Klaus Vack (* 17. Mai 1935 in Offenbach am Main; † 18. Mai 2019) und Hanne Vack (* 15. Mai 1940 als Hanne Wagner in Offenbach am Main) wurden als deutsche Aktivisten der Friedens- und Bürgerrechtsbewegungen nach dem Zweiten Weltkrieg bekannt. Sie gründeten das Komitee für Grundrechte und Demokratie mit.

Klaus Vack Klaus Vack ist in Offenbach-Tempelsee aufgewachsen und besuchte ab seinem sechsten Lebensjahr die Volksschule.Klaus Vack: Mein 1968: Die Ostermärsche wurden zur Kampagne für Demokratie und Abrüstung (siehe Weblinks) Sein Vater nahm als Soldat am Zweiten Weltkrieg teil, und seine Mutter musste Klaus, seinen Bruder Horst (* 1929) und die Schwester Ursula (* 1938) alleine durch den Krieg bringen.

Klaus Vack erlebte als Kind die Luftangriffe auf Offenbach und wurde Ende 1943/Anfang 1944In Mein 1968 nennt er hierfür den Februar 1944, in den bereits 1984 veröffentlichten Erinnerungen im Selbstgespräch schreibt er, dass er bereits im Herbst 1943 nach Kaltenwestheim gebracht worden sei. von seiner Mutter vorsorglich zu Verwandten in das Dorf Kaltenwestheim geschickt. Dort erlebte er das Kriegsende – allerdings unter Umständen, die ihm noch Jahre danach Angstträume bescherten. In dem Dorf hatten sich am Ostersonntag 1945 deutsche Truppen verschanzt, die den auf das KZ Buchenwald vorrückenden amerikanischen Truppen so energischen Widerstand entgegensetzten, dass sich die Amerikaner zurückzogen. „Doch plötzlich um die Mittagszeit ertönte ohrenbetäubender Krach. Eine Staffel Jagdbomber donnerte über das Dorf. Einmal, zweimal, dreimal … Genau siebenmal. Sie schossen aus Bord-MGs, warfen Brandbomben mit Phosphor. Minuten später brannte das halbe Dorf. Es dauerte Jahre, bis es wieder aufgebaut war.“ Welch existenzielle Bedeutung diese Kriegserlebnisse für ihn hatten, beschrieb Klaus Vack 1984 im Rückblick auf damals 32 Jahre politisches Engagement so:

Im Juli 1945 konnte Klaus Vack in das von Bombenabwürfen verschont gebliebene Tempelsee zurückkehren. Nach der an einer Handelsschule erworbenen Mittleren Reife absolvierte er eine kaufmännische Lehre und ergänzte diese durch eine Zusatzausbildung zum Bilanzbuchhalter. Er wird Mitglied der Gewerkschaft und tritt in die SPD ein, die er 1974 verlässt.Lexikon linker Leitfiguren, Hrsg. von Edmund Jacoby, Büchergilde Gutenberg, Frankfurt am Main 1988, S. 372 1953 legte er die Kaufmannsgehilfenprüfung ab, und nur ein Jahr später wurde er, damals noch nicht volljährig, zum Betriebsratsvorsitzenden gewählt.Das andere Deutschland nach 1945, S. 21–22

Im Herbst 1951 trat Klaus Vack den Offenbacher Naturfreunden bei.Das andere Deutschland nach 1945 S. 25 Diesem Schritt vorausgegangen war eine bewusste Abkehr von der evangelischen Jugendarbeit, in die er über Religions- und Konfirmandenunterricht hineingewachsen war. Den Ausschlag gab der Streit mit seinem Pfarrer, der als CDU-Mitglied von der Kanzel herab für die Wiederaufrüstung der Bundesrepublik warb. Darüber kam es zum Bruch, der zugleich zu Vacks „Bruch mit kirchlich-christlicher Orientierung insgesamt“ führte.Das andere Deutschland nach 1945, S. 27–28

Die Naturfreunde, von dem erwähnten Pfarrer wegen ihrer Gegnerschaft zur Wiederbewaffnung als Sag Nein!-Leute tituliertErinnerungen im Selbstgespräch, S. 122, boten Klaus Vack fortan den Rahmen, in dem er politisch bewusster und aktiver werden konnte und in dem Politik als etwas alle Lebensbereiche umfassendes verstanden wurde – ernst und spaßvoll zugleich.

Was ebenfalls „ein Leben lang vorhielt“, war die Ehe von Klaus und Hanne Vack, die sich beide in der Jugendgruppe der Offenbacher Naturfreunde kennengelernt hatten.

Klaus Vack war fast zwanzig Jahre lang Kindergruppenleiter der Offenbacher Naturfreunde, einige Jahre auch Jugendgruppenleiter und wurde 1958 hessischer Landesjugendleiter der Naturfreundejugend Deutschlands. Es folgte sein Engagement auf der Bundesebene der Naturfreundejugend: „Die 7. Bundesjugendkonferenz der Naturfreundejugend wählte Klaus in die Bundesjugendleitung als Schriftleiter von ›wir sind jung‹.“Fritz Amann: Klaus Vack und die Naturfreundejugend. In: Komitee für Grundrechte und Demokratie (Hrsg.): Tradition heisst nicht, Asche aufheben. S. 22–25. Sich bei den Naturfreunden zu organisieren, bedeutete sich politisch zu engagieren, und so wuchs Klaus Vack, wie weiter oben bereits angedeutet, schon früh in die politischen Auseinandersetzungen in der noch jungen Bundesrepublik hinein, wie er sich 2003 anlässlich seiner 587sten Teilnahme an einer Friedensdemonstration – der „ersten Großdemonstration, für die ich mich organisatorisch nicht in die Pflicht genommen habe“ – erinnerte:

In Algerien kämpfte in den 1950er und frühen 1960er Jahren die Front de Libération Nationale (FLN) gegen die Kolonialmacht Frankreich für die Unabhängigkeit des Landes. „Die hessische Naturfreundejugend befaßt sich intensiv mit den Problemen des Algerienkrieges, der Lage der Flüchtlinge, der Rolle der Fremdenlegion und den Rebellen, wie die algerischen Freiheitskämpfer in der Presse genannt werden.“ Klaus Vack organisierte im Sommer 1960 in Frankfurt eine PressekonferenzKlaus Vack: Die Algerien-Solidarität der Naturfreundejugend. In: Jochen Zimmer, Wulf Erdmann (Hg.): Hundert Jahre Kampf um die freie Natur. Essen 1991, S. 104–114. mit dem in Wiesbaden geborenen Winfried Müller, alias Si Mustapha-Müller, der für die FLN das Rückführungsprogramm für desertierte Fremdenlegionäre organisierte.WER DESERTIERT, MUSS „ALEMANI“ RUFEN, Der Spiegel 36/1959. Zu den vielfältigen Unterstützungsaktionen der westdeutschen Linken für den Unabhängigkeitskampf der FLN siehe auch Claus Leggewies Buch Kofferträger, das auch ein Kapitel zur Zusammenarbeit von Klaus Vack mit Si Mustapha enthält.

Während die hessische Naturfreundejugend eine konspirative Briefaktion startete, durch die in der Fremdenlegion kämpfende Deutsche zur Desertation und zur Rückkehr nach Deutschland animiert werden sollten, besuchte schließlich – wie sich Fritz Amann, einer der Mitreisenden, erinnert –, „eine dreiköpfige Delegation: Klaus Vack, Horst Goßfelder und ich […] das Krisengebiet von marokkanischer Seite aus. Si Mustafa, der Leiter des Rückführungsdienstes für desertierte Legionäre, organisierte und betreute die Studienfahrt.“ Alle drei waren in der hessischen Naturfreundejugend aktiv; Klaus Vack wurde in Frankreich „in Abwesenheit zu zwanzig Jahren Festungshaft verurteilt, jedoch im Jahr 1967 amnestiert“ mini|Klaus Vack als Redner bei einem der ersten hessischen Ostermärsche in den frühen 1960er Jahren

1959 hatte Klaus Vack aus Anlass eines Landesjugendtreffens der hessischen Naturfreundejugend noch unter dem Motto Kampf dem Atomtod einen Protestmarsch von Hanau-Steinheim nach Offenbach am Main mitorganisiert. Dieser Marsch war der früheste Vorläufer der späteren Ostermärsche.Das andere Deutschland nach 1945, S. 63–64 Als Sekretär des Verbandes der Kriegsdienstverweigerer (VK) trug er dann von 1961 an erheblich zum Erfolg der (west-)deutschen Ostermarschbewegung bei, der späteren Kampagne für Demokratie und Abrüstung. Wie schon 1959, so gehörte er auch 1961 zu den Organisatoren des ersten hessischen Ostermarsches, der von Miltenberg nach Frankfurt führte, und er war zusammen mit Konrad Tempel, Andreas Buro und anderen einer der Organisatoren der ersten Stunde der Ostermarschbewegung auf Bundesebene. Im Januar 1965 wurde er – als Nachfolger des bislang ehrenamtlich als Geschäftsführer tätigen Andreas Buro – vom Zentralen Ausschuss, dem zentralen Führungsgremium, zum hauptamtlichen Geschäftsführer gewählt.Karl A. Otto: Vom Ostermarsch zur APO. S. 81. Klaus und Hanne Vack betrieben das Büro der Ostermarschbewegung in Offenbach in einer Bürogemeinschaft mit der Geschäftsstelle der hessischen Naturfreundejugend, die ihrerseits eine wichtige Stütze der Ostermarschbewegung war.Die Naturfreundejugend war 1962 auf Bundesebene eine der ersten Organisationen, die vom Zentralen Ausschuss als befreundete Organisation anerkannt worden war. (Karl A. Otto: Vom Ostermarsch zur APO. S. 79).

Hanne Vack

Klaus und Hanne Vack Im Februar 1965 reisten Klaus und Hanne Vack nach Berlin und besuchten dort im Westteil der Stadt Wolfgang Neuss und im Osten Wolf Biermann. Es gelang ihnen, vom Kulturministerium der DDR die Erlaubnis für eine Teilnahme Biermanns an einer Ostermarschveranstaltung an Ostern 1965 zu erhalten.Das andere Deutschland nach 1945, S. 79–80 Am 19. April 1965, dem Ostermontag, fand abends im Frankfurter Zoo-Gesellschaftshaus der gemeinsame Auftritt von Biermann und Neuss statt, der auf der Langspielplatte mit dem Titel Wolf Biermann (Ost) zu Gast bei Wolfgang Neuss (West) festgehalten wurde.Cover und Titel der LP Wolf Biermann (Ost) zu Gast bei Wolfgang Neuss (West). Zum Anhören: Wolf Biermann (Ost) zu Gast bei Wolfgang Neuss (West) auf YouTube

Ebenfalls 1965 nahm die Kampagne für Abrüstung auch den Kampf gegen die Notstandsgesetze in ihr Programm aufDas andere Deutschland nach 1945, S. 81, und der Kampf gegen den Vietnamkrieg rückt mehr und mehr in das Zentrum der politischen Aktivitäten. Für Klaus Vack führte das zu intensiven Kontakten zur studentischen Protestbewegung, vor allem zum Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS). „In dieser Zeit werde ich – neben Fritz Lamm der einzige Nichtintellektuelle in diesem illustren Kreis – in die Herausgebergruppe der SDS-Theoriezeitschrift ‚Neue Kritik‘ aufgenommen.“Das andere Deutschland nach 1945, S. 86 Gleichzeitig führte das Erstarken der Außerparlamentarischen Opposition (APO) auch zu einem schleichenden Bedeutungsverlust der Ostermarschbewegung, was ab 1968 zu verstärktem Nachdenken über deren politische Zukunft führte. Klaus Vack positionierte sich gegen die Idee der Schaffung einer neuen Sozialistischen Partei und beteiligte sich im Dezember 1968 an der Initiative zur Schaffung einer unabhängigen sozialistischen Bewegung in der BundesrepublikDas andere Deutschland nach 1945, S. 100, was schließlich zu seiner Trennung von der Kampagne für Demokratie und Abrüstung führte.

In einer im Juli 1970 veröffentlichten Erklärung, unterzeichnet von Andreas Buro, Christel Beilmann, Heiner Halberstadt, Arno Klönne und Klaus Vack, erklären die fünf Gründungsmitglieder der Kampagne für Demokratie und Abrüstung ihren bereits 1969 erfolgten Austritt aus der Organisation. Sie erachten sie „in der heutigen Situation strukturell überholt“ und monieren die inzwischen nicht mehr gegebene Breite an politischen Richtungen. Vor allem aber unterstellen sie den der DKP nahestehenden Kreisen bei ihrem Festhalten an den gegebenen Strukturen eine „Anhänglichkeit an die Kampagne“, die mehr durch parteipolitische Disziplin als durch echte Erwartungen bestimmt‟ sei. Demgegenüber setzen sie auf „die Möglichkeit, in neuen Formen zu einer Kooperation der radikaldemokratischen und linken Gruppierungen zu kommen“.apo press. Informationsdienst für die Außerparlamentarische Opposition in Köln. 2. Jg., Nr. 7, 1. August 1970.

Um „neuen Formen der politischen Zusammenarbeit Raum zu schaffen“, hatte Klaus Vack zusammen mit Andreas Buro und anderen bereits 1969 in Offenbach am Main das „Sozialistische Büro“ („SB“) gegründet, ein Informations- und Organisationszentrum für Gruppierungen linker und undogmatischer Sozialisten, das die monatlich erscheinende Zeitschrift „links“ herausgab. „Das Sozialistische Büro befand sich von 1969 bis 1997 in Offenbach, hatte drei Räume, Aktenordner, Karteikästen, eine Adrema, Telefon, Schreibmaschinen, Fax, Kopierer und einen legendären Rotaprint-Drucker. Und es hatte mit Klaus Vack einen politisch und organisatorisch versierten Sekretär – und mit seiner Frau Hanne die perfekte Büroleiterin. Wenn es nötig war, konnten sie auf viele freiwillige Helferinnen und Helfer zurückgreifen, vor allem aus dem Kreis der Offenbacher Naturfreunde.“Egon Becker: Das Sozialistische Büro – Ein unvollendetes Projekt? S. 161–162.