Graveson (provenzalisch Gravesoun) ist eine Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Norden des Départements Bouches-du-Rhône in der südfranzösischen Region Provence-Alpes-Côte d’Azur. Sie gehört zum Arrondissement Arles und zum Kanton Châteaurenard.
Der Ort befindet sich zwischen Arles und Avignon direkt an der Hügelkette Montagnette. Sein Zentrum ist eine kleine Avenue, der Cours National. Dort befindet sich die Mairie (Rathaus). In unmittelbarer Nähe steht die katholische Kirche Nativité-de-Marie. Graveson ist bekannt als Ort der Künstler und war Wahlheimat des Malers Auguste Chabaud. Am Cours National befindet sich das 1992 eröffnete Chabaud-Museum. Graveson besitzt auch eine Stierkampfarena. Jedes Jahr finden viele Volksfeste statt, das wichtigste ist das Saint-Éloi-Fest. In unmittelbarer Nähe, allerdings auf dem Gebiet der Gemeinde Tarascon, befindet sich die Abtei Saint-Michel-de-Frigolet. Nördlich vom Ortskern liegt die antike Fundstätte La Roque. Bis ins frühe 19. Jahrhundert war Graveson von Stadtmauern umgeben. Erst danach konnte der Ort auf seine heutige Größe anwachsen.
Geografie Lage
mini|Mairie in Graveson mini|Die Montagnette Graveson liegt im Norden des Départements Bouches-du-Rhône zwischen den Städten Arles und Avignon, zu Füßen des Massivs La Montagnette, im Tal zwischen der Montagnette und den Alpilles. In der Nähe mündet die Durance in die Rhone. Sieben Kilometer entfernt liegt der Regionale Naturpark Alpilles.
Die Gemeinde befindet sich dreizehn Kilometer südlich von Avignon, zehn Kilometer nördlich von Saint-Rémy-de-Provence, zehn Kilometer östlich von Tarascon und acht Kilometer westlich von Châteaurenard. Arles, Unterpräfektur des Arrondissements, liegt 24 Kilometer, Marseille 80 Kilometer von Graveson entfernt.
Graveson grenzt im Norden an Rognonas, im Osten an Châteaurenard und Eyragues, im Südosten an Maillane, im Süden an Saint-Étienne-du-Grès, im Südwesten an Tarascon und im Nordwesten an Barbentane.
Gliederung Zentrum der Gemeinde ist der Cours National, ein langgezogener Platz, der von einer Doppelreihe Platanen und auf einer Seite von einem Kanal in zwei Hälften geteilt wird. Die Ortschaft ist um ihre historische Mitte gewachsen.
Ein großes, kaum besiedeltes Gebiet im Norden der Gemeinde wird von der Montagnette eingenommen. Die Gemeinde wird von zwei kanalisierten Bächen durchflossen: Im Norden, nahe der Montagnette, von der Roubine des Lonnes, die zum Weiler Le Breuil im äußersten Südwesten der Gemeinde fließt; kurz davor kreuzt die Roubine des Lonnes den Canal des Alpines, der den Süden der Gemeinde durchfließt.
Naturkatastrophen In der jüngeren Vergangenheit war Graveson mehrmals von extremen Wetterlagen betroffen. Vom 6. bis 10. November 1982 kam es zu mehrtägigen Stürmen mit starken Böen. Am 8. und 9. September 2002 gab es in der Region Überschwemmungen, als die Flüsse über die Ufer traten. Nur wenig später, am 1. und 2. Dezember 2003, war dies erneut der Fall. Am 7. und 8. September 2010 kam es wiederum zu Überschwemmungen.
Im Dezember 2003 wurden an der Rhône flussabwärts von Lyon 65 Gemeinden, darunter 17 des Départements Bouches-du-Rhône überschwemmt. Die Katastrophe begann am 1. Dezember und erreichte am Folgetag ihren Höhepunkt. Auch die Durance trat über die Ufer. Bei Avignon stand die Umgebung der Rhône bis zu zwei Meter unter Wasser. In Barbentane, am Zusammenfluss von Durance und Rhône, kam es aus anderen Gründen zu Überschwemmungen: Flussbildung, Überlauf der Kanalisationssysteme und geringe Aufnahmefähigkeit des Bodens. Dies galt auch für Graveson. Ein Großteil der Kanalisation versagte, Wassergräben liefen über. Im September 2010 kam es erneut zu Überschwemmungen. Die D970 von Graveson nach Tarascon war vorübergehend nicht befahrbar. Es kam zu Schäden und besonders im Gemüsebau zu Ernteverlusten.
Klima In Graveson herrscht Mittelmeerklima mit einem warmen Sommer. Klimadaten Jan. Febr. März Apr. Mai Juni Juli Aug. Sept. Okt. Nov. Dez. Mittlere Höchsttemperatur 7 10 14 18 22 26 29 28 24 18 12 8 Mittlere Tiefsttemperatur 1 1 4 6 10 14 16 16 13 9 5 2 Regentage 10 8 9 9 10 8 5 8 8 10 11 12 Niederschlagsmenge in mm 54 43 32 38 52 50 55 62 51 49 50 49 Sonnenstunden täglich 4 5 6 8 9 10 11 10 8 6 4 3
Geschichte Erste Siedlung und Nekropole Die ältesten Siedlungsspuren auf dem Gebiet von Graveson stammen aus der späten Hallstattzeit (6. Jahrhundert v. Chr.).P. Arcelin: Entre Salyens, Cavares et Volques: peuplement protohistorique et dynamique culturelle dans la région Alpilles-Montagnette, in: F. Gateau, M. Gazenbeek (Hrsg.): Les Alpilles et la Montagnette, Paris, Académie des Inscriptions et Belles-Lettres, 1999, S. 61–78, hier: S. 66. In der Fundstätte La Roque, drei Kilometer nördlich von Graveson in Richtung Barbentane, fanden sich auf einem zehn Hektar großen Gebiet Münzen, Keramik und Küchengeräte, vor allem aber Reste von Lehmbauten. Innerhalb der Nekropole fand sich ein Tempel, eine Werkstatt und ein Friedhof. Die Siedlung lag auf einer Erhöhung direkt an der Montagnette. Zwischen 525 und 475 v. Chr.Diesen Zeitraum nennen Patrice Arcelin und Philippe Gruat: La France du Sud-Est (Languedoc-Roussillon, Midi-Pyrénées, Provence-Alpes-Côte d'Azur), in: Gallia 60 2003| 169–241, hier: S. 193. wurde die Siedlung mit einer Mauer umgeben.Y. Ardagna, C. Rigeade, L. Lalys, P. Adalian, W. Devriendt, P. Ferrando, P. Arcelin, M. Signoli: Le site de la Roque (Graveson, Bouches-du-Rhône), données paléodémographiques et paléopathologiques, in Y. Ardagna, G. Böetsch, O. Dutour, L. Lalys, M. Signoli (Hrsg.): Actes du XXVe colloque du GALF, « L’homme et ses images » Marseille 16-18 juillet 2001, Marseille 2005, S. 317–324. Auch fanden sich am bescheidenen Tempel, der bis in die römische Zeit in Gebrauch war, Spuren von Tieropfern.Jean-Louis Brunaux, Patrice Arcelin: Sanctuaires et pratiques cultuelles. L’apport des recherches archéologiques récentes à la compréhension de la sphère religieuse des Gaulois, in: Gallia 60 2003| 243–247, hier: S. 245 f. Diese galten möglicherweise dem keltischen Gott Belenus. Neben den keltischen Einflüssen kamen vor allem über Marseille auch griechische und ab dem späten 4. Jahrhundert v. Chr. auch römische in die Region. Diese Stadt rief 125 v. Chr. die Römer um Hilfe gegen eine Koalition der keltischen Vocontier, Ligurer, Salluvier und Allobroger ins Land.
Römische Herrschaft, Wüstung Die Römer besiegten die Koalition (125–121 v. Chr.) und besetzten das Land. Damit setzte die Romanisierung, ein, gegen die es allerdings jahrzehntelangen Widerstand gab. Erst mit der Einrichtung von Kolonien nach der Eroberung Galliens durch Caesar verschwanden nach und nach keltische Institutionen; im 1. Jahrhundert n. Chr. war die Region romanisiert, unter Augustus war die Provinz kein Standort der Legionen mehr. Die Provence blieb bis Mitte der 470er Jahre, als die Westgoten die Stadt Arles eroberten, römisch.Theodor Schiede: Handbuch der europäischen Geschichte. Europa im Wandel von der Antike zum Mittelalter, Stuttgart: Klett-Cotta, 1976, S. 240 nennt das Jahr 476, Herwig Wolfram: Die Goten. Von den Anfängen bis zur Mitte des sechsten Jahrhunderts; Entwurf einer historischen Ethnographie, München: Beck 2001, S. 190 bevorzugt das Jahr 473. Die Siedlung, La Roque, wurde während der Völkerwanderung von den Westgoten geplündert und zerstört. Der Ostgotenkönig Theoderich eroberte 508 die Region zurück und richtete 510 die gallische Präfektur mit Sitz in Arles wieder ein.Herwig Wolfram: Die Goten. Von den Anfängen bis zur Mitte des sechsten Jahrhunderts; Entwurf einer historischen Ethnographie, München: Beck 2001, S. 293. Erst 536/537 fiel die Provence endgültig an die Franken.
Aus römischer Zeit stammen nicht nur Münzen und Keramik, sondern auch Überreste von Straßen, die anfangs verschiedene Oppida miteinander verbanden. Dazu zählt insbesondere die Via Agrippa, die das römische Arelate (Arles) mit Lugdunum (Lyon) verband. 1793 wurde ein Cippus aus weißem Marmor als Teil eines Grabmals aus dem 1. Jahrhundert entdeckt; die Inschrift nennt einen Caius Otacilius Oppianus, Sohn eines Caius.Corpus Inscriptionum Latinarum XII, 1 029. In der Spätantike dominierte in den ländlichen Gebieten das Wirtschafts- und Herrschaftssystem der villae, zentraler, meist größerer Landhäuser der provinzialrömischen Herrenschicht, die in dem Maße, in dem die römische Zentralmacht ihren Einfluss verlor, auch die lokale Gesellschaft steuerte und die Rechtsprechung an sich zog. Die anhaltenden Kriege führten bereits ab dem 4. Jahrhundert, besonders aber ab dem frühen 5. Jahrhundert zu einem starken Rückgang der Bevölkerung, was zahlreiche Wüstungen zur Folge hatte.Jean Pierre Devroey: Elaboration et usage des polyptyques. Quelques éléments de réflexion à partir de l’exemple des descriptions de l’Église de Marseille (VIIIe–IXe siècles), in: Dieter Hägermann, Wolfgang Haubrichs, Jörg Jarnut (Hrsg.): Akkulturation, Berlin: de Gruyter 2004, S. 436–472, hier: S. 473. Gleichzeitig gelang es, eine kirchliche Organisation in Form von Bistümern aufzubauen, die spätestens im 4. Jahrhundert auch im dörflichen Bereich die Christianisierung vorantrieben. Da die Bistümer auf Rom orientiert waren, standen sie den Goten, die Arianer waren, ablehnend gegenüber.
Im Frühmittelalter, noch kurz bevor die Vorgängersiedlung von Graveson gleichfalls aufgegeben wurde, entstand an der Kapelle Saint-André-de-Bagalance unterhalb von La Roque ein Friedhof.F Benoit: Aix-en-Provence (région Sud), in: Gallia 22,2 1964| 573–610, hier: S. 578. 26 Gräber wurden dort gefunden. Im 18. Jahrhundert wurde er wiederentdeckt, wobei man einen Wall, einen Turm (6. Jahrhundert v. Chr.) und eine Zisterne entdeckte.
Wiederbelebung ab dem 9. Jahrhundert Im 9. Jahrhundert erschien erstmals der Name Graveson in den Chartes du Pays d’Avignon.Georges de Manteyer: Les Chartes du pays d’Avignon, Mäcon 1914. Die feudale Spitze der Gesellschaft rekrutierte sich vor allem aus burgundischen Familien.Michel Fixot: La Provence de Gregoire de Tours a l’an mille, in: La Provence des origines a l’an mil, hrsg. v. Paul-Albert Fevrier u. a., Rennes: Editions Ouest-France, 1989. Die Mauern wurden auf älteren Ruinen errichtet und verliefen orthogonal, sodass alle Ecken einen rechten Winkel bildeten. Dort standen viereckige oder runde Wachtürme. Die 1,80 Meter dicken und acht Meter hohen Mauern, die von einer Straße mit dazwischenliegenden Gräben umgeben waren, hatten eine entscheidende Bedeutung für die Verteidigung. Sie verschwanden erst im frühen 19. Jahrhundert. Die Burg, von der nur noch die Nordwand erhalten ist, war ein wichtiger Stützpunkt der Grafen der Provence. Das Haupttor (Grand Portail), das heute einen Teil der Touristeninformation beherbergt, war ursprünglich der Eingang zum Westteil des Dorfes.
Entwicklung zur Seigneurie