mini|hochkant|Altes Rathaus und St.-Agatha-Kirche Die Stadt Dorsten liegt im Übergang zwischen dem äußersten Norden des Ruhrgebietes und dem südlichen Münsterland, im Land Nordrhein-Westfalen an der Lippe. Als kreisangehörige Stadt wird Dorsten im Regionalverband Ruhr (RVR) durch den Kreis Recklinghausen vertreten. Sie ist Teil der Metropolregion Rhein-Ruhr.
Die alte vestische Stadt Dorsten, welche südlich der Lippe lag, erhielt am 1. Juni 1251 die Stadtrechte durch den kurkölnischen Landesherrn und wurde im 20. Jahrhundert nach Norden um das Gebiet der ehemaligen fürstbischöflich-münsterischen Herrlichkeit Lembeck nördlich der Lippe erweitert.
Dorsten hatte am 31. Dezember 2018 76.383 Einwohner und ist mit 171,2 km² die flächenmäßig größte der zehn Städte im Kreis Recklinghausen. Überregional bekannt ist die Stadt auch für die Marschlager Holsterhausen.
Geografische Lage Räumliche Lage mini|Tüshaus-Mühle
Die Stadt Dorsten liegt am Unterlauf der Lippe, etwa 24 km von der Mündung in den Rhein bei Wesel entfernt. Hans Lampen hat nach rund 1800 Bohrungen im gesamten Stadtgebiet in einer VeröffentlichungH. Lampen: Insula Durstinon? Lippeverlauf bei Dorsten. 1996 die These aufgestellt, dass Dorsten zu Anfang seiner Entstehung eine Insellage zwischen zwei Lippearmen besaß. So ist auf der Karte von Matthäus MerianMeriankarte von Dorsten aus dem Jahre 1641 zur Zeit der Belagerung durch die Ligaischen Truppen. Die Stadt war damals von dem protestantischen Landgrafen von Hessen eingenommen worden. Dorsten gehörte seit dem 12. Jahrhundert zu Kurköln. auch der südlichere Altwasserarm der Lippe zu erkennen, welcher im Mittelalter SchölsbachMit dem Bau der Befestigung der Stadt Dorsten durch die Hessen im Dreißigjährigen Krieg wurde ein Wassergraben direkt vor der Festungswerken angelegt, der von der Lippe gespeist wurde. Aufgrund der späteren Trockenlegung der alten Schölsbachmündung in die Lippe etwa 2,1 km westlich von Dorsten hat man später das Bett des Schölsbaches im Südosten der Stadt Dorsten so verändert, dass dieser in den künstlichen Festungsfluss direkt vor der Stadt floss. Daraufhin hat man diesen neuen Fluss dann Schölsbach genannt. hieß. Geologisch ist Dorsten interessant wegen des Zusammentreffens von verschiedenen Deckgebirgen: Im Westen eine Zone des marinen Tertiär und im Osten eine Zone des Mittel- und Obersanton.E. Speetzen: Die Entwicklung der Flußsysteme in der Westf. Bucht während des Känozoikums. In: Geologie und Paläontologie in Westfalen 16, 1990, S. 7ff. Im Südwesten der Stadt befindet sich die Kirchheller Heide, im Nordwesten der Dämmer Wald, im Norden die Üfter Mark und im Nordosten die Hohe Mark. Der Osten und Süden Dorstens ist weniger durch Wälder als durch landwirtschaftliche Familienbetriebe geprägt. In Dorsten beginnt die Metropolregion Rhein-Ruhr.
Stadtgebiet Das Stadtgebiet Dorsten hat eine Fläche von 171 km², eine maximale Ausdehnung von 11 km von West nach Ost und von 19,5 km von Nord nach Süd. Die höchste Erhebung ist der Galgenberg nordöstlich von Wulfen-Barkenberg mit 122 m über Normalnull, der niedrigste Punkt befindet sich mit 22 m über Normalnull an der Stelle, wo die Lippe das Stadtgebiet nach Schermbeck verlässt. Entwässert wird das Stadtgebiet über die Lippe. Ihr fließen die Bäche Hambach, Wienbach und Schölzbach zu. Der größte See ist der Blaue See im Osten des Stadtteils Holsterhausen, der unmittelbar an das Marienviertel im Westen Hervests grenzt. Vor allem in den nördlichen Stadtteilen wie Lembeck und Rhade ist die Landschaft von Weideland und Äckern geprägt. In den südlicheren Stadtteilen – vor allem in Hervest – nahm die Industrie und der Bergbau eine bedeutende Stellung ein. Wirtschaftliches und kulturelles Zentrum bildet die Altstadt südlich der Lippe und des Wesel-Datteln-Kanals. Zwischen den Stadtteilen liegen große Wälder wie „Der Hagen“ und die „Emmelkämper Mark“ die zur Üfter Mark und der Hohen Mark gehören.
Flächennutzung 50 % Äcker, Weideland 27 % Wald 11 % Gebäude und Hofflächen 7 % Öffentliche Straßen, Wege, Plätze 3 % Sonstige Flächen 2 % Gewässer 0,2 % Heide, Moor, Abbau- und Brachflächen
Etwa 5 % des Stadtgebietes (853,2 ha = 8,532 km²) sind als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Die größten Schutzgebiete sind die Lippeauen (421,8 ha) und die Rhader Wiesen (204 ha).
Stadtgliederung mini|hochkant=1.5|Stadtgliederung Dorstens mini|hochkant=1.5|Karte des Deutschen Reiches 1 : 100.000 des heutigen Dorstener Gebietes Ende des 19. Jahrhunderts;die Feldmark kam 1841, Hardt 1929, Holsterhausen und Hervest 1943 zur Stadt; erst 1975 folgten Lembeck, Rhade und Wulfen (mit Deuten) sowie der Osten von Altschermbeck (Bauerschaft Emmelkamp) und der Östrich Das Stadtgebiet gliedert sich in die folgenden Stadtteile mit Einwohnerzahlen (Stand: 31. Dezember 2018) in Klammern:
Altendorf-Ulfkotte (1.939) Altstadt (4.156) Deuten (1.640) Feldmark (7.845) Hardt (7.553) Hervest (13.050) Holsterhausen (13.708) Lembeck (5.288) Östrich (2.025) Rhade (5.454) Wulfen (Altwulfen und Barkenberg) (13.725)
Bezogen auf die Grenzen des 19. Jahrhunderts ergäbe das: Stadt Dorsten in den Grenzen von 1841 bis 1929 (11.813) 1929 und 1975 hinzugekommene Ortsteile links der Lippe (11.719) Ehemalige Herrlichkeit Lembeck (52.538)
Das heißt insbesondere, die Einwohner der einst links der Lippe gelegenen Stadt leben heute mit deutlicher Mehrheit rechts der Lippe; indes lebt die Mehrheit der Bevölkerung heute durchaus rund um den Dorstener Stadtkern – nur eben beiderseits der Lippe und zu großen Teilen auf Gebieten der ehemaligen Lembecker Herrlichkeit (Holsterhausen und Hervest): Erweiterte Kernstadt = Stadt Dorsten in den Grenzen der Jahre zwischen 1943 und 1975 (46.031) Ländlichere Gebiete links der Lippe (4.042) Wulfen (13.576) Ländlichere Gebiete rechts der Lippe (12.421)
Die eigentliche Altstadt ist auf der Preußischen Neuaufnahme von 1894 gut erkennbar: Sie liegt komplett rechts des alten Unterlaufs („Schölzbach“) des Schölsbachs, von dem damals noch nicht die mehrheitliche Wassermenge zu Rapphofs Mühlenbach umgeleitet worden war; ferner liegt sie südlich der damaligen leichten Lippeschleife, die exakt der heutigen Kanalschleife entspricht, da die Lippe zwischen Marl und der Mündung des Hammbachs in Holsterhausen beim Bau des Datteln-Hamm-Kanals nach Norden verlegt und ihrer Schleifen beraubt wurde. Das heißt insbesondere, dass die „Insel“ zwischen Kanal und Fluss, auf der heute Stadtbibliothek, Volkshochschule, Hallenbad und diverse Sportanlagen liegen, auf altem Holsterhäuser und Hervester Gebiet steht. Der heutige statistische Bezirk „Altstadt“ entspricht in etwa der Kernstadt um 1936,Messtischblatt Dorsten von 1936, Landkartenarchiv.de zwischen Errichtung des Kanals (bis 1930) und der Eingemeindung der beiden nördlichen Nachbarstadtteile (1943).
Nachbargemeinden Folgende Gemeinden und Städte grenzen an Dorsten – im Uhrzeigersinn beginnend im Norden genannt:
Reken (Kreis Borken), Haltern am See und Marl (beide Kreis Recklinghausen) sowie Gelsenkirchen (kreisfreie Stadt), Gladbeck (Kreis Recklinghausen), Bottrop (kreisfreie Stadt), Schermbeck (Kreis Wesel) und Raesfeld (Kreis Borken).
Geschichte Zugehörigkeit der Stadt Dorsten
Frühe Geschichte Die Region Dorsten muss schon sehr früh besiedelt gewesen sein, wie einige archäologische Fundplätze im ganzen Stadtgebiet bezeugen. Beispielhaft seien die Funde im Dorstener Stadtteil Deuten-Sölten genannt, wo man auf einem Bestattungsfeld mit einer Fläche von 4,2 km² Urnen aus der Jungsteinzeit, sowie 124 Urnen aus der Bronzezeit gefunden hat.
Das erste mit Namen bekannte Volk, welches in der Dorstener Region siedelte, waren die Sugambrer, die im 1. Jahrtausend v. Chr. entstanden waren und erste bäuerliche Siedlungen im ganzen Stadtgebiet mit Zentrum entlang der Lippe hinterlassen haben.Vortrag zu den Grabungen beim ehemaligen Römerlager Holsterhausen im Alten Rathaus Dorsten (2006) Dieses Zusammenleben im Gebiet der Sugambrer wurde erstmals durch die römischen Feldzüge des Marcus Lollius um 18 v. Chr. gestört, wobei die Römer allerdings eine schwere Niederlage, die später unter dem Namen Clades Lolliana bekannt wurde, hinnehmen mussten. Erst unter Drusus ab 12 v. Chr. konnten die Römer ihren Ordnungsanspruch über die Sugambrer durchsetzen, wobei Drusus nach Cassius Dio (Cass. Dio. 54, 33) auf seinem Rückzug von der Weser an der „Vereinigung von Lippe und Elison“ das Kastell Aliso errichtete. Einige Forscher sind der Ansicht, dass es sich bei dem Kastell Aliso um das Marschlager Holsterhausen in Dorsten handelt. Im „Holsterhauser Feld“ und beim Kreskenhof wurden seit 1952 mehrere römische Marschlager aus den Jahren 11 vor bis 16 nach Chr. entdeckt. Die Anlage in Holsterhausen hat ähnlich große Dimensionen wie das Römerlager Oberaden, das die meisten Forscher mit Aliso identifizieren.Eckhard Bremer: Die Nutzung des Wasserweges zur Versorgung der römischen Militärlager an der Lippe. Aschendorff, Münster 2001, ISBN 3-402-05037-4. Gesichert ist die Lokalisierung von Aliso bisher nicht. Für die Römer hatte die Lippe eine hohe Bedeutung, wegen des Nachschubs bei den römischen Expeditionen an Weser und darüber hinaus.Eckhard Bremer: Die Nutzung des Wasserweges zur Versorgung der römischen Militärlager an der Lippe. 2001, S. 4, 10.
Nach dem Tode von Drusus im Jahr 9 v. Chr. erhielt sein Bruder Tiberius das Kommando und begann die Unterwerfung der Sugambrer durch Deportation von ungefähr 40.000 Sugambrern westwärts an den Niederrhein.Eckhard Bremer: Die Nutzung des Wasserweges zur Versorgung der römischen Militärlager an der Lippe. 2001, S. 4. Durch diese Ausdünnung des sugambrischen Volkes hielten die verbliebenen Sugambrer den seit längerer Zeit währenden Druck der Brukterer aus dem Gebiet nördlich der Lippe nicht stand und gingen im neu entstandenen Boroktragau unter.Schäfer: Die Geschichte des Vestes Recklinghausen im Überblick. Vestische Zeitschrift 21, S. 1–20. In der Folgezeit gab es durchziehende Expeditionen und Feldzüge des L. Domitius Ahenobarbus, M. Vinicius und in den Jahren nach 4 n. Chr. nochmal von Tiberius um Aufstände der Germanen niederzuwerfen. Schließlich folgte auch Varus mit einem Feldzug, der zur Varusschlacht im Herbst des Jahres 9 n. Chr. einmündete und mit dem Ergebnis, dass der Einfluss der Römer im Boroktragau, der sich bis nach Werl erstreckteDickmann: Frühgeschichte von Bottrop und der Nachbarschaft. In: Vestisches Jahrbuch 53, S. 41–128, hier S. 53., stark eingedämmt wurde. In der Folgezeit verfestigte sich die natürliche Grenze des Chaisischen Waldes zu einer Völkergrenze, so dass die Brukterer seitdem fast ungestört in dem Gebiet bei Dorsten leben konnten.Dickmann: Frühgeschichte von Bottrop und der Nachbarschaft. In: Vestisches Jahrbuch 53, S. 41–128.
In der Spätantike bis zum Ende des 5. Jahrhunderts entstand nördlich der heutigen Lippe am Kleinen Hohefeld ein Drubbel mit vermutlich sechs Höfen, welcher den Namen „Durstina“ trug. Zeitgleich entsteht südlich der heutigen Lippe die Einzelhofsiedlung „Durstinon“.Koppe: Dorsten – Kleine Hansestadt an der Lippe. 1991
Mittelalter Um 693 begann die langsame Invasion der Sachsen aus dem Norden, was schließlich dazu führte, dass die stärker römisch geprägten Franken aus dem Westen nun aktiver die zu den Franken zählenden Brukterer unterstützten. Dies geschah zum einen kulturell durch die vom Erzbistum Köln geleitete nun stattfindende christliche Missionierung durch Suitbert und andere Missionare und zum anderen durch militärische Hilfe des nun entstandenen Frankenreiches. Seit dieser Zeit gehörte die gesamte linkslippische Region (d. h. alles südlich der Lippe) kirchlich gesehen zum Erzbistum Köln. Immer häufigere Verwüstungen der Sachsen in der Region führten schließlich seit 714 über militärische Gegenoperationen der Franken unter Karl Martell zu den späteren offenen Sachsenkriege Karls des Großen, bis das Gebiet schließlich endgültig wieder fränkisch wurde.