mini|Lasantha Wickrematunge Lasantha Wickrematunge (; ) (* 5. April 1958 in Dehiwela; † 8. Januar 2009 in Colombo) war ein sri-lankischer Journalist und Redakteur der von ihm gegründeten englischsprachigen Zeitung „The Sunday Leader“.
Leben
Wickrematunge besuchte das St. Benedict’s College in Kotahena. Neben seiner Tätigkeit als Journalist war er auch Anwalt.Sarath Malalasekera und Rafik Jalaldeen: in: Daily News vom 9. Januar 2009
Bekannt wurde Wickrematunge durch seine kritischen Politartikel, in denen er die Korruptionsskandale des Staatsapparates offenlegte und das kompromissloseJochen Buchsteiner: Verschwörungstheorien in Sri Lanka. Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 14. Januar 2009 Vorgehen der Armee gegen die „Befreiungstiger von Tamil Eelam“ (LTTE) kritisierte. Auch Verteidigungsminister Gotabaya Rajapaksa, Bruder von Präsident Mahinda Rajapaksa, wurde von ihm der Korruption beschuldigt. Eine Verleumdungsklage des Verteidigungsministers gegen Wickrematunge war bei dessen Tod noch anhängig.Oliver Meiler: Regierungskritischer Journalist erschossen. Tages-Anzeiger vom 9. Januar 2009 Mit dem Präsidenten des Landes selbst stand er zwar in engem Kontakt, kritisierte dessen Arbeit aber dennoch im „The Sunday Leader“.Sorge um Pressefreiheit in Sri Lanka. Deutsche Welle vom 9. Januar 2009
Am 8. Januar 2009 gegen 10:30 Uhr wurde Wickrematunge, der bereits mehrfach Todesdrohungen erhalten hatteJournalist ermordet Wiener Zeitung vom 9. Januar 2009 (abgerufen am 6. Juli 2023), auf dem Weg zur Arbeit 12 km südlich von Colombo auf offener Straße angeschossen und erlag wenige Stunden später im Krankenhaus seinen Verletzungen. Die Mörder wurden nicht gefasst.
Wickrematunge war verheiratet und hatte drei Kinder.
Reaktionen mini|Peter Sandbichler: unbowed and unafraid (2009) – Billboard mit Porträt Lasantha Wickrematunges im Areal des MuseumsQuartiers in Wien
Im sri-lankischen Parlament kam es am 9. Januar 2009 zu einer Demonstration der Abgeordneten der Oppositionspartei United National Party (UNP), die die Regierung auf Plakaten beschuldigten, für den Tod Wickrematunges verantwortlich zu sein. Dadurch wurden die Sitzungen unterbrochen. In: xinhuanet.com, 9. Januar 2009. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch kritisierte die Regierung für ihr Unvermögen, die Täter zu fassen, wodurch eine „Kultur der Straflosigkeit“ geschaffen werde. Das Committee to Protect Journalists (CPJ) rief die Botschafter in Colombo dazu auf, bei der Regierung vorzusprechen und ein Ende der Überfälle auf die Medien zu verlangen. Auch die USA, die EU, Indien und die Weltbank äußerten Kritik und nannten den Vorfall einen „Versuch, unabhängige Stimmen in Sri Lanka zum Schweigen zu bringen“.
Am 11. Januar 2009 wurde in der The Sunday Leader postum ein Artikel von Wickrematunge veröffentlicht, in welchem er prophezeite, dass seine Ermordung durch Mithilfe der Regierung vollzogen werden würde.Lasantha Wickrematunge: Als sie mich holten. (Auszug) Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 15. Januar 2009 Im selben Jahr wurde ihm von der UNESCO der Guillermo Cano World Press Freedom Prize zugesprochen.
Nachdem der deutsche Botschafter in Colombo Jürgen Weerth in seiner Funktion als Doyen des Diplomatischen Corps in Sri Lanka eine Grabrede für Wickrematunge gehalten hatte, bei der er die fehlende Medienfreiheit in Sri Lanka kritisiert hatte, wurde er ins Außenministerium in Colombo einbestellt.
Quellen
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