Die Pflanzengattung Racinaea gehört zur Unterfamilie der Tillandsioideae innerhalb der Familie der Bromeliengewächse (Bromeliaceae). Die etwa 88 Arten sind in der Neotropis verbreitet.

Beschreibung Erscheinungsbild und Blätter Racinaea-Arten sind immergrüne, ausdauernde, krautigen Pflanzen und zumeist Epiphyten oder Lithophyten, sie wachsen also auf Bäumen oder an Felsen. Es sind meist Trichterbromelien, sie können aber auch viele andere Wuchsformen besitzen, die man auch bei den Tillandsien kennt. Die Sprossachse ist meist gestaucht. Die Laubblätter sind parallelnervig und ganzrandig. Saugschuppen können überall auf den Blättern verteilt deutlich sichtbar sein oder sie befinden sich nur auf der Blattoberseite innerhalb der Blatttrichter.

Blütenstände und Blüten Die Exemplare brauchen viele Jahre von der Jungpflanze bis zur Bildung des Blütenstandes. Die Blütenstände können unverzweigt oder verzweigt sein. Die Hochblätter der Blütenstände sind bei vielen Arten lange haltbar.

Die zwittrigen Blüten sind dreizählig mit doppelter Blütenhülle (Perianth). Die drei freien Kelchblätter sind asymmetrisch, wobei sie in Richtung ihrer Spitze immer breiter werden (wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu Tillandsia dort sind sie symmetrisch und spitz); sie sind höchstens 12 Millimeter lang. Die drei freien, mehr oder weniger ausgebreiteten Kronblätter besitzen an ihrer Basis keine Schüppchen (Ligulae); das unterscheidet sie von denen der Gattungen Mezobromelia und Vriesea. Es sind zwei Kreise mit je drei Staubblättern vorhanden, die kürzer als die Kronblätter sind. Der Pollen ist orangefarben. Drei Fruchtblätter sind zu einem kahlen, oberständigen Fruchtknoten verwachsen. Der Griffel ist gedrungen und kurz bis kaum erkennbar - kürzer als der Fruchtknoten.

Früchte und Samen Die Kapselfrüchte öffnen sich scheidewandspaltig = septizid. Die Samen besitzen einen „Fallschirm“, ähnlich wie bei der Pusteblume. Die Flughaare befinden sich meist nur an der Basis der Samen und sind in der Kapselfrucht gerade und nicht gefaltet – im Gegensatz zu Catopsis.

Systematik und Verbreitung Die Gattung Racinaea 1993 durch Michael A. Spencer und Lyman Bradford Smith in Phytologia, Volume 74, Seite 152 aufgestellt. Typusart ist Tillandsia cuspidata . Der Gattungsname Racinaea ehrt Racine Foster (1910–1991), die Gattin des amerikanischen Bromeliensammlers und Mitbegründers der Bromeliad Society International, Mulford Bateman Foster.

Die Systematik der Unterfamilie Tillandsioideae ist wegen der Abgrenzungsproblematik der Gattungen und neuerer phylogenetischer Untersuchungen steten Veränderungen unterworfen. Erst 1993 ist die Gattung Tillandsia von Michael A. Spencer und Lyman Bradford Smith in zwei Gattungen: Tillandsia und Racinaea aufgeteilt worden. Alle Arten der früheren Untergattung Pseudocatopsis innerhalb der Gattung Tillandsia wurden in die eigenständigen Gattung Racinaea gestellt. In privaten und botanischen Sammlungen sind diese Arten meist noch unter ihren alten Namen als Tillandsia zu finden. Die Gattung Racinaea gehört zusammen mit Guzmania, Mezobromelia und Tillandsia zur Tribus Tillandsieae.

Die Gattung Racinaea ist in der Neotropis verbreitet.

Es gibt seit 2025 etwa 88 Arten mit etwa 22 Subtaxain der Gattung Racinaea (Stand 2025):mini|Habitus, Laubblätter, Blütenstand und gelbe, dreizählige Blüten von Racinaea crispa mini|Blütenstand und weißen Blüten von Racinaea dyeriana mini|Illustration von Racinaea dyeriana mini|Habitus, Laubblätter und Blütenstand von Racinaea fraseri mini|Ausschnitt einen Blütenstandes von Racinaea fraseri mini|Ausschnitt einen Blütenstandes mit bläulicher Blüte von Racinaea hamaleana mini|Illustration von Racinaea parviflora var. parviflora mini|Illustration von Racinaea riocreuxii mini|Habitus, Laubblätter und Blütenstände von Racinaea schumanniana mini|Illustration von Racinaea tenuispica mini|Illustration von Racinaea tetrantha mini|Habitus, Laubblätter und Blütenstand von Racinaea tetrantha im Habitat mini|Habitus, Laubblätter und Blütenstand von Racinaea tetrantha mini|Habitus und Laubblätter von Racinaea viridis im Habitat mini|Fruchtstand von Racinaea viridis Racinaea adpressa : Es gibt zwei Unterarten: Racinaea adpressa subsp. adpressa: Sie gedeiht als Epiphyt in Wäldern in Höhenlagen von 2200 bis 3400 Metern in Kolumbien nur in Valle, in Ecuador nur in der Provinz Pichincha und in Peru in den Regionen Amazonas sowie La Libertad. Racinaea adpressa subsp. orthiantha : Sie gedeiht als Epiphyt in Regenwäldern in Höhenlagen von 1800 bis 2000 Metern in Costa Rica nur in San Jose. Racinaea aerisincola : Sie gedeiht als Epiphyt in Regenwäldern in Höhenlagen von 50 bis 1300 Metern in Brasilien. Racinaea almeriae : Sie gedeiht als Epiphyt in Nebelwäldern in Höhenlagen von etwa 2600 Metern in Kolumbien. Racinaea blassii : Sie kommt in Ecuador vor. Racinaea commixa : Sie kommt in Peru vor. Racinaea condorensis : Die Erstbeschreibung erfolgte 2010. Sie gedeiht als Epiphyt in Höhenlagen von etwa 1450 Metern in Ecuador nur in der Provinz Zamora-Chinchipe. Racinaea contorta : Sie gedeiht als Epiphyt in feuchten Wäldern in Höhenlagen von 650 bis 1000 Metern in Nicaragua, Costa Rica sowie Panama. Racinaea crispa : Sie gedeiht als Epiphyt in Wäldern in Höhenlagen von 300 bis 1800 Metern in Panama und Kolumbien. Racinaea cuspidata : Sie gedeiht in Höhenlagen von 2850 bis 2900 Metern im peruanischen Region Amazonas. Racinaea decipiens : Diese Neukombination erfolgte 2017. Es gibt zwei Varietäten: Racinaea decipiens decipiens: Diese Neukombination erfolgte 2017. Sie gedeiht als Epiphyt in Wäldern in Höhenlagen von 10 bis 1700 Metern in Ecuador und Peru. Racinaea decipiens : Diese Neukombination erfolgte 2017. Sie gedeiht als Epiphyt in Wäldern in Höhenlagen von 20 bis 2300 Metern in Ecuador und Peru. Racinaea dielsii : Sie gedeiht als Epiphyt in Höhenlagen von 1250 bis 2000 Metern in Ecuador und Kolumbien. Racinaea diffusa : Sie gedeiht als Epiphyt in halb-xerophytischen bis sub-mesophytischen Habitaten in Höhenlagen von 1700 bis 2100 Metern nur in der peruanischen Region Amazonas. Racinaea domingos-martinsis : Sie gedeiht als Epiphyt in Bergwäldern in Höhenlagen von etwa 900 Metern nur im brasilianischen Bundesstaat Espírito Santo. Racinaea dyeriana (Syn.: Tillandsia dyeriana , Tillandsia rutschmannii ): Diese Neukombination erfolgte 2016. Sie gedeiht in Höhenlagen von etwa 1500 Metern im ecuadorianischen Provinz Morona Santiago. Racinaea elegans : Sie gedeiht in Höhenlagen von etwa 2655 Metern in Ecuador nur in der Provinz Imbabura. Racinaea euryelytra : Sie gedeiht als Epiphyt in trockeneren Nebelwäldern in Höhenlagen von 1500 bis 3050 Metern in Ecuador nur in der Provinz Loja. Racinaea fawcettii : Sie kommt nur in Jamaika vor. Racinaea filifolia : Die Erstbeschreibung erfolgte 2020. Sie gedeiht gedeiht epiphytisch in einem feuchten Nebelwald in einer Höhenlage von etwa 1900 Metern in der peruanischen Region Amazonas. Racinaea flexuosa : Sie gedeiht als Epiphyt in Wäldern in Höhenlagen von 2300 bis 2900 Metern in Peru sowie Bolivien. Racinaea fraseri : Sie gedeiht terrestrisch, lithophytisch sowie epiphytisch in Wäldern in Höhenlagen von 750 bis 3000 Metern in Kolumbien, Ecuador und Peru. Racinaea gentryana : Sie wurde 2011 aus Ecuador erstbeschrieben. Sie gedeiht terrestrisch in hochmontanen Wäldern und sogenannten „Bromelien-Rasen“ in Höhenlagen von 1500 bis 3050 Metern in Ecuador in den Provinzen Morona Santiago sowie Zamora-Chinchipe. Racinaea ghiesbreghtii : Sie gedeiht als Epiphyt in Wäldern in Höhenlagen von 1360 bis 1850 Metern von Mexiko bis Guatemala. Racinaea gilmartiniae : Sie gedeiht in Höhenlagen von etwa 2200 Metern in Ecuador nur in der Provinz Cotopaxi. Racinaea goudae : Sie wurde 2011 aus Ecuador erstbeschrieben.: Sie gedeiht in Höhenlagen von 2000 bis 2600 Metern in Ecuador nur in der Provinz Napo. Racinaea graminispicula : Die Erstbeschreibung erfolgte 2025. Sie gedeiht gedeiht epiphytisch in Trockenwäldern in Höhenlagen von 1000 bis 1500 Metern in der peruanischen Region San Martin. Racinaea grantii : Sie wurde 2011 aus Ecuador erstbeschrieben. Sie gedeiht terrestrisch und epiphytisch in Páramos in Höhenlagen von 3100 bis 3200 Metern in Ecuador in der Provinz Azuay im Kanton Cuenca. Racinaea guacamayosensis : Sie wurde 2010 aus Ecuador erstbeschrieben. Sie gedeiht in Höhenlagen von etwa 2200 Metern. Racinaea hamaleana : Die Erstbeschreibung erfolgte 2016. Sie gedeiht epiphytisch in Regenwäldern oder seltenlithophytisch in Höhenlagen von 0 bis 200 Metern in Ecuador. Racinaea hasei : Sie wurde 2011 aus Ecuador erstbeschrieben. Sie gedeiht epiphytisch und wurde bisher nur in Restbeständen von Bergwäldern in Höhenlagen von etwa 2500 Metern gefunden. Racinaea hauggiae : Sie gedeiht epiphytisch in Höhenlagen von etwa 2700 Metern in Ecuador nur in der Provinz Azuay. Racinaea homostachya : Dieser Endemit gedeiht in Höhenlagen von 2500 bis 2800 Metern in Ecuador nur in der Provinz Pichincha. Racinaea inconspicua : Sie gedeiht in Höhenlagen von etwa 1800 Metern in Kolumbien nur in Norte de Santander und in Ecuador nur in der Provinz Pichincha. Racinaea insularis : Es gibt zwei Varietäten: Racinaea insularis var. insularis: Sie gedeiht epiphytisch in Höhenlagen von 200 bis 300 Metern auf den Galapagosinseln und in der ecuadorianischen Provinz Guayas. Racinaea insularis var. latilamina : Sie gedeiht epiphytisch in Höhenlagen von 170 bis 400 Metern in auf den Galapagosinseln und in der ecuadorianischen Provinz Guayas. Racinaea jaramilloi : Die Erstbeschreibung erfolgte 2019. Sie gedeiht epiphytisch einem nebeligen, wolkigen und kühlen Bergwald auf der Amazonasseite der Anden in Höhenlagen von 2200 bis 2500 Metern in der ecuadorianischen Provinz Zamora Chinchipe. Racinaea jenmanii : Sie gedeiht epiphytisch in Wäldern in Höhenlagen von 600 bis 1110 Metern in Venezuela, Guyana, Haiti und auf Kuba. Racinaea kalliantha : Sie gedeiht epiphytisch in Höhenlagen von etwa 2400 Metern nur im peruanischen Departamento Piura. Racinaea kessleri : Sie gedeiht epiphytisch in Höhenlagen von etwa 2500 Metern nur in Bolivien in Cochabamba. Racinaea lutheri : Sie wurde 2013 aus Provinz Morona-Santiago in Ecuador erstbeschrieben. Sie gedeiht epiphytisch in Höhenlagen von 2000 bis 2110 Metern im hochmontanen Regen- und Nebelwald der Amazonasregion. Racinaea lyman-smithiana : Sie gedeiht epiphytisch in Höhenlagen von etwa 2950 Metern nur im peruanischen Departamento Piura. Racinaea macrantha : Sie wurde 2007 aus Peru erstbeschrieben. Sie gedeiht epiphytisch wurde bisher nur im Primärwald in einer Höhenlage von etwa 2720 Metern peruanischen Pasco gefunden. Racinaea marioportillae : Sie wurde 2008 aus Ecuador erstbeschrieben. Sie gedeiht epiphytisch wurde bisher nur im Bergwald in einer Höhenlage von etwa 3000 Metern in der Nähe von Azogues in der ecuadorianischen Provinz Cañar gefunden. Racinaea membranacifolia : Sie gedeiht epiphytisch in Wäldern in Höhenlagen von 1500 bis 3300 Metern in Kolumbien in Santander sowie Cundinamarca. Racinaea michelii : Sie gedeiht epiphytisch in Wäldern und im Dickicht in Höhenlagen von 1700 bis 2500 Metern in Kolumbien in Cauca sowie Valle. Racinaea miniata : Sie kommt in Ecuador nur in der Provinz Tungurahua vor. Racinaea minutipetala : Die Erstbeschreibung erfolgte 2025. Sie gedeiht epiphytisch in warmen Primärregenwäldern in Höhenlagen von 1000 bis 2000 Metern im kolumbianischen Antioquia. Racinaea monticola : Sie gedeiht epiphytisch in Höhenlagen von 750 bis 850 Metern in Ecuador nur in Pichincha und in Bolivien nur in La Paz. Racinaea multiflora : Es gibt drei Varietäten: Racinaea multiflora var. decipiens : Sie gedeiht epiphytisch in Wäldern in Höhenlagen von 10 bis 1700 Metern in Ecuador sowie Peru. Racinaea multiflora var. multiflora: Sie gedeiht epiphytisch in an trockenen Standorten in Höhenlagen von 50 bis 1200 Metern in Ecuador in den Provinzen Guayas sowie Manabí.