mini|Kirchenfassade im Açıksaray bei Gülşehir miniatur|Sehenswerte Orte in Kappadokien Die Höhlenarchitektur in Kappadokien in der Zentraltürkei umfasst sowohl Wohnräume und Wirtschaftsräume als auch Sakralgebäude wie Kirchen und Klöster, die aus dem weichen Tuffgestein der Landschaft herausgearbeitet wurden.
Kappadokische Tufflandschaften Die Vulkane Erciyes Dağı südlich von Kayseri, Hasan Dağı südöstlich von Aksaray, Melendiz Dağı bei Niğde und einige kleinere Vulkane überzogen etwa 10 Millionen Jahre lang bis in frühgeschichtliche Zeit die Region Kappadokien mit einer Schicht von Tuffstein, woraus sich durch Erosion die bekannten Gesteinsformationen der Gegend bildeten.Wolfgang Dorn: Türkei – Zentralanatolien: zwischen Phrygien, Ankara und Kappadokien. DuMont, 2006, ISBN 3-7701-6616-7, S. 15 bei Google Books Der Prozess ist eine Sonderform der in der gesamten Türkei verbreiteten Rinnenerosion, wobei durch die Standfestigkeit der vulkanischen Tuffe und Ignimbrite besonders tiefe und steilwandige Rinnen entstehen, die durch seitliche Verschneidung dann die turmartigen Formen bilden.Wolf-Dieter Hütteroth/Volker Höhfeld: Türkei. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 2002, S. 50 ISBN 3-534-13712-4 Da dieses weiche Gestein verhältnismäßig leicht zu bearbeiten ist, wurde es wahrscheinlich bereits in der frühen Bronzezeit von Menschen zu Höhlen geformt, die im Laufe der Zeit zu umfangreichen Wohn- und Klosterkomplexen und kompletten Städten ausgebaut wurden. Die Region Kappadokien gehört seit 1985 zum Weltkulturerbe der UNESCO.Eintrag in die Liste des UNESCO-Welterbe
Geologische Voraussetzungen und Erosion der Höhlenarchitektur Trotz vieler Schäden ist der Erhaltungszustand vieler in die Tuffwände und Tuffkegel gegrabenen Wohnungen, Klosteranlagen, Kirchen und Burgen, wenn auch nicht unbedingt optimal, so doch dank mancher Restaurierungsmaßnahmen beachtenswert, und viele der touristisch erschlossenen Stätten und auch der im Verborgenen schlummernden sind fraglos besuchenswert.
Bildungsprozesse zentriert|mini|345x345px|Während das vor-vulkanische Fundament Kappadokiens hauptsächlich aus Graniten und Gabbros der Kreidezeit und Metamorphiten des zentralanatolischen Kristallin-Komplexes (Kırşehir-Massiv) besteht, bildeten sich seine vulkanischen Auflagen aus zahlreichen großvolumigen Ignimbrit-Lagerstätten, quartären Stratovulkanen und monogenen Zentren. Die Entwicklung der rezenten kappadokischen Tufflandschaften ist ein sehr vielschichtiger Prozess, der während der letzten Subduktionsphase der Neotethys in Anatolien vor etwa 10 Mio. Jahren begann und aus der vom späten Miozän bis zum Pleistozän eine Vielzahl von Vulkansystemen entstand, hauptsächlich als eine Abfolge von Ignimbritströmen und mehreren langlebigen quartären hoch aufragenden Vulkanriesen. Die Konvergenz des afro-arabischen Kontinents mit der eurasischen Platte seit dem späten Miozän ist für die Entstehung dieser weit verbreiteten und intensiven vulkanischen Aktivität in Kappadokien verantwortlich. links|mini|Seit Beginn des Miozäns entstanden auf den Graniten des Grundgebirges Kappadokiens allein 38 vulkanische Sedimentschichten unterschiedlicher morphologischer Resistenz, die man an den verschiedenen Steilwandstrukturen gut erkennen kann. mini|Durch die Tieferlegung der Abflussbahnen (Kızılırmak) kam es mit Zerschneidung des plateauartigen Ausgangsreliefs an den Talhängen Kappadokiens zu einer intensiven linienhaften Zerschneidung (Rinnenerosion) durch seitlich zufließende Gewässer, was bis zur Gegenwart anhält. mini|Die Zerschneidung des Tuffs zerlegt den Hang zunächst in Rippen, wobei von den seitlich zum Tal entstandenen Kerben schließlich wiederum eine seitliche Zerschneidung dieser Rippen ausgeht. links|mini|Letztendlich werden die Tuffpakete in freistehende Türme zerlegt – in die kappadokischen Tuffkegel. In diese z. T. „dickbäuchigen“ Kegel und die steilwandigen Plateauabbrüche grub die Bevölkerung ihre Troglodyten-Behausungen, wie etwa im Tal von Avcılar (seit den 1980er Jahren Göreme). mini|Die Tuffkegel Kappadokiens sind somit Bestandteile einer geomorphologischen Formenreihe. Diese Formenreihe hat als Ausgangsrelief ein Paket wechsellagernder Tuffschichten unterschiedlicher Resistenz, die von einer mehr oder weniger waagerechten Abtragungsfläche gekappt werden. Dort setzt die etagenhafte Erosion ihre Zerschneidungs-Arbeit fort, während die Reste der bereits in Kegel zerlegten höheren Erosionsfläche noch zu sehen sind. links|mini|Nach ihrer Abtrennung vom Hang unterliegen die Tuffkegel weiterhin Abtragungsprozessen, die letztendlich zu einer Zerstörung der Kegel und zur Rückverlegung des dahinter aufragenden Hanges führen und damit auch zur Zerstörung von in die Tuffwände eingegrabenen Höhlenwohnungen. Während das vor-vulkanische Fundament dieser „Zentralanatolischen Vulkanprovinz“ (ZAVP; engl. „Central Anatolian Volcanic Province“ = CAVP) aus plutonischen Gesteinen (hauptsächlich Granite und Gabbros) der Kreidezeit und Metamorphiten des zentralanatolischen Kristallin-Komplexes (Kırşehir-Massiv) besteht, bildeten sich seine vulkanischen Auflagen aus zahlreichen großvolumigen Ignimbrit-Lagerstätten, quartären Stratovulkanen und monogenen Zentren. Allein 38 vulkanische Sedimentschichten entstanden seit Beginn des Miozäns z. B. auf den kreidezeitlichen Graniten am Acıgöl bei Nevşehir, darunter 10 Ignimbritlagen, 2 Rhyolithsequenzen, 2 Basaltschichten, 1 Andesitfazies und 3 Lavaablagerungen unterschiedlichster Stärke. Die Grundlage für die Entwicklung dieser Landschaft geht auf das späte Miozän zurück, als Vulkane pyroklastische Ablagerungen als dicke und bunte Ignimbrite-Schichten auf einer Fläche von etwa 20.000 km² ausbreiteten. Der Vulkanismus dort dauerte mehrere Millionen Jahre, und die weitere Entwicklung begann zunächst mit nahezu horizontalen Vulkanit-Plateaus, die entlang von Abkühlungsfrakturen zerlegt wurden, wo sich dann Erosionsrinnen bildeten. Diese unterschiedlichen Ignimbrit-Schichten haben eine oft sehr unterschiedliche Erosions-Anfälligkeit: Geomorphologisch weichere Vulkanite sind leichter zu erodieren als die härteren Ignimbrite oder Basalte. Durch die Tieferlegung der Abflussbahnen zum Vorfluter Kızılırmak kam es zur Zerschneidung des Ausgangsreliefs, und in den Haupttälern entstanden bei einer klimatisch bedingten phasenhaften Eintiefung erste Erosionsterrassen. Die Hänge der Täler unterlagen ihrerseits einer intensiven linienhaften Zerschneidung (Rinnenerosion) durch seitlich zufließende Gewässer, was bis zur Gegenwart gilt. Die Zerschneidung des Tuffs wird auch gegenwärtig gefördert durch die (morphologische) Weichheit mancher Gesteinsformationen und ihre Wasserundurchlässigkeit. Sie zerlegt den Hang zunächst in Rippen, wobei die „Engständigkeit“ der Rippen bzw. der Erosionsrinnen mit der klimatisch bedingten Vegetationsarmut zusammenhängt. Von den seitlich zum Tal entstandenen Kerben geht schließlich wiederum eine seitliche Zerschneidung dieser Rippen aus, die diese damit in freistehende Türme zerlegt – in die erdpyramiden-artigen, kappadokischen Tuffkegel. In diese z. T. „dickbäuchigen“ Kegel und die steilwandigen Plateauabbrüche grub die Bevölkerung ihre Troglodyten-Behausungen, wie etwa im Tal von Avcılar (seit den 1980er Jahren Göreme) oder in Zelve.
Tuffkegel („Tuffpyramiden“) sind somit Bestandteile einer geomorphologischen Formenreihe. Diese Formenreihe hat als Ausgangsrelief ein Paket wechsellagernder Tuffschichten unterschiedlicher Resistenz, die von einer mehr oder weniger waagerechten Abtragungsfläche diskordant gekappt werden. Mit der Tieferlegung des Vorfluters, in diesem Fall des Kızılırmak, ist zwangsläufig eine Eintiefung aller Abflussbahnen verbunden, die zu diesem Vorfluter hin entwässern und dabei im „standfesten“ Tuff Plateaus mit steilen, oft senkrechten Abbrüchen hinterlassen.
Erosionsprozesse Nach ihrer Abtrennung vom Hang unterliegen die Tuffkegel weiterhin Abtragungsprozessen, die letztendlich zu einer Zerstörung der Kegel und zur Rückverlegung des dahinter aufragenden Hanges führen und damit auch zur Zerstörung von in die Tuffwände eingegrabenen Höhlenwohnungen. Dabei sind die Tuff- und Tuffkegelwände zunächst noch vergleichsweise stabil (standfest), da an der Außenhaut eine chemische Verwitterung einsetzt, die zunächst zur Bildung einer schützenden Eisen-Mangankruste führt, da geringe Wassermengen die im Tuff enthaltene Eisen- und Manganspuren lösen, die mit kapillarem Aufstieg und Verdunstung an der Oberfläche als Kruste zurückbleiben. Diese Krusten sind allerdings relativ kurzlebig. Mechanische Verwitterung und Abspülung an der Oberfläche führen zum Abplatzen der Kruste. links|mini|Sogenannte „Decksteine“ (Kappen, Hüte) auf den Tuffkegeln, wie hier bei Ürgüp, spielen bei der Erosion eine schützende Rolle: Vulkanische Agglomerate enthalten vulkanische Bomben. Aus diesen in den Tuffen eingeschlossenen härteren Gesteinsteilen können sich mit der Erosion schützende Deckel über den darunterliegenden weicheren Tuffsedimenten bilden. Im Hintergrund der Stratovulkan Erciyes Dağı. mini|Zumeist aber entstehen solche „Kappen, Mützen“ eher als Rest einer morphologisch resistenteren, höher gelegenen Tuffschicht (z. B. Basalttuff), deren Schichtverläufe man oft bis zur dahinterliegenden Steilwand verfolgen kann. links|mini|Bis auf einen einzigen, markant die Landschaft beherrschenden Tuffkegel wurden die „Lieferschichten“ südlich von Avanos von der Erosion bereits planiert. mini|Ein ähnliches Relikt einer fast völlig erodierten Schichtenfolge, hier in Paşabağlar bei Zelve, wurde durch die Erosion bereits in zwei Teile gespalten. Sogenannte „Decksteine“ (Kappen, Hüte) spielen bei der Erosion ebenfalls eine schützende Rolle: Vulkanische Agglomerate z. B. bestehen zu mindestens 75 % aus vulkanischen Bomben. Aus diesen in den Tuffen eingeschlossenen härteren Gesteinsteilen können sich mit der Erosion schützende Deckel über den darunterliegenden weicheren Tuffsedimenten bilden. Meist aber entstehen solche „Kappen“ eher als Rest einer morphologisch resistenteren, höher gelegenen Tuffschicht (z. B. Basalttuff, Ignimbrit, Schweißtuff), deren Schichtverläufe man oft bis zur dahinterliegenden Steilwand verfolgen kann. Derartige „Pseudodecksteine“ sind allerdings zur Entstehung sowie zur Erhaltung der Formen letztendlich bedeutungslos, da sie das darunterliegende Material nur bedingt und kurzzeitig vor der Erosion schützen. Weit stärker als die chemische Verwitterung arbeitet die Unterschneidung der Hänge und Kegel durch fließendes Wasser, z. B. bei Starkregen, bringt diese zum Einsturz und lagert das Versturzmaterial am Hangfuß von Wand und Kegel ab. Wenn die Tuffkegel isoliert sind, spielen diese „Kappen“ zunächst noch eine Rolle bei der Verlangsamung der weiteren Erosion weicherer Schichten. Wenn die Kappen schließlich herunterfallen oder vollständig erodieren, werden die weichen Hälse der Kegel schnell zerstört.