mini|Feiernde während der 11. jährlichen North Hudson Cuban Day Parade auf der Bergenline Avenue in Union City, New Jersey, am 6. Juni 2010.

Ein Kubanoamerikaner (, , häufig auch Cubanoamericano) ist ein Staatsbürger der Vereinigten Staaten, der seine nationale Herkunft als kubanisch bezeichnet. Die Kubanoamerikaner sind in den USA die drittgrößte Gruppe der weißen Hispanics sowie der Hispanics insgesamt.

Viele Gemeinden überall in den Vereinigten Staaten haben einen signifikanten Anteil kubanisch-amerikanischer Bevölkerung. Miami sticht hier als die populärste kubanisch-amerikanische Gemeinschaft heraus, geschuldet ihrer Nähe zu Kuba, gefolgt von North Jersey, Union City und West New York.

Immigration Vor dem Louisiana Purchase und dem Adams-Onís-Vertrag von 1819 waren ganz Florida und Louisiana Provinzen der Generalstatthalterschaft von Kuba unterstellt. Der Generalstatthalter (Capitán general) war ein spanischer Titel vergleichbar mit einem britischen Kolonialgouverneur. Konsequenterweise hat die kubanische Immigration in die Vereinigten Staaten eine lange Geschichte, beginnend mit der spanischen Kolonialperiode 1565, als St. Augustine in Florida durch Pedro Menéndez de Avilés gegründet wurde und hunderte spanische Soldaten und deren Familien von Kuba nach St. Augustine umsiedelten, um dort ein neues Leben zu beginnen. Tausende kubanische Siedler zogen zwischen 1778 und 1802, während der spanischen Herrschaft, außerdem nach Louisiana und Texas.

Viele der frühen Kubaner migrierten nach New York, St. Augustine, Miami, Key West oder Tampa in Florida. Viele von ihnen gingen in der allgemeinen US-amerikanischen Kultur auf, nachdem die Vereinigten Staaten Florida den Spaniern 1821 abspenstig machten.

Im späten 19. Jahrhundert gründete ein kubanischer Unternehmer namens Vicente Martinez-Ybor eine Zigarrenmanufaktur in Tampa. Schon bald folgten weitere kubanische Geschäftsleute seinem Beispiel. Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich Tampa zu einer der blühenden Tabakindustrie. Zahlreiche kubanische Familien lebten und arbeiteten in diesem Gebiet, welches auch als Ybor City bekannt ist. Viele Kubanoamerikaner der dritten und vierten Generation stammen direkt von diesen frühen Einwanderern ab.

Kleinere Wellen kubanischer Einwanderung gab es Anfang des 20. Jahrhunderts (1900–1959). Der Großteil von ihnen ließ sich in Florida oder dem Nord-Osten der USA nieder. Die Mehrheit der geschätzten 100.000 Einwanderer kamen in Perioden wirtschaftlicher Schwierigkeiten, beispielsweise der Weltwirtschaftskrise 1929, volatiler Zuckerpreise, jedoch gab es auch Flüchtlinge vor der auch aus diplomatischen Kreisen der USA unterstützten Batista-Diktatur.

US-Ortschaften mit hohem Bevölkerungsanteil der Kubanoamerikaner Die Gemeinden mit einem Bevölkerungsanteil von mehr als 20 Prozent an kubano-amerikanischen Einwohnern: Westchester 65,69 % Hialeah 62,12 % Coral Terrace 61,87 % West Miami 61,61 % University Park 59,80 % Olympia Heights 57,65 % Tamiami 56,63 % Hialeah Gardens 54,31 % Medley 51,91 % Sweetwater 49,92 % Palm Springs North 43,59 % Miami Lakes 42,28 % Kendale Lakes 38,58 % Fountainbleau 37,29 % Miami 34,14 % Miami Springs 31,83 % Richmond West 29,30 % Coral Gables 28,72 % Virginia Gardens 26,11 % South Miami Heights 25,70 % Kendall 21,31 % Miami Beach 20,51 % Surfside 20,15 %

US-Ortschaften mit dem höchsten Anteil von in Kuba geborener Bevölkerung Die US-Gemeinden mit einem Anteil von in Kuba geborenen Einwohnern von mehr als 20 Prozent sind: Westchester, FL 55,8 % Hialeah, FL 53,5 % Coral Terrace, FL 51,9 % West Miami, FL 50,5 % South Westside, FL 48,3 % University Park, FL 48,1 % Hialeah Gardens, FL 47,5 % Medley, FL 46,0 % Tamiami, FL 45,7 % Olympia Heights, FL 45,2 % Sweetwater, FL 45,2 % Westwood Lakes, FL 44,9 % Sunset, FL 32,7 % Fountainbleau, FL 32,3 % North Westside, FL 30,4 %North Westside, Florida. city-data.com. Miami, FL 30,3 % Miami Lakes, FL 30,1 % Palm Springs North, FL 29,8 % Kendale Lakes, FL 28,9 % Kendale Lakes-Lindgren Acres, FL 24,3 %Kendale Lakes-Lindgren Acres, Florida. city-data.com. Stock Island, FL 23,3 % Miami Springs, FL 22,2 % Glenvar Heights, FL 21,0 % Chula Vista, FL 20,9 % Kendall West, FL 20,4 % South Miami Heights, FL 20,0 %

1960–1980 Politischer Umsturz in Kuba erzeugte weitere Immigrantenwellen in die USA. 1959, nach dem Ende der Kubanischen Revolution, begann ein großer Exodus aus Kuba in Richtung der Vereinigten Staaten. Bis 1979 verließen hunderttausende Kuba, um ein neues Leben in den USA zu beginnen. Vielfach bildeten sie das Rückgrat der Anti-Castro-Bewegung. Die meisten Kubaner, die in die USA kamen, gehörten der gebildeten Mittel- oder Oberschicht an.

Zwischen Dezember 1960 und Oktober 1962 kamen im Rahmen der Operación Pedro Pan (Operation Peter Pan) mehr als 14.000 allein reisende kubanische Kinder in den USA an. Deren Eltern befürchteten aufgrund von der US-Regierung bewusst gestreuter Gerüchte, dass die Revolutionsregierung ihnen ihre Kinder entziehen und zur Ausbildung in einen Ostblock-Staat schicken würde. Sie folgten deshalb dem Rat, sie so schnell wie möglich in die Staaten zu schicken. In den USA angekommen, wurden die Kinder von Repräsentanten katholischer Wohltätigkeitsorganisationen in Empfang genommen und, so sie welche hatten, bei Verwandten untergebracht. Ansonsten kamen sie in Pflegefamilien, Waisenhäuser oder Internate, bis auch ihre Eltern schließlich Kuba verlassen konnten.historyofcuba.com: Operation Pedro Pan, abgerufen am 25. November 2012

Um Hilfe für die frisch angekommenen kubanischen Immigranten zu organisieren, verabschiedete der US-Kongress 1966 den Cuban Refugee Adjustment Act. Dieses Programm für kubanische Flüchtlinge stellte mehr als 1,3 Milliarden Dollar für direkte finanzielle Unterstützung bereit. Sie hatten außerdem Anspruch auf Sozialhilfe, Medicare, kostenlosen Englischunterricht, Stipendien und verbilligte College-Kredite. Einige Banken vergaben sogar Kredite an Kubaner, die weder Sicherheiten noch sonstige Kreditwürdigkeit besaßen, sondern einfach, weil sie kubanischer Abstammung waren. Dies ermöglichte vielen Kubanoamerikanern, ihr eigenes kleines Unternehmen zu gründen. Durch die in kubanischem Besitz befindlichen Unternehmen und niedrigen Lebenshaltungskosten wurden Miami und Union City (New Jersey) zu den Hauptzentren kubanisch-amerikanischer Kultur. Miami bot vergleichbare klimatische, geographische und architektonische Verhältnisse, und in Union City lockten die Möglichkeiten, welche die dortige Stickindustrie eröffnete. Westchester in Miami-Dade County steht für das am meisten mit Kubanern und Kubanoamerikanern besiedelte Gebiet in den Vereinigten Staaten, gefolgt von Hialeah.

Die 1980er Jahre Eine weitere große Welle von geschätzten 125.000 kubanischen Immigranten ereignete sich in den frühen 1980er Jahren während der Mariel-Bootskrise. Zusammen mit den 125.000 Immigranten kamen rund 25.000 Kriminelle, geistig Behinderte, Homosexuelle und andere Angehörige von unerwünschten Randgruppen der kubanischen Gesellschaft, die Fidel Castro wissentlich in den nördlichen Nachbarstaat infiltrierte, um die sogenannte „imperialistische amerikanische Gesellschaft“ zu verderben. Einige der „Marielitos“ wurden aufgrund eigener Leistung, staatlicher Hilfe und Unterstützung durch frühere Immigranten, Verwandte und Hilfsorganisationen auch erfolgreich.

Mitte der 1990er Jahre bis zu den 2000er Jahren Seit Mitte der 1990er Jahre, nach dem Inkrafttreten der sogenannten Wet foot, dry foot policy, änderten sich die Immigrationsmuster. Viele kubanische Immigranten starteten von der Süd- oder Westküste Kubas aus und landeten auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán, einige auch auf der vorgelagerten Isla Mujeres. Von dort aus reisten die Kubaner zur Grenze der USA und bekamen dort Asyl. Viele Kubaner, die keine Familie in Miami hatten, ließen sich in Houston nieder, was ein Ansteigen Gemeinschaft der Kubanoamerikaner dort zur Folge hatte.„Immigration: Cubans Enter U.S. at Texas-Mexico Border.“ Houston Press. 1. Dort bildete sich auch der Begriff dusty foot (staubiger Fuß) für diejenigen Immigranten, die via Mexiko in die USA kamen.„Immigration: Cubans Enter U.S. at Texas-Mexico Border.“ Houston Press. 2. Im Jahr 2005 unterbrach das US-amerikanische Department of Homeland Security seine bisherige Praxis, jeden Kubaner festzunehmen, der illegal die US-amerikanisch-mexikanische Grenze überquerte und gestattete stattdessen unverzügliche Haftaussetzung.„Immigration: Cubans Enter U.S. at Texas-Mexico Border.“ Houston Press. 5.

Jorge Ferragut, ein kubanischer Immigrant, der das Casa Cuba gründete, eine Organisation zur Unterstützung kubanischer Flüchtlinge, welche in Texas ankommen, sagte 2008 in einem Artikel, dass ein Großteil der Kubaner seit 2000 Kuba mehr aus ökonomischen als aus politischen Gründen verlassen habe.„Immigration: Cubans Enter U.S. at Texas-Mexico Border.“ Houston Press. 3. Im Oktober 2008 unterzeichneten Kuba und Mexiko eine Vereinbarung, um die Immigration via Mexiko zu unterbinden.„“ „Hair Balls.“ Houston Press. October 20, 2008.Alexandra Olsen: Cuba: Mexico to fight illegal migration to US. Associated Press via The Monitor. October 20, 2008.

Nach 2020 Während der Corona-Pandemie brach in Kuba der devisenbringende Tourismus zusammen und hatte im Jahr 2024 noch nicht wieder das Vor-Pandemie-Niveau erreicht. Zudem führte man zum Jahreswechsel 2020/2021 eine Währungsreform durch, wo der Peso Convertible abgeschafft und durch eine virtuelle Währung namens Moneda Libremente Convertible (MLC) ersetzt wurde. Dies führte neben Verschärfungen des US-Embargos zu einer bis heute andauernden schweren Wirtschaftskrise. Diese veranlasste zwischen 2021 und 2023 über eine Million Kubaner ihr Land zu verlassen. Die meisten ließen sich in den USA nieder. Die dortige Immigrationsbehörde zählte zwischen Oktober 2021 und April 2024 fast 740 Tausend kubanische Neu-Einwanderer.

Die Fluchtrouten haben sich jedoch seit den Vorjahren geändert. Kamen zuvor die meisten Kubaner über den Seeweg mit häufig improvisierten Booten in die USA, geht die Einreise nun meist über den Landweg via der Grenze zu Mexiko. Die Kubaner buchen dafür Flüge in für sie Visa-freie Länder, bevorzugt Nicaragua, und lässt sich von dort mittels Schlepper an die US-Grenze bringen. Die Kosten dafür sollen pro Person bei bis zu 15 Tausend Dollar liegen. Seit 2023 besteht zudem die Möglichkeit, dass Personen aus den USA für Kubaner bürgen können und diese dann direkt aus Kuba legal in die USA einreisen können.

Assimilation Viele Kubanoamerikaner passten sich der US-amerikanischen Kultur, welche auch kubanische Einflüsse hat, an.

In den 1980er Jahren begannen die Kubanoamerikaner sich auch außerhalb von Little Havana in den Außenbezirken von Miami wie zum Beispiel Hialeah, Kendall oder in den wohlhabenderen Coral Gables und Miami Lakes niederzulassen. Viele Süd- und Mittelamerikaner, gemeinsam mit zeitlich jüngeren Flüchtlingen aus Kuba ersetzten die alteingesessenen Kubano-Amerikaner, die sich innerhalb von Florida in Fort Lauderdale, Orlando, Tampa Bay oder West Palm Beach ausbreiteten oder auch in andere Staaten der ganzen USA umsiedelten. Kubanoamerikaner siedeln in allen 51 Staaten, inklusive Washington, D.C., sowie Puerto Rico, das tausende Anti-Castro-Flüchtlinge in den 1960er Jahren aufnahm. Steigende kubano-amerikanische Bevölkerungsanteile findet man auch in Kalifornien, Georgia, Illinois, Indiana, New York, North Carolina und Virginia.

In letzter Zeit gab es eine substanzielle Steigerung neu hinzukommender kubano-amerikanischer Gemeinschaften beispielsweise in Hazleton (Pennsylvania); Raleigh (North Carolina), Palm Desert sowie neuerdings auch mit kleinem Wachstum in Appleton (Wisconsin).