Die Burgruine Reichenfels ist eine kleine mittelalterliche Höhenburg bei Hohenleuben im Landkreis Greiz in Thüringen. Die ruinösen Mauerreste dieser Spornburg und die sie umgebenden öffentlichen und privaten Gebäude (mit dem Museum Reichenfels) bilden den Hohenleubener Ortsteil Reichenfels. Die Burg war einst Verwaltungssitz der kleinen mittelalterlichen Herrschaft "Pflege Reichenfels".

Lage mini|Blick von der Burgruine ins Triebestal Die Burg befindet sich etwa einen Kilometer westlich vom Stadtzentrum Hohenleuben auf einer Höhe von etwa auf dem Bergsporn Schlossberg und etwa 45 m über dem Triebestal. Sie liegt an der Reußischen Fürstenstraße. Vom Rand des Ortskerns Hohenleubens nach Reichenfels führt seit 1770 eine Kastanienallee.

Geschichte mini|Infotafel zur Burggeschichte Die Burg wurde vermutlich schon im 12. Jahrhundert von den Vögten von Weida erbaut und gelangte 1356 in den Besitz der Vögte von Gera. 1550 erwarben die Burggrafen von Meißen zu Plauen die Burg und besetzten die Burgmannschaft mit Familien des vogtländischen Uradels. 1703 wurde die Burg mit allen Gebäuden von Graf Heinrich XXIV. Reuß zu Köstritz gekauft. Ab dem 18. Jahrhundert verfiel die Burg. Um 1793 gehörten zur „Pflege Reichenfels“ die Burg Reichenfels, sowie die Orte Hohenleuben, Triebes und Langenwetzendorf. Sie unterstand dem Fürstentum Reuß jüngerer Linie, Seitenlinie Reuß-Köstritz der Schleizer Linie.Die Pflege Reichenfels im Buch "Geographie für alle Stände, S. 879

1703 verkaufte Georg Wilhelm von Müffling die Burg und Herrschaft (Pflege) Reichenfels an Graf Heinrich XXIV. von Reuß-Köstritz. Letzterer verlegte den Sitz des Amtes nach Hohenleuben.Burgruine Reichenfels-Eine Wanderung durch Historie und Landschaft, Museum Reichenfels, Stadt Hohenleuben, vermutlich um 1992 herausgegeben, S. 22 Dazu wurde das Hohenleubener Schloss errichtet oder bestand bereits.

Weitere Besitzer oder Lehnsmänner auf der Burg: Familie von Müffling bis 1703 als Besitzer von Reichenfels und Hohenleuben

Historistischer Schlossneubau und ehemaliger Schlosspark 1804 begann Fürst Heinrich XLIII. Reuß zu Köstritz, in der Ruine ein neoromanisches Schloss zu errichten und die Umgebung entsprechend parkartig zu gestalten. Die Arbeiten wurden ohne wesentlichen Erfolg 1811 eingestellt. 1846 lösten die Köstritzer Fürsten auch die Gutswirtschaft auf. Der Schlossturm stürzte 1872 ein, und von 1900 bis 1903 wurden Burg und Schloss bis auf die Grundmauern abgetragen.

In der Umgebung findet man auch Reste der versuchten Parkgestaltung des Fürsten Heinrich XLIII., wie ein klassizistisches Sandsteintor und ein hierher verbrachtes sagenumwobenes Steinkreuz, „Heilige Kreuz“ genannt. Die angebrachte Jahreszahl 1412 steht nicht für das wirkliche Alter des Kreuzes, sondern ist historisierend.

Vorhof mit Wirtschaftsgebäude und Museum Reichenfels 1944 und 1955 wurde die Burganlage unter Denkmalschutz gestellt. Um sie der Öffentlichkeit für kulturelle und touristische Zwecke zur Verfügung zu stellen, wurden seit 1955 an der Anlage Instandsetzungsarbeiten ausgeführt. Im hofartigen Vorgelände befindet sich das vom Vogtländischen Altertumsforschenden Verein zu Hohenleuben (gegründet 1825) geschaffene Heimatmuseum Hohenleuben-Reichenfels und das ehemalige Wirtschaftsgebäude, jetzt Burgschänke und Hotel. Im Museum wird auch die Geschichte der Burg, zum Teil anhand von Funden dargestellt. Dort, wo sich keine Gebäude befinden, ist der Hof mit einer historischen Mauer umgeben. Ein kleiner Teil des Hofes hat ein modernes bühnenartiges Zeltdach für regensichere Freiluftveranstaltungen.

Im Museum Reichenfels sind die Grabungsfunde des Altertumsforschenden Vereins aus 19. und 20. Jahrhundert insbesondere von ostthüringischen/vogtländischen kleinen Burgställen und Wallburgen der frühdeutschen Zeit, Slawenzeit oder Bronzezeit ausgestellt. Des Weiteren gibt es einige gerettete Objekte aus dem kurz vor 1989 abgerissenen Schloss von Hohenleuben. Eine Dauerausstellung zu Georg Kresse wurde um 1999 eingerichtet. Erhebliche Teile der Funde-Ausstellung können als „Museum im Museum“ angesehen werden, da sie in historischen Vitrinen im Ursprungszustand den Besuchern präsentiert werden.

Im Museumsgebäude befindet sich auch das „Kressearchiv“.Otto Behr/Friedrich Wilhelm Trebge: Georg Kresse – Der Bauerngeneral. Eine Geschichte aus dem Dreißigjährigen Kriege von Otto Behr. Mit Erläuterungen von Friedrich Wilhelm Trebge. Ursprünglich Selbstverlag durch Otto Behr in Gera 1909. Hrsg.: Vogtländischer Altertumsforschender Verein zu Hohenleuben, Sigrun Voigt, zweite überarbeitete Auflage (2011) der Ausgabe von 1930 des Hermann-Schaffstein-Verlages Köln, Hohenleuben 2011; Kresseausstellung und Kressearchiv S.73 u. 76.Friedrich Wilhelm Trebge: "Das Kressearchiv im Museum Reichenfels", in: Ostthüringer Zeitung, Ausgabe Zeulenroda am 16. August 1995. Das Archiv enthält auch Literatur zur Geschichte des Vogtlandes und der ehemaligen reußischen Fürstentümer.

Anlage Die kleine Burg besteht faktisch nur aus einer Kernburg, die durch einen tiefen und breiten Ringgraben vom Vorgelände getrennt wird. Über den Ringgraben führt heute eine durchgehende Steinbrücke. Am Burgtor sind aber Spuren zum Heben einer Zugbrücke erkennbar. Die Kernburg wurde mit einer polygonalen Ringmauer umgeben (Durchmesser etwa 30 Meter, Mauerreste im Westen mit einer Resthöhe von 4 bis 8 Metern erhalten) und durch einen Bergfried gesichert. Reste weiter Gebäude sind erkennbar.

Die Burgruine ist ein geschütztes Kulturdenkmal.

Veranstaltungen mini|Chor-Wettbewerb 1955 in der Burgruine Seit 1984 fand jährlich ein Ruinenfest auf der Burg und gleichzeitig ein "Georg-Kresse-Gedenklauf" statt. Nach 1989/90 wurden keine Gedenkläufe mehr veranstaltet. Wandergruppen boten auch geführte Wanderungen "Auf den Spuren des Bauerngenerals" hier an (um 2011).Otto Behr/Friedrich Wilhelm Trebge: Georg Kresse - Der Bauerngeneral. Eine Geschichte aus dem Dreißigjährigen Kriege von Otto Behr. Mit Erläuterungen von Friedrich Wilhelm Trebge. Hrsg.: Vogtländischer Altertumsforschender Verein zu Hoheleuben, Sigrun Voigt, zweite überarbeitete Auflage der Ausgabe von 1930 des Hermann-Schaffstein-Verlages Köln. S. 64

Das Burggelände wird weiterhin ebenso wie der Vorplatz am Museum touristisch und für Veranstaltungen genutzt.

DDR-Fernsehserie „Rächer, Retter und Rapiere“ Das Leben des Volkshelden und sogenannten „Bauerngenerals“ Georg Kresse (1604–1641), den man als „Robin Hood des Vogtlandes“Otto Behr/Friedrich Wilhelm Trebge: Georg Kresse - Der Bauerngeneral. Eine Geschichte aus dem Dreißigjährigen Kriege von Otto Behr. Mit Erläuterungen von Friedrich Wilhelm Trebge. Hrsg.: Vogtländischer Altertumsforschender Verein zu Hoheleuben, Sigrun Voigt, zweite überarbeitete Auflage der Ausgabe von 1930 des Hermann-Schaffstein-Verlages Köln. S. 72 ansehen kann, spielte sich auch in und um die Pflege Reichenfels ab, während des Dreißigjährigen Krieges. Ein direkter Zusammenhang von Georg Kresse und Burg Reichenfels ist aber nicht belegtOtto Behr/Friedrich Wilhelm Trebge: Georg Kresse - Der Bauerngeneral. Eine Geschichte aus dem Dreißigjährigen Kriege von Otto Behr. Mit Erläuterungen von Friedrich Wilhelm Trebge. Hrsg.: Vogtländischer Altertumsforschender Verein zu Hoheleuben, Sigrun Voigt, zweite überarbeitete Auflage der Ausgabe von 1930 des Hermann-Schaffstein-Verlages Köln. S. 76.

Januar/Februar 1982 (Erstausstrahlung im DDR-Fernsehen) begann die siebenteilige DDR-Fernsehserie „Rächer, Retter und Rapiere“ zum Leben (und der Legende) von Georg Kresse. Alle Teile entstanden 1982. Regisseur war Andrzej Konic. Das Drehbuch stammt von 1981 und das Volksstück mit gleichen Namen vom gebürtigen Coburger Ottomar Lang, Schriftsteller aus Berlin, aus dem Jahre 1970. Das Drehbuch beruhte auf dem gleichnamigen Abenteuerroman von Herbert Schauer und Otto Bonhoff, der in 6 Auflagen mit über 100.000 Stück überaus erfolgreich in Berlin ab 1969 durch den Militärverlag der DDR vertrieben worden war. Wegen des Romanerfolgs schrieben Schauer und Bonhof darauf beruhend das genannte Drehbuch von 1981. Das DDR-Fernsehen strahlte die Verfilmung mehrfach aus. Zahlreiche weltweite Fernsehsender, auch das ARD, sendeten die Serie. Auf Grundlage des genannten Abenteuerromanes hatte Ottomar Lang ein gleichnamiges Bühnenstück geschrieben, welches durch das Harzer Bergtheater Thale und auf Bühnen in Quedlinburg aufgeführt wurde. Am 5. Juni 1971 erfolgte auf dem Hexentanzplatz dessen Erstaufführung. Im September 2010 wurde die Verfilmung erstmals auf DVD herausgegeben.Otto Behr/Friedrich Wilhelm Trebge: Georg Kresse - Der Bauerngeneral. Eine Geschichte aus dem Dreißigjährigen Kriege von Otto Behr. Mit Erläuterungen von Friedrich Wilhelm Trebge. Hrsg.: Vogtländischer Altertumsforschender Verein zu Hoheleuben, Sigrun Voigt, zweite überarbeitete Auflage der Ausgabe von 1930 des Hermann-Schaffstein-Verlages Köln. S. 64–66, 68, 74

Gunter Schoß spielte im Film den (wohl fiktiven) Herrn Mathias Birnbaum ("Birnbäumchen"), Advokat des Herrn von Müffling. In einer Szene öffnet er das Burgtor von Reichenfels und begrüßt die Ankommenden mit den Worten „Willkommen auf Reichenfels“. Offensichtlich muss die Szene aber an einem anderen Ort, also nicht auf dieser Burgruine, gedreht worden sein. Walter Plathe spielte in der Serie den Bauerngeneral. Die Verfilmung berichtet auch vom tatsächlich ausgestellten kaiserlichen Schutzbrief des Kaisers Ferdinand II., den General Albrecht von Wallenstein für die Linie der Herren von Reuß-Burgk ausstellte. Im Film wird der Schutzbrief jedoch für Herrn von Müffling auf Burg Reichenfels ausgestellt, was nicht der Historie entspricht.

Die zweite Hauptrolle im Film spielt Rolf Hoppe als "Heinrich von Müffling auf Reichenfels" († 7. Juli 1637 in StreitauSparnecker Pfarrakten, z. B. Sparnecker Beerdigungsbuch 1637/I/Nr.1/S.496.). Diese Person ist historisch belegt als Besitzer der Burg und Herrschaft Reichenfels (und der Nachbarherrschaft Hohenleuben). Außerdem war "Hans Heinrich Müffling genannt Weiß" Amtmann von Stockenroth und Hallerstein. Erhebliche Teile der sieben Filmteile wurden an und in Schloss Burgk (Saaletal) gedreht. Im Film wird auch ein Gemälde des "Heinrich von Müffling" (als Jäger mit Vogel) gezeigt. Dieses zeigt ihn vor Schloss Burgk. Die Müffling saßen aber nie auf Schloss Burgk. Das Gemälde wurde wohl eigens für den Film gemalt und hat daher auch keinen aufwendig verzierten Rahmen. Ein erhaltener Brief von 1630 eines Bediensteten an seinen Herrn "Heinrich von Müffling auf Reichenfels" berichtet über Geschehnisse um Georg Kresse.Otto Behr/Friedrich Wilhelm Trebge: Georg Kresse - Der Bauerngeneral. Eine Geschichte aus dem Dreißigjährigen Kriege von Otto Behr. Mit Erläuterungen von Friedrich Wilhelm Trebge. Hrsg.: Vogtländischer Altertumsforschender Verein zu Hoheleuben, Sigrun Voigt, zweite überarbeitete Auflage der Ausgabe von 1930 des Hermann-Schaffstein-Verlages Köln. S. 70–71

In weiteren Hauptrollen und Nebenrollen: Barbara Brylska als Frau des Heinrich von Müffling, Sybilla von Müffling Katrin Klein als Freundin/Frau Anne Possel (historisch belegt eigentlich Anna Pissel) von Georg Kresse Eberhard Kirchberg als Veit Michael Narloch als Thomas Jürgen Reuter als Daniel Fuchs, Gesetzloser und Maler Michael Christian als Kriminalleutnant (Polizeichef) der Herrschaft Lissy Tempelhof als Kresses Mutter Peter Kalisch als Kresses Vater Wilhelm Koch-Hooge als Hans Kresse Peter Dommisch als Johannes Gerhard Vogt als Bruno Leon Niemczyk als Rittmeister von Karpowitz Eckhard Bilz als Kornett Bohle Ernst-Georg Schwill als Korporal Fred Ludwig als Wilhelm Rüdiger Siegfried Seibt als "Knollenbäcker" Christian Steyer als schwedischer Leutnant Lindström Liane Düsterhöft. Kurzauftritt in Teil 7 als Geliebte des Herrn Birnbaum. Günter Grabbert als schwedischer Commissarius Frank Ciazynski als Pfarrer Jacobi Rüdiger Joswig als Peter Manfred Richter als Günter Peter Friedrichson als Wenzel