mini|hochkant=1.1|Die, von Lorenzo Bandini 1964 eingesetzte, Weiterentwicklung Ferrari F1 156 Aero Der Ferrari 156, Ferrari 156 F1, war ein Formel-1-Wagen, den die Scuderia Ferrari 1961 und 1962 baute und einsetzte. Er ist eins der bekanntesten Formel-Fahrzeuge der Motorsportgeschichte, der Rennwagen mit dem „Haifischmaul“ (Sharknose), mit dem der deutsche Rennfahrer Wolfgang Graf Berghe von Trips 1961 als Führender in der Weltmeisterschaft tödlich verunglückte.

Ebenfalls als 156 (manchmal auch als 156B, Ferrari 156/63 und ab 1964 156 Aero) wurde das Interimsmodell bezeichnet, das die Scuderia ab 1963 einsetzte, um die Zeit bis zum komplett neuentwickelten Ferrari 158 zu überbrücken.

Entwicklungsgeschichte und Technik Die Überlegenheit des Wagens ergab sich aus der Kraft seines 1,5-Liter-V6-Motors, der die Schwächen des Fahrgestells mehr als ausglich. Der 156 war der erste Ferrari mit einem Mittelmotor. Das Konzept für das Auto stammte von Carlo Chiti, der Motor wurde nach einem Entwurf von Mauro Forghieri gebaut, der in den nächsten 25 Jahren für die Ferrari-Rennmotoren verantwortlich war.

Der Motor war leicht und leistete bei knapp 1,5 Liter Hubraum 190 PS bei 9500/min. Das Aggregat war extrem tief im Fahrgestell eingebaut, was den Schwerpunkt des gesamten Wagens positiv beeinflusste. Chiti folgte bei seinem Ansatz der Linienführung des Ferrari 246P, allerdings war der 156 kürzer und das Fahrgestell basierte auf vier großen Rohrträgern. In der ersten Ausführung hatte der Motor einen Zylinderbankwinkel von 65°, im weiteren Verlauf der Bauzeit jedoch im Interesse eines noch tieferen Schwerpunkts einen Winkel von 120°. Außerdem kam dieser größere Winkel dem Einbau unterschiedlicher Vergaser und eventuell auch einer Einspritzanlage entgegen. Die 65°-Version hatte einen Hubraum von 1484 cm³ (Bohrung 73 mm, Hub 59,1 mm) gegenüber der 120°-Version mit auf 58,8 mm verringertem Hub und 1476,6 cm³. Die Verdichtung betrug 9,8 : 1. Der Motor hatte zwei von Ketten angetriebene obenliegende Nockenwellen je Zylinderreihe, zwei Weber-Dreifachvergaser 40 1F 3 C (120°-Version), einen Zündverteiler, aber zwei Zündspulen und zwei Zündkerzen pro Zylinder.N. Lauda, A. Jones, J. Ickx: Auto Elite. Deutsche Ausgabe: Motorbuch Verlag, Stuttgart 1987, ISBN 3-613-01170-0, S. 95.

Hinter dem Motor war ein Fünfgang-Schaltgetriebe Ferrari Type 543/C eingebaut (1962 ein Sechsganggetriebe).Ultimate Carpage. Abgerufen am 13. August 2022.

Renngeschichte Saisons 1961 und 1962 mit dem „Sharknose“ Der Wagen war von Beginn an voll konkurrenzfähig. 1961 wurde das Team der Scuderia nur dreimal geschlagen. Giancarlo Baghetti gewann den Gran Premio di Siracusa, der nicht zur Weltmeisterschaft zählte, und seinen ersten Weltmeisterschaftslauf, den Großen Preis von Frankreich. Allerdings war der Wagen bei diesen beiden Rennen offiziell von der FISA gemeldet. Beim Großen Preis von Deutschland bzw. Großen Preis von Europa am 6. August 1961 waren die Ferraris die Favoriten; mit vier Wagen war das Team am Start: Wolfgang Graf Berghe von Trips, Phil Hill und Richie Ginther jeweils mit dem 120°-Motor, Willy Mairesse mit dem 65°-Aggregat. Phil Hill fuhr Trainingsbestzeit, von Trips unterbot mit 8:59,9 Minuten als Erster in einem Rennen die 9-Minuten-Grenze auf dem Nürburgring, Phil Hill fuhr wenig später mit 8:57,8 Minuten neuen Rundenrekord. Doch schon in der ersten Runde des Rennens hatte Stirling Moss im wesentlich schwächeren Lotus die Führung übernommen und gewann mit 21,4 Sekunden Vorsprung vor von Trips; Phil Hill wurde Dritter.Thora Hornung: 50 Jahre Nürburgring. Görres-Verlag, Koblenz 1977.

Im Titelduell mit Phil Hill verunglückte Wolfgang Graf Berghe von Trips beim Großen Preis von Italien in Monza tödlich. Hill wurde Weltmeister und fuhr damit den ersten Fahrertitel für Ferrari seit 1958 ein. Auch die Konstrukteursweltmeisterschaft ging an Ferrari.

In der Winterpause 1961/1962 verließ mit Carlo Chiti ein wichtiger Manager und Ingenieur die Scuderia. Die Weiterentwicklung des 156 geriet ins Stocken. Der Wagen war mit dem V6-Motor den britischen Teams mit ihren V8-Aggregaten inzwischen unterlegen. 1962 konnte kein Weltmeisterschaftslauf gewonnen werden, es reichte nur für zwei Siege bei Rennen, die nicht zur Weltmeisterschaft zählten.

Die Jahre 1963 und 1964 mit dem „156B“ und dem „156 Aero“ Der Wagen für 1963 war eine Weiterentwicklung des 156 und nur eine Zwischenlösung. Forghieri, der bei dieser Entwicklungsstufe auch die Arbeit am Fahrwerk übernommen hatte, entwickelte einen leichteren Gitterrohrrahmen und eine neue Hinterradaufhängung. Es war eine Konstruktion aus oberen und unteren Querlenkern mit doppelten Zugstreben. Durch eine neue Kraftstoffeinspritzung wurde die Leistung des Motors auf 200 PS erhöht. Gegen Ende des Jahres wurde der Wagen komplett umgebaut. Jetzt wurde der Motor als tragendes Element in ein Halbmonocoque eingebaut, das eigentlich für den neuen V8-Motor aufgebaut worden war. Dieses Monocoque wurde auch 1964 für den Ferrari 158 verwendet. Der Wagen bekam die Bezeichnung 156 Aero und wurde 1964 noch teilweise eingesetzt.

Die Konstruktion des 1964 vorgestellten Nachfolgers Ferrari 158 war für die Scuderia neuartig, denn es war der erste Ferrari mit V8-Motor und der erste mit einem Halbmonocoque, dessen mittragende Beplankung noch mit Rohren nach Art eines Gitterrahmens versteift war.

Ein Siegerwagen war der 156 aber nicht mehr; 1963 war Ferrari dem Lotus 25 mit Jim Clark völlig unterlegen. Erst mit dem Nachfolger, dem 158, wendete sich das Blatt wieder und die Scuderia gewann 1964 sowohl die Fahrer- als auch die Konstrukteursweltmeisterschaft. Einen letzten Erfolg konnte der 156 Aero mit Lorenzo Bandini am Steuer nochmal mit dem Sieg beim Großen Preis von Österreich 1964 verzeichnen.

Fahrer des Ferrari 156 Der 156 wurde von Spitzenfahrern seiner Zeit pilotiert. Neben Baghetti, Hill und von Trips fuhren Lorenzo Bandini, Olivier Gendebien, Richie Ginther, Innes Ireland (an ihn wurde 1962 ein 156 für ein Rennen verliehen)Innes Ireland und Ferrari, Willy Mairesse, Pedro Rodríguez, Ricardo Rodríguez, Ludovico Scarfiotti und John Surtees diesen Spitzenwagen.

Ein Replikat des 156 ist im Museo Nazionale dell’Automobile in Turin ausgestellt.

Replikate anstelle von Originalen Nachdem die Saison 1962 für Ferrari nicht den erwarteten Erfolg gebracht hatte, ließ Enzo Ferrari die Wagen verschrotten. Teile des Typs 156 wurden im Ferrari für 1963 verwandt, sodass einige Motoren, Getriebe und Kleinteile überdauerten. Keiner der neun Ferrari 156 F1 von 1961/62 ist erhalten. Wie es heißt, wurden die Fahrzeuge geschreddert und auf dem Werksgelände einbetoniert.Jörg-Thomas Födisch: Historischer Rennsport. Abgerufen am 13. August 2022.

1995 ließ der Musiker Chris Rea für den von ihm geschriebenen Film La Passione über Erinnerungen an Wolfgang Graf Berghe von Trips einen 156 Sharknose nachbauen. In rund 2000 Arbeitsstunden fertigte der Oldtimer-Restaurator Paul Harvey den Wagen nach alten Konstruktionszeichnungen und Fotos, mit einem Dino-206-Motor und einem Hewland-Getriebe. Im Dezember 2000 ersteigerte der niederländische Rennfahrer John Bosch den Wagen und zeigte ihn 2001 beim Festival of Speed in Goodwood, gefahren von Phil Hill, der 1961 mit dem Ferrari 156 Weltmeister geworden war. Einige Zeit später fand Bosch einen Originalmotor und ein Originalgetriebe, die er von Terry Hoyle Race Engineers einbauen ließ.Steve Havelock: Auf Spurensuche. In: Curbs, Heft 50, Medien Bonn GmbH, 2022, S. 95 u. 96.

In den Jahren 2003 bis 2009 ließ der Belgier Jan Biekens ein Replikat des gelben Ferrari herstellen, den Olivier Gendebien unter anderem in Spa-Francorchamps fuhr. Projektleiter war Mike Mark, der unzählige Zeichnungen anfertigte und kleinste Teile wie Schrauben neu konstruierte. Hilfreich war eine Originalzeichnung vom 29. November 1960, nach der Pete Watts den Rohrrahmen und der Spengler Gary Yates über einem Holzgerippe die Karosserie anfertigte. Borrani konnte originalgetreue Räder liefern, da das Formular mit den Fertigungsnummern von 1961 noch vorhanden war. Nach etlichen Auftritten bei Oldtimerveranstaltungen steht der Wagen seit 2011 im „Museo Ferrari“ in Maranello, allerdings nicht mehr in der belgischen Rennfarbe Gelb, sondern in Ferrari-Rot.Jan Biekens: Von Gelb auf Rot. In: Curbs, Heft 50, Medien Bonn GmbH, 2022, S. 98–101.

Die möglicherweise aufwendigsten Replikate ließ Jason Stuart Wright von 2013 bis 2017 bei Setford and Company herstellen, mit der Nr. 2 den Ferrari 156 von Phil Hill und mit der Nr. 8 den Wagen von Ricardo Rodríguez, wie sie 1961 in Monza am Start waren. Wright legte Wert darauf, dass die Fahrzeuge wie damals aufgebaut wurden, unter anderem mit der Gasschweißmethode wie 50 oder 60 Jahre früher.Jason Stuart Wright: Legende „Sharknose“. In: Curbs, Heft 50, Medien Bonn GmbH, 2022, S. 104–107.

Komplette Ergebnisse des Ferrari 156 in der Formel-1-Weltmeisterschaft Der Ferrari 156 wurde neben der Scuderia auch noch von anderen Teams eingesetzt. Untenstehende Tabelle listet sämtliche Ergebnisse die mit diesem Typ erzielt wurden auf.

Jahr Team Fahrer Rennen Punkte WCC1961 Scuderia Ferrari 40 (52) 1. 2 5 3 15 3 8 DNF DNA 3 2 1 9 2 3 1 DNA 4 1 2 DNF 1 2 DNF 4 DNF DNF DNF DNA FISA 1 Scuderia Sant’Ambroeus DNF DNF1962 Scuderia Ferrari 18 6. 3 2 3 DNA DNF DNF 11 4 DNF DNA 10 5 DNA DNF DNS 4 DNA DNA 6 14 3 DNA DNF 8 DNA 7 Ret 4 DNA1963 Scuderia Ferrari 26 4. DNF DNF DNF 4 DNF 3 DNF 2 1 DNF 9 DSQ DNF DNA 6 DNS DNF 5 DNF 51964 Scuderia Ferrari 45 (49) 1. 10 5 3 1 9 North American Racing Team 6

Technische Daten +Kenngrößen156 F1 „Sharknose“156 „Aero“Motor: Tipo 188 65º V6 / Mittelmotor, längs eingebaut / Block und Zylinderkopf aus LeichtmetallDino Tipo 156 120º V6 / Mittelmotor, längs eingebaut / Block und Zylinderkopf aus LeichtmetallHubraum: 1496 cm³1476 cm³Bohrung × Hub: 81,0 × 48,2 mm73,0 × 58,8 mmVerdichtung: 9.8:1k. A.Max. Leistung bei / min: 200 PS / 149 kW bei 10.500/min200 PS / 149 kW bei 10.600/minLeistung pro Liter134 PS / Liter136 PS / LiterVentilsteuerung: DOHC (Zwei obenliegende Nockenwellenpro Zylinderbank), 2 Ventile pro ZylinderDOHC (Zwei obenliegende Nockenwellen pro Zylinderbank), 2 Ventile pro ZylinderGemischaufbereitung: Saugmotor / 3 Weber-Vergaser 42-DCNSaugmotor / Bosch fuel injectionGetriebe: Ferrari Typ 543/C, 5-Gang-SchaltgetriebeFerrari-6-Gang-SchaltgetriebeAntrieb:HinterradantriebHinterradantriebRadaufhängung vorn: Doppelquerlenker, Schraubenfedern mit Koni-Dämpfern, StabilisatorDoppelquerlenker, Feder-Dämpfer-Einheiten, StabilisatorRadaufhängung hinten: Doppelquerlenker, Schraubenfedern mit Koni-Dämpfern, Stabilisatoruntere Querlenker, obere Lenker, doppelte Längslenker, Feder-Dämpfer-Einheiten, StabilisatorLenkung:ZahnstangenlenkungZahnstangenlenkungBremsen: Hydraulische Scheibenbremsen rundum, hinten innenliegend montiertHydraulische innenbelüftete Scheibenbremsen rundumFahrgestell & Karosserie: Gitterrohrrahmen mit AluminiumkarosserieAluminium-Halbmonocoque mit mittragendem MotorRadstand: 230 cm238 cmSpurweite (v/h):1260 mm / 1260 mm1380 mm / 1340 mmGewicht: 460 kg465 kgLeistungsgewicht:0,43 PS / kg0,43 PS / kgHöchstgeschwindigkeit: 240 km/hk. A.gebaute Exemplare:1961: 5 / 1962: 34 (1963 / 1964)

Literatur Ed McDonough: Ferrari 156 Sharknose. Sutton Publishing, Stroud 2001, ISBN 0-7509-2731-3. Jörg-Thomas Födisch u. Rainer Roßbach (Verfasser), Bernhard Cahier (Fotos): Sharknose V6. Ferrari 156, Ferrari 246SP & Ferrari 196S, McKlein Publishing, Köln 2019, ISBN 978-3-947156-24-5.

Weblinks

Ferrari.com Informationen zum Ferrari 156 F1. Abgerufen am 18. Mai 2020 (en). Ferrariclub Riga „Ferrari 156 F1 “Sharknose” – the scrapped car“ Ausführliche Informationen mit sehr vielen zeitgenössischen Original- und Detailaufnahmen (englisch) Ultimatecarpage.com Artikel, Bilder und technische Informationen. Abgerufen am 18. Mai 2020 (en).