mini|Verschiedene Taschenmesser|alternativtext=Unterschiedliche Taschenmesser mini|rechts|Spanisches Navaja mini|rechts|Südafrikanische Okapimesser mini|rechts|Schweizer Taschenmesser mini|hochkant|Ziselierte Taschenmesser mini|Traditionelles Laguiole-Taschenmesser, Frankreich mini|Traditionelles Vendetta-Taschenmesser, von au Sabot, Frankreich 2021 Ein Taschenmesser ist ein Messer, dessen Klinge zum gefahrlosen Transport in eine dafür vorgesehene Vertiefung des Heftes geklappt werden kann. Dadurch kann es auch in einer Tasche, z. B. Hosentasche, mitgeführt werden. Andere Bezeichnungen sind Klappmesser, Schließmesser, Fixiermesser, in Österreich Feitel (früher: Veitel) und in der Schweiz und Süddeutschland Sackmesser sowie Sackhegel.

Geschichte mini|Römisches Taschenmesseraus Gellep (links)Moderne Rekonstruktion (rechts) mini|Zwei Klappmesseraus dem 6. Jahrhundert Das älteste bisher entdeckte Klappmesser stammt aus der Zeit zwischen 600 und 500 v. Chr. Das keltische Messer wurde in Hallstatt im Salzkammergut im Bundesland Oberösterreich gefunden und besaß eine Eisenklinge mit einem Heft aus Knochen.

Im ersten Jahrhundert verwendeten die Römer Taschenmesser aus Bronze. Diese kannten noch keine Verriegelungsmechanismen und mussten mit der Hand offen gehalten werden.

Im Mittelalter wurden klappbare Bauernmesser aus Eisen verwendet, die aus einer Klinge mit Erl bestanden, die beide zusammen beweglich mit einem Griff aus Holz verbunden waren. Im ausgeklappten Zustand lag der Erl auf dem Griff, so dass beide gemeinsam von der Hand umschlossen werden konnten. Im eingeklappten Zustand lag die Schneide des Messers in einem Schlitz des Griffs, so dass es gefahrlos umhergetragen werden konnte.Youtube-Video zum Nachbau des mittelalterlichen Bauernmessers von der Firma Svörd

Die frühesten Navajas stammen aus dem Andalusien des 16. Jahrhunderts. Aus dem Navaja entwickelte sich dann in Südfrankreich das Laguiole-Messer, das im gleichnamigen Ort Laguiole hergestellt wurde.

Die Schweizer Armee verfügte im Januar 1891 die Einführung eines für alle Soldaten geeigneten Taschenmessers. Da zu diesem Zeitpunkt kein Schweizer Unternehmen die nötigen Produktionskapazitäten hatte, wurden die ersten 15.000 Messer im Oktober 1891 von der deutschen Messermanufaktur Wester & Co. aus Solingen geliefert. Ende 1891 übernahm dann die Firma Karl Elsener aus Ibach, Kanton Schwyz, die spätere Firma Victorinox, die Herstellung. Das Modell von 1891 hatte Griffschalen aus geschwärztem Eichenholz. Der Begriff Schweizer Offiziers- und Sportmesser wurde am 12. Juni 1897 als Handelsmarke eingetragen.

Vor- und Nachteile von Taschenmessern Taschenmesser sind klein, handlich und sicher zu transportieren. Der Vorteil eines Klappmessers besteht im einfachen Transport. Die Klinge kann schnell eingeklappt werden und das Messer benötigt keine Scheide. Damit verbunden ist der Nachteil der geringeren Stabilität des Gelenks. Durch seitwärtigen Druck auf die Messerbacken oder gratwärtigen Druck auf Schneide und Rücken kann es zum Ausleiern und Wackeln der Klinge kommen. Bei extremer Belastung kann der Verriegelungsmechanismus sogar versagen und somit ist das Verletzungsrisiko höher als bei feststehenden Messern.

Gattungen der Taschenmesser Taschenmesser werden anhand verschiedener Merkmale untergliedert. Häufig verwendet man dabei den Verriegelungs- sowie Öffnungsmechanismus.

Einteilung nach Verriegelung Für Klappmesser gibt es verschiedene Mechanismen, die verhindern, dass das Messer bei der Benutzung versehentlich schließt. Bei dieser Untergliederung werden die Messer einfach nach dem jeweiligen Mechanismus benannt, zum Beispiel Lockback-Messer für Messer mit Lockback-Verriegelung. Für weitere Mechaniken siehe Abschnitt Arretierung.

Des Weiteren gibt es Messer ohne Verriegelung, die durch andere Techniken offengehalten werden.

Schwenkerlmesser mini|Japanisches Higonokami Schwenkerlmesser () haben keine Verriegelungsmechanik. Sie werden lediglich durch Reibung geschlossen gehalten. Sie haben einen Erl, der im geöffneten Zustand auf dem Griff aufliegt. Der Daumen drückt auf diesen und hält die Klinge dadurch offen.

Zu den Schwenkerlmessern zählen das mittelalterliche Bauernmesser samt seinen modernen Nachbauten mit langem Erl und das japanische Higonokami-MesserYouTube-Video zu einem Higonokami-Messer mit kurzem Erl.

Rutschgelenkmesser Rutschgelenkmesser () besitzen eine Feder, die auf das Gelenk drückt. Im geöffneten und geschlossenen Zustand erhöht sie die Reibung und hält somit die Klinge in Position. Sie ist keine sichere Arretierung, da zum Schließen lediglich die Federspannung überwunden werden muss.

Messer ohne diesen Mechanismus werden als freigelenkig () bezeichnet.

mini|Zweihandmesser mit Nagelhau Einteilung nach Art der Öffnung Hierbei unterscheidet man zwischen einhändig und zweihändig zu öffnenden Messern.

Zweihandmesser Zweihandmesser sind Messer, die zum Öffnen beide Hände benötigen. Die eine Hand hält das Messer am Griff, die andere Hand klappt die Klinge entweder mit dem Daumennagelschlitz (auch Nagelhau, Nagelschlitz oder Daumenhieb) am Klingenrücken oder mit dem stumpfen Ende der Klinge auf.

Einhandmesser mini|Einhandmesser mit Auge Einhandmesser sind Messer, die sich mit einer Hand öffnen lassen, wobei die Klinge dann fest durch mechanische Sicherungen arretiert. Im engeren Sinne versteht man darunter vor allem Klappmesser, die durch Druck des Daumens in eine Bohrung (Daumenloch, Auge, Öse) in der Klinge, auf einen Noppen (Daumenstift, Pin) an der Klinge oder auf einen Hebel (Flipper) mühelos aufgeklappt werden können. Mit einer Hand zu öffnende Messer, bei denen die Klinge beim Öffnen nicht mittels einer mechanischen Verriegelung fest arretiert wird, sind keine Einhandmesser im Sinne des Gesetzes (vgl. Abs. 1 Nr. 3 WaffG), da es insoweit am Merkmal der „feststellbaren Klinge“ fehlt.

Aufbau Klinge mini|Messer mit Wellenschliff (oben), Recurveschneide (Mitte) und glatter Schneide Klingenform Ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl des Messers ist die Klingenform und sollte den Gebrauchsanforderungen angepasst sein. Weit verbreitete Profile sind Drop-Point oder Clip-Point. Taktische Messer haben häufig Spear-Point- oder Tantōform, die ein leichteres Zustechen erlauben.

Die Klingen sind stets einschneidig und glatt oder wellig geschliffen. Oft ist die Klinge geteilt in einen glatten vorderen Teil und einen welligen hinteren Teil. Wellige Klingen sind von Vorteil beim ziehenden Schneiden von faserigem Schnittgut. Ist die Klinge allerdings sehr kurz, ist der Wellenschliff kaum sinnvoll, da er seine Stärke nur bei schnellerem Ziehen ausspielen kann. Außerdem sind die kleinen Zähne weniger schnitthaltig und schwieriger zu schleifen als glatte Schneiden. Sie können aber genauso auf einem Schleifstein geschärft werden.

Zum Schnitzen oder Schneiden von rundem Schnittgut eignet sich eine Recurveschneide. Dabei ist die Schneide konkav gewölbt. Ein großer Nachteil ist, dass sie nicht auf einem Bankstein geschliffen werden kann.

Öffnungshilfe Anhand der Öffnungshilfen unterscheidet man zwischen einhändig und zweihändig zu öffnenden Messern. Ist gar keine Hilfe oder lediglich eine Rille für den Fingernagel angebracht, lässt sich das Messer nur zweihändig öffnen.

Klappmesser, die in Gelenknähe am Rücken der Klinge einen Noppen (Daumenstift, Pin) oder eine Bohrung (Daumenloch, Auge) für den Daumen aufweisen, lassen sich auch ohne Springfeder mit dem Druck des Daumens einer Hand aufklappen. Dasselbe gilt für Klappmesser, die in Gelenknähe am Bauch der Klinge eine Nase (Flipper) aufweisen, die im geschlossenen Zustand am Rücken des Griffs herausragt. Im geöffneten Zustand dient der Flipper als kurze Parierstange. Diese sogenannten Einhandmesser unterliegen in vielen Staaten besonderen Restriktionen bezüglich Besitz, Einfuhr und Führung.

Weitere Elemente an der Klinge Häufig befindet sich am Klingenrücken in Gelenknähe eine Daumenauflage, die zur Verbesserung des Halts beiträgt. Diese besteht aus einer Riffelung oder Erhöhung des Klingenrückens.

Die sogenannte Hohlkehle ist eine rinnenförmige Vertiefung im oberen Bereich des Klingenspiegels. Sie dient als Verzierungselement und macht die Klinge leichter.

Gelenk Die Klinge eines Klappmessers kann beim Aufklappen des Klappmessers entweder frei beweglich sein oder am Rücken des Griffs entlangrutschen. Im ersten Fall spricht man von einem freigelenkigen Klappmesser, im letzteren Fall von einem rutschgelenkigen Klappmesser.

Zu den freigelenkigen Messern zählen das Opinel-Messer sowie alle Schwenkerlmesser (mittelalterliches Bauernklappmesser, japanisches Higonokami-Messer) und alle Fallmesser (Balisong-Messer, Jakobsleiter-Messer, Pantograph-Messer).

Alle übrigen Klappmesser haben ein Rutschgelenk, das aufgrund der Reibungskraft zwischen Klingengelenk und Rückenfeder das unbeabsichtigte Zusammenklappens erschwert, jedoch nicht gänzlich verhindert. Eine definitive Sicherung vor dem unbeabsichtigten Zusammenklappen eines Messers ist jedoch nur durch eine feste Verriegelung der Klinge mit dem Griff zu erreichen.

Arretierung Um das unbeabsichtigte Wiedereinklappen der Klinge zu vermeiden, haben viele Taschenmesser eine Verriegelung (eng. lock). Die ausgeklappte Klinge von Klappmessern kann über einen Schlitzring, eine Rückenfeder, eine Wippe, eine Seitenfeder oder die Griffschale verriegelt werden.

Schlitzring-Verriegelung (Slotring Lock) Die ausgeklappte Klinge wird durch Drehen des Schlitzrings (Ring mit querem Schlitz) über dem Klappgelenk am Vorderende des Griffs verriegelt, so dass die Klinge nicht mehr durch den Schlitz gleiten kann. Entriegelt wird durch Zurückdrehen des Schlitzrings, so dass die Klinge wieder durch den Schlitz des Schlitzrings in die Klingenbucht des Griffs zurückgeklappt werden kann. Beispiel für ein Klappmesser mit Schlitzring-Arretierung ist das Opinel-Messer. Der Schlitzring wird von Opinel drehbarer Sicherheitsring bzw. Virobloc genannt. Der Vorteil dieser Arretierung ist, dass das Messer sowohl im ausgeklappten, wie auch im eingeklappten Zustand verriegelt werden kann. Die englische Bezeichnung für die Schlitzring-Verriegelung lautet nach dem englischen Wort für Schlitzring slotring lock.

Rückenfeder-Verriegelung = Lever-Lock mini|Rückenfeder-Verriegelungmit Ring zum Entriegelnam Vorderende des Griffs Die ausgeklappte Klinge wird durch Zähne am Klingengelenk verriegelt, die in einen Schlitz der Rückenfeder passen, die nach Einrasten der Zähne in den Schlitz wieder zurückfedert. Die Zahn-Verriegelung wird entriegelt, in dem die Rückenfeder entweder durch Zug an einem Ring oder durch Drücken eines Hebels angehoben wird, so dass das Klingengelenk wieder frei drehbar ist. Bei manchen spanischen Navaja-Messern wurden die Zähne zu einem Zahnkranz erweitert, der wie der Zahnkranz in einer Ratsche (span. Carraca) funktioniert und beim Auf- und Zuklappen des Messers ein warnendes Knarren von sich gibt. Die englische Bezeichnung für die Rückenfeder-Verriegelung wird nach dem englischen Wort für Hebel (wegen der hebelartigen Funktion der Rückenfeder) lever lock genannt.

Wippen-Verriegelung = Back-Lock mini|Wippen-Verriegelung mit Mulde zum Entriegeln der ausgeklappten Klinge am Hinterende des Griffs