Das Stift Bethlehem in Ludwigslust ist eine deutsche rechtsfähige kirchliche Stiftung privaten Rechts. Sie wird durch ein Kuratorium geleitet. Die Stiftung betreibt ein Krankenhaus, Altenheime und eine Kindertagesstätte. Sie hat ihren Hauptsitz in einem denkmalgeschützten Gebäudekomplex gleichen Namens.

Aufgabe

Geschichte Helene v. Bülow und ihre Nichte und Nachfolgerin im Amt der Oberin des Stiftes, Ina Gräfin v. Bassewitz, verstanden es, ihre ihnen schon durch Geburt zugefallene Stellung in der mecklenburgischen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts wirksam für die Verwirklichung ihrer Ziele beim Aufbau einer weit verzweigten und fest gegründeten sozialen Struktur, ausgehend vom Mutterhaus in Ludwigslust, dem Stift Bethlehem, zu nutzen. Beide Frauen hatten sich für ein aktives soziales Engagement entschieden, obgleich ihnen die Gesellschaft auch ein behütetes Leben in einem der mecklenburgischen Damenstifte Kloster Dobbertin und Kloster Malchow ermöglicht hätte.Axel Attula: Netzwerk der Barmherzigkeit, In: Mecklenburgs Diakonissen Ribnitz 2013, S. 2.

Helene von Bülow mini|Helene v. Bülow Gründerin des Stifts Bethlehem war Helene von Bülow (1816–1890)Johannes Krabbe: Helene von Bülow. Ein Lebensbild, Ludwigslust 1933.. Sie wurde am 14. Januar 1816 als drittes von zwölf Kindern von Bernhard Joachim Ludwig von Bülow auf Camin bei Wittenburg und Elise, geb. von der Lühe, geboren und am 18. Januar 1816 unter Nr. 923 im Dobbertiner Einschreibebuch des Klosters Dobbertin eingeschrieben. Das väterliche Gut war seit 1663 in Familienbesitz.

Helene erhielt gemeinsam mit ihren Geschwistern Unterricht bei Privatlehrern. 1829 besuchte sie das Schulpensionat von Fräulein von der Sode in Ratzeburg. In Jugendjahren übersetzte sie mit Eifer Lord Byrons Childe Harold’s Pilgrimage.

Nach dem Tod des Vaters und des älteren Bruders Bernhard zog die Mutter mit ihren Kindern 1842 nach Ludwigslust. Hier war Helene von Bülow im „Armen- und Krankenbesuchskreis“ des Frauenvereins tätig. Sie war auch eine begeisterte Hörerin der Predigten des Theologen Theodor Kliefoth, des späteren Oberkirchenratspräsidenten und bedeutenden Vertreter des Neuluthertums.

Helene von Bülow sprach von der heißen Sehnsucht nach einem Beruf, in dem sie Christus dienen könnte. Ihre Freundin Marianne von Rantzau (1811–1855) berichtete ihr von der Arbeit des Erweckungstheologen Theodor Fliedner, der 1836 in Kaiserswerth bei Düsseldorf ein Diakonissen-Mutterhaus zur Ausbildung evangelischer Krankenpflegerinnen und „Kleinkinderlehrerinnen“ gegründet hatte. Im März 1846 ging sie für ein Jahr in das Diakonissenmutterhaus und absolvierte dort ein Praktikum mit allen Arbeitsfeldern der Diakonissen. 1847 kehrte sie nach Ludwigslust zurück und arbeitete im Vorstand der Ludwigsluster Kleinkinderschule. Ihre Bemühungen, das schlecht ausgestattete Hospital der Stadt zu verbessern, schlugen fehl. Im selben Jahr besuchte sie das im Aufbau befindliche Berliner Zentral-Diakonissenhaus Bethanien, dessen Oberin Marianne von Rantzau war. Der ebenfalls anwesende Theodor Fliedner gab den Rat, mit einem kleinen Kinderhospital zu beginnen, da Neuerungen nach seiner Ansicht in einem eigenen Haus erfolgreicher durchzuführen seien, als eine bestehende Einrichtung zu verbessern. Es folgten noch Besuche in Hamburg im Kinderhospital von Amalie Sieveking und im Rauhen Haus bei Johann Hinrich Wichern.

Im Herbst 1854 besichtigte die neue Oberin Krankenhäuser im Mecklenburg. In Wismar und Rostock fand sie die Zustände unter aller Kritik, Schmutz und Unordnung, dumpfige Stuben. Im Juni 1860 begleitete sie Großherzogin Auguste nach Berlin, gemeinsam besuchten sie Bethanien, wo die Cousine der Großherzogin, Anna Gräfin von Stolberg, Oberin war. Helene von Bülow baute ihr Lebenswerk ganz auf ihre eigenen Erfahrungen. Als sie am 17. November 1890 starb, hinterließ sie ein modernes Sozialgefüge, das seinen festen Platz innerhalb Mecklenburgs gefunden hatte.

Gründung mini|Das neue Haus (1855) Sofort nach ihrer Rückkehr aus Berlin erwarb Helene von Bülow im Juni 1847 die kleine Büdnerei Nr. 18 vor dem Schweriner Tor im damaligen Ludwigsluster Vorort Kleinow, um ein Kinderhospital einzurichten. Ende Oktober besuchte Theodor Fliedner Helene von Bülow, brachte eine Kaiserwerther Diakonisse zur Unterstützung mit und weihte das Haus. Am 1. November 1847 wurde das erste Kind aufgenommen. Im Haus wurden die Kinder der ärmeren Bevölkerung, auch aus der Umgebung der Stadt, von einem Ludwigsluster Arzt behandelt. Manche Kinder wurden über einen langen Zeitraum behandelt und betreut.

Den Großteil der entstehenden Kosten für Unterbringung, Verpflegung und Kleidung übernahm Helene von Bülow aus ihrem Privatvermögen. Ab 1830 erhielt sie eine Hebung aus dem Kloster Dobbertin, die sich bis zum Jahr 1852 zu einer vollen Geldhebung anhob. Diese regelmäßigen Einkünfte, wie auch das Erbe ihrer Eltern, hatte Helene von Bülow ganz in ihr Lebenswerk investiert. Sie plante bald eine Vergrößerung des Hauses, um auch die bis dahin medizinisch vernachlässigten Frauen unterbringen zu können und eine Erweiterung und den Ausbau zur Diakonissenanstalt. Unterstützt wurde sie in ihren Plänen vom Großherzog Friedrich Franz II. und der Großherzogin Auguste, die die Einrichtung oft besuchte. Durch die finanzielle Hilfe des Großherzogspaares konnte am 9. Juli 1850 die Grundsteinlegung eines neuen Hauses stattfinden, das am 3. November 1851 in Anwesenheit der „Allerhöchsten Herrschaften aus Schwerin“ durch Superintendent Schliemann eingeweiht wurde.

Auf Wunsch Helene von Bülows, die am Weihnachtsmorgen 1841 nach dem Tod eines Bruders endgültig zu Gott gefunden hatte, wurde der Name Stift Bethlehem gewählt. Am Einweihungstag wurde Helene von Bülow als Oberin bestätigt und kirchlich in ihr Amt eingeführt.

Stiftung Helene von Bülow übergab ihren Besitz der Stiftung, was in einem umfangreichen Schenkungsvertrag mit der Evangelisch-lutherischen Landeskirche festgehalten wurde. In diesem Vertrag wurde unter anderem festgeschrieben, dass die Oberin das Recht hatte, ihre Nachfolgerin zu bestimmen und dass der Großherzog von Mecklenburg-Schwerin als Oberbischof durch seinen Oberkirchenrat die Oberin, wenn sie sich als ungeeignet erwies, entlassen konnte. Die feste, durch den Stiftungsvertrag bedingte Einbindung des Stiftes in die Landeskirche unterschied die Ludwigsluster Einrichtung von allen anderen Anstalten und führte dazu, dass alle wichtigen Personalangelegenheiten, Gestellungsverträge oder Kassenabschlüsse durch den Oberkirchenrat genehmigt werden mussten. Dem Stift wurden am 29. Juni 1860 durch landesherrlichen Erlass die Rechte einer juristischen „frommen Stiftung“ (pium corpus) verliehen.Präambel der Satzung, abgerufen am 8. März 2021

Die Ausbildung von Schwestern und Pflegerinnen wurde ab 1860 durch einen Pastor begleitet. Ab 1866 war dies Johannes Krabbe. Möglich wurde die Einstellung eines Stiftgeistlichen, nachdem durch den ständischen Landtag als Dank für die Arbeit der Diakonissen während einer schweren Choleraepidemie eine Summe von 10.000 Talern bewilligt worden war. Die ungewöhnlich starke Stellung der Oberin führte bei allen Stiftsgeistlichen zu Protesten, denn gewöhnlich leiteten die Geistlichen die Anstalt. Helene von Bülow führte das Stift aber unangefochten bis zu ihrem Tod 1890, gab aber 1878 nach eingehenden Gesprächen, in denen auch Theodor Kliefoth vermittelte, einige Aufgaben, wie Registratur und Baufragen, ab. Nachfolgerin Helene von Bülows wurde am 11. Januar 1891 ihre Nichte Ina von Bassewitz (1850–1940).Biografisches Lexikon zur Pflegegeschichte

Am 11. Dezember 1915 erfolgte eine Satzungsänderung. Danach teilten sich Stiftsgeistlicher und Oberin in abgegrenzten Bereichen die Leitung des Hauses. Ein Verwaltungsvorstand aus Wirtschaftsleiter, Pastor und Oberin wurde gegründet. Weitere Satzungsänderung wurden am 18. Mai 1922 und 20. Januar 1994 notwendig, um Anpassungen an die veränderten gesellschaftlichen Verhältnisse vorzunehmen. 2011 erfolgte eine Anpassung, die die Fusion der Ev. Landeskirche Mecklenburg in die Nordkirche berücksichtigte. Die letzte Änderung erfolgte am 27. Juni 2018.Satzung, abgerufen am 8. März 2021

Ausbildung der Schwestern Das Stift Bethlehem war für viele junge Frauen eine seltene Möglichkeit, einen examinierten Beruf auszuüben. Waren es in den ersten 20 Jahren des Bestehens gerade 32 Frauen, die eintraten, wuchs die Zahl in den Jahren 1870 bis 1890 um 100 und 1910 arbeiteten 250 Diakonissen im Stift. Im Jahr 1873 wurde mit der fast ausschließlich vom Großherzog finanzierten Marienschule eine Ausbildung für jeweils 20 Vorschülerinnen eröffnet, an die sich dann die Zeit als Probeschwester anschloss. Die Marienschule, deren Namensgeberin die Großherzogin Marie war, setzte ihren Schwerpunkt auf die religiöse Ausbildung. Medizinische Ausbildungsinhalte kamen erst später zum Tragen. Eine weitere Ausbildungsstätte, die Helenenschule als Kinderlehrerinnenseminar, wurde 1877 eingerichtet. Die Absolventinnen arbeiteten später als Kindergärtnerinnen in Mecklenburg.

Paramentenwerkstatt mini|Antependium in der Plauer Kirche Der im Jahr 1876 von Martha von Maltzan auf Langhagen († 1883) gegründete Mecklenburgische ParamentenvereinSiehe dazu Johannes Krabbe: Der Mecklenburgische Paramenten-Verein und seine Geschichte, in: Monatsschrift für innere Mission 6 (1886), S. 508–519 unterhielt in Ludwigslust seine Werkstatt, aus der 1907 die Paramentenwerkstatt des Stift Bethlehem hervorging. Die Arbeiten von Verein und Werkstatt, vor allem hochwertige Antependien, waren in den meisten Mecklenburger Kirchen zu finden; erhalten sind sie zum Beispiel in der Pfarrkirche St. Marien (Plau am See), der Dorfkirche in Darß oder in Gehlsbach. Der Arbeitsbericht des Mecklenburgischen Paramentenvereins für das Jahr 1891 weist nach, daß im vorigen Jahr 148 Arbeiten (nach den Entwürfen des Musterzeichners Eugen Beck in Herrnhut) vom Verein teils fertig geliefert, teils zur Ausführung durch andere Hände eingerichtet worden sind, nämlich 28 Antipendien, 28 Kanzelpultdecken, 15 Altarpultdecken, 22 große leinene Altartücher, 10 Korporalien, 18 Vela, 1 Decke zur Krankenkommunion, 1 Palla, 4 Klingelbeutel, 4 Tauftischdecken, 2 Taufhandtücher, 1 Kanzelbehang, 8 Schutzdecken, 1 Bahrtuch, 1 Teppich, 1 Betpultdecke. Diese Gegenstände waren meist für mecklenburgische Kirchen bestimmt, aber auch für auswärtige. So für die Kapelle des Jägerbataillons in Colmar, für den Stadtmissionssaal in Berlin, für die Kirche zu Strelnow in Posen, für die lutherische Kirche La Valletta und für die Hügelkirche in Paris, auch nach Hannover, Schlesien, Hessen, München, Baden und nach Neu-Germania in Paraguay.Christliches Kunstblatt für Kirche, Schule und Haus 1892, S. 96

Die Paramenten- und Textilwerkstatt wird bis heute betrieben (s. u.), wenn auch nicht mehr von Diakonissen.Paramenten- und Textilwerkstatt

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