Die Burg Gleichenstein, früher auch Velseck oder Felseck genannt, ist eine Höhenburg auf dem Schloßberg zwischen der Gemeinde Wachstedt und dem Ortsteil Martinfeld der Gemeinde Schimberg im Landkreis Eichsfeld in Thüringen.

Geographische Lage Die Burg Gleichenstein befindet sich auf dem hohen Schloßberg, einem spornartigen Ausläufer des Bornberges () am Rande der obereichsfelder Muschelkalkplatte zwischen Heilbad Heiligenstadt im Nordwesten, Mühlhausen im Südosten und dem hessischen Eschwege im Südwesten. Die Steilhänge nach Süden, Westen und Norden boten einen natürlichen Schutz der Burganlage, nur der schmale Bergkamm in östlicher Richtung musste durch Verteidigungsbauten abgesichert werden. Sie liegt etwa 3 km westlich von Wachstedt und 1,8 km ostnordöstlich von Martinfeld. Verkehrsmäßig zu erreichen ist sie über eine Stichstraße, die zwischen Wachstedt und Flinsberg von der Landesstraße 1006 abzweigt, oder zu Fuß von der Wallfahrtskirche Klüschen Hagis, die nahe der L 2022 (Wachstedt–Martinfeld) steht; nördlich der Straße führt der steile Eselsweg hinauf. Einer der Mittelpunkte Deutschlands befindet sich wenige Kilometer entfernt in Flinsberg. Die Wasserversorgung der Burg erfolgte über den Eselsborn unten im Tal beim Klüschen Hagis.

Von der Terrasse des Burggeländes hat man eine Aussicht (Blaues Wunder) auf Martinfeld im Rosoppetal mit dem Schimberg und Teile des südlichen Eichsfeldes bis zur Gobert (zurzeit nur zu besonderen Tagen oder nach Absprache mit Eigentümer zugänglich).

Geschichte mini|links|Der Schloßberg rechts mit der Burg Gleichenstein Burg Velsecke Anstelle der jetzigen hochmittelalterlichen Burg Gleichenstein stand am gleichen Ort eine ältere, durch einen breiten Halsgraben gesicherte größere Burganlage, eventuell war sie eine Reichsburg zum Schutz des im Rosoppetal gelegen königlichen Hofes in Martinfeld, der 1071 dem Kloster Hersfeld geschenkt wurde.Paul Grimm, Wolfgang Timpel: Die ur- und frühgeschichtlichen Befestigungen des Kreises Worbis. In: Eichsfelder Heimathefte. Sonderausgabe, Worbis 1966, S. 19, 20, 64. Wann diese erste Burg errichtet wurde, ist nicht bekannt.

Dass es sich bei der Ende des 12. Jahrhunderts erwähnten Burg Velsecke um die unmittelbare Vorgängerburg der Burg Gleichenstein gehandelt hat, ist anzunehmen. Seit 1139 waren die Grafen mit der Harburg bei Worbis belehnt, die 1165 zerstört worden war und einen neuen gräflichen Wohnsitz suchten. Der Name Velsecke wurde 1180 erstmals in einer Urkunde des Mainzer Erzbischofs Konrad unter Vermittlung des Grafen Erwin von Gleichen erwähnt, wo ein Ritter Edelger d. J. von Velshecke als Zeuge genannt wurde, so das zu diesem Zeitpunkt bereits eine Burg gleichen Namens existiert haben muss. Seit wann genau die Burg im Besitz der Grafen von Gleichen war, ist nicht belegt, ab etwa 1201 nannte sich Ernst III. und ab 1234 Heinrich I. von Velsecke. 1209 wird nochmals als Zeuge ein Berthold von Velsecke genannt. Die Burg wurde 1234 bei Auseinandersetzungen zwischen dem Erzbischof von Mainz und den Thüringer Landgrafen durch den Landgrafen Heinrich Raspe zerstört.Peter Bühner: Mühlhausen im Eichsfeld? Die Grafen von Gleichen als Mühlhäuser Burggrafen. In: Eichsfeld-Jahrbuch 2007. Mecke, Duderstadt, S. 9. Dabei wurde die 23 Mann starke Besatzung der Burg getötet oder enthauptet.Eduard Fritze: Burg Gleichenstein 1246–1996. Selbstverlag, Wachstedt 1996, S. 11.

Die Ostseite des spornartigen Schlossberges weist besonders steil abfallende Felspartien auf, die nach Südosten eine markante Felsecke bilden. Dies könnte die Namensherkunft der Burg Velsecke erklären.Eduard Fritze; Gunter Görner: Chronik der BURG GLEICHENSTEIN im Eichsfeld. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 2020, S. 13

Burg Gleichenstein 1241 bis 1246 wurde die Burg neu als Ersatz der alten Burg unter dem Namen Burg Gleichenstein vermutlich von Heinrich I. von Gleichen erbaut, von da ab nannte er sich von Gleichenstein. Unmittelbar erwähnt wurde die Burg Gleichenstein erstmals 1287. Ab 1294 war sie bis 1802 im Besitz der Erzbischöfe von Mainz und war 500 Jahre Amts- und Gerichtssitz der Kurmainzischen Verwaltung des Eichsfelds, deren Hauptsitz auf Burg Rusteberg lag. Im Bauernkrieg wurde die Burg nicht von den Aufständischen angegriffen. 1632 wurde die Burg von schwedischen Truppen unter Bernhard von Weimar erobert, 1643 geschleift und 1648 gänzlich zerstört. 1650 wurde die Burg wieder aufgebaut, aber ohne aufwendige Verteidigungsbastionen. 1802 kam die Burg an Preußen, 1816 an den thüringischen Landkreis Mühlhausen und 1952 an den Kreis Worbis. Im 19. Jahrhundert wechselten die privaten Besitzer und Pächter sehr häufig, zuletzt bis zur Enteignung 1946 Dr. Wolfgang von Schutzbar genannt Milchling zu Hohenhaus.

Mit der Bodenreform wurde die Burg enteignet und in staatliche Hände übergeben. Ab dem Frühjahr 1946 wurden umfangreiche Planungen für den Umbau zu einem Waisenhaus erarbeitet und teilweise umgesetzt. Im Jahr 1947 sollte die gesamte Burganlage gesprengt werden, was durch engagierte Leiter der Anlage verhindert werden konnte. Untergebracht waren dann in der Burg zeitweise ein Jugendwerkhof und andere staatliche Einrichtungen und ging 1967 in den Besitz des VEB Sachsenring Zwickau. Das Automobilwerk renovierte die Burg und nutzte sie bis 1991 als Ferien- und Erholungsstätte. Von 1994 bis 2005 beherbergte sie eine Burggaststätte und eine Falknerei. Im März 2018 erwarb die Fa. Hanf-Gedöns GmbH die Burg als Firmensitz und wollte Teile der Burg zu einer Lebensmittel-Manufaktur umbauen, ein Museum einrichten und wesentliche Teile der Burg rekonstruieren und sanieren.Kristin Weber: „Eine Portion Wahnsinn gehört dazu.“ Christoph Weidner aus Wichmannshausen hat Burg Gleichenstein gekauft. Online-Artikel auf www.hna.de vom 26. September 2021; abgerufen am 6. Oktober 2021

Nach der Insolvenz der GmbH wurde die Burganlage privatisiert und wird weiterhin gesichert. Die Pläne für eine öffentliche Nutzung werden weiterhin von den Eigentümern verfolgt und umgesetzt.

Kurmainzisches Amt Gleichenstein mini|Das Amt Gleichenstein im Jahr 1759 mini|Alte Linde bei der Burg Gleichenstein Nachdem die Burg Gleichenstein und die dazugehörigen Dörfer in den Besitz von Kurmainz übergegangen sind, entstand aus dem Burgbezirk das kurmainzische Amt Gleichenstein. Zum Amt zählten insgesamt 16 Dörfer (von Kalteneber im Nordwesten bis nach Beberstedt im Nordosten und Büttstedt im Südosten), die Klöster Zella (mit Struth und Effelder) und Anrode (mit Bickenriede und Bebendorf), Kreuzebra kam später zum Amt Rusteberg. Weiterhin wurden dem Amt Gleichenstein die adligen Orte Bernterode (von Tastungen, später von Ostheim) und Martinfeld (von Bodungen) zugeordnet, sowie eine Vielzahl heute nicht mehr existierender Orte (Werdigeshausen, Wolkramshausen, Kirchberg).Johann Wolf: Politische Geschichte des Eichsfeldes. Band 1, Göttingen 1792, S. 135–139. Gerichtsort war bereits unter den Grafen von Gleichenstein und den Mainzer Kurfürsten noch mindestens bis 1534 in Dingelstädt.Johann Wolf: Denkwürdigkeiten des Marktfleckens Dingelstädt im Harzdepartement, District Heiligenstadt. Göttingen 1812, S. 7–9. Gericht gehalten wurde danach entweder auf der Burg, möglicherweise auch bei der sogenannten Gerichtslinde oder Richterlinde in der Nähe der Burg. Das Gefängnis befand sich im Bergfried der Kernburg, der 1648 gesprengt wurde, der Rumpf des Turmes mit dem Gefängnis ist aber bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts erhalten geblieben. Die genaue Lage der Richtstätte ist nicht bekannt, auf der Höhe zwischen Wachstedt und dem neuen Haus ist aber die Flurgegend Galgenstücke erwähnt.Gustav Reischel und Louis Koch: Geschichtliche Karte des Kreises Heiligenstadt. Graphoische Anstalt Halberstadt 1908 Die Behörde setzte sich mehrheitlich aus folgenden Personen zusammen: dem Amtsvogt, dem Amtsrichter, dem Amtsaktuar, dem Amtsschreiber und dem Amtspedell. Der Amtssitz wurde im 18. Jahrhundert wieder nach Dingelstädt verlegt.Burg Gleichenstein Auf der Internetseite von Dingelstädt

Folgende Burgmänner, Amtsleute bzw. Vögte oder Pfandinhaber sind bekannt: 1180 Edelgar der Jüngere von Velsecke, Ritter (für die Vorgängerburg) 1193 Bertold von VelseckeZeitung für den Deutschen Adel. 3. Jahrgang, Nr. 76, 1842. (für die Vorgängerburg) 1288 Dietrich, Steben und Henrich von Tastungen, Henrich von Kirchberg, Bruno von Berlingerode, Conrad von Barnhausen, Heinrich von Tutinsode (Burgmänner)Eduard Fritze; Gunter Görner: Chronik der BURG GLEICHENSTEIN im Eichsfeld. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 2020, S. 21 1294 Ritter Ludwig von Pöllwitz (letzter Amtmann der Grafen und erster kurmainzischer Amtmann), Hartpertus und die Brüder Theodericus und Heinrich von Tastungen (Burgmänner) 1299 Friedrich von Rosdorf zusammen mit Dietrich von Hardenberg (Amtmänner und Pfandinhaber) Conrad von Siemerode, VogtJohann Wolf: Eichsfeldisches Urkundenbuch nebst der Abhandlung von dem Eichsfeldischen Adel. Göttingen 1819 (Abhandlung von dem Eichsfeldischen Adel, als Beitrag zu dessen Geschichte. S. 37–45) 1330 Lutolf von Schlotheim (Slatheym) und Rodegere von dem Hagen (deme Hayne)RIplus Regg. EB Mainz 1,2 n. 3109, in: Regesta Imperii Online, URI: regesta-imperii.de (Abgerufen am 22. August 2017) 1330 Ritter Johannes von Hardenberg, Ernst von Uslar, Bertold von Worbis und der Edelknecht Johannes von WintzingerodeRIplus Regg. EB Mainz 1,2 n. 3328, in: Regesta Imperii Online, URI: regesta-imperii.de (Abgerufen am 22. August 2017) (Amtmänner und Pfandinhaber) 1336 Frederich von WangenheimRIplus Regg. EB Mainz 1,2 n. 3681, in: Regesta Imperii Online, URI: regesta-imperii.de (Abgerufen am 22. August 2017) 1339 Otto von KirchbergJohann Wolf: Denkwürdigkeiten des Marktfleckens Dingelstädt im Harz-Departement, Distrikt Heiligenstadt. Göttingen 1912, S. 13–14. (Amtmann) 1347 Konrad von Ammern und 1368 Heinrich von AmmernJohann Wolf: Denkwürdigkeiten des Marktfleckens Dingelstädt im Harz-Departement, Distrikt Heiligenstadt. Göttingen 1912, S. 13–14. 1358 Dietrich und Walther (1358), die Söhnen Apels von Tastungen, erhalten das Burglehen in GleichensteinRegesten der Mainzer Erzbischöfe (Abgerufen am 12. Juni 2017) 1364 Otto von Rusteberg (Vogt) 1386 Wezel von LengefeldJohann Wolf: Denkwürdigkeiten des Marktfleckens Dingelstädt im Harz-Departement, Distrikt Heiligenstadt. Göttingen 1912, S. 13–14. 1400 Heinrich, Gunther und Bode von Bodenhausen (Pfandinhaber) 1446 Henrich von Kirchberg mit 3 BurglehenJohann Wolf: Denkwürdigkeiten des Marktfleckens Dingelstädt im Harz-Departement, Distrikt Heiligenstadt. Göttingen 1912, S. 13–14. 1464 Henrich von BodungenJohann Wolf: Eichsfeldisches Urkundenbuch nebst der Abhandlung von dem Eichsfeldischen Adel. Göttingen 1819 (Abhandlung von dem Eichsfeldischen Adel, als Beitrag zu dessen Geschichte. S. 37–45) 1466 Hans von Hanstein (Amtmann) 1522 Heinrich HeinefetterBernhard Opfermann: Gestalten des Eichsfeldes. St. Benno-Verlag Leipzig und Verlag F.W. Cordier Heiligenstadt 1968. (nachfolgend alles Amtmänner) 1524–1532 Matthäus Hundborn 1536–1575 Marcus Keulen 1574–1583 Johannes Pein 1598 Johann ElgotJosef Keppler: Wallfahrtsland Eichsfeld. In: Thüringer Allgemeine. 2. Juni 2011. 1607–1630 Adam Hartung 1630–1632 Klemenz Freitag 1635–1661 Matthias Jordans 1661–1672 Johannes Jordans 1674–1711 Johann Joachim Jordans 1712–1715 Johann Gerhard Jordans 1715–1722 Johann Michael Strecker 1722–1763 Christoph Matthias Jordans 1736–1784 Peter Anton Jordans 1784–1793 Franz Christoph Kellner 1793–1802 Franz Wilhelm Hentrich

Gut Gleichenstein