Aplerbeck (niederdeutsch: AbbelbiëkWilhelm Schleef: Dortmunder Wörterbuch, 1967 (PDF; 3,9 MB)) ist der Statistische Bezirk 41 und zugleich ein Stadtteil im gleichnamigen Stadtbezirk der kreisfreien Großstadt Dortmund.

Er liegt im Südosten der Stadt und grenzt im Norden an Brackel, Neuasseln und Wambel (Stadtbezirk Brackel), im Osten an Sölde, Sölderholz und Lichtendorf, im Süden an die Aplerbecker Mark und im Westen an Berghofen und Schüren. Die Emscher durchfließt den Stadtteil.

Eine überregionale Bekanntheit erlangt Aplerbeck als Standort der LWL-Klinik Dortmund für Psychiatrie und als Heimat des Oberligisten ASC 09 Dortmund.

Zum 31. Dezember 2025 lebten im Stadtteil Aplerbeck, zusammen mit der Mark, 21.950 Einwohner.

Der derzeitige Bezirksbürgermeister Aplerbecks ist Jan Hendrik Gravert (SPD) seit Beginn des Jahres 2023.

Geographie mini|Mittelpunkt des Landes Nordrhein-Westfalen Der planimetrisch festgestellte geographische Mittelpunkt des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen liegt im Süden von Dortmund-Aplerbeck im Nathebachtal an der Gurlittstraße in der Aplerbecker Mark.Nachweis mit Bildansichten: , Koordinaten: 51° 28,7′ Nord, 7° 33,3′ West. Im Juli 2019 wurde an diesem Punkt ein kleiner Platz errichtet, mit einem Kunstwerk. Die 2,5 m hohe Skulptur Kokon stellt die Umrisse des Bundeslandes dar und ist von Stahldrähten umspannt.

Geschichte mini|links|Karte von 1801 mini|Aplerbeck, Postkarte um 1910 mini|Aplerbeck, altes Amtshaus und Post auf einer Ansichtskarte vor 1906 Urkundlich wurde Aplerbeck erstmals im Jahr 899 in einer Stiftungsurkunde unter dem Namen Afaldrabechi erwähnt. Der Name setzt sich zusammen aus Afal, was Apfel bedeutet (jedoch auch Beerensträucher wurden so genannt) und Bechi ~ Bach. Erste Besiedelungsspuren finden sich für die Jungsteinzeit. An mehreren Stellen wurden Steinbeile gefunden, die auf ca. 3500–2800 v. Chr. datiert wurden. Herausragend ist der Fund einer Hammeraxt mit einer in Stein nachgebildeten Gussnaht, wie sie beim Bronzeguss entsteht. Aus der Bronzezeit erhalten geblieben ist im Berghofer Wald ein Grabhügel auf einer kleinen Kuppe. Ein weiteres Hügelgrab wurde beim Bau des Schwerter Fernsehturms im Berghofer Wald gefunden. Weitere Gräber werden dort vermutet. Der Legenda aurea zufolge wurden im 7. Jahrhundert die beiden Brüder Ewaldi, angelsächsische Missionare, bei Aplerbeck erschlagen.

mini|Amtshaus Aplerbeck Politisch gehörte Aplerbeck seit dem 12. Jahrhundert zur Grafschaft Mark. Den Grafen von der Mark gelang es, die Lehnschaft vom ursprünglichen Lehnsherren, dem Erzbischof von Köln, durch kriegerische Auseinandersetzungen zu übernehmen. Im 14. Jahrhundert fiel die Grafschaft an die Grafen von Kleve. Während der „Großen Fehde“ zwischen Dortmund und den Grafen von der Mark im 14. Jahrhundert blieb Aplerbeck (Appelderbicke) von Plünderung und Brandschatzung verschont, wurde jedoch wie auch andere Gemeinden von den Dortmundern 1422 auf einem Rachefeldzug verwüstet. Im Dreißigjährigen Krieg zogen auch durch Aplerbeck raubende und plündernde Horden. 1630 wurde der Herr des Hauses Rodenberg, Johann von Voß, gefangen genommen und erst nach Zahlung eines Lösegeldes freigelassen. Aus einem Dokument des Jahres 1652 geht hervor, dass die an der Kirche notwendigen Reparaturen, hervorgerufen durch „Kriegsübel“, mit Geldern aus dem Kirchenfonds durchgeführt wurden. Im 17. Jahrhundert wurde Aplerbeck politisch Brandenburg angeschlossen. Nach der Niederlage Preußens gegen Napoleon wurde die Grafschaft Mark (mit weiteren Gebieten) dem Großherzogtum Berg als Ruhrdepartement angegliedert und unterstand damit französischer Kontrolle. Die Mark wurde 1813 nach den Befreiungskriegen wieder Preußen zugeschlagen und gehörte zum Amt Unna. 1818 wurde Aplerbeck als Bürgermeisterei dem Landkreis Dortmund angegliedert, 1887 dem Landkreis Hörde.

Mit Beginn der Industrialisierung entstand in Aplerbeck die Zeche Vereinigte Schürbank & Charlottenburg; die Einwohnerzahl stieg stark an. Im Jahr 1855 wurde Aplerbeck an die Eisenbahnlinie Dortmund-Hörde-Aplerbeck-Unna der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft angeschlossen. 1862 wurde die Aplerbecker Hütte gegründet. In den Jahren 1906/07 wurde das Amtshaus Aplerbeck durch den Amtsbaumeister Wilhelm Stricker direkt an einem abgetrennten Teich der Gräfte des Hauses Rodenberg neu errichtet. 1920 wurde dieser Teich zugeschüttet und der heutige Marktplatz entstand. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts war Aplerbeck für seine Apfelzüchtungen bekannt, darunter die Sorte Aplerbecker Rambour. 1925 wurde die Aplerbecker Hütte, die in ihrer Blütezeit ca. 1.000 Arbeiter beschäftigt hatte, geschlossen. Am 1. August 1929 wurde die vorher selbstständige Gemeinde nach Dortmund eingemeindet.

mini|LWL-Klinik Dortmund, Verwaltungsgebäude In der Zeit des Nationalsozialismus wurde aus Aplerbeck die jüdische Bevölkerung deportiert. Von ca. 120 Gemeindemitgliedern 1933 starben ca. 40 in den NS-Lagern, ca. 30 konnten emigrieren, das Schicksal der anderen ist ungeklärt. In der Psychiatrischen Klinik wurden ca. 340 Zwangssterilisationen durchgeführt. Auch gab es viele Opfer der NS-Euthanasie, der sogenannten Aktion T4: Am 1. Juli 1941 wurden 95 Patienten zuerst nach Herborn transportiert, dann nach Hadamar verlegt und innerhalb weniger Tage dort getötet. Eine zweite Deportation von 77 Kranken wurde am 24. Juli 1941 von Aplerbeck nach Eichberg durchgeführt. Vor dem Weitertransport nach Hadamar wurde ein vorübergehender Euthanasiestopp ausgesprochen. Dieser ging auch auf die im Juli und August gehaltenen Predigten des Münsteraner Bischofs und Kardinals Clemens August Graf von Galen zurück. Die meisten Kranken starben jedoch in den folgenden Jahren an Hunger und Krankheit, nur zwei der zuvor deportierten Patienten überlebten den Krieg. In der 1941 von Marsberg nach Aplerbeck verlegten „Kinderfachabteilung“ wurden außerdem 229 Kinder getötet. Heute erinnert ein Mahnmal der Dortmunder Künstlerin Antje Kietzmann im Park der Klinik an die Opfer.

Am 13. Dezember 1959 kam es zur größten Katastrophe des Stadtteils in der Nachkriegsgeschichte. Bei einer Gasexplosion wurden zwei Häuser zerstört, 26 Menschen starben. Die Retter der Feuerwehr Dortmund und Soldaten der in Aplerbeck stationierten Britischen Rheinarmee suchten zwei Tage lang in den Trümmern nach Überlebenden. An der Unglücksstelle, direkt gegenüber der heutigen Endhaltestelle der U 47, erinnert ein Straßenschild an diese Katastrophe.Jörg Bauerfeld: In: Ruhrnachrichten, 1. April 2009.

Religion mini|Große Kirche mini|Georgskirche Mitte des 16. Jahrhunderts erreichte die Reformation Aplerbeck. Die Gemeinde ging zum Augsburger Bekenntnis über, was der Aplerbecker Pfarrer Nicolaus Witthenius bei der Synode zu Unna im Oktober 1612 schriftlich bekräftigte. Bis zum Jahr 1850 gab es zwei Pfarrstellen. Danach wurden durch den Zuzug Tausender von Menschen während der Industrialisierung weitere Pfarrstellen nötig. Die Reinoldikirche in Dortmund besaß das Patronatsrecht über die Aplerbecker Georgskirche, das nie richtig durchgesetzt und deshalb Anfang des 19. Jahrhunderts außer Kraft gesetzt wurde. Durch die starke Zuwanderung wurde auch eine größere Kirche notwendig. Die Georgskirche ließ sich nicht vergrößern; deshalb wurde die Große Kirche Aplerbeck nach den Plänen des Barmer Baumeisters Christian Heyden neu gebaut. Sie wurde am 15. Dezember 1869 geweiht. Die Gemeinden in Berghofen, Schüren und Sölde wurden zu selbstständigen Pfarreien, und auch die Aplerbecker Mark und „Neu“-Aplerbeck bekamen eigene Pfarrstellen.

mini|Die alte St.-Ewaldi-Kirche von der Egbertstraße aus gesehen. mini|Die heutige Ewaldikirche Durch die Zuwanderung aus Süd- und Ostdeutschland und aus den preußischen Ostprovinzen mit starkem polnischen Bevölkerungsanteil siedelten immer mehr katholische Familien im protestantischen Aplerbeck. Für diese sollte eine eigene Gemeinde als religiöse und soziale Heimstatt gegründet werden. Am 1. Januar 1867 wurde ein Kötterhof als Missionszentrum gekauft und umgebaut. Unter großen Opfern, teilweise mit selbst gebrannten Ziegeln, wurde nach Plänen des Kölner Architekten August Carl Lange eine neue Kirche gebaut. Sie wurde am 21. Dezember 1880 geweiht. Die katholische Kirche in Aplerbeck gab sich den Namen St. Ewaldi. Die Namensgebung geht auf die Legende der beiden Ewalde (Schwarzer Ewald und Weißer Ewald) zurück, die im 7. Jahrhundert in Aplerbeck getötet, in die Emscher geworfen, dann durch ein Wunder rheinaufwärts nach Köln getrieben worden sein sollen. Die katholische Kirchengemeinde verzeichnete nach dem Zweiten Weltkrieg starke Zuwächse. Am 29. Mai 1971 wurde eine neue Kirche geweiht und in den folgenden Jahren die erste Kirche abgerissen.

Die Neuapostolische Kirche in Aplerbeck wurde in direkter Nachbarschaft zur katholischen St.-Ewaldi-Kirche errichtet.

Im 19. Jahrhundert siedelten erstmals Juden in Aplerbeck. Die Gemeinde wuchs von sechs Mitgliedern im Jahr 1818 auf ca. 120 im Jahr 1933. Seit der Judenverfolgung im NS-Regime gibt es keine jüdische Gemeinde mehr in Aplerbeck. Erhalten geblieben sind zwei Friedhöfe.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zogen zunehmend Menschen islamischen Glaubens nach Aplerbeck, unterhalten dort jedoch keine eigene Gemeinde.

Einwohnerentwicklung/Statistik mini|Denkmal der heiligen Ewalde auf dem Aplerbecker Marktplatz Einwohnerentwicklung 1711 bis 2022Siegfried Niehaus: Kleine Geschichte des Amtes Aplerbeck. 1980, S. 66–73, 80, 107. Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner 1711 354 1855 1.549 1895 7.028 1720 404 1866 2.301 1900 8.457 1838 942 1875 4.757 1925 10.604Siegfried Niehaus: Aplerbeck. 1977, S. 101. 1840 952 1880 5.129 1978 21.247 1845 1.118 1885 5.704 2005 22.282 1851 1.361 1890 6.221 2016 21.761202221.550

Strukturdaten der Bevölkerung Aplerbecks (mit Aplerbecker Mark):

Bevölkerungsanteil der unter 18-Jährigen: 14,4 % [Dortmunder Durchschnitt: 16,2 % (2018)] (PDF; 9,1 MB) Bevölkerungsanteil der mindestens 65-Jährigen: 26,3 % [Dortmunder Durchschnitt: 20,2 % (2018)] (PDF; 9,1 MB) Ausländeranteil: 12,1 % [Dortmunder Durchschnitt: 22,3 % (2025)]Staatsangehörigkeiten in den statistischen Bezirken am 31. Dezember 2025 (PDF; 44 kB) Arbeitslosenquote: 6,4 % [Dortmunder Durchschnitt: 11,0 % (2017)]

Das Durchschnittseinkommen liegt ca. 5 % über dem Dortmunder Durchschnitt.

48,2 % der Einwohner sind männlich, 51,8 % sind weiblich.

Aplerbeck ist als Stadtteil Dortmunds einkommensstärkstes und am geringsten von Arbeitslosigkeit betroffenes Stadtbezirkszentrum.

Einwohnerentwicklung

Politik Am 1. August 1929 wurde Aplerbeck nach Dortmund eingemeindet. Nach dem Zweiten Weltkrieg stand dem Rat der Stadt Dortmund bis 1975 beratend ein Bürgerausschuss zur Verfügung.

Gremien und Verwaltung Seit 1975 kümmert sich die Bezirksvertretung um die Belange des Ortsteils, die sich aus 19 Mitgliedern zusammensetzt. Ihnen stand der Bezirksbürgermeister Jürgen Schädel (SPD) von 2016 bis Dezember 2022 vor, welcher mit einem Alter von 74 Jahren verstorben ist und somit von Jan Hendrik Gravert (SPD) abgelöst wurde. Beratendes Stimmrecht haben die direkt und indirekt aus dem Wahlkreis Aplerbeck gewählten Ratsmitglieder des Rates der Stadt Dortmund. So soll eine enge Verbindung zwischen der Arbeit des Rates und der Bezirksvertretung hergestellt werden. Die erste gewählte Bezirksvertretung nahm am 6. Juni 1975 ihre Arbeit auf. Die seit 1999 bestehende Zusammenarbeit zwischen CDU und Bündnis 90/Die Grünen wurde im Januar 2016 beendet. Gemeinsame Pressemitteilung des Ortsverbandes und der Bezirksvertretungsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Stadtbezirk Aplerbeck vom 1. Februar 2016.