Roth (, fränkisch: Roud;E. Wagner: Land- und Stadtkreis Schwabach, S. 63. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: „rǫud“. früher Roth am Sand und Roth bei Nürnberg) ist die Kreisstadt des mittelfränkischen Landkreises Roth. Die Stadt gehört zur Europäischen Metropolregion Nürnberg.
Geografie Roth liegt 22 Kilometer südlich von Nürnberg am Zusammenfluss der Flüsse Roth, Rednitz und Aurach in der mittelfränkischen Keuperbucht (vgl. Keuper) am nördlichen Rand des Fränkischen Seenlandes. Früher wurde es deshalb auch Roth am Sand genannt. Vier Kilometer östlich verläuft der Main-Donau-Kanal.
Nachbargemeinden Die folgenden Gemeinden, die überwiegend zum Landkreis Roth gehören, grenzen an die Kreisstadt. Sie werden im Uhrzeigersinn im Norden beginnend genannt: Schwanstetten, Pyrbaum (Oberpfalz, NM), Allersberg, Hilpoltstein, Heideck, Georgensgmünd, Büchenbach und Rednitzhembach.
Gliederung des Stadtgebiets
Die Stadt besteht aus 30 Gemeindeteilen (in Klammern ist der Siedlungstyp und die jeweilige Einwohnerzahl per 1. Juli 2018 angegeben):
Außerdem gibt es die Wohnplätze Fallhütte, Kauernhofen und Roth Bahnhof. Fallhütte ist im Stadtteil Kiliansdorf aufgegangen, Kauernhofen und Roth Bahnhof im Hauptort Roth. Hasenbruck ist vor der Flutung des Rothsees abgerissen worden.
Es gibt auf dem Stadtgebiet die Gemarkungen Belmbrach, Bernlohe, Birkach (Gemarkungsteil 0), Brunnau (Gemarkungsteil 0), Eckersmühlen, Harrlach, Pfaffenhofen, Rittersbach (Gemarkungsteil 1), Roth, Rothaurach und Wallesau (Gemarkungsteil 1). Die Gemarkung Roth hat eine Fläche von 13,753 km². Sie ist in 7165 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 1919,46 m² haben. In ihr liegt neben dem namensgebenden Ort der Stadtteil Obere Glasschleife.
Klima
Roth hat ein humides kühlgemäßigtes Übergangsklima, das weder sehr kontinental noch sehr maritim ausgeprägt ist. Die monatlichen Durchschnittstemperaturen schwanken zwischen 1,4 °C im Januar und 19,2 °C im Juli. Die jährliche Durchschnittstemperatur liegt bei 10,3 °C. Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt 693 Millimeter, wobei es im März am trockensten und im Juli am feuchtesten ist. Die Niederschlagsmenge ist etwas geringer als für die geographische Lage üblich. Ursache dafür ist die Lage Roths im Fränkischen Becken; diese schwach ausgeprägte Kessellage hält feuchte Luftmassen vom Stadtgebiet fern.
Geschichte mini|Marktplatz von Roth mini|Schloss Ratibor Mittelalter Der Ortsname leitet sich vom gleichnamigen Gewässernamen ab, der wohl nach dem roten Gestein des Flussbetts benannt wurde.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 193.E. Wagner: Land- und Stadtkreis Schwabach, S. 63 f.
Erste urkundliche Erwähnung fand der Ort in den Jahren 1057 bis 1075 unter dem Namen Rote, als der Eichstätter Bischof Gundekar II. dort eine Kirche weihte. Die Vogtei Roth war zu dieser Zeit im Besitz des Domstifts Bamberg. Als Hochstiftsvögte übten die Grafen von Abenberg die Vogteirechte über die Besitzungen des Bamberger Hochstifts in Roth und Umgebung aus. Das unter Dompropst Eberhard I. zwischen 1120 und 1124 verfasste Urbar des Eichstätter Domkapitels nennt in „Růte“ bzw. „Rode“ eine ›curia dominicalis‹.
Mit Friedrich II. starb das Adelsgeschlecht der Abenberger um das Jahr 1200 im Mannesstamm aus, so dass dessen Enkelin Sophia von Raab den Ort Roth über den Erbweg erhielt. Hierüber fiel die Vogtei an die Burggrafschaft Nürnberg, mit der seit 1191/1192 der Gemahl der Sophia von Raab, Friedrich III. von Zollern belehnt war.
Das Adelsgeschlecht derer „von Rot“ lässt sich im Jahr 1245 mit „Conradus de Rote“, Bürger zu Nürnberg, erstmals sicher nachweisen. Der letzte nachweisbare männliche Vertreter dieses Geschlechts ist gegen Ende des 14. Jahrhunderts der in Würzburg ansässige Notar „Heinrici Rot de Nuermberg“.
Seit dem 12. Jahrhundert bestand in Roth wohl ein Markt, zumal in einer Urkunde des Hochstifts Bamberg vom 15. April 1267 von einem „officium Rot“ die Rede ist. In einer Urkunde vom 4. September 1363 wird der Ort erstmals als Stadt bezeichnet. Seit 1349 ist in Roth ein mittelalterliches Leprosorium nachweisbar, das als Sondersiechenhaus bezeichnet wurde. 1887 brannte das Gebäude ab.
Eine Urkunde vom 19. Mai 1375 des Burggrafen Friedrich V. lässt auf den Beginn der Stadtbefestigung schließen. Diese Baumaßnahme hat sich über einen längeren Zeitraum hingezogen, da noch in einer Urkunde vom 11. April 1412 des Burggrafen Friedrich VI. der Stadt Steuern und Zollgebühren zur Finanzierung dringender Bauten, vor allem der Stadtbefestigungen, überlassen werden. Nachdem die Hohenzollern die Burggrafschaft Nürnberg im Jahre 1427 an die Stadt Nürnberg verkauft hatten, wurde Roth Teil des hohenzollerschen Markgraftums Brandenburg-Ansbach.
Eine Stadtordnung wird für das Jahr 1434 nachgewiesen. Danach bestand der Rat der Stadt aus dem markgräflichen Vogt und fünf städtischen Ratsherren. Ab 1480 bestand der Rother Stadtrat aus einem „inneren Rat“, der sich aus 12 Ratsherren zusammensetzte und einem „äußeren Rat“, dem 8 Bürger angehörten.
Mit Regierungsübernahme des Markgrafen Georg von Brandenburg-Ansbach, wurde im gesamten Fürstentum – und damit auch im Oberamt Roth – die Reformation etabliert. In den Jahren 1535–1537 ließ Markgraf Georg in Roth das Jagdschloss Ratibor errichten. mini|Blick in die Hauptstraße mini|Obere Mühle – erster Drahtziehstandort
Roth in der Neuzeit Mit Vertrag vom 16. Januar 1791 trat Markgraf Karl Alexander das Herzogtum Brandenburg-Ansbach an das Preußische Königshaus ab, so dass auch Roth preußisch wurde. Nach dem Sieg Kaiser Napoleons im Dritten Koalitionskrieg musste Preußen auf dessen Druck hin das Markgraftum Ansbach im Schönbrunner Vertrag vom 16. Dezember 1805 an Bayern abtreten, das im Mai 1806 den neuen Besitz inkl. Roth, förmlich übernahm.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Roth 302 Anwesen und außerdem noch kirchliche, kommunale und herrschaftliche Gebäude. Das Hochgericht übte das brandenburg-ansbachische Oberamt Roth aus, die Dorf- und Gemeindeherrschaft sowie die Grundherrschaft über alle Anwesen hatte das Stadtrichteramt Roth inne.F. Eigler: Schwabach. S. 418.
Von 1797 bis 1808 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Roth.
Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1808 der Steuerdistrikt Roth gebildet, zu der Obere Glasschleife gehörte. 1811 entstand die Munizipalgemeinde Roth, die deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt war. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Pleinfeld (1858 in Landgericht Roth umbenannt) zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Spalt (1919 in Finanzamt Spalt umbenannt).
Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) wurde Roth zur Stadt II. Klasse erhoben. Ab 1862 gehörte Roth zum Bezirksamt Schwabach (1939 in Landkreis Schwabach umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Roth (1879 in Amtsgericht Roth umbenannt), seit 1970 ist das Amtsgericht Schwabach zuständig. Die Gemeinde hatte ursprünglich eine Fläche von 11,923 km². Nach 1900, jedoch vor 1904 wurden Kauernhofen und Roth Bahnhof nach Roth umgemeindet, wodurch sich das Gemeindegebiet auf 13,570 km² vergrößerte. 1932 wurde das Finanzamt Spalt aufgelöst. Seitdem gehört Roth zum Sprengel des Finanzamtes Schwabach.F. Eigler: Schwabach. S. 484. 1923 erhielt der Ort den Zusatz „bei Nürnberg“. 1964 hatte die Gemeinde eine Gebietsfläche von 13,783 km².
Die Stadt wurde früh von der Industrialisierung erfasst und profitierte vom Anschluss an das Netz der Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen, der mit Eröffnung des Bahnhofs Roth am 1. Oktober 1849 erfolgte. Sie war ein Zentrum der Herstellung Leonischer Waren und profitierte vom Trend zum geschmückten Weihnachtsbaum ab dem 19. Jahrhundert.Ralf Rossmeissl, Konrad Besal (Hrsg.): „Glanz und Glitzer“, Lametta – Christbaumschmuck aus Roth & Allersberg. Verlag Fränkisches Freilandmuseum, Bad Windsheim 2002, ISBN 3-926834-53-6, S. 11.
Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg 1935 verließen die letzten Juden Roth, nachdem das Nazi-Regime zu den damals üblichen Boykottmaßnahmen (in Roth mit Posten von Kindern vor jüdischen Geschäften) aufgerufen hatte und die letzten Juden verkaufen mussten. Auch im Zweiten Weltkrieg prosperierte die Stadt wegen der erhöhten Nachfrage nach Christbaumschmuck, der aus Propagandagründen sogar in den Kessel von Stalingrad eingeflogen wurde.Sven Felix Kellerhoff: Görings künstliche Weihnachtsbäume für Stalingrad, welt.de vom 18. Dezember 2012, abgerufen am 18. Dezember 2012
Im Jahre 1937 wurde auf Bestreben des Reichsluftfahrtministeriums die Otto-Lilienthal-Kaserne gebaut. Im Mai 1938 wurde dort der Flugbetrieb aufgenommen.Geschichte der Otto-Lilienthal-Kaserne, rgt26.org, abgerufen am 15. August 2018 Im Zweiten Weltkrieg waren in Roth mehrere Jagdgeschwader stationiert. Am 8. April 1945 wurde die Kaserne von den amerikanischen Streitkräften bombardiert und die Stadt kurz darauf am 21. April eingenommen. Gegen Kriegsende verlagerte das Institut für Fleckfieber- und Virusforschung seinen Sitz von Krakau nach Roth.
Historische Einwohner- und Häuserzahlen Gemeinde Roth (jeweiliger Gebietsstand) Jahr Einwohner HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahr 1818 wurden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser und 1871 bis 2017 als Wohngebäude. Quelle 1818 2361 318 Für die Gemeinde Roth zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Glasschleif (S. 30). 1840 2444 264 Laut Historischem Gemeindeverzeichnis hatte die Gemeinde 2454 Einwohner. 1852 2447 1861 2507 1867 2492 1871 2458 294 1875 2604 1880 2872 Jahr Einwohner Häuser Quelle1885345634818903323377 1895 3751 1900 4049 505 1905 4826 1910 5307 1919 5030 Jahr Einwohner Häuser Quelle19255581624193358401939657319468602 1950 8910 1024 1961 10.281 1532 1970 11.336
Hauptort Roth Jahr Einwohner Häuser Quelle138086143411115311261732163 1818 2342 314 Jahr Einwohner Häuser Quelle1840243626218612468 1871 2446 1885 3445 345 1900 4034 443 Jahr Einwohner Häuser Quelle19255571♦622♦195089101024 1961 10.281 1532 1970 11.268♦ 1987 12.292 2621
Eingemeindungen Am 1. Juli 1971 wurden im Zuge der Gebietsreform in Bayern die Gemeinden Belmbrach und Pfaffenhofen eingegliedert. Am 1. Januar 1972 kamen Bernlohe und Rothaurach sowie Teile der aufgelösten Gemeinde Brunnau und Wallesau hinzu. Am 1. Januar 1973 folgte Harrlach. Teile der aufgelösten Gemeinde Birkach wurden am 1. Januar 1975 eingegliedert. Mit der Eingliederung von Eckersmühlen und Unterheckenhofen (Teil der ehemaligen Gemeinde Rittersbach) wurde die Reihe der Eingemeindungen am 1. Mai 1978 abgeschlossen.
Roth heute Mit der Gemeindegebietsreform wurden am 1. Juli 1972 die beiden Landkreise Hilpoltstein und Schwabach zum Landkreis Roth zusammengelegt und die Stadt Roth als Sitz der Kreisverwaltung bestimmt. Der Name der Stadt wurde am 13. März 1973 amtlich von Roth b. Nürnberg in Roth geändert. Mit Eröffnung der Lände Roth im Jahre 1987 erhielt die Stadt einen Anschluss an das Bundeswasserstraßensystem.
Einwohnerentwicklung der Stadt Roth Dargestellt ist hier die summarische Entwicklung der Hauptwohnsitze aller heutigen Ortsteile der Stadt Roth. Zwischen 1987 und 2024 wuchs die Einwohnerzahl der Stadt Roth von 19807 auf 25458 um 5651 Einwohner bzw. um 28,5 %.
1840–2016 2017–2024 Nicht zuletzt aufgrund der Ansiedlung der Offiziersschule der Luftwaffe mit voraussichtlich 2000 Beschäftigten arbeitet der Bund mit Bauträgern daran, Wohnraum in und um Roth zu schaffen. Im Februar 2026 wurde der Bebauungsplan für das Neubaugebiet „Westring West“ verabschiedet, der Wohnraum für etwa 800 bis 1000 Einwohner bieten soll. Auf einem ehemaligen Gelände der Leoni AG entsteht das „Rother Neuland“ mit 400 Wohneinheiten.
Gebäudeverteilung