Kommissionen sind die ursprüngliche Form der Forschung an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), welche bereits seit ihrer Gründung 1847 bestehen. Die weiteren Forschungseinrichtungen der Akademie sind heute „Unternehmungen“, „Institute“ und „Forschungsstellen“. Die Kommissionen erfüllen einen großen Teil der innerhalb der Akademie erbrachten Forschungsleistungen. Als Träger und Leitungsgremium fungiert eine Gruppe von Forschern – die „Kommission“ –, die regelmäßig, zumindest aber einmal jährlich zusammentritt.

Die Mitglieder einer Kommission werden für eine Funktionsperiode von längstens fünf Jahren gewählt, die Wiederwahl ist ohne Begrenzung möglich. In Ermangelung entsprechender Experten können auch Personen in eine Kommission gewählt werden, die nicht Mitglieder der ÖAW sind. Als Obmann einer Kommission wird aus deren Mitte ein wirkliches oder korrespondierendes Mitglied gewählt, dem die Einberufung und Leitung der Sitzungen sowie die wissenschaftliche und wirtschaftliche Leitung obliegt.

Die Kommission erfüllt sowohl Steuerungs- als auch Aufsichtsfunktionen über den Verlauf der Forschung und ist trotz ihres hohen Alters nach wie vor ein leistungsfähiges Forschungsmodell, insbesondere in geistes-, sozial- und rechtswissenschaftlichen Forschungsbereichen. Kommissionen können von den beiden Klassen der Akademie (d. h. der mathematisch-naturwissenschaftlichen und der philosophisch-historischen) eingesetzt werden, daneben gibt es gemeinsame Kommissionen (d. h. Kommissionen der Gesamtakademie).Hedwig Kopetz: Die Österreichische Akademie der Wissenschaften. Aufgaben, Rechtsstellung, Organisation. Böhlau, Wien 2006, ISBN 3-205-77534-1, S. 296ff.

Liste sämtlicher Kommissionen Die folgende Aufstellung der Kommissionen (bzw. der Einrichtungen im Rang einer Kommission bzw. Subkommission wie Komitees, Arbeitsgruppen etc.) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften basiert auf der Publikation [Hittmair / Hunger]Otto Hittmair, Herbert Hunger (Hrsg.): Akademie der Wissenschaften. Entwicklung einer österreichischen Forschungsinstitution. Verlag der österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1997, ISBN 3-7001-2637-9, S. 257–267 aus dem Jahr 1997. Sie gliedert sich in drei Teile:

Aktive Kommissionen Kommissionen, die in einer anderen Körperschaft aufgegangen sind Aufgelöste Kommissionen

Innerhalb dieser drei Bereiche sind die Kommissionen chronologisch nach ihrem Gründungsjahr geordnet.

Legende

Abkürzung Erklärung A. Ausland Alm Almanach EM Ehrenmitglied FS Festschrift I. Inland Kl. Klasse k. M. (kM) korrespondierendes Mitglied math.-nat. (mn.) mathematisch-naturwissenschaftlich N Nachruf o.M. ordentliches Mitglied (1938–1945)Hedwig Kopetz: Die Österreichische Akademie der Wissenschaften - Aufgaben, Rechtsstellung, Organisation. Böhlau, Wien 2006, ISBN 3-205-77534-1, S. 141ff. @googlebooks ÖAW Österreichische Akademie der Wissenschaften phil.-hist. (ph.) philosophisch-historisch w. M. (wM) wirkliches Mitglied

Aktive Kommissionen

(Stand 1997, Gründungsjahr in Klammer neben dem Titel)

Historische Kommission (1847) Von der ph. Kl. als Kommission zur Herausgabe österreichischer Geschichtsquellen eingesetzt am 24. November 1847, permanent erklärt am 22. Dezember 1847, umbenannt am 6. Februar 1878, mit der Weistümer- und Urbarkommission vereinigt von 10. Jänner 1973 bis 11. Dezember 1974, umbenannt in Historische Kommission der ÖAW am 10. Jänner 1973, rückbenannt, mit der Kommission für die Geschichte Österreichs vereinigt mit 1. Jänner 1993. Berichterstatter: Joseph Chmel, Theodor von Karajan. Obmänner: Alfred von Arneth (1878), Engelbert Mühlbacher (1892), Konstantin Jireček (1904), Oswald Redlich (1918), Alfons Dopsch (1941), Leo Santifaller (1946), Heinrich Fichtenau (1974), Richard Georg Plaschka (1992). Kommission zur Herausgabe des Corpus der lateinischen Kirchenväter (CSEL) (1864) Von der ph. Kl. als Kommission zur Herausgabe eines Corpus kritisch berichtigter Texte der lateinischen Kirchenväter eingesetzt am 24. Februar 1864, in Kommission zur Herausgabe spätlateinischer Texte umbenannt am 22. Jänner 1941, erneut umbenannt am 27. Juni 1945. Obmänner: Johannes Vahlen (1864), Franc Miklošič (1885), Wilhelm von Hartel (1891), Wilhelm Meyer-Lübke (1907), Edmund Hauler (1916), Richard Meister (1941), Rudolf Hanslik (1964), Herbert Hunger (1982), Adolf Primmer (1991), Kurt Smolak (2001). Prähistorische Kommission (1878) Als Kommission zur Förderung von prähistorischen Forschungen und Ausgrabungen auf österreichischem Gebiet von der mn. Kl. eingesetzt am 4. April 1878, zur gemeinsamen Kommission erweitert am 15. Dezember 1886 (ph. Kl.) und am 5. Mai 1887 (mn. Kl.), umbenannt 1939. Obmänner: v. Hochstetter (1878), v. Hauer (1885), Franz Steindachner (1902), Much (1920), Oswald Menghin (1937), Josef Weninger (1945), Richard Pittioni (1957), Hermann Vetters (1986), Herwig Friesinger (1988). Kleinasiatische Kommission (1890) Von der ph. Kl. als Kommission für archäologische Erforschungen Kleinasiens eingesetzt am 12. März 1890, in Kommission für die archäologische Erforschung Kleinasiens umbenannt 1905, mit der Kommission für mykenische Forschung zur Kommission für kleinasiatische Epigraphik und ägäische Altertumsforschung, Abteilung für kleinasiatische Epigraphik zusammengelegt am 11. Dezember 1974, verselbständigt und umbenannt am 13. April 1988. Obmänner: Schenkl (1890), Otto Benndorf (1903), Friedrich von Kenner (1904), Eugen Bormann (1916), Emil Reisch (1918), Wilhelm (1934), Josef Keil (1949), Fritz Schachermeyr (1964), Gerhard Dobesch (1988). Kommission zur Herausgabe der mathematischen Encyklopädie (1895) Von der mn. Kl. eingesetzt am 7. März 1895. Ein Unternehmen des Kartells der deutschen Akademien bzw. der Internationalen Assoziation (Delegation 1934). Obmänner: Gustav von Escherich (1903), Wilhelm Wirtinger (1935), prov. Prey (1947), Kruppa (1949), Edmund Hlawka (1974). Kommission für Schrift und Buchwesen des Mittelalters (1897) Von der ph. Kl. als Kommission für die Herausgabe der Bibliothekskataloge des Mittelalters eingesetzt am 3. Februar 1897, erweitert und umbenannt am 6. Mai 1966. Obmänner: Wilhelm von Hartel (1897), Engelbert Mühlbacher (1902), Emil von Ottenthal (1911), Oswald Redlich (1932), Richard Meister (1938), Herbert Hunger (1963), Otto Kresten (1990). Balkan-Kommission (1897) Von der ph. Kl. als Kommission für die historisch-archäologische und philologisch-ethnographische Durchforschung der Balkanhalbinsel eingesetzt am 3. Februar 1897, in Linguistische und Antiquarische Abteilung geteilt 1907, zur gemeinsamen Kommission erweitert am 20. Dezember 1940 und 23. Jänner 1941, in Südost-Kommission (mit einer geistes- und naturwissenschaftlichen Abteilung) umbenannt 1943, wieder unter der Kommission der ph. Kl. eingereiht am 10. Dezember 1948, in Balkan-Kommission umbenannt am 22. März 1950, Umbenennung der Linguistischen Abteilung in Philologische Abteilung am 13. Dezember 1989, Zusammenlegung der Antiquarischen und Philologischen Abteilung mit 1. Jänner 1993. Obmänner: Otto Benndorf (1897); seit 1907 in zwei Abteilungen: Linguistische Abteilung: Vatroslav Jagić (1907), Paul Kretschmer (1923), Wilhelm Havers (1956), Heinz Kronasser (1961), Josef Hamm (1966) und František Václav Mareš (1982); Antiquarische Abteilung: Friedrich von Kenner (1907), Emil Reisch (1923), Carl Patsch (1935), Rudolf Egger (1950), Hermann Vetters (1966); Radoslav Katičić (1993). Kommission für den historischen Atlas Österreichs (1898) Von der ph. Kl. bei der Historischen Kommission als Subkommission für die Herausgabe eines historischen Atlas der Alpenländer Österreichs eingesetzt am 2. November 1898, verselbständigt am 5. Juli 1899, umbenannt am 14. Dezember 1994. Obmänner: Engelbert Mühlbacher (1899), Richter (1904), Oswald Redlich (1905), Hassinger (1943), Loehr (1947), Huter (I960), Posch (1979), Peter Wiesinger (1992). Ägyptische Kommission (1907) Von der ph. Kl. eingesetzt am 4. Dezember 1907. Obmänner: Eugen Böhm von Bawerk (1907), Kenner (1914), Junker (1923), Meister (1962), Schachermeyr (1964), Bietak (1989). Kommission für die Neubearbeitung der Regesta Imperii (1930) Von der ph. Kl. als Kommission zur Leitung der Regesta Imperii eingesetzt am 29. Oktober 1930, später Angliederung an die Historische Kommission, neu eingesetzt und umbenannt am 26. April 1939. Obmänner: Heinrich Srbik (1939), Leo Santifaller (1945), Heinrich Appelt (1974), Othmar Hageneder (1990). Kommission für Philosophie und Pädagogik (1936) Von der ph. Kl. als Kommission für die Geschichte der Erziehung und des Unterrichts eingesetzt am 17. Juni 1936, umbenannt 7. März 1979, in eine gemeinsame Kommission umgewandelt am 3. April 1987. Obmänner: Meister (1943), Kainz (1964), Heintel (1977), Klein (1991). Kommission für Herausgabe der Inschriften des Deutschen Mittelalters (1937) Von der ph. Kl. eingesetzt am 12. Mai 1937. Obmänner: Hirsch (1937), Kralik (1941), Meister (1960), Höfler (1964), Heinrich Appelt (1969), Koch (1988). Kommission für Musikforschung (1944) Von der ph. Kl. eingesetzt am 21. Juni 1944. Obmänner: Dietrich Kralik (1944), Erich Schenk (1946), Franz Grasberger (1974), Othmar Wessely (1982), Franz Födermayr (1998), Rudolf Flotzinger (1999), Gernot Gruber (2006). Kommission für Byzantinistik (1948) Von der ph. Kl. eingesetzt am 14. April bzw. 25. November 1948, zusammengelegt mit der Kommission für frühchristliche und ostkirchliche Kunst am 2. März 1988. Obmänner: Kretschmer (1948), Lesky (1955), Gerstinger (1956), Hunger (1971), Kresten (1995). Kommission für Geophysikalische Forschungen (1952) Von der mn. Kl. durch Zusammenziehung der Erdbebenkommission und der Kommission für luftelektrische Untersuchungen als Geophysikalische Kommission eingesetzt am 8. Mai 1952, mit der Kommission für Hochalpine Forschung zusammengelegt und umbenannt am 28. November 1991. Obmänner: Ficker (1952), Mader (1953), Steinhauser (1960), Weber (1992). Kommission für die Geschichte der Habsburgermonarchie (1959) Von der ph. Kl. als Kommission für Geschichte der Österreichisch-ungarischen Monarchie eingesetzt am 4. bzw. 18. März 1959, umbenannt am 15. Dezember 1993. Obmänner: Hantsch (1959), Wandruszka (1972), Stourzh (1992), Rumpier (1997). Kommission für Geschichte der Naturwissenschaften, Mathematik und Medizin (1961) Von der mn. Kl. als Kommission für Geschichte der Naturwissenschaften eingesetzt am 9. November 1961, zur gem. Kommission für Geschichte der Mathematik und der Naturwissenschaften erweitert am 9. Oktober 1964, umbenannt in Kommission für Geschichte der Mathematik, Naturwissenschaften und Medizin am 21. Juni 1974, erneut umbenannt am 26. April 1996. Obmänner: Knoll (1961), Hlawka (1969), Hittmair (1992). Kommission für Wirtschafts-, Sozial- und Stadtgeschichte (1961) Von der ph. Kl. als Kommission für Stadtgeschichtsforschung eingesetzt am 8. März 1961, erweitert am 24. April 1963. Obmänner: Alfons Lhotsky (1961), Hoffmann (1968), Othmar Pickl (1983). Kommission für Theatergeschichte (1962) Von der ph. Kl. eingesetzt als Kommission für Theatergeschichte Österreichs am 13. Juni 1962, umbenannt am 31. März 1993. Obmänner: Kindermann (1962), Dietrich (1985). Kommission für Reinhaltung der Luft (1962) Von der mn. Kl. eingesetzt am 13. Dezember 1962. Obmänner: Stetter (1962), Malissa (1986), Preining (1991). Kommission für die paläontologische und stratigraphische Erforschung Österreichs (1963) Von der mn. Kl. als Kommission für die Herausgabe eines Catalogus Fossilium Austriae eingesetzt am 4. April 1963, umbenannt am 28. November 1991 und 17. Dezember 1992. Obmänner: Knoll (1964), Othmar Kühn (1966), Helmuth Zapfe (1969), Helmut W. Flügel (1993). Kommission für Herausgabe eines Sprachatlas von Vorarlberg (1963) Von der ph. Kl. eingesetzt am 10. Juni 1963 und der Kommission zur Schaffung des Österreichisch-Bayerischen Wörterbuches angegliedert. Kommission für die Tabula Imperii Byzantini (1966)