegel der Stadt Dieburg Nach der Eroberung des Gebietes durch die Franken wurde in Dieburg und im nahen Groß-Umstadt ein Königshof installiert.Günther Hoch: Reichsgut in Dieburg? In: Der Odenwald – Heimatkundliche Zeitschrift des Breuberg-Bundes. Nr. 2, 1955, S. 55–56. Die Siedlung war zu dieser Zeit als „Altenstadt“ bekannt und konzentrierte sich um den Bereich der Wallfahrtskirche, deren Ursprungsbau spätestens karolingisch ist, wie aber schon gesagt wurde, auch einen römischen Vorgängerbau besitzt, dessen Zweckbestimmung unbekannt ist. Die Hauptstraße dieser Siedlung trägt heute noch den Namen „Altstadt“, obwohl sie außerhalb der Mauern des mittelalterlichen Dieburgs lag.
Der Name Dieburg taucht erstmals auf einer Urkunde des Klosters Eberbach aus dem Jahre 1207 auf. Die Urkunde berichtet über einen Rechtsakt, in dem eine „Judta de Dieburch“ als Zeugin auftritt. Aus dem Folgejahr 1208 gibt es dann eine weitere Urkunde mit dem Siegel des „Heinrich von Dieburg“, Bruder der Jutta von Dieburg. Dieburg ist eine Stadt, die planmäßig im Bereich zwischen der Wasserburg in der Gersprenz und der „Altenstadt“ angelegt wurde. Sie füllte somit den Raum zwischen den Siedlungen „Altenstadt“, „Monfeld“ und „Holzhausen“ und machte diese zu Vororten. Ihr Grundriss mit differenzierten Haupt- und Nebengassen, Stadtmauer mit Gräben, Burg, Markt und neuer Pfarrkirche ist heute noch im Stadtplan zu erkennen. Neuere Forschungen gehen anhand dieser Stadtanlage davon aus, dass das regierende Kaisergeschlecht der Staufer Dieburg zu einer Reichsstadt ausbauen wollte, um seine Machtbasis im Rhein-Main-Gebiet zu verbessern. Allerdings geriet die Stadt schnell in die Abhängigkeit des Erzbistums Mainz. Nach der Stadtgründung blieb Altenstadt als Vorstadt mit der Wallfahrtskirche erhalten. Damals war die Wallfahrtskirche noch Stadtkirche St. Peter und Paul, erst im 16. Jahrhundert ging das Patrozinium auf die ehemalige Klosterkirche des um 1565 aufgehobenen Dieburger Franziskaner-Konventes und heutige Stadtkirche in der Stadt (1891–93 erneuert)Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Hessen, 2. Regierungsbezirk Darmstadt, bearbeitet von Folkhard Cremer und anderen, Deutscher Kunstverlag München, Berlin, 2008, ISBN 978-3-422-03117-3, S. 184 (DIEBURG / Kath. Pfarrkirche St. Peter und Paul. In: DEHIO D. Kunstdenkmäler in Deutschland.) über, danach wurde die Kirche in der Altstadt zur Wallfahrtskirche.
In dieser Zeit bestand in Dieburg eine der 30 Wildhuben des Wildbannes Dreieich, welchem auch die umliegenden Wälder angehörten.
Um 1220 entstand die Stadtmauer. Ab 1239 waren die Herren von Münzenberg im Besitz der Burg. Nach deren Aussterben gelangte Dieburg in den Besitz der Grafen von Isenburg. 1277 gewährte Rudolf von Habsburg dem „oppidum Dippurch“ auf Bitten des Mainzer Erzbischofs Werner von Eppstein alle Freiheitsrechte und bestätigte die vorhandenen Stadtrechte. Zwischen 1284 und 1294 kaufte der Erzbischof von Mainz die Anteile an Burg und Stadt von den Grafen von Isenburg.
Im Jahre 1310 wurde Dieburg vollständig kurmainzisch und Residenz zahlreicher Adelsfamilien, die von hier aus ihre umliegenden Besitzungen verwalteten. Das Schloss der Familie von Fechenbach ist als Stadtmuseum erhalten, ebenso Reste des berühmten Parks des vergangenen Stockauer Schlosses derer von Groschlag. Die alte Burg wurde um 1810 fast vollständig abgerissen, zu einem Schloss der Familie Albini (Albinischloss) umgestaltet, kam 1857 in den Besitz der Stadt und dient nach einigen Umbauten heute (noch) als Landratsamt.
Für das Jahr 1368 ist die Verleihung des Münzrechts an den Henelin von Straßburg durch Erzbischof Gerlach von Nassau belegt.
Historische Namensformen
In historischen Dokumenten ist der Ort unter folgenden Ortsnamen belegt (in Klammern das Jahr der Erwähnung): Dieburch (1207); Ditburg (1208); Dipburg (1254); Dippurch (1262); Dipurg (1269); Diepurg (1276); Diepburg (1284); Dippurg (1286); Dyetburch (1291); Deypurg (1293); Dyburg (1297); Dypburg (1314); Dyppurg (1327); Dyepurck (1339); Ditpurg, Dytpurg (1354).
Siehe auch: Dieburger Siegel
Frühe Neuzeit mini|Dieburg um 1700
Im Mittelalter entwickelte sich Dieburg vor allem aufgrund seiner Lage als Etappenort zwischen den kurfürstlichen Residenzen Mainz und Aschaffenburg zu einem aufstrebenden Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum. Seit 1553 hatte der Erzbischof von Mainz den Land- und Marktzoll zu Dieburg inne.
Die urkundliche Ersterwähnung von Bewirtungen am Aschermittwoch im Jahre 1508 gilt als erster Beleg der Dieburger Fastnacht.
Innerhalb des Mainzer Oberstiftes war Dieburg Mitglied des Neunstädtebundes, mit umfangreichen Privilegien. Im Bauernkrieg stellte sich der Bund auf die Seite der Aufständischen. Nach dessen Niederschlagung wurden diese Vorrechte von Kurfürst Albrecht von Brandenburg in der Stadtordnung von 1527 vollständig aberkannt. Im Zuge des Bauernaufstandes 1525 wurden das Schloss und der kurfürstliche Vorratskeller geplündert. Die aufständischen Bauern wurden im Odenwald und am Main von einem Söldnerheer geschlagen.
Mitte des 16. Jahrhunderts war die Mehrheit der Bürger katholisch. In den Jahren 1582 bis 1586 kam es zu Konfessionsstreitigkeiten zwischen dem protestantisch dominierten Stadtrat und dem katholischen Pfarrer.
Um 1600 entstand mitten auf dem Marktplatz das (nicht mehr erhaltene) Renaissance-Rathaus. Zwischen 1606 und 1613 litt die Bevölkerung unter einer Pestepidemie, in deren Verlauf die Hexenprozesse (seit 1596) wieder aufloderten.
Im Dreißigjährigen Krieg kam es zu Truppendurchzügen der Spanier, Pfälzer und Bayern. Mit den Soldaten wurde wieder die Pest eingeschleppt. 1622 brandschatzte der protestantische Heerführer Ernst von Mansfeld die ungeschützten Vororte. Die zweite Welle der Hexenprozesse begann 1626. Beim Friedensschluss bot Dieburg ein trostloses Bild: Die Stadt halb zerfallen, die Vorstädte zerstört, die Verteidigungsanlagen desolat, die Bevölkerung stark auf nur noch 500 Einwohner dezimiert. Es folgten der religiöse Wiederaufbau und die Wiederbelebung der Wallfahrt (1675). Mit den neu errichteten Schlössern Stockau nebst weiträumigem Schlossgarten (1699) und Fechenbach (1717) entfaltete sich auch in Dieburg barocke Pracht.
Hexenprozesse in Dieburg 1600–1630
Von 1600 bis 1630 sind für das Erzstift Mainz Dokumente zum Tod von 1879 Menschen als Opfer der Hexenverfolgungen erhalten geblieben. In Dieburg fanden etwa 60 Menschen den Tod auf dem Scheiterhaufen.
Der „Drache zu Dieburg“ war der Glöckner und Kupferschmied Lorenz Drach aus Dieburg. Er wurde am 18. April 1603 im kurmainzischen Aschaffenburg zusammen mit anderen Männern durch Vierteilung hingerichtet. Wegen der Verfolgung ihrer Frauen hatten die Männer eine Schmähschrift verfasst, in der die Hexenprozesse des Erzbischofs angeprangert wurden. Sie wurden beschuldigt, angeblich die Ermordung des Erzbischofs geplant zu haben.Als Beispiel für Tyrannei und Willkür der Obrigkeit ist er erwähnt in: Anton Praetorius: Gründlicher Bericht über Zauberey. 1613 Vorrede, S. 20.Herbert Pohl: Zauberglaube und Hexenangst im Kurfürstentum Mainz. 2., überarb. u. erw. Auflage. Stuttgart 1998, S. 118 f.
1626 wurde Kurfürst Georg Friedrich von Greiffenclau gleich zu seinem ersten Besuch in Dieburg von der Zentmannschaft gebeten, die nötigen Untersuchungen zur Ausrottung des Lasters der Zauberei anzuordnen.
In Dieburg gab es viele der Hexerei verdächtige Personen, und das Volk war sehr aufgebracht. Zur Beruhigung der Einwohner wurde ein Hexenprozess begonnen gegen die Witwe von Martin Padt, deren Mutter zwanzig Jahre zuvor als Hexe verbrannt worden war. Am 26. Juni 1627 wurde sie verhört und am 7. Juli hingerichtet. Von der Padtin wurden viele Menschen als angebliche Mitschuldige besagt, so dass es zu einer Serie neuer Prozesse in Dieburg, Seligenstadt, Aschaffenburg usw. kam.