mini|Richard Falk (2014) Richard Anderson Falk (* 13. November 1930 in New York City) ist ein US-amerikanischer emeritierter Jura-Professor für Völkerrecht an der Princeton University und Autor. Falk war von 2008 bis 2014 UN-Sonderberichterstatter zur Menschenrechtssituation in den seit 1967 besetzten palästinensischen Gebieten.
Leben und Ausbildung Falk wuchs in New York City in eine postreligiöse jüdische Familie der oberen MittelschichtZIONISM’S BETE NOIRE: RICHARD FALK’S PASSAGE TO ‘POSITIVE PUBLIC NOTORIETY’, Foreign Policy in Focus, 14. Oktober 2021 auf. Er beschrieb seinen familiären Hintergrund als „assimilatorisches Judentum, das sogar die ethnische Seite des Jüdischseins weitestgehend ablegte“. Sich selbst definierte er später als „ein amerikanischer Jude“ und sagte, dass ein Außenseiterstatus mit einem Gefühl der Nicht-Zugehörigkeit seine spätere Rolle als Kritiker der amerikanischen Außenpolitik beeinflusst haben könnte. Jüdisch zu sein bedeutete für Falk im Besonderen, „sich mit der Überwindung von Ungerechtigkeiten und dem Durst nach Gerechtigkeit in der Welt zu beschäftigen, und das bedeutet anderen Völkern gegenüber respektvoll zu sein, unabhängig von ihrer Nationalität oder Religion, und empathisch gegenüber menschlichem Leid, egal wer und wo immer Viktimisierung stattfindet.“
Sein Vater war Marinehistoriker und Anwalt. Falks Mutter wurde in Japan geboren – ihr Vater war ein Textilhändler, der dort Geschäfte machte – und wuchs in New York auf. Seine ältere Schwester hatte gesundheitliche Probleme und verbrachte fast ihr ganzes Leben lang im Krankenhaus – dies führte dazu, dass sich seine Eltern scheiden ließen als er noch klein war, weil sie die Probleme auf sehr unterschiedliche Weise sahen. Falk wuchs bei seinem Vater auf, der ziemlich rechts orientiert und ein Verfechter des Kalten Krieges war, er war befreundet mit prominenten damaligen Antikommunisten, die häufig zu Gast waren, darunter Interimspremierminister Alexander Kerenski, der noch vor Ausbruch der Oktoberrevolution aus Russland geflohen war.
Falk erhielt 1952 einen Bachelor of Science in Wirtschaftswissenschaften an der Wharton School der University of Pennsylvania und einen Bachelor of Laws an der Yale University. Er promovierte 1962 in Rechtswissenschaften an der Harvard University. Sein frühes Denken war geprägt durch Lesungen von Karl Marx, Herbert Marcuse und C. Wright Mills, und er entwickelte ein übergeordnetes Anliegen mit Projekten zur Abschaffung von Krieg und Aggression als soziale Institutionen. Bis 2001 war Falk Professor für Rechtswissenschaften an der Princeton University und von 2001 bis 2004 Gastprofessor für Globale und Internationale Studien an der University of California, Santa Barbara.
Berufslaufbahn Falk begann seine Lehrtätigkeit an der Ohio State University und in Harvard, wo er Ende der 1950er Jahre seine kommunistischen Überzeugungen zum Ausdruck brachte. Er ging 1961 an die Princeton University, die für über dreißig Jahre seine akademische Heimat wurde. Falk wurde 1965 zum Albert-G.-Milbank-Professor für internationales Recht und Praxis ernannt, eine Position, die er bis heute als Emeritus-Professor beibehält. 1985 erhielt er das Guggenheim-Stipendium. Falk zog sich 2001 aus dem Lehrberuf zurück. Seit 2002 ist er Forschungsprofessor am Orfalea Center for Global & International Studies der University of California, Santa Barbara. Derzeit leitet er das Projekt „Global Climate Change, Human Security, and Democracy“.
Falk kritisierte das Westfälische System der Nationalstaaten, das seiner Meinung nach von einer internationaleren Institution überwunden werden müsse, um den Rückgriff auf Gewalt durch Nationen zu kontrollieren, während sich die Welt auf ein globales Ethos zubewegt, in dem Staaten auf ihren grenzenbesessenen Territorialismus verzichten und im Gegenzug ein Regime einvernehmlich ausgehandelter Ziele einführen, in dem die nationalen Führer der Rechenschaftspflicht unterliegen müssen.
Im Hinblick auf spezifische geopolitische Situationen hat er eine Reihe von Büchern und Essays veröffentlicht, in denen er die ideologischen Aspekte der amerikanischen Menschenrechtsdebatte, die Rechtmäßigkeit des Vietnamkriegs und anderer militärischer Operationen analysiert. Im Hinblick auf die Invasion des Irak im Jahr 2003 schrieb er, dass es „unausweichlich ist, dass ein objektiver Beobachter zu der Schlussfolgerung gelangt, dass dieser Irakkrieg ein Angriffskrieg ist, und dass es sich dabei um ein Verbrechen gegen den Frieden handelt, so wie die überlebenden deutschen Führer bei dem Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher kurz nach dem zweiten Weltkrieg verfolgt, angeklagt und bestraft wurden.“
Zwischen 1999 und 2000 war Falk Mitglied der Unabhängigen Internationalen Kommission für das Kosovo. 2004 schrieb er ein Vorwort für David Ray Griffins Buch The New Pearl Harbor: Disturbing Questions About the Bush Administration and 9/11, das Verschwörungstheorien zum 11. September 2001 zum Thema hat.David Ray Griffin: The New Pearl Harbor: Disturbing Questions About the Bush Administration and 9/11. Interlink Publishing, Northampton 2005. Seitdem beschäftigt er sich regelmäßig mit der Thematik, schrieb 2006 ein Kapitel in Griffins Buch 9/11 and American Empire: Intellectuals Speak Out und veröffentlichte verschiedene verschwörungstheoretische Artikel.9/11 and American Empire: Intellectuals Speak Out.Richard Falk: In: The Journal. 9. November 2008.
Von 2008 bis 2014 war Falk Sondergesandter des UN-Menschenrechtsrats für die palästinensischen Autonomiegebiete. 2011 sprach Falk sich gegen eine militärische Unterstützung der libyschen Opposition aus; er fände den „Grad der Unterdrückung“ in Libyen nicht „durchdringender und schwerer“ als in anderen autoritär regierten Ländern.Daniela Dahn: Störfaktor Gaddafi. In: Blätter für deutsche und internationale Politik.Will We Ever Learn? Kicking the Intervention Habit.Richard Falk: English Kicking the intervention habit. In: Al Jazeera. 10. März 2011. Al Jazeera English veröffentlicht regelmäßig Beiträge von Falk auf seiner Homepage.Richard Falk. auf: english.aljazeera.net
Aktivismus Falks Engagement für Politik begann an der Ohio State University, wo er in den 1960er Jahren als Mitglied der Rechtsfakultät Zeuge von Rassismus war, der auf schwarze Studenten abzielte. Sein Wechsel an die Princeton University, wo die Rechtslehre mit Politik, internationalen Beziehungen und anderen Sozialwissenschaften verbunden war, ermöglichte es Falk, seine Fachkompetenz im Völkerrecht mit seinen ethischen und politischen Werten zu verbinden. Falk wollte seine akademische Arbeit mit politischem Aktivismus in einer Rolle verbinden, die er als „Bürgerpilger“ bezeichnete.
Die wesentliche Aufgabe eines Bürgerpilgers besteht darin, herauszufinden, wie man wünschenswerte, aber unwahrscheinliche soziale Bewegungen zum Erfolg führen kann. Die Bewegungen gegen Sklaverei, Kolonialismus, Rassendiskriminierung und Patriarchat sind nur einige Beispiele. Falks vorrangiges Anliegen ist es, eine Bewegung gegen Krieg und Aggression als soziale Institutionen zu fördern, was den schrittweisen Aufbau einer neuen Weltordnung impliziert, die die menschlichen Grundbedürfnisse aller Menschen sichert, die Umwelt und die grundlegenden Menschenrechte aller Individuen und Gruppen schützt, ohne die prekären Ressourcen der kulturellen Vielfalt zu beeinträchtigen, und die auf die gewaltfreie Lösung intergesellschaftlicher Konflikte hinarbeitet.
Medien Falk hat für verschiedene Publikationen geschrieben, darunter The Nation (Vereinigte Staaten), The Huffington Post, CounterPunch und das Palestine Chronicle. Falk ist Mitglied des Redaktionsausschusses von The Nation und The Progressive. Falk sprach auf Universitätsgeländen und für Organisationen.
Mitgliedschaften Richard Falk gehört verschiedenen Organisationen an, nachfolgend sind einige aufgeführt. Vorsitzender des Vorstands der Stiftung für Frieden im Nuklearzeitalter. Beiratsvorsitzender der Fakultät für israelisch-palästinensischen-Frieden-USA (FFIPP-USA). Eine Gruppe, die sich „für ein Ende der israelischen Besetzung palästinensischer Gebiete und gerechten Frieden“ einsetzt; Vorsitzender des Kuratoriums des Euro-Mediterranean Human Rights Monitor.
Ehemalige Aktivitäten Falk ist ehemaliges Beiratsmitglied des World Federalist Institute und dem American Movement for World Government sowie ehemaliger Stipendiat des Transnational Institutes. In den Jahren 1999–2000 arbeitete Falk an der Independent International Commission on Kosovo, einer Initiative des schwedischen Premierministers Göran Persson. Mehrere Jahre lang war Falk im Vorstand des Human Rights Watch, Santa Barbara (Kalifornien), tätig, bis er zum Rücktritt aufgefordert wurde.
Nominierungen bei den Vereinten Nationen Untersuchungskommission der Vereinten Nationen für Menschenrechte in den palästinensischen Gebieten Im Jahr 2001 war Richard Falk Mitglied einer Untersuchungskommission des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte für die palästinensischen Gebiete zusammen mit dem Südafrikaner John Dugard und Kamal Hussein, ehemaliger Außenminister von Bangladesch. Falk sagte, die beiden Hauptthemen seien: „Man prüft, ob die Besatzungsbedingungen so beschaffen sind, dass den Palästinensern ein gewisses Recht auf Widerstand eingeräumt wird. Und wenn sie dieses Recht haben, was sind dann die Grenzen dieses Rechts?“ und „Das andere Thema, um das es bei dieser aktuellen Untersuchung geht, ist die Bewertung, wie Israel als Besatzungsmacht seine Verantwortung wahrnimmt, die Gesellschaft zu schützen, die seiner Kontrolle unterliegt.“ Nach der Untersuchung veröffentlichte die Kommission einen Bericht mit dem Titel „Frage der Verletzung der Menschenrechte in den besetzten arabischen Gebieten, einschließlich Palästina“.
Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für die palästinensischen Menschenrechte Am 26. März 2008 ernannte der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen Falk für eine sechsjährige Amtszeit zum Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen über „die Lage der Menschenrechte in den seit 1967 besetzten palästinensischen Gebieten“. Falk löste den südafrikanischen Professor John Dugard ab, der sein Amt im Juni 2008 nach sieben Jahren verließ. Falks Ernennung endete im Mai 2014.
Antwort auf Ernennung Die Ernennung von Falk wurde durch ein Konsensprinzip der 47 Mitglieder des UN-Menschenrechtsrates erreicht. Trotz der Versuche jüdischer Gruppen, die Europäische Union (EU) und Kanada zu überzeugen, sich öffentlich gegen die Ernennung auszusprechen, schwieg die EU, während Kanada sich nicht gegen den Konsens aussprach, sondern erklärte, sie würden sich von der Wahl distanzieren.