Das Stiftsgymnasium Melk (offizielle Langform Öffentliches Stiftsgymnasium und Oberstufenrealgymnasium der Benediktiner in Melk) ist ein humanistisch ausgerichtetes Gymnasium und Oberstufenrealgymnasium mit Öffentlichkeitsrecht, das sich in Trägerschaft der Benediktinerabtei von Stift Melk befindet und auch im Stift untergebracht ist. Das Stiftsgymnasium in seiner heutigen Form besteht seit 1707, geht aber ursprünglich auf eine im Mittelalter gegründete Klosterschule zurück. Es gehört zu den ältesten Schulen im deutschen Sprachraum.

Geschichte

Die Klosterschule im Mittelalter Die frühsten Zeugnisse für die mittelalterliche Klosterschule finden sich in einem Totenbuch aus dem Jahr 1140 sowie auf Pergamentfragmenten von 1160. Man geht davon aus, dass sie bereits im frühen 12. Jh. gegründet wurde. Zur Zeit der Melker Klosterreform im 15. Jh. befand sich die Schule in einem blühenden Zustand, der Mönch Simon schrieb um 1446 ein Erziehungsbuch für den sechsjährigen König Ladislaus Postumus von Ungarn. Ab etwa 1530 nahmen die Eintritte ins Kloster unter dem Eindruck der (auch im Habsburgerreich einsetzenden) Reformationsbewegung rasch ab, für 1566 ist ein Personalstand von nur drei Geistlichen und drei Klerikern bezeugt.

Diese Krise dauerte bis Ende des 16. Jahrhunderts an, als infolge der Gegenreformation zunehmend Studenten aus süddeutschen Jesuitenschulen eintraten. Diese Studenten, unter ihnen auch der poeta laureatus Laurentius Flenheintius, brachten eine sehr gute Ausbildung mit. 1596 wurde die Schule daher nach Vorbild dieser (sechsklassigen) Jesuitenschulen umgestaltet. Nur die unteren vier Klassen befanden sich jedoch tatsächlich in Melk, die letzten beiden hatten die Schüler bei Jesuiten in Wien zu absolvieren. 1707 wandelte Abt Berthold Dietmayr die Schule dann in ein vollständiges, also tatsächlich sechsklassiges, Gymnasium um, was als Beginn der Geschichte des Stiftsgymnasiums (in seiner heutigen Form) angesehen werden kann.

Modernes Gymnasium mini|links|1911 Art Nouveau Medaille auf die Hundertjahrfeier der Gründung des Conviktes durch Antonius Rayberger, Vorderseite mini|links|Die Rückseite dieser Medaille von Hans Schaefer zeigt Benedikt von Nursia mit zwei Schülern mini|Haupttrakt des Stiftsgymnasiums um 1890 Infolge der Schulpolitik Maria Theresias wurde die Schule ab Beginn des Schuljahres 1781/82, also ab dem 3. November 1781, als Gymnasium publicum (eine teilweise öffentliche Schulform) geführt. 1787 verlegte Joseph II. das Gymnasium jedoch nach St. Pölten, das als Bischofssitz der drei Jahre zuvor (auf seine Bestreben hin) neugegründeten Diözese St. Pölten auch über eine „angemessene“ Schule verfügen sollte. Erst 1804 wurde es wieder nach Melk zurückverlegt. 1811 errichtete Abt Anton Reyberger das „Convikt zu Melk“, das am 7. November eröffnet wurde. In diesem Jahr wurde auch eine Vorbereitungsklasse (praeparanda) eingeführt, die den Schülern den Übergang ins Gymnasium erleichtern sollte und bis 1927 bestand. 1850 wurde die Zahl der Klassen auf acht erhöht, daraufhin konnte im folgenden Jahr in Melk die erste Matura stattfinden. Außerdem legte man von nun an besonderes Augenmerk auf die naturwissenschaftlichen Sammlungen.

Der Jahresbericht 1861 spricht von insgesamt 208 Schülern, darunter 51 Konviktisten. Ab 1873 unterrichteten in Nebengegenständen auch weltliche Lehrer, ab 1879/80 dann in allen Fächern. Unter Abt Alexander Karl wurde die Schule in den Jahren 1877/78 baulich erweitert, unter anderem wurden ein neuer Physik- und Speisesaal errichtet. 1905 wurde das Bischöfliche Seminar Melk eröffnet, in dem bis zu seiner Schließung 2006 Internatsschüler des Stiftsgymnasiums untergebracht waren. Sie wurden zur Unterscheidung von den direkt im Stift wohnenden Konviktisten auch „Seminaristen“ genannt.

Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wurde Direktor P. Wilhelm Schier am 13. März 1938 seines Amtes enthoben und durch den, Nationalsozialisten nahestehenden, P. Coelestin Schoiko ersetzt. Ab Herbst 1938 durfte die Schule aber ohnehin nicht mehr fortgeführt werden und wurde geschlossen bzw. später zu einer Nationalpolitischen Erziehungsanstalt („Napola“) umfunktioniert.Klaus Emmerich: Zum Beispiel Österreich. Kulturmacht, Wirtschaftskraft, Identität, Böhlau Verlag, Wien 2006, ISBN 978-3-205-77553-9, S. 115.

Seit 1945 mini|Schüler am Portal des Stiftes Nach Aufräum- und Instandsetzungsarbeiten konnte der Schulbetrieb bereits im September 1945 wieder aufgenommen werden. 1966 kam es erstmals zum Schüleraustausch mit der (ebenfalls von Benediktinern geführten) St. John’s Preparatory School in Collegeville, Minnesota, der bis heute jährlich durchgeführt wird. Aufgrund stark rückläufiger Schülerzahlen wurden ab dem Schuljahr 1967/68 auch Mädchen an der Schule aufgenommen, außerdem gab es erstmals – zusätzlich zum humanistischen – auch einen neusprachlichen Zweig in der Oberstufe, Latein ist allerdings bis heute für alle Pflicht. 1972 ernannte Abt Reginald Zupancic mit Ernst Wegscheider erstmals einen Laien zum Direktor. Seit 1973 werden die Lehrer an der Schule durch den Bund bezahlt, was eine erhebliche finanzielle Erleichterung für das Stiftsgymnasium darstellt.

1976 wurde das Oberstufenrealgymnasium eingerichtet, vorerst nur mit dem Schwerpunkt Instrumentalmusik, der bildnerische sowie der naturwissenschaftliche Zweig folgten. Verbesserte Verkehrswege, die Schülerfreifahrt und neue familiäre Verhältnisse führten zu einer ständigen Abnahme der Zahl der im Konvikt untergebrachten Schüler, während die Gesamtschülerzahl stieg, sodass der Konvikt schließlich aufgelassen wurde. 1999 trat Ernst Wegscheider in den Ruhestand, sein Nachfolger wurde Anton Eder. 2005/06 wurde erstmals mit zwei ersten Klassen die Fünftagewoche erprobt, im darauffolgenden Schuljahr dann für alle Schulstufen eingeführt. Im Laufe einer zweijährigen Renovierungsphase von 2006 bis 2008 wurden nach und nach alle Bereiche des Stiftsgymnasiums erneuert und außerdem eine neue „Dreifachsporthalle“ errichtet.

Schule Nebeneinander bestehen an der Schule ein klassisches achtjähriges Gymnasium, bei dem in der Oberstufe die Wahlmöglichkeit zwischen den Sprachen Altgriechisch und Französisch besteht, und ein vierjähriges Oberstufenrealgymnasium mit Wahlmöglichkeit zwischen einem musischen, einem bildnerischen und einem naturwissenschaftlich-mathematischen Zweig. Ab der 6. Klasse (10. Schulstufe) muss jeder Schüler ein Wahlpflichtfach belegen. Dieses ist entweder „vertiefend“ (mehr Unterricht in einem bereits belegtem Fach) oder „erweiternd“ (ein neues Fach). Als erweiternde Fächer werden Spanisch, Italienisch und Russisch, Informatik und Theorie des Sports angeboten.

Im Schuljahr 2012/13 besuchen 916 Schüler in 38 Klassen das Stiftsgymnasium. Unterrichtet werden sie von derzeit 86 Lehrern, Direktor der Schule ist Johannes Eichhorn. Das Schulgeld pro Schüler beträgt derzeit (beim ersten Kind) 86 €, ab 2013/14 dann 88 € monatlich. Besuchen mehrere Kinder einer Familie die Schule, so reduziert sich das Schulgeld für die weiteren. Es wird zehnmal jährlich verrechnet (in den Sommermonaten Juli und August wird kein Schulgeld fällig) und vierteljährlich eingezogen.Informationen zur Anmeldung am Stiftsgymnasium Melk, stiftsgymnasium-melk.org. Seit Jänner 2012 ist das Stiftsgymnasium UNESCO-Schule.

Schülervertretung Die Schülervertretungswahlen des Stiftsgymnasiums finden einmal jährlich am 13. Oktober, dem Festtag des Hl. Koloman (Patron von Stadt und Stift Melk), statt. Gewählt werden dabei ein Schulsprecher, dessen zwei Stellvertreter und drei eventuelle Stellvertreter für den Schulgemeinschaftsausschuss (SGA), wobei die bei der Wahl Zweit- und Drittplatzierten die Schulsprecher-Stellvertretung, die Kandidaten auf den Plätzen vier bis sechs die Stellvertretung für den SGA übernehmen. Wahlberechtigt sind alle Schüler der Oberstufe.

Wahlspruch Wahlspruch der Schule ist „Discimus vitam“ (Leben lernen), in Anlehnung an das bekannte Seneca-Zitat „Non vitae, sed scholae discimus“.

Personen Bekannte Altmelker mini|hochkant|Johann Georg Albrechtsberger mini|hochkant|Friedrich Halm mini|hochkant|Karl Kautsky mini|hochkant|Adolf Loos mini|hochkant|Hermann Ofner mini|hochkant|Albert Paris Gütersloh (Porträt von Egon Schiele)

Die Absolventen bzw. ehemaligen Schüler des Stiftsgymnasiums werden als „Altmelker“ bezeichnet. 2000 wurde der Verein der Absolventen und Freunde des Stiftsgymnasiums Melk, Förder- und Absolventenverein der Schule gegründet, dessen Obmann der ehemalige Direktor Anton Eder ist. Bekannte Altmelker sind u. a.: Lambert de Sayve (1549–1614), Komponist Jacobus Gallus (1550–1591), Komponist Gregor Joseph Werner (1693–1766), Komponist Johann Georg Albrechtsberger (1736–1809), Komponist Ferdinand Engelbert Gregor Mayer (1754–1820), Benediktiner, Theologe und Hochschullehrer Ignaz Franz Keiblinger (1797–1869), Historiker Anton Schosser (1801–1849), Heimatdichter Friedrich Halm (1806–1871), Dichter August Sicard von Sicardsburg (1813–1868), Architekt Alexander Baumann (1814–1857), Dramatiker, Librettist Karl Werner (1821–1888), Moraltheologe Matthäus Binder (1822–1893), Bischof Viktor von Fuchs (1840–1921), Politiker, Jurist Carl Zeller (1842–1898), Komponist Albert Richter (1843–1897), Politiker, Jurist Hermann Ofner (1849–1917), Politiker Christoph Hartung von Hartungen (1849–1917), Arzt Karl Kautsky (1854–1938), marxistischer Theoretiker, Politiker Spiridon Gopčević (1855–1928/1936), Journalist, Diplomat und Astronom Friedrich X. von Dalberg (1863–1914), mährischer Adeliger Alois Theodor Sonnleitner (1869–1939), Pädagoge, Schriftsteller Adolf Loos (1870–1933), Architekt, Architekturtheoretiker Franz Blei (1871–1942), Schriftsteller, Literaturkritiker Franz Quidenus (1871–1936), Architekt, Baumeister Johann Löwenfeld-Russ (1873–1945), Politiker Hermann Swoboda (1873–1963), Psychologe Raimund Nimführ (1874–1954), Luftfahrttheoretiker, Flugzeugpionier Robert Tüchler (1874–1952), altkatholischer Bischof Leopold Blauensteiner (1880–1947), Maler Eduard Hütter (1880–1967), Architekt, Denkmalpfleger Rudolf Junk (1880–1943), Grafiker, Maler Richard Kurt Donin (1881–1963), Kunsthistoriker Hans Gerstinger (1885–1971), Altphilologe, Rektor Albert Paris Gütersloh (1887–1973), Maler, Schriftsteller Friedrich Pernitza (1888–1976), Jurist, Beamter Leopold Vietoris (1891–2002), Mathematiker, ältester Österreicher Jakob Baxa (1895–1979), Soziologe, Literaturhistoriker Friedrich Sacher (1899–1982), Schriftsteller Eduard Hartmann (1904–1966), Politiker Wilhelm Beiglböck (1905–1963), Arzt, Kriegsverbrecher Franz König (1905–2004), Erzbischof und Kardinal Reginald Zupancic (1905–1999), 65. Abt des Stiftes, Physiker Herbert Koller (1911–1995), Industriemanager Hermann Withalm (1912–2003), Politiker Alois Tampier (1913–2007), Dichter, Geistlicher Ferdinand Käs (1914–1988), Widerstandskämpfer, Beamter Bertil Sjöberg (1914–1999), Maler Ernst Schandl (1920–1997), Komponist, Musikpädagoge Josef Wiesmayr (1920–1994), Politiker Robert Lang (1921–2010), Offizier Anton Brunner (1923–1999), Widerstandskämpfer, Geistlicher Wolfgang Kudrnofsky (1927–2010), Schriftsteller, Journalist Heinrich Fasching (1929–2014), Weihbischof Georg Hohenberg (1929–2019), Diplomat, Adliger Burkhard Ellegast (1931–2022), 66. Abt des Stiftes, Theologe Robert Löffler (1931–2016), Journalist Ferdinand Staudinger (1933–2018), Bibelwissenschaftler Alfred Zöttl (1936–2020), Kunstgießer Hans-Georg Behr (1937–2010), Journalist, Schriftsteller Franz Romeder (* 1938), Politiker Karl Plepelits (* 1940), Altphilologe, Schriftsteller Franz Schrittwieser (1940–2016), Bischofsvikar, Herausgeber Leopold Schagerl (1941–2024), Geistlicher Helger Hauck (* 1942), Physiker Helmar Kögl (1944–2010), Historiker, Archivar Clemens Steindl (* 1944), Pädagoge, katholischer Funktionär Ernst Bruckmüller (* 1945), Historiker Johann Figl (* 1945), Religionswissenschaftler