Säuglingsnahrung, genannt auch Babynahrung, ist der Oberbegriff für alle Lebensmittel, die für die Ernährung von Säuglingen, die Säuglingsernährung, geeignet sind, dafür vorgesehene Zutaten und daraus zubereitete Speisen. Die einzig natürliche Anfangsnahrung ist Muttermilch, die im Allgemeinen den Bedürfnissen des Säuglings entspricht. Die industriell hergestellte Babyfertignahrung wird unterteilt in Säuglingsanfangsnahrung, Folgenahrung und Beikost. (PDF) S. 1161, ausgegeben zu Bonn Beikost besteht in der Regel aus geeignetem Obst- oder Gemüsebrei, teils auch aus püriertem Fleisch und kann selbst hergestellt werden. Mit etwa zwölf Monaten können Kleinkinder allmählich an Erwachsenenkost gewöhnt werden. mini|Ein Baby wird mit Grießbrei gefüttert.

Einführung Der tägliche Energiebedarf von Säuglingen ist auf Grund des Wachstums mit etwa 377 kJ (= 90 kcal) pro Kilogramm Körpergewicht zwei- bis dreimal so hoch wie bei Erwachsenen. Damit dieser Bedarf gedeckt wird, muss der Fettanteil der Nahrung 35 bis 50 Prozent betragen, der Kohlenhydratanteil nur etwa 45 Prozent. Auch der Proteinbedarf ist prozentual gesehen höher als bei Erwachsenen und liegt bis zum Alter von zwei Monaten täglich bei 2,0 bis 2,7 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht, danach bei 1,1 bis 1,5 Gramm (Erwachsene: 0,8 g). Der Flüssigkeitsbedarf ist ebenfalls größer, weil die Nieren noch nicht voll ausgereift sind und mehr Flüssigkeit über Atmung und Haut verloren geht.Säuglingsernährung. In: Brockhaus Lexikon Ernährung. 1999.

In den ersten Lebensmonaten funktioniert die Verdauung nur eingeschränkt; Neugeborene besitzen noch keine Darmflora und die Darmschleimhaut ist noch nicht ausgereift. Auch einige für die Nahrungsverarbeitung notwendige Enzyme werden vom Körper erst später gebildet. Aus diesen Gründen sollen Babys in der ersten Lebensphase nur mit Muttermilch oder Säuglingsanfangsnahrung (Anfangsmilch oder Säuglingsmilch) ernährt werden. Folgenahrung (Folgemilch) soll nicht in den ersten sechs Lebensmonaten verwendet werden. diaetverband.de, abgerufen am 17. November 2014. Wenn der Säugling noch teilweise gestillt und Säuglingsfertigmilch zugefüttert wird, spricht man auch von Zwiemilchernährung oder zuschöppeln.Zuschöppeln (Zwiemilch-Ernährung) auf swissmom.ch; abgerufen am 17. November 2014. Frühestens ab dem fünften, spätestens ab dem siebten Monat deckt auch Muttermilch allein nicht mehr den kompletten Nährstoffbedarf des Säuglings. Broschüre der Techniker Krankenkasse, 2012, .

Babynahrung darf nach den gesetzlichen Vorgaben weder Bakterien noch Schadstoffe enthalten. Sie unterliegt der Diätverordnung und muss daher definierte Höchstmengen an Fett und Kohlenhydraten und bestimmte Mindestmengen an Mineralstoffen sowie Vitaminen enthalten.: EU-Beikostrichtlinie Zur Erfüllung der Richtlinien müssen viele Hersteller ihre Produkte zusätzlich z. B. mit Thiamin (Vitamin B1) anreichern.

Industriell hergestellte Beikost ist in unterschiedlichen Zusammensetzungen erhältlich, zum Beispiel als Brei oder Mus in Gläsern, als Pulver zum Anrühren für Babybrei oder auch als Tiefkühlkost.Babyviduals – Alternative zum Selberkochen In: WiM – Wirtschaft in Mittelfranken. 04/2011, S. 72. Grundsätzlich kann Beikost aber auch im Haushalt selbst hergestellt werden, angepasst an den Bedarf und das Verdauungssystem des Säuglings. Circa ab dem Beginn des 5. bis 7. Lebensmonat wird nach und nach Beikost eingeführt. In Deutschland orientiert sich die Einführung an dem Beikostplan des Forschungsdepartment Kinderernährung (FKE), der auch die Grundlage für Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) und den Handlungsempfehlungen des Netzwerks gesund ins Leben bildet. Der Beikostplan ist in drei Stufen gegliedert ist. Zunächst erhält das Kind einen Gemüse-Kartoffel-(Fleisch/Fisch)-Brei (vegetarisch: mit Vollkorngetreide), anschließend einen Milch-Getreide-Brei und zuletzt einen Getreide-Obst-Brei. Der Gemüse-Kartoffel-(Fleisch/Fisch)-Brei sollte als erste Beikost gegeben werden, während Milch-Getreide-Brei und Getreide-Obst-Brei flexibel in der Reihenfolge angeboten werden können. Die Breimahlzeiten ersetzen monatlich nacheinander Milchmahlzeiten, bis drei Breimahlzeiten täglich erreicht sind. Muttermilch oder Säuglingsanfangsnahrung bleiben während der gesamten Beikostzeit ein wichtiger Bestandteil der Ernährung.

Ab dem siebten Lebensmonat und mit dem Durchbruch der Zähne wird die Auswahl der angebotenen Nahrung erweitert, es kommen Lebensmittel mit fester Konsistenz hinzu. Ab einem Jahr können Kleinkinder allmählich dieselbe Kost essen wie Erwachsene.

Anthropologie mini|Trinkgefäß aus dem Horn einer Kuh Bis zur jüngsten Vergangenheit hatten Säuglinge in den ersten Monaten nur eine Überlebenschance, wenn sie mit Muttermilch gestillt wurden, entweder von der leiblichen Mutter oder von einer Amme, da keine adäquate Ersatznahrung zur Verfügung stand. Die Verwendung von Tiermilch als Säuglingsnahrung war jedoch seit der Einführung der Tierzucht im Neolithikum möglich. Diese Praxis belegen Funde von Trinkhörnern aus Ton oder den Hörnern von Schafen und Ziegen in Kindergräbern aus der Zeit um 4000 v. Chr., in denen Milchreste festgestellt werden konnten. Die Hörner waren an einer Seite geschlossen und an der anderen mit einem Sauglappen versehen. Es ist jedoch nicht möglich zu rekonstruieren, ab welchem Alter diese Trinkhörner für Kleinkinder verwendet wurden.Colin Blakemore: The Oxford Companion to the Body. Oxford 2002, S. 397.Patricia Stuart-Macadam: Breastfeeding in Prehistory. In: Patricia Stuart-Macadam, Katherine A. Dettwyler (Hrsg.): Breastfeeding: Biocultural Perspectives. New York 1995, ISBN 0-202-01192-5, S. 75–100.

Ob es eine biologisch determinierte „natürliche Stilldauer“ gibt, ist wissenschaftlich umstritten. Die in der Literatur genannten Werte für angeblich biologisch determinierte Stillzeiten reichen von neun Monaten analog zur Dauer einer Schwangerschaft bis zu 7 Jahren, wenn das Gebiss vollständig vorhanden und ein Drittel des Erwachsenengewichts erreicht ist.G.E. Kennedy: From the ape’s dilemma to the weanling’s dilemma: early weaning and its evolutionary context. (PDF; 387 kB)

Wie lange die Kinder in prähistorischer Zeit Muttermilch erhielten, lässt sich anhand von Skelettfunden in etwa bestimmen. Die dafür angewandten Isotop-Analysen erlauben jedoch keine Aussage darüber, ab welchem Zeitpunkt Kleinkinder zusätzlich andere Nahrung erhielten. Vollständig abgestillt wurden Kinder nach diesen Befunden erst im Alter von fünf bis sieben Jahren. Als Hinweis auf die frühzeitliche Stilldauer wird die Nachweisbarkeit des Enzyms Laktase bei Kindern in laktoseintoleranten Kulturen gedeutet, das für die Verdauung der Lactose in der Muttermilch benötigt wird. Die Enzymproduktion endet dort überwiegend im dritten Lebensjahr; die Angaben für verschiedene Ethnien reichen von einem Jahr bis vier Jahre. Einen weiteren Anhaltspunkt gibt die Reproduktionsrate, da die Laktation bei Frauen in der Regel den Eisprung unterdrückt und so während der Stillzeit eine erneute Schwangerschaft verhindert. Statistisch wurden die Frauen in der prähistorischen Phase der Jäger und Sammler nur alle vier Jahre schwanger, nach der Sesshaftigkeit im Neolithikum dagegen alle zwei Jahre.Jonathan Wells: The Role of Cultural Factors in Human Breastfeeding: Adaptive Behaviour or Biopower? (PDF; 155 kB) In: Human Ecology. Special Issue, 14/2006, S. 39–47.

Als Vergleichswerte ziehen Anthropologen auch die Daten anderer Primaten heran. Wild lebende Schimpansen haben im Schnitt alle fünf Jahre Nachwuchs, Orang-Utans alle sieben Jahre, wobei die Laktationszeit eine wichtige Rolle spielt. In Zoos lebende Gorillas stillen ihren Nachwuchs nur halb so lange wie ihre wilden Artgenossen. Es wurde auch festgestellt, dass ranghöhere Affenweibchen kürzer säugen und in kürzerem Abstand schwanger werden als rangniedrigere, weil sie über bessere Nahrungsquellen verfügen. Daraus folgt laut Jonathan Wells, „dass früheres Abstillen in einer nahrungsreichen Umgebung ein allgemeines Merkmal der Ernährung von Primaten ist.“ Kennzeichnend für die Muttermilchbildung bei Primaten sei gerade die große Flexibilität der Laktationsdauer je nach den Erfordernissen, die Annahme einer genetisch fest vorgegebenen Stillzeit sei daher nicht plausibel. „(…) der Säugling kann in einer nahrungsreichen Umgebung früher abgestillt werden, teilweise weil alternative Nahrung verfügbar ist und teilweise weil die gut genährte Mutter den Säugling auch ohne intensives Säugen mit adäquater Milch versorgen kann.“Originalzitat: „(…) the infant can be weaned earlier in an abundant environment, partly because alternative food is readily available for the infant and partly because the well-nourished mother can supply the infant with adequate milk without undergoing high levels of suckling.“ In: Jonathan Wells: The Role of Cultural Factors in Human Breastfeeding: Adaptive Behaviour or Biopower? In: Human Ecology. Special Issue, 14/2006, S. 42.

Da bei den Primaten die Spezies die längsten Säugezeiten aufweisen, deren Nachwuchs am langsamsten wächst und eine relativ lange Kindheit hat, müssten Menschen theoretisch die längste Stillphase aller Primaten aufweisen. Das war jedoch bereits in der Frühphase der Menschheit nachweislich nicht der Fall. G. E. Kennedy nimmt auf Grund der Daten von Naturvölkern eine durchschnittliche natürliche Stillzeit von zwei bis drei Jahren an und erklärt den Zeitpunkt des Abstillens damit, dass ein Kleinkind mit drei Jahren wegen des großen Energieverbrauchs des menschlichen Gehirns durch Muttermilch nur noch unzureichend ernährt werden könne; es erhalte nur noch 50 bis 80 Prozent der benötigten Proteinmenge. Ab diesem Zeitpunkt wäre weiteres Stillen unökonomisch. Der Ernährungsbedarf des Säuglings kann aber bereits ab dem zweiten Lebenshalbjahr durch Muttermilch allein nicht mehr vollständig gedeckt werden.

Die Anthropologin Katherine Dettwyler geht davon aus, dass das „natürliche Abstillalter“ bei Kindern frühestens bei 2,5 Jahren liegt, spätestens bei sieben Jahren. Das lasse sich aus Vergleichen mit anderen Primaten und Naturvölkern ableiten.Kathy Dettwyler: „Menschenkinder sind wie ihre nicht-menschlichen Verwandten der Primaten so konstruiert, dass sie die Vorzüge der Muttermilch und des Stillens für mindestens 2,5 Jahre erwarten.“Katherine Dettwyler: A Time to wean: The Hominid Blueprint for the Natural Age of Weaning in Modern Human Populations. In: Patricia Stuart-Macadam, Katherine A. Dettwyler (Hrsg.): Breastfeeding: Biocultural Perspectives. New York 1995, ISBN 0-202-01192-5, S. 65. Die Phase der Gewöhnung an Erwachsenenkost dauere bei Naturvölkern insgesamt rund sieben Jahre. Die zugefütterte feste Kost wird von der Mutter für die Kleinkinder vorgekaut. Diese Praxis war vermutlich bereits in der Steinzeit üblich.

Kulturgeschichte Die Vorstellungen darüber, welche Nahrung für Säuglinge geeignet ist, sind kulturell beeinflusst, nicht universell in allen Kulturen gleich und auch keine historische Konstante. Die Erkenntnisse der modernen Medizin sind nur ein Faktor, der erst in der jüngsten Vergangenheit in Industrieländern die wesentliche Rolle bei der Nahrungsauswahl spielt. So bestand in der Frühzeit der Menschheit Babynahrung neben Muttermilch aus vorgekauter geeigneter Erwachsenennahrung. Auch das Säugen durch Ammen war bereits vor Jahrtausenden bekannt. Seit dem Mittelalter galten in Europa vor allem Mehlbrei und Brotsuppe als optimale Säuglingskost. Obst, Gemüse und Fleisch wurden erst im 19. Jahrhundert als geeignete Beikost angesehen. Zu dieser Zeit kam auch die erste industriell hergestellte Babynahrung auf den Markt.

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