mini|hochkant|Uniform des Dragoner-Regiments von Ramdohr (5. Kavallerie-Rgt.) um 1790, angepasst n. Ospreybooks.google.de
Das erste Dragonerregiment des Kurfürstentums Braunschweig-Lüneburg war ein Kavallerieverband des kurhannoverschen Militärs bis 1803.
Hintergrund Das kurhannoversche schwere Dragonerregiment (D I von 1671/1), ab 1781 Dragonerregiment „von Ramdohr“, ab 1783 auch 5. Kavallerieregiment genannt, war das erste und älteste Dragonerregiment auf der Stammliste der Kavallerie in der Armee des Kurfürsten von Braunschweig-Lüneburg. Dieser war nach dem Act of Settlement von 1701 in Personalunion König von Großbritannien (Gründung des Haus Hannover). In den Kabinettskriegen des 18. Jahrhunderts und den Koalitionskriegen gegen das revolutionäre und später napoleonische Frankreich stand Kurhannover daher stets Seite an Seite mit der britischen Armee, was sich auch tiefgreifend auf den Stil der Uniformierung auswirkte. Die hannoversche Linienkavallerie bestand hauptsächlich aus einigen schweren Reiter-Regimentern (Reuter bzw. Kürassiere) und Dragoner-Regimentern. Daneben gab es ein Regiment Grenadiere zu Pferd sowie ein Regiment Leibgarde und ab 1764 auch zwei leichte Dragoner-Regimenter. Die Reiterei der Freikorps und Husaren zählten zu den irregulären, leichten Truppen.
Geschichte Das Regiment wurde 1671 als „Dragoner-Regiment von Franke“ im Fürstentum Celle errichtet (Bezeichnung nach Tessin: Dragonerregiment D I von 1671/1 von Kurköln). Es nahm an Schlachten der Kabinettskriege des späten 17. Jahrhunderts, im Großen Nordischen Krieg, im Pfälzischen, Spanischen und Österreichischen Erbfolgekrieg und im Siebenjährigen Krieg teil. Ab 1765 war es in Verden stationiert und rekrutierte Mannschaften und Offiziere aus der Region. Um 1782 bis 1790 erhielt es von einem namentlich nicht bekannten Komponisten eine eigene Marschmelodie, den Marsch des Kurhannoverschen Dragoner-Regiments von Ramdohr, der um 1900 Eingang in die Preußische Armeemarschsammlung fand.
Ab 1783 trug es, nach der Zusammenlegung der zuvor acht Reiterregimenter zu vier Regimentern, zwecks jeweiliger Vergrößerung von zwei auf vier Schwadronen pro Regiment, die offizielle Bezeichnung Kavallerie-Rgt. Nr. 5 (Dragoner), war aber bei der Verdener Bevölkerung schlicht unter dem Namen Ramdohr-Dragoner bekannt. Im Laufe seines Bestehens wechselte es häufiger den Namen nach dem jeweiligen Inhaber, so dass ein länger dienender Soldat sein Regiment unter verschiedenen Bezeichnungen erlebte: Zeitgenössischer Lebenslauf des Johann Friedrich Müller (* 22. Juli 1734 † 22. Juli 1800 in Stotel)ortsfamilienbuecher.de 1779: Dragoner u. d. Rgt. von Veltheim v.d. Comp. d. Hauptm. von Oldenburg 1784: Dragoner u.d. Rgt. d. Hrn. General von Ramdohr u.d. Comp. d. Hrn. v. Reitzenstein 1786: Dragoner b. 5. Rgt. Cavallerie v. Ramdohr Companie Hauptmann v. Reitzenstein 1791: Corporal 1800: pensionierter Corporal Das Regiment kam 1793, unter britischem Sold, im hannoverschen Kontingent des deutschen Reichsheeres im Ersten Koalitionskrieg unter Feldmarschall Freytag gegen die Revolutionstruppen in der unglücklich verlaufenden Schlacht bei Hondschoote (8. September 1793) zum Einsatz und nahm an Rückzugsgefechten in der Grafschaft Bentheim teil. Nach der Konvention von Artlenburg vom 5. Juli 1803 wurde es, wie die gesamte Armee des Kurfürstentums Hannover, kampflos aufgelöst und später auch als Traditionsverband nicht mehr ersetzt. mini|157px|Regiment von Veltheim, um 1761
Namensvarianten 1671–1691 Dragonerregiment D I von 1671/1 von Kurköln bzw. Dragonerregiment von Franke (Fsm. Celle), Lüneburgische Esquadron de Dragons Franck 1691–1708 Dragonerregiment Villiers, Viller’s Dragoons (Lüneburg-Celle), Villars Dragons 1708–1716 Dragonerregiment Hahn 1716–1745 Dragonerregiment von Wendt 1748–1752 Dragonerregiment von Behr 1752–1758 Dragonerregiment J. Cr. von Dachenhausen 1758–1759 Dragonerregiment von Dachenhausen 1759–1761 Dragonerregiment von Breidenbach 1761–1781 Dragonerregiment von Veltheim, ab 1765 in Verden (Aller) stationiert. 1781–1797 Dragonerregiment von Ramdohr, mit neu zugewiesener Nummer (Nr. 5): 1781 Dragonerregiment „General von Ramdohr“ 1783 5. Cavallerie-Regiment Ramdohr-Dragoner 1786 5. Regiment von Ramdohr, Dragoner 1790 5. Kavallerie-Regiment Verden 1791 5th Cavalry (Dragoon) Regiment 1797–1803 5. Cavallerie-Regiment (Verden), von Bremer
Inhaber des Regiments Die Regimentschefs hatten meist zuvor bereits ein langjähriges Kommando in anderen Kavallerieregimentern geführt. 1671–1691 von Franke, auch von Franck 1691–1708 (Generalmajor) von Villers, führt die im linken Zentrum unter Generalleutnant von Bülow stehende Viller’sche Kavallerie-Brigade in der Schlacht von Höchstädt. 1708–1716 Generalmajor Johann Dietrich von Hahn zu Wambel 1716–1748 Oberst Wendt, starb am 18. März 1748 als General. 1748–1752 Oberst Gustav Friedrich von Behr, starb am 29. November 1752. 1752–1758 Generalmajor Johann Heinrich von Dachenhausen, verstarb im April 1758. 1758–1759 Generalmajor Carl Gustav von Dachenhausen (April 1759 pensioniert), kommandierte zuvor als Oberst 1754–1758 das Reiterregiment 2A, Bruder des Johann Heinrich von Dachenhausen. 1759–1761 Generalmajor Ludwig Carl von Breidenbach zu Breidenstein (vor Marburg erschossen, 13. Februar 1761). Bei diesem handelt es sich wohl um jenen Colonel von Breitenbach, welcher in der Schlacht bei Minden das Regiment führte. Dieses bildete, in der Brigade von Major-General John Mostyn, einen Teil der Reiterei unter dem Oberbefehl des zögerlichen Lord Sackville, und traf erst auf dem Schlachtfeld ein, als der Kampf bereits vorüber war. 1761–1765 Generalmajor Adrian Friedrich von Veltheim,Georg Schmidt, (1912): Das Geschlecht von Veltheim. 10. Kapitel, 1912, S. 271–274 (digital.ub.uni-duesseldorf.de). kommandierte zuvor als Oberst 1759–1761 das Reiterregiment 4B und verstarb 1765. 1765–1781 Oberst Carl August von Veltheim, ab 1768 Generalmajor, 1777 Generalleutnant, starb 1781. 1781–1797 Generalmajor Georg Wilhelm von Ramdohr (vor 1780 Generalmajor, 1788 Generalleutnant). Zur militärischen Laufbahn: In der Schlacht bei Minden am 1. August 1759 übernahm Major von Ramdohr die Führung des Leibregiments zu Pferde nach einem verlustreichen Angriff auf eine französische Stellung. Hierzu lässt sich der folgende Bericht bei Schütz von Brandis finden:kgl.de
1797–1803 Georg Friedrich von Bremer (Generalmajor) – ein Verwandter von diesem, Friedrich Franz Dietrich Graf von Bremer unterzeichnete als Diplomat vor Generalleutnant Mortier am 3. Juni 1803 für Hannover die Konvention von Sulingen, mit der die kampflose Kapitulation der hannoverschen Armee besiegelt wurde. Mit der nachfolgenden Konvention von Artlenburg vom 5. Juli 1803 wurde die Armee, und bald auch das Kurfürstentum Hannover an sich, aufgelöst.
Verbandszugehörigkeit mini|hochkant|Stationierung 1791, nach C.G. Wurmb Sowohl 1704 in der Schlacht am Schellenberg, linker Flügel, Reserve,warflag.com als auch in der Schlacht von Höchstädt, im linken Kavallerie-Zentrum: eine der unter dem Befehl von Generalleutnant von Bülow stehenden zwei hannoverschen Kavallerie-Brigaden, nämlich der Viller’schen BrigadeBlenheim order of battle in der englischsprachigen Wikipedia aus drei hannoverschen Dragonerregimentern mit insgesamt 11 Schwadronen (865 Mann) – Oberkommandeur: Captain General John Churchill Nach dem Tode des Herzogs Georg Wilhelm von Celle wurde das Regiment 1705 in die hannoverische Armee eingegliedert. Pragmatische Armee: 1743 – Kommandeur: der britische König Georg II. Reichsarmee: 1793 – Kommandeur: Feldmarschall Heinrich Wilhelm von Freytag Garnison: Das Regiment war in den Jahren von 1765 bis 1803 in Verden/Aller stationiert.
Teilnahme an Kampfhandlungen Holländischer Krieg Schlacht bei Enzheim (1674) Schlacht bei Saint-Denis (1678)
Türkenkrieg von 1685 Einmarsch nach Ungarn und Beteiligung am Entsatz von Wienvgl. Raspe, 1763, Textteil S. 3 Schlacht bei Gran 1685, Teilnahme an der Belagerung von Nové Zámky/Neu-Häusel
Pfälzischer Erbfolgekrieg von 1688–1697 Ein Teil des Regiments wurde 1688 zur Unterstützung des Prinz Wilhelm von Oranien in die Niederlande geschickt, aber nach Hannover zurückgerufen, um Holstein-Gottorf vor den Dänen zu schützen. 1690 marschierte das Regiment nach Brabant. Belagerung von Blankenheim 1690 als Lüneburgische Esquadron Dragons Franck und Schulenburgdigam.net Schlacht von Fleurus, 1690 Schlacht bei Leuze, 1691 Schlacht von Steenkerke, 1692 Schlacht bei Neerwinden, 1693 Belagerungen von Huy und Namur, 1695 mini|120px|Der Erste Herzog von Marlborough
Spanischer Erbfolgekrieg Nach Neuaufstellung 1701 mit sechs Kompanien, war das Regiment 1702 an der Invasion des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel beteiligt. Gefecht bei Gimmig, 1703 Schlacht am Schellenberg 1704 gegen die Befestigungen und bei der Verfolgung der bayerischen Armee Schlacht von Höchstädt (engl. Battle of Blenheim) 1704. Hier war das Regiment als Viller’s Dragoons mit vier Schwadronen (320 Mann) Teil des britischen Aufgebots des alliierten Heers unter dem Befehl des Duke of Marlborough. Es erbeutete die Pauken der französischen Gens d'armes sowie 7 Fahnen und 5 Standarten.vgl. Raspe, 1763, Textteil S. 4
Großer Nordischer Krieg Einsatz als Teil eines holländisch-hannoveranischen Hilfskorps für Gyllenstierna im Sommer 1700 beim Entsatz von Tönning gegen die Dänen in Holstein. Am 6. März 1719 Gefecht bei Walsmühlen unter Generalleutnant von Bülow gegen Truppen des Herzogtums Mecklenburg-Schwerin unter Generalmajor von Schwerin. Das Regiment war als Dragonerregiment Wendt beteiligt.
Österreichischer Erbfolgekrieg Im Österreichischen Erbfolgekrieg war das Regiment Wendt Teil der Pragmatischen Armee. Am 27. Juni 1743 kämpfte es in der Schlacht von Dettingen. 1745 unterlag die Pragmatische Armee den Franzosen in der Schlacht von Schlacht bei Fontenoy, wobei das Regiment den Rückzug der Armee deckte.
Siebenjähriger Krieg Im Siebenjährigen Krieg war das Regiment beteiligt ankopset.blogspot.com den Schlachten bei Hastenbeck (1757), Krefeld (1758), Bergen (1759), Minden (1759), Warburg (1760) und Wilhelmsthal (1762).
Bei der Niederlage von Hastenbeck stand das Regiment bei der Kavallerie des rechten Flügels, neben den Reiterregimentern Hammerstein (zwei Schwadronen), Grenadiere zu Pferd (eine Schwadron) und Prinz Wilhelm (Hessisch, zwei Schwadronen). Die Kavallerie insgesamt hatte keine wirkliche Kampferfahrung. Ungeachtet der vorzüglichen Ausrüstung war sie taktisch im altdeutschen Stil gedrillt, was Stetigkeit aber auch eine gewisse Schwerfälligkeit bedingte. Bei den seinerzeit üblichen Angriffen im Trab und Anhalten zum Feuern erhielt die Kavallerie verheerende Salven des Feindes. Neben dem genannten Einsatz am rechten Flügel war das Regiment mit zwei Schwadronen an der Eröffnung der Schlacht nahe Hameln beteiligt. Bei Krefeld im Juni 1758 stand das Regiment im linken Flügel zusammen mit den Kavallerieregimentern Hammerstein, Grothaus, dem preussischen Husarenregiment von Ruesch und den hannoverschen Husaren des Nicolaus von Luckner als Teil der Brigade unter Generalleutnant Spörcken. In der Schlacht bei Bergen, April 1759, bildete das Regiment einen Teil der linken Brigade unter dem hessischen General von Isenburg. Die zwei Schwadronen, gemeinsam mit zwei Schwadronen des Reiterregiments Hammerstein und des hessischen Reiterregiments Prinz Wilhelm, deckten die Flanke der Vorstöße hannoverscher Infanterie nach Bergen. Außer an Scharmützeln war das Regiment an keiner größeren Kampfhandlung beteiligt. In der Schlacht bei Minden standen vier Schwadronen des Regiments, neben den Grenadieren zu Pferd und dem Leibgarde-Regiment, unter dem Befehl von Oberst Carl von Breidenbach und blieben am Sieg über die französische Armee weitgehend unbeteiligt.