miniatur|Luftaufnahme des Betriebsgeländes der Brilliant AG in Karlshöfenerberg (2013) Die Brilliant AG ist ein Unternehmen der Leuchtenbranche mit Sitz in Karlshöfenerberg in der Gemeinde Gnarrenburg in Niedersachsen. Im Jahr 2016 wurde das Unternehmen vom Bundesgerichtshof wegen zu hohen Quecksilbergehalts in seinen Energiesparlampen verurteilt.
Geschichte Gründung und frühe Entwicklung
Am 1. August 1951 gründeten Kurt Lippold und Otto Tschammer in Gnarrenburg die „Brillantglashütte Lippold und Tschammer OHG“. Die Produktion begann in der ehemaligen Glashütte von Wilhelm Gulau mit der Herstellung von Beleuchtungsgläsern.Rudolf von Tils, Gerd Ohm: Die Marienhütte – Glas aus Gnarrenburg. Hrsg. von Gerd Ohm, Gnarrenburg 2004, S. 125.
1952 scheiterte der Versuch, Glas in einem eigenen Schmelzofen herzustellen. Fortan wurde Flachglas aus Witten bezogen und in Gnarrenburg weiterverarbeitet. Das Unternehmen konzentrierte sich zunehmend auf das Biegen und Veredeln von Glas. Die zunächst mit örtlichem Torf und später mit Öl beheizten Biegeöfen wurden 1958 vollständig auf Elektrizität umgestellt.Rudolf von Tils, Gerd Ohm: Die Marienhütte – Glas aus Gnarrenburg. Hrsg. von Gerd Ohm, Gnarrenburg 2004, S. 125–126.
Bereits zuvor war Mitgründer Otto Tschammer aus dem Unternehmen ausgeschieden. 1957 gründete er in Karlshöfenerberg das Unternehmen Ultravit.Rudi von Tils: Glasdachpfannen vom Moor bis Ostpreußen geliefert. In: Osterholzer Kreisblatt, 19. Juli 1978.Rudolf von Tils, Gerd Ohm: Die Marienhütte – Glas aus Gnarrenburg. Hrsg. von Gerd Ohm, Gnarrenburg 2004, S. 126. Zum Produktionsprogramm der Brillantglashütte gehörten Beleuchtungsglas und Wirtschaftsglas in Form von Haushalts- und Geschenkglas. In den folgenden Jahren verlagerte sich der Schwerpunkt zunehmend auf die Herstellung vollständiger Leuchten. 1972 wurde die Wirtschaftsglasproduktion eingestellt.
Expansion und Börsengang
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1976 bezog das mittlerweile als Brillantglashütte Lippold & Naumann KG firmierende UnternehmenAmtsgericht Bremervörde: Handelsregister HRA 751, Brillantglashütte Lippold und Naumann Kommanditgesellschaft, historischer Registerauszug. das zuvor erworbene Betriebsgelände der ehemaligen Ultravit-Glashütte in Karlshöfenerberg. Dort wurden zusätzliche Gebäude errichtet und wesentliche Teile von Produktion, Verwaltung und Logistik von Gnarrenburg nach Karlshöfenerberg verlagert. Das Stammwerk in Gnarrenburg wurde erhalten; dort verblieb unter anderem die Lackiererei.„Brillant“ zieht nach Karlshöfen um. In: Bremervörder Zeitung, 11. September 1975.Gnarrenburger Brillantglashütte zieht nach Karlshöfen um. In: Bremervörder Zeitung, 2. Juli 1976.
1980 wurde die Brillantglashütte Lippold & Naumann KG mit Wirkung zum 1. Januar in die Brillantleuchten AG umgewandelt.Amtsgericht Bremervörde: Bekanntmachung der Neueintragung der Brillantleuchten Aktiengesellschaft, HRB 600, 27. August 1980. Die Anteile befanden sich im Besitz der Familien Dieckell und Lippold; die Familie Dieckell hielt eine knappe Mehrheit. Wolf-Dieter Lippold wurde Vorstandsvorsitzender, Friedrich Dieckell Vorsitzender des Aufsichtsrats. Zu dieser Zeit beschäftigte das Unternehmen 468 Mitarbeiter sowie 506 Heimarbeiter und erzielte einen Jahresumsatz von 37,1 Mio. DM (19,0 Mio. Euro).Brillantleuchten AG: Geschäftsbericht 1979/80, Gnarrenburg 1980, S. 1–2, 5, 12.
Bei der Leuchtenherstellung kamen neben Glas schon früh Werkstoffe wie Keramik und Holz zum Einsatz. Im Verlauf der 1970er Jahre gewannen Metall und Kunststoff an Bedeutung.„Das Messe-Wunder blieb bisher aus“. In: Bremervörder Zeitung, 23. April 1977.„Durch Messe-Aufträge neue Arbeitsplätze“. In: Bremervörder Zeitung, 25. April 1978. In den 1980er Jahren rückten Spots und Strahler sowie modular aufgebaute Lichtsysteme stärker in den Vordergrund.„Expansionskurs des Gnarrenburger Unternehmens hält unvermindert an“. In: Bremervörder Zeitung, 28. Oktober 1985.
Im März 1985 ging die Brillantleuchten AG an die Börse. Die Aktien wurden in Frankfurt und im Freiverkehr der Bremer Wertpapierbörse gehandelt.Brillantleuchten AG: Verkaufsangebot und Prospekt für die Zulassung zum Börsenhandel, 26. Februar 1985. Zur Zeit des Börsengangs beschäftigte das Unternehmen 510 Mitarbeiter sowie 619 Heimarbeiter und erzielte einen Jahresumsatz von 64,7 Mio. DM (33,1 Mio. Euro).Brillantleuchten AG: Geschäftsbericht 1985/86, Gnarrenburg 1986, S. 8, 13.
1988 erwarb die britische Emess-Gruppe die Aktienmehrheit an der Brillantleuchten AG.„Britischer Griff zum Leuchtenmarkt“. In: Bremervörder Zeitung, 26. August 1988. Im selben Jahr löste Klaus-Peter Schneidewind den langjährigen Vorstandsvorsitzenden Wolf-Dieter Lippold ab.„Neuer Spitzenmanager bei Brillantleuchten AG“. In: Bremervörder Zeitung, 7. Juni 1988. In den folgenden Jahren kam es zu weiteren Wechseln in Vorstand und Aufsichtsrat.„Umsatz der Brillantleuchten-AG kletterte erstmals über 100-Millionen-Marke“. In: Bremervörder Zeitung, 13. September 1989.
Internationalisierung und Transformation Ab 1990 entwickelte sich durch die Gründung eigener Auslandsgesellschaften eine internationale Konzernstruktur.Brillantleuchten AG: Geschäftsbericht 1990, Gnarrenburg 1991, S. 6–8, 16. 1991 wurde die Brillantleuchten AG in die Brilliant AG umfirmiert.Amtsgericht Bremervörde: Handelsregister HRB 600, Brilliant Aktiengesellschaft, historischer Registerauszug, Eintragung vom 23. Juli 1991. Mit der Umfirmierung wurde „BRILLIANT“ zur gemeinsamen Bezeichnung von Unternehmen und Marke.DPMAregister: Wort-/Bildmarke BRILLIANT, Registernummer 1188951, abgerufen am 27. September 2026.
1992 geriet das Unternehmen unerwartet in die Verlustzone und wies einen Konzern-Jahresfehlbetrag von 4,9 Mio. DM (2,5 Mio. Euro) aus.Brilliant AG: Geschäftsbericht 1992, Gnarrenburg 1993, S. 40. Auf der folgenden Hauptversammlung kritisierten Aktionäre die Informationspolitik des Vorstands.„Verlust von 4,6 Millionen Mark: Brilliant AG zahlt Aktionären keine Dividende“. In: Bremervörder Zeitung, 4. Mai 1993. Die Brilliant AG führte zudem gegen die früheren Großaktionäre Wolf-Dieter Lippold, Friedrich Dieckell und Claus Dieckell einen Rechtsstreit um Bürgschaften für Forderungen von rund 2,9 Mio. DM (1,5 Mio. Euro) aus dem früheren US-Vertrieb.„Ex-Aufsichtsrat ohne Entlastung“. In: Bremervörder Zeitung, 27. Mai 1992.
1993 übernahm Friedrich-Wilhelm Wentrot den Vorstandsvorsitz.Brilliant AG: Geschäftsbericht 1993, Gnarrenburg 1994, S. 27. Unter seiner Leitung kehrte das Unternehmen in die Gewinnzone zurück.„Brilliant leuchtet wieder heller“. In: Bremervörder Zeitung, 18. Juni 1994. In den folgenden vier Jahren wurde der Standort Karlshöfenerberg zum „Brilliant Industriepark“ ausgebaut. Die Unternehmensleitung bezeichnete die Investitionen als Bekenntnis zum Standort und zur Produktion in Deutschland.„Brilliant AG: Klares Bekenntnis zur Region“. In: Bremervörder Zeitung, 16. März 1996. Dabei wurden insbesondere die Produktions-, Verwaltungs- und Lagerflächen erweitert.„Offizielle Einweihung des VI. Bauabschnitts bei der Brilliant AG“. In: Bremervörder Zeitung, 27. Dezember 1995. 1996 nahm ein für rund 10 Mio. DM (5,1 Mio. Euro) errichtetes Logistikzentrum den Betrieb auf.„Brilliant AG weiht Logistikzentrum ein“. In: Bremervörder Zeitung, 4. November 1996. Im selben Jahr beschäftigte der Konzern 647 Mitarbeiter sowie 444 Heimarbeiter.Brilliant AG: Geschäftsbericht 1996, Gnarrenburg 1997, S. 28. 1997 wurde die vierjährige Ausbauphase abgeschlossen.„Brilliant-AG ist wieder in die 1. Liga aufgestiegen“. In: Zevener Zeitung, 4. Oktober 1997.
1998 war für die Brilliant AG mit einem Konzernumsatz von 194,8 Mio. DM (99,6 Mio. Euro) ein Rekordjahr.„Umsatzwachstum bei Brilliant“. In: Bremervörder Zeitung, 21. März 1999.„Kaufzurückhaltung führt zu ermäßigten Inlandsumsätzen“. In: Zevener Zeitung, 4. September 1999. Der Anteil des Auslandsgeschäfts am Umsatz stieg auf 40,5 Prozent. Im folgenden Jahr ging der Inlandsumsatz infolge einer Kaufzurückhaltung im deutschen Einzelhandel zurück, während das Auslandsgeschäft weiter wuchs.
Vom 3. August 1998 bis 15. August 2014 wurde die Aktie an der Frankfurter Wertpapierbörse zuerst General Standard des Regulierten Marktes, danach im Freiverkehrsegment Entry Standard gehandelt. Heute notieren sie im Freiverkehr der Börse Hamburg.brilliant-ag.de:
2000 übernahm die amerikanische Sylvania Lighting International (SLI) im Zuge des Erwerbs mehrerer Unternehmen der britischen Emess-Gruppe die Mehrheitsbeteiligung an der Brilliant AG.Brilliant AG: „Änderung indirekter Aktionärsstruktur“, Ad-hoc-Mitteilung vom 5. Juli 2000. Brilliant sollte innerhalb des SLI-Konzerns weitgehend eigenständig bleiben und dessen Position auf dem europäischen Markt stärken.„SLI plant Übernahme von Brilliant“. In: Bremervörder Zeitung, 2. Juni 2000. Mit dem Vertrieb von Halogen-, Normal- und Energiesparlampen sowie von Leuchtstoffröhren aus dem Programm der „SLi Inc.“ wurden neue Produkte in das Sortiment aufgenommen.
Krise und Neuausrichtung Noch im Oktober 2000 waren weitere Erweiterungen des Standorts Karlshöfenerberg vorgesehen, die auch mit öffentlichen Mitteln gefördert werden sollten. Zum Jahresende stellte die Brilliant AG die Pläne zurück und begründete dies mit einer notwendigen Neupositionierung infolge der neuen Anteilsverhältnisse.„Brilliant AG legt Pläne für Erweiterung vorerst auf Eis“. In: Bremervörder Zeitung, 27. Dezember 2000.
Im November 2000 schied der seit 1993 amtierende Vorstandsvorsitzende Friedrich-Wilhelm Wentrot aus.Brilliant AG: Geschäftsbericht 2000, Gnarrenburg 2001, S. 26. Zugleich besetzte Sylvania die Anteilseignerseite des Aufsichtsrats weitgehend mit eigenen Führungskräften. In den folgenden Jahren kam es auch im Vorstand wiederholt zu personellen Veränderungen.Brilliant AG: Geschäftsbericht 2000, Gnarrenburg 2001, S. 26.Amtsgericht Bremervörde: Handelsregister HRB 600, Brilliant Aktiengesellschaft, historischer Registerauszug.
Nach einem deutlichen Ergebnisrückgang im Jahr 2000 verschlechterte sich die Geschäftslage 2001 weiter. Das Unternehmen führte die Entwicklung insbesondere auf die schwache Inlandsnachfrage sowie zunehmenden Preis- und Margendruck im Einzelhandel zurück.„Brilliant: Starker Margendruck belastet das Ergebnis“. In: GSC Research, 30. August 2000.„Brilliant: Umsatz und Ertrag rückläufig“. In: GSC Research, 12. März 2001. Der Konzernumsatz sank um rund 18 Prozent von 93,4 auf 76,3 Mio. Euro; nach einem Gewinn von knapp 0,8 Mio. Euro im Vorjahr entstand ein Jahresfehlbetrag von 3,5 Mio. Euro.Brilliant AG: „Restrukturierung bei der Brilliant AG“, Ad-hoc-Mitteilung vom 21. Februar 2002.
Ab 2001 kam es bei der Brilliant AG zu mehreren Entlassungswellen.„Brilliant AG: Sozialplan und Interessenausgleich vereinbart“. In: Bremervörder Zeitung, 17. Februar 2001.„Nach intensiven Verhandlungen haben sich Betriebsrat und Vorstand geeinigt“. In: Bremervörder Zeitung, 14. März 2002. Betroffen waren insbesondere die Produktion und produktionsnahe Bereiche.„Arbeitsplatzabbau fällt geringer aus“. In: Osterholzer Anzeiger, 22. Februar 2003. Bis 2003 reduzierte sich die Belegschaft gegenüber 1999 um rund zwei Drittel.