mini|180px|Friedrich Lehne

Johann Friedrich Franz Lehne (* 8. September 1771Franz Stephan Pelgen: Biographische Skizze des Italienreisenden Friedrich Lehne, in: Friedrich Lehne und die "Romantische Seereise von Genua nach Neapel". Kommentierte Neuauflage mit Illustrationen von Mario Derra. Gernsheim: Magistrat, 2011, S. 149–168, hier: S. 152. in Gernsheim; † 15. Februar 1836 in Mainz) war ein deutscher Bibliothekar, Herausgeber und Verwaltungsbeamter. Er war Professor der Schönen Wissenschaften im französischen Mayence. Politisch stand Lehne zu dieser Zeit den Mainzer Jakobinern nahe, denen er sich bereits im November 1792 anschloss. Regionale Bekanntheit erlangte Lehne vor allem durch die Verfassung jakobinischer Literatur in unterschiedlichster Form, so beispielsweise von Texten zu revolutionären Liedern oder Gedichten. Später war er in Mainz als Stadtoberbibliothekar, Zeitungsverleger und regionaler Geschichtsforscher tätig. Seine römischen und mittelalterlichen Sammlungen waren der Grundstock für das später gegründete Mainzer Altertumsmuseum. Zeitlebens kämpfte Lehne für die Durchsetzung demokratischer Ziele in Deutschland.Jörg Schweigard: Friedrich Lehne. Revolutionspoet, Frühdemokrat, Journalist. Logo Verlag, Obernburg am Main 2018. ISBN 978-3-939462-32-3.

Familie, Jugend und Studium Lehne wurde als Sohn des Justizamtmanns Franz Berthold Lehne in Gernsheim, das damals noch zu Kurmainz gehörte, und dessen Ehefrau Maria Theresia Müllenkampf geboren. Beide Elternteile starben früh (1781 und 1782), und Lehne kam bereits 1782 zu Verwandten nach Mainz. Er lebte hier bei seinem Onkel mütterlicherseits, Franz Damian Friedrich Müllenkampf, der seit 1786 Professor an der Mainzer Artistenfakultät war. Lehne besuchte das Mainzer Gymnasium und studierte, zusammen mit zahlreichen ehemaligen Mitschülern, ab dem Wintersemester 1789/90 an der Mainzer Universität Geschichte und Schöne Wissenschaften. Dem Studium folgte erst später eine Promotion.

Friedrich Lehne heiratete am 22. Juli 1802Franz Stephan Pelgen: Biographische Skizze des Italienreisenden Friedrich Lehne, in: Friedrich Lehne und die "Romantische Seereise von Genua nach Neapel". Kommentierte Neuauflage mit Illustrationen von Mario Derra. Gernsheim: Magistrat, 2011, S. 149–168, hier: S. 159. in Mainz Josephine Katharina Alberica Burkard, die Tochter Johann Stephan Valentin Burkard (* 5. August 1747), eines Illuminaten, der bereits am 12. November 1792 dem Mainzer Jakobinerklub beigetreten war und dessen Vizepräsident er zeitweilig war.Franz Dumont: Die Mainzer Republik von 1792/93. 2., erw. Aufl. Alzey: Verlag der Rheinhessischen Druckwerkstätte, 1993, S. 107, 385. Burkhard hatte in Mainz studiert und war hier seit 1773 als Stadtphysicus tätig.

Dem Paar wurden 3 Töchter und 3 Söhne geboren. Die 1803 geborene Julia Lehne blieb, ebenso wie ihre 5 Jahre jüngere Schwester Luise Josephine Lehne, unverheiratet im Haushalt ihrer 1809 geborenen jüngsten Schwester Josephine Melanie Laura Lehne, die mit dem Osthofener Lothar Johann Heinrich Franz Maier verheiratet war, aber nach dem Tod ihres Ehemannes (1844) in Mainz lebte und in ihrem geselligen Haus häufig Richard Wagner empfing, der sich dort mit der Tochter Mathilde Maier anfreundete. Der Briefverkehr Wagners mit Mathilde Maier wurde 1930 von Hans Scholz herausgegeben.

Der 1805 geborene Sohn Eduard August Lehne wurde Anwalt in Mainz und Alzey, 1848 Mitglied des Fünfzigerausschusses und des Frankfurter Vorparlaments und 1850 im hessischen Hochverratsprozess Generalverteidiger der Akteure der 48er Revolution. Als Landtagsabgeordneter kämpfte Eduard Lehne für die Pressefreiheit und erreichte, dass der Großherzog von Hessen-Darmstadt am 16. März 1848 die Pressezensur aufheben musste.Jörg Schweigard: Friedrich Lehne. Revolutionspoet, Frühdemokrat, Journalist. Logo Verlag, Obernburg am Main 2018, S. 112f. 1806 wurde der zweite Sohn Friedrich Anton Lothar Lehne, späterer Friedensrichter in Oppenheim und Mainz, geboren. Der erst 1819 geborene jüngste Sohn Anton Lehne starb im Alter von zehn Jahren.

Beruflicher Werdegang In den unruhigen Jugendjahren übte Friedrich Lehne verschiedene Berufe in Frankreich und Deutschland aus. Neben seiner künstlerischen Betätigung war er auch als Zeitungsherausgeber, Verwaltungsbeamter und Soldat tätig. Erst ab dem Ende des 18. Jahrhunderts kam es ab 1799 mit seiner Ernennung zum Professor der Schönen Wissenschaften in Mayence zu einer gewissen Konstanz. Ab 1798/99 war er bereits Lehrer der Schönen Künste am Mainzer Lyzeum und lebte nun in einem der Professorenhäuser in der Neuen Universitätsstraße, Nähe Thiermarkt.Marlene Hübel: »Über all dem der Dom.« Literarische Stadtansichten von Mainz In: Franz Dumont, Ferdinand Scherf, Friedrich Schütz (Hrsg.): Mainz – Die Geschichte der Stadt. 2. Auflage. Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1999, ISBN 3-8053-2000-0, S. 1177. 1813 verlieh ihm die Sorbonne die Ehrendoktorwürde. Von 1814 bis 1829 leitete er die Mainzer Stadtbibliothek als Oberbibliothekar, zudem war er Stadtarchivar. Zusätzlich kümmerte sich Lehne auch vermehrt um die römischen und mittelalterlichen Hinterlassenschaften in Mainz und ordnete erstmals die vorhandenen Funde in einer Ausstellung an. Auch war er in diesem Bereich als Konservator tätig und leitete zwischenzeitlich noch das Mainzer Altertumsmuseum. — In französischer wie in großherzoglich-hessischer Zeit hatte sich Lehne der Freimaurerei zugewandt.Meinrad Schaab: Oberrheinische Aspekte des Zeitalters der Französischen Revolution. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 1990, S. 71.

Politische Betätigung von 1792 bis 1814 mini|Versammlung des Mainzer Jakobinerklubs

Friedrich Lehne kam als Student an der Mainzer Universität schnell mit dem dort vorherrschenden Geist der Aufklärung in Kontakt. Einer seiner Lehrer an der Universität war Andreas Joseph Hofmann, ebenfalls ein späterer wichtiger Jakobiner in Mainz. Dieser brachte seinen Studenten revolutionäres Gedankengut nahe. Lehne war, wie auch sein Schulfreund und Kommilitone Peter Nikolaus Theyer, Mitglied im studentischen Zumbachschen Lesezirkel. Auch hier zirkulierte revolutionäres, aus Frankreich, aber auch aus eigenen Kreisen stammendes Schrifttum. Als französische Revolutionstruppen 1792 Mainz einnahmen, sympathisierte der Student, wie viele seiner Kommilitonen und Professoren, bereits mit den Idealen der Französischen Revolution. Bereits am 29. November 1792 wurde er mit gerade 21 Jahren eines der jüngsten Mitglieder der „Gesellschaft der Freunde der Freiheit“, bekannt auch als „Jakobinerclub“. Lehne wurde dort als Jurist geführt. In den nächsten Monaten war er vorwiegend als revolutionärer Literat, Dichter und Verfasser von Liedtexten tätig. Am 17. Januar 1793 hielt Lehne im Jakobinerclub eine überschwängliche Lobrede auf seinen alten Lehrer und mittlerweile radikalen Jakobiner, Andreas Joseph Hofmann. Gleichzeitig tadelte er den Jakobinerclub für die seiner Ansicht nach nicht mehr revolutionäre Haltung. (PDF; 28 kB) Das Lied freier Landsleute, eine Unterlegung der Melodie der Marseillaise mit deutschem Text, verfasste er anlässlich der Errichtung des Mainzer Freiheitsbaumes auf dem Domplatz am 13. Januar 1793. Mit dem Gedicht Gesang beim Bombardement der Stadt versuchte er, die Moral seiner republikanischen Mitbewohner während der Belagerung von Mainz 1793 zu heben. Seine Gedichte zirkulierten schnell im republikanisch-jakobinischen Umfeld und konnten so beispielsweise in Norddeutschland und sogar in Siebenbürgen nachgewiesen werden.Wolfgang Balzer: Mainz: Persönlichkeiten der Stadtgeschichte. Band 2: Personen des religiösen Lebens, Personen des politischen Lebens, Personen des allgemein kulturellen Lebens, Wissenschaftler, Literaten, Künstler, Musiker, S. 216.

Letzte Strophe des „Liedes freier Landsleute“ (gesungen nach dem Marseiller Marsch)zitiert nach Marlene Hübel: »Über all dem der Dom…«. Literarische Stadtansichten von Mainz. S. 1178–1179.

Lehne wurde im Frühjahr 1793 Sekretär der Kommissare Jean-Frédéric Simon und Gregoir. Diese sollten den Anschluss der Mainzer Republik an Frankreich in die Wege leiten. In seiner Eigenschaft als Sekretär unterzeichnete Friedrich Lehne die „Proklamation der fränkischen Nationalkommissarien“.Im Originaltext hier nachzulesen Ende März 1793 wurde Lehne zudem noch Mitglied im „Wachhabenden Ausschuss“, der für die Sicherheit der Mainzer Republik zuständig war. Nach der Übergabe der Stadt am 24. Juli 1793 an die Koalitionstruppen verließ Friedrich Lehne, zusammen mit seinem Freund Nikolaus Müller, als französischer Soldat Mainz und floh nach Paris. Dort diente er in der Zivilverwaltung und war Soldat der Französischen Nationalgarde im Rang eines Corporals. Ab Mitte 1795 lebte er in Straßburg und in der Pfalz, die damals nach wie vor französisch besetzt war. Dort war er im Auftrag der französischen Administration im Bergbauwesen tätig. In Straßburg erschien 1795 auch sein Gedichtband Versuche republicanischer Gedichte, den die Allgemeine Literaturzeitung in ihrer Ausgabe No. 80 am 11. März 1797 besprach.Die Rezension ist hier im Originaltext nachzulesen.

1797 unternahm Lehne eine Bildungsreise nach Italien, über die er 28 Jahre später in einem seiner Bücher berichtete. Hier erwachte offenbar seine Begeisterung für die Antike, die zu seiner späteren Tätigkeit führte, der Erforschung der Heimatgeschichte. Zu dieser Zeit begann Lehne ebenfalls, sich für den Griechischen Freiheitskampf zu interessieren. Dieses politisch geprägte Interesse sollte bis in die späten 1820er Jahre anhalten.zitiert nach Walter HellKai-Michael Sprenger: Lehne und die Griechenbegeisterung in Mainz zu Beginn des 19. Jh. In: Mainzer Geschichtsblätter. Heft 11 (1999), S. 170–190.

Als Mainz nach dem Frieden von Campo Formio 1797 wieder als Mayence mitsamt der linken Rheinseite in den Besitz der Französischen Republik überging, kehrte auch Friedrich Lehne 1798 wieder zurück. Im gleichen Jahr begründete er zusammen mit dem Jakobiner Schlemmer die republikanische Zeitung Beobachter vom Donnersberg. Diese erschien bis 1801, kam aber ab der Machtübernahme durch Napoléon Bonaparte 1799 zusehends mit dem Regierungskommissar vor Ort in Konflikt.

Mit Nikolaus Müller veröffentlichte er 1799 den Gedichtband Republikanische Gedichte. Zur Machtübernahme von Napoléon am 9. November 1799 verfasste er einen Hymnus auf den jungen neuen Caesar, der die Republik wiederum zu Ruhm und Größe führen würde. Bereits anlässlich des Friedensabkommens von Campo Formio widmete Lehne dem „Helden Napoleon Buonaparte“ ein Lobgedicht. In diesem preist er ihn als „Friedensgeber“, als „stärkern Bruder“ denn Hannibal oder Brutus und schreibt enthusiastisch: „Wie doch Einer alles kann“.zitiert nach Gerhard Schulz: Die deutsche Literatur zwischen Französischer Revolution und Restauration. Erster Teil: 1789 bis 1806. In: DeBoor, Newald: Geschichte der Deutschen Literatur. Band VII/1 2. Auflage. C.H. Beck, München 2000, S. 100. Doch konnte er sich später, wie viele andere deutsche Jakobiner, nicht mit Napoléons zunehmend autokratischer werdenden Politik anfreunden. Trotzdem gehörte Lehne in den späteren Jahren zu der von Napoléon sorgsam aufgebauten neuen bürgerlichen Elite, den „Citoyens notables“. Zusammen mit dem maire und ehemaligen Mainzer Jakobiner Franz Konrad Macké und dem französischen Präfekten Jeanbon St. André konnte er sich so zu den Grands notables de l’Empire zählen. Zu dem französischen Präfekten hatte Lehne ein gutes Verhältnis, was sich besonders bei den unter seiner Verwaltung beginnenden heimatkundlichen Forschungen und Ausgrabungen positiv bemerkbar machte.

Herausgeber der Mainzer Zeitung ab 1816