mini|hochkant|Gerald Schöpfer im Jänner 2015 Gerald Schöpfer (* 16. Jänner 1944 in Graz) ist ein österreichischer Wirtschaftshistoriker und Politiker (ÖVP). Er war Vorstand des Instituts für Wirtschafts-, Sozial- und Unternehmensgeschichte an der Karl-Franzens-Universität Graz. Von April 2004 bis Oktober 2005 war er Mitglied der Steiermärkischen Landesregierung (Landesrat für Wirtschaft und Europa) und von Oktober 2005 bis Oktober 2010 Abgeordneter zum Landtag Steiermark.

Seit Mai 2013 ist Gerald Schöpfer Präsident des Österreichischen Roten Kreuzes.

Werdegang

Gerald Schöpfer studierte Rechts- und Staatswissenschaften an der Karl-Franzens-Universität Graz als Werkstudent (Journalist, Rezensent, Begründer des Studentenkabaretts "Der Hammer" im Forum Stadtpark, von 1966 bis 1968 Schadensreferent eines Versicherungsunternehmens). Im Jahr 1967 schloss er das Studium der Rechtswissenschaften mit dem Berufsdoktorat und 1972 das Studium der StaatswissenschaftenKatalogzettel Österreichische Nationalbibliothek mit dem Doktorat ab. Ab 1968 war Gerald Schöpfer Assistent an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Karl-Franzens-Universität Graz, an der er sich 1975 aus Wirtschafts- und Sozialgeschichte habilitierte. 1977 wurde Schöpfer zum Ordinarius und Leiter des Instituts für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Karl-Franzens-Universität Graz berufen.

Schöpfers Forschungs- und Lehrtätigkeit umfasst die allgemeine Wirtschafts- und Sozialgeschichte mit den Schwerpunkten Österreich sowie 19. und 20. Jahrhundert, Altersforschung, Public History sowie Oral History.

Seit 1975 unterrichtet er als Gastprofessor an der Technischen Universität Graz, Internationale Wirtschaftsbeziehungen sowie Volkswirtschaftslehre.

Er gründete 1984 das bis heute bestehende Oral-History-Archiv der Universität Graz, das gegenwärtig über 2500 Zeitzeugeninterviews umfasst. Heute ist das Archiv im 2. Stock des RESOWI-Gebäudes in den Räumen des Instituts für Wirtschafts-, Sozial- und Unternehmensgeschichte eingerichtet. Der älteste Interviewpartner war 1888 geboren. Er war einer der Initiatoren des Masterstudienganges Global Studies an der Karl-Franzens-Universität Graz.

Er ist seit 2002 wissenschaftlicher Leiter des Studienganges Case- und Care-Management bei UniforLife.

Am 9. April 2004 wurde Gerald Schöpfer auf Vorschlag von Landeshauptmann Waltraud Klasnic zum Landesrat für Wirtschaft und Europa gewählt. Von Oktober 2005 bis Oktober 2010 war er Abgeordneter zum Landtag Steiermark und Fraktionssprecher für Bildung, Wissenschaft und Forschung. Aufgrund seiner Tätigkeit in der Steiermärkischen Landesregierung war Gerald Schöpfer als Professor vom Dienst freigestellt. Im Juli 2006 übernahm er wieder die Leitung des Instituts für Wirtschafts-, Sozial- und Unternehmensgeschichte an der Karl-Franzens Universität und emeritierte Oktober 2012.

Am 20. Juni 2009 wurde Gerald Schöpfer zum Präsidenten des Landesverbandes Steiermark des österreichischen roten Kreuzes gewählt. Seit 24. Mai 2013 ist er Präsident des Roten Kreuzes, er wurde in dieser Funktion am 11. Juni 2022 in seine dritte Funktionsperiode gewählt. Am 27. Juni 2026 wurde er in seine vierte Funktionsperiode gewählt.

Privates Sein Vater war Friedrich Schöpfer, Sektionsleiter für Gewerbe der Wirtschaftskammer. Seine Mutter Marianne Schöpfer, war Malerin und lernte ihre Profession bei Oskar Kokoschka. Sein Urgroßvater war Friedrich Anton Otto Schöpfer.

Gerald Schöpfer heiratete am 16. Juli 1966 Christa Schöpfer (vormals Gasperschitz). Der Ehe entstammen zwei Kinder. Er ist sechsfacher Großvater und dreifacher Urgroßvater. mini|Diverse Sketches von Gerald Schöpfer auf Gratulationskarten

Funktionen in universitären Gremien

Langjähriges Mitglied des akademischen Senates Dreimal Dekan der SOWI-Fakultät (1985–1989 und 1997–1999) Vorsitzender des UPV (Universitätsprofessorenverband) der KFUG (1993–1996) 1999–2004 und von 2009–2012 Vorsitzender des Fakultätskollegiums der SOWI-Fakultät der KFUG 1993–1996 und 1999–2003 Mitglied der PROKO (Bundesprofessorenkonferenz), Wien

Weitere Funktionen

Präsident der Urania Steiermark (1989–1991) Mitglied Jury zur Vergabe der Landesforschungspreise, der Erzherzog-Johann Forschungspreise, der Hanns-Koren-Preise 1972–2004 Chefredakteur der Kulturzeitschrift steirische berichtesteirische berichte 1993–2001 Mitglied der Regionalradiobehörde im Bundeskanzleramt, Wien 1997–1999 Leiter des interdisziplinären Forschungsprojektes „Altern – Lust oder Last?“ im Auftrag der Stmk. Landesregierung 1998–2004 sowie ab 2007 Deputy-Member und seit 2010 Vertreter Österreichs in der ECRI-Kommission des Europarates in Straßburg. Von 2000 bis 7. Mai 2004 ehrenamtlicher Leiter der Bezirksstelle Graz-Stadt, des Österreichischen Roten Kreuzes, Landesverband Steiermark Seit 2001 Obmann des Josef Krainer – Steirischen Gedenkwerkes, welches den Josef-Krainer-Preis verleiht Ab 2006: Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates der Forschungsgesellschaft Joanneum Research seit 2008 Präsident der kulturgeschichtlichen Gesellschaft und seit 2009 Mitglied des Kuratoriums des Universalmuseums Joanneum Ab 20. Juni 2009: Präsident des Österreichischen Roten Kreuzes, Landesverband Steiermark Seit 24. Mai 2013: Präsident des Österreichischen Roten Kreuzes

Ausstellungstätigkeit

Wissenschaftlicher Leiter der Steirischen Landesausstellungen 1989 (Judenburg: Menschen & Münzen & Märkte) und 1993 (Krieglach, Birkfeld und St. Kathrein/Hauenstein: Peter Rosegger) Konsulent der Kärntner Landesausstellung 1995 Wissenschaftlicher Leiter der Sonderausstellung „Klar & fest“ – Geschichte des Hauses Liechtenstein, Riegersburg 1996–2002

Preise und Auszeichnungen

Theodor-Körner-Preis für Wissenschaft Josef-Krainer-Forschungspreis Großes Goldenes Ehrenzeichen des Landes Steiermark Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse Kommandeurkreuz "pro merito melitensi" Goldenes Doktordiplom der Universität Graz für Rechtswissenschaften (2017) Ehrenring der Landeshauptstadt Graz Großes Goldenes Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich (2019) Goldenes Doktordiplom der Universität Graz für Staatswissenschaften (2022) Goldener Ehrenring des Absolventenvereins der SoWi-Fakultät (2024)

Publikationen Monografien/Herausgeber Anton Mengers Staatslehre. Verband der wissenschaftlichen Gesellschaft Österreichs, 1973. Sozialer Schutz im 16.–18. Jahrhundert. Ein Beitrag zur Geschichte der Personenversicherung und der landwirtschaftlichen Versicherung (= Grazer rechts- und staatswissenschaftliche Studien. Bd. 33). Leykam, Graz 1976, ISBN 3-7011-8924-2. als Herausgeber: Phänomen Sozialpartnerschaft. Festschrift für Hermann Ibler zum 75. Geburtstag. Böhlau, Wien u. a. 1980, ISBN 3-205-07147-6. als Herausgeber: „Fremd gemacht?“ Der Volksschriftsteller Peter Rosegger. Böhlau, Wien/Köln/Weimar 1988, ISBN 3-205-05091-6. als Herausgeber: Menschen & Münzen & Märkte. Katalog. Steirische Landesausstellung 1989 Judenburg, 29. April – 19. Oktober 1989. Podmenik, Fohnsdorf 1989, ISBN 3-900662-16-9. als Herausgeber mit Stefan Karner: Als Mitteleuropa zerbrach. Zu den Folgen des Umbruchs in Österreich und Jugoslawien nach dem Ersten Weltkrieg. Leykam, Graz 1990, ISBN 3-7011-7231-5. als Herausgeber: Peter Rosegger. 1843–1918. (Steirische Landesausstellung 1993 Waldheimat, 8. Mai bis 31. Oktober). 2 Bände. Kulturreferat der steiermärkischen Landesregierung, Graz 1993. mit Wim van der Kallen: Peter Rosegger und die Waldheimat. Styria Verlag, Graz/Wien/Köln 1993, ISBN 978-3-222-12197-5. mit Peter Teibenbacher: Graz seit 1945. Daten, Fakten, Kommentare (= Unserer Zeit Geschichte. Bd. 2). Leykam, Graz 1995, ISBN 3-7011-7306-0. Gerald Schöpfer: Klar und fest. Geschichte des Hauses Liechtenstein (= Schriftenreihe der Arbeitsgemeinschaft für Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Sonderband 2). Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Riegersburg 1996, ISBN 3-901674-01-2. als Herausgeber: Frieden – eine Utopie? Vom Vielvölkersaat zum Vielvölkerfrieden. Schriftenreihe der Arbeitsgemeinschaft für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Graz 1996. Steirisches Thermenland - Vulkanland. Leykam, Graz 1996. als Herausgeber mit Günther Wittamwas: Rationalisierung im Spannungsfeld zwischen betriebswirtschaftlicher und volkswirtschaftlicher Optimierung. Graz 1997. als Herausgeber mit Stefan Karner: Der Krieg gegen die Sowjetunion 1941-1945. Leykam, Graz 1998, ISBN 3-7011-7387-7. als Herausgeber: Seniorenreport Steiermark. Altwerden in der Steiermark: Lust oder Last? Karl-Franzens-Universität – RESOWI-Zentrum – Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte – Arbeitsgemeinschaft für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Graz 1999, ISBN 3-901674-06-3. als Herausgeber mit Erich Reiter: Wirtschaft und Sicherheitspolitik. Styria Premium Verlagsgruppe, Graz 1999, ISBN 3-222-12749-2. AVUS - Internationale Schadensregulierung 1999. Der verwirrte alte Mensch. Band des „Steirischen Seniorenreports - Altern. Lust oder Last?“ Schriftreihe der Arbeitsgemeinschaft für Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Graz 2000, ISBN 3-901674-07-1 (ISBN 978-3-901674-07-5). als Herausgeber mit Günther Witamwas: Unternehmertum und Gründergeist. Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Gegenüberstellung Großbritannien–Österreich. Karl-Franzens-Universität – RESOWI-Zentrum – Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte – Arbeitsgemeinschaft für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Graz 2002, ISBN 3-901674-10-1. als Herausgeber mit Stefan Karner und Erich Reiter: Kalter Krieg, Beiträge zur Ost-West-Konfrontation 1945-1990. Leykam, Graz 2002, ISBN 3-7011-7432-6. als Herausgeber mit Günther Witamwas: Unternehmertum und Gründergeist: Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Gegenüberstellung Großbritannien-Österreich Schriftenreihe der Arbeitsgemeinschaft für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Graz 2002, ISBN 3-901674-10-1. Riegersburg. Die stärkste Festung der Christenheit. Arbeitsgemeinschaft für Wirtschaft- und Sozialgeschichte, Graz/Riegersburg 2003. Franz Curt Fetzer. 100 Jahre für Wirtschaft und Wohlstand. Böhlau, Wien u. a. 2006, ISBN 3-205-77579-1. als Herausgeber: Herbert Depisch. Wirtschaftspionier und Global Player. Festschrift zum 90. Geburtstag. Karl-Franzens-Universität – RESOWI-Zentrum – Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte – Arbeitsgemeinschaft für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Graz 2011, ISBN 978-3-901674-17-4. als Herausgeber mit Barbara Stelzl-Marx: Wirtschaft. Macht. Geschichte. Brüche und Kontinuitäten im 20. Jahrhundert. Festschrift Stefan Karner (= Unserer Zeit Geschichte. Band 9 = Veröffentlichungen des Ludwig-Boltzmann-Institutes für Kriegsfolgen-Forschung, Graz – Wien – Raabs. Band 23). Leykam, Graz 2012, ISBN 978-3-7011-0265-5. als Herausgeber mit Claus J. Raidl: Wehrpflicht vs. Berufsheer (= Politicum. 115, ). Verein für Politik und Zeitgeschichte in der Steiermark, Graz 2013. als Herausgeber: Peter Rosegger. Leben und Wirken Überarbeitete und gekürzte Neuauflage. Volkskultur Steiermark, Graz 2013, ISBN 978-3-200-03153-1. als Herausgeber: Die österreichische Neutralität. Chimäre oder Wirklichkeit? Leykam, Graz 2015, ISBN 978-3-7011-0335-5. Peter Rosegger – Sein Leben in Wort und Bild. Vitalis, Prag 2018, ISBN 978-3-89919-561-3. Peter Rosegger – Sein Leben in Wort und Bild. Vitalis, Prag, Neuauflage 2023, ISBN 978-3-89919-561-3.

Beiträge in Fachzeitschriften/Sammelwerken Ein frühes Versicherungsprojekt im deutschen Sprachraum. Berthold Holzschuhers Plan einer obligatorischen Aussteuerversicherung (1585). In: Die Versicherungsrundschau. Zeitschrift für Versicherungsfachwissen. 29. Jg., 7/8, August 1974.