mini|hochkant=1.35|Floß (2014) Floß ist ein Markt im Oberpfälzer Landkreis Neustadt an der Waldnaab und kann auf eine mehr als 1000-jährige Geschichte zurückblicken.

Geographie mini|Die Floß in Floß mini|Blick über Floß von Nordwesten Geographische Lage Die Ortschaft Floß liegt auf beiden Seiten des gleichnamigen Flusses Floß in einer Talmulde ungefähr 13 Kilometer westlich der deutsch-tschechischen Grenze. Der Markt erstreckt sich außerdem über die Hügel, die das Nord- und Südufer des Flusses bilden. Im südöstlichen Teil der Ortschaft mündet der von Südosten kommende Hardtbach in die Floß.

Durch Floß hindurch verläuft die Staatsstraße 2395 von Flossenbürg nach Neustadt an der Waldnaab.Fritsch Wanderkarte Der Naturpark Nördlicher Oberpfälzer Wald, Maßstab 1 : 50.000

Nachbargemeinden Die benachbarten Städte und Gemeinden sind (im Uhrzeigersinn): Plößberg, Flossenbürg, Waldthurn, Theisseil, Störnstein und Püchersreuth.

Gemeindegliederung

Die Gemeinde Floß hat 35 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Im Gemeindegebiet gibt es die Gemarkungen Bergnetsreuth, Diepoltsreuth, Floß, Gailertsreuth, Gösen (nur Gemarkungsteil 0), Grafenreuth, Kalmreuth, Schlattein und Schönbrunn.

Der Name Floß und seine Herkunft Varianten Im 10. Jahrhundert: ad (= bei) Flozzun, 1139 bis 1141: Flossen, 1142: Flozze, um 1200: Floss, 1239: de (= von) Flozze, 1285: aput (bei) Flozzam, 1301: Flozz, 1338 bis 1347: Flozz, 1360: Floß, 1476: Floß. Außerdem tauchen auch die Schreibweisen Vlozze und Flôtz auf.Adolf Wolfgang Schuster: 1000 Jahre Floss, 1976, Verlag Marktgemeinde Floss, S. 12–14Wolf-Armin von Reitzenstein: Lexikon bayerischer Ortsnamen: Herkunft und Bedeutung. Oberbayern, Niederbayern, Oberpfalz, C. H. Beck (27. August 2013), S. 82, 83, ISBN 978-3-406-55206-9

Über die Herkunft des Namens Floß sowohl für die Ortschaft Floß als auch für den Fluss Floß gibt es verschiedene Ansichten (zeitlich geordnet):

Herkunft aus dem Keltischen Ungefähr von 500 v. Chr. bis zur Zeitenwende war die Oberpfalz von Kelten besiedelt. Carl Siegert und Wilhelm Brenner-Schäffer nehmen das keltische Wort flathasach = hell, schön als ursprünglich namensgebend an.Carl Siegert: Grundlagen zur ältesten Geschichte des bayerischen Hauptvolksstammes und seiner Fürsten, Verlag: Georg Franz, München, 1854, S. 295, ( Siegert Geschichte Bayern online)Wilhelm Brenner-Schäffer: Versuch einer Geschichte des Landgerichtsbezirks Weiden, Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg vol. 17 (1856), S. 17, 65, 82

Herkunft aus dem Germanischen Von der Zeitenwende bis etwa 600 n. Chr. siedelten germanische Stämme in der Oberpfalz. Ab der Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. drangen elbgermanische Stämme von Norden nach Süden vor und verdrängten die Kelten. Um 500 gehörte die Oberpfalz zum Reich der Thüringer. Von mehreren Autoren (Wolf-Armin von Reitzenstein, Adolf Wolfgang Schuster, Leonhard Bär, Albrecht Greule) wird angenommen, dass der Namen Floß für die Ortschaft und den Fluss von den germanischen Siedlern vergeben wurde. Bär leitet Floß von fließen, Fluss, Flözsand, flözen ab.Leonhard Bär: Der Markt Floß in Vergangenheit und Gegenwart, S. 2 und Geschichte von Flossenbürg, S. 16, 18 Reitzenstein nimmt eine Herkunft vom germanischen Wort flutō = die Fließende an.

Herkunft aus dem Slawischen Im 6. Jahrhundert erlebte das Thüringerreich einen Niedergang. Die germanischen Stämme zogen sich aus der Oberpfalz zurück. Slawische Stämme wanderten ein und siedelten ungefähr von 500 bis 900 in der Oberpfalz bis hin zur Regnitz und zur Naab. Während der Zeit des Nationalsozialismus war es verboten, diese slawische Besiedelung zu erwähnen. Dieses Verbot bewirkte bis in die 1970er Jahre, dass deutsche Archäologen wider besseres Wissen die durch Ausgrabungen und Ortsnamenforschung eindeutig belegte slawische Besiedlung leugneten.Andreas Boos: Zur frühen slawischen Besiedlung der Oberpfalz. S. 123–149, In: Peter Herz (Hrsg.), Peter Schmid (Hrsg.), Oliver Stoll (Hrsg.): Kontinuitäten und Diskontinuitäten: von der Keltenzeit bis zu den Bajuwaren, Frank & Timme GmbH Verlag für wissenschaftliche Literatur, Berlin 2010, ISBN 978-3-86596-274-4, Joseph Adelmar Lindner und Johann Baptist Brenner gingen im 19. Jahrhundert von der ursprünglich slawischen Besiedelung der nördlichen Oberpfalz aus, die sich in zahlreichen Ortsnamen niedergeschlagen hat. Sie leiteten Floß vom slawischen Wort Vlitsche, welches Gasse, Platz, Hohlweg bedeutet. Diese Erklärung würde gut zur Lage von Floß passen.Joseph Adelmar Lindner: Chronik des Amtes und Marktes Floss nach authentischen Quellen. Sulzbach 1850, S. 8, (Digitalisat)Johann Baptist Brenner: Geschichte des Klosters und Stiftes Waldsassen, Nürnberg, Riegel und Wießner, 1837, S. 310, ( Brenner: Geschichte Waldsassen online)

Weitere Annahmen zur Herkunft des Namens Floß Ernst Schwarz nimmt eine Herkunft an von angelsächsisch flot = tiefes Wasser, Meer sowie altisländisch flot = Fließen, schwimmendes Fett und mitteldeutsch flot = Bach, Rinne, Gosse.Ernst Schwarz: Sprache und Siedlung in Nordostbayern. (Erlanger Beiträge zur Sprach- und Kunstwissenschaft 4). Nürnberg 1960, S. 109

Geschichte mini|Freiherr-von Lichtenstern-Straße und Marktplatz, im Hintergrund der Turm der Kirche St. Johannes der Täufer mini|Plößberger Straße, im Hintergrund der Turm der Kirche St. Johannes Baptist Anfänge bis 11. Jahrhundert Die Floß umgebenden Dörfer sind älter als Floß selbst. Zunächst entstanden Siedlungen auf den Höhen, da die Flussniederung sumpfig und von Überschwemmung bedroht war. Floß wurde dann als Handels- und Verwaltungsmittelpunkt an der alten Straßenkreuzung der Straße von Weiden über Floß nach Plößberg (heute: Kreisstraße NEW 20 und Staatsstraße 2181) und der Straße von Flossenbürg über Floß nach Neustadt an der Waldnaab (heute: Staatsstraße 2395) inmitten dieser alten Dörfer angelegt. Der ursprüngliche Ortsmittelpunkt war der Hügel mit der alten Kirche. Auch der Marktbrunnen, etwas darunter gelegen, ist ein Zeugnis dieser alten Zeit.

Im 9. und 10. Jahrhundert kamen bayerische Siedler in die nördliche Oberpfalz. In dieser Zeit entstand das Amt Floß und die zu seiner Verteidigung erbaute Flosser Burg = Flossenbürg. Die erste schriftliche Nennung von Floß stammt aus dem Jahr 948 und erwähnt eine Schlacht ad Flozzun, die für die Bayern siegreich ausging. Es wird angenommen, dass in dieser Schlacht der bayerische Herzog Heinrich I. die Ungarn bei Floß besiegt hat. Seit 899 überfielen die Ungarn fast jedes Jahr ihre westlichen Nachbarn. Erst mit der Schlacht auf dem Lechfeld 955 und dem Sieg Ottos des Großen fanden diese Raubzüge ein Ende.Adolf Wolfgang Schuster: Geschichte der Gemeinde Flossenbürg, Hrsg. Gemeinde Flossenbürg, 1990, Spintler Druck und Verlag GmbH, Weiden, S. 17Adolf Wolfgang Schuster: 1000 Jahre Floss, 1976, Verlag Marktgemeinde Floss, S. 14–22

12. Jahrhundert bis 15. Jahrhundert Floß gehörte im 12. Jahrhundert der Adelheid von Sulzbach, Tochter von Gebhard III. von Sulzbach. Sie war verheiratet mit Theoderich von Kleve. Ende des 12. Jahrhunderts verkaufte sie Floß an Kaiser Barbarossa. Die Grafen von Sulzbach brachten im 12. Jahrhundert Bergbau und Eisengewinnung in das Gebiet der Pfreimd und des Zottbaches. 1273 wird erstmals Hans WagnerJohannes Laschinger: Transkription der Großen Hammereinung. In: Hirschmann, Norbert, Fleißer, Hannelore, Mahler, Fred: Die Oberpfalz, ein europäisches Eisenzentrum – 600 Jahre Große Hammereinung , Band 12/1 der Schriftenreihe des Bergbau- und Industriemuseums Ostbayern, Theuern 1987, S. 141. mit dem Hammer zu Floß (Hammer von der Flozze, Altenhammer) erwähnt.Robert Kuhnle: Wirtschaft der Heimat. In: Gerhard Gietl und Alfred Hoeppner (Redaktion): Der Landkreis Vohenstrauß. Verlag für Behörden und Wirtschaft R. Alfred Hoeppner, Aßling/Obb. und München 1969, S. 115–125.

Floß war Teil eines staufischen Reichsguts und erhielt 1421 von seinen beiden Landesherren, Markgraf Friedrich von Brandenburg und Pfalzgraf Johann, ein neues Marktprivileg. Seit 1438/49 war die Herrschaft über Floß dann in wittelsbachischer Hand.

Die im 13., 14. und 15. Jahrhundert erhobenen Steuern wurden in Naturalien gezahlt. Das niederbayerische Salbuch aus der Zeit zwischen 1269 und 1320, das Böhmische Salbüchlein aus der Zeit von 1366 bis 1373 und das Salbuch von 1416/1440 geben Auskunft über die Höhe der Abgaben in Floß und seinen zugehörigen Ortschaften.Adolf Wolfgang Schuster: 1000 Jahre Floss, 1976, Verlag Marktgemeinde Floss, S. 41, 42, 53–56, 67–79

Das eingezogene Getreide wurde mit Hohlmaßen gemessen. Diese Maße trugen die Namen Nepf (auch: Napf, Naepf), Achtl (auch: Achtel, Acht), Mut (auch: Mutt, Muth), Schaff und Meß. Die Größe dieser Hohlmaße war lokal unterschiedlich. Im Salbuch von 1416/1440 werden die Getreidemaße für Floß untereinander in Beziehung gesetzt.

Getreidemaß in der Herrschaft Floß: 4 Mut = 1 Schaff 4 Mut = 7 Achtl 8 Achtl = 1 Schaff oder Meß 8 Nepf = 1 Achtl 6 Achtl = 1 Regensburger SchaffAdolf Wolfgang Schuster: 1000 Jahre Floss, 1976, Verlag Marktgemeinde Floss, S. 76

Mit dem Floßer Napf ausgemessen gilt ungefähr: 1 Achtl Weizen = 82,240 kg Weizen 1 Achtl Korn oder Gerste = 71,640 kg Korn oder Gerste 1 Achtl Hafer = 62,240 kg Hafer

Dabei ist zu berücksichtigen, dass Napf und Achtl Hohlmaße sind. Wenn also das Getreide feucht und schwer ist, dann wiegt ein Achtl mehr, als wenn es trocken und leicht ist.Adolf Wolfgang Schuster: Geschichte der Gemeinde Flossenbürg, 1990, Sprintler Druck und Verlag GmbH, Hrsg. Gemeinde Flossenbürg, Band I, S. 422

Vieh, Käse und Eier wurden in Stück angegeben. Bei Eiern waren noch die Maße Schock und Pfund gebräuchlich. Aus dem Amt Floß sind außerdem Honigzinse von Zeidlern in den Wäldern nördlich von Flossenbürg überliefert, welche ebenfalls nach Floß in das Pflegschloss geliefert werden mussten. Die Abgabe dieser Zinsen erfolgte ohne festes Hohlmaß als Hälfte der Gesamterntemenge.

1 Schock = 60 Stück 1 Pfund (℔) = 240 Stück

16. Jahrhundert bis 19. Jahrhundert mini|Bergstraße mit Synagoge (rechts) mini|Jüdischer Friedhof 1505 wurde Floß dem neu gegründeten wittelsbachischen Fürstentum Junge Pfalz zugeschlagen. Dieses wurde damals von Pfalzgraf und Kurfürst Philipp regiert.

Während des Dreißigjährigen Krieges befand sich das Amt Floß zwischen zwei feindlichen Brüdern: August von Pfalz-Sulzbach, Lutheraner, kämpfte auf Seiten der Protestantischen Union, verbündete sich mit Gustav II. Adolf von Schweden und zog mit diesem durch Deutschland. Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg, katholisch, kämpfte auf Seiten der Katholischen Liga, erhielt nach der Absetzung des Kurfürsten von der Pfalz Friedrich V. (Winterkönig) durch den Kaiser Ferdinand II. 1623 die oberpfälzischen Ämter Parkstein, Peilstein und Weiden.

Dadurch wurde das Amt Floß von beiden Seiten als feindliches Territorium betrachtet und hatte unter den Truppen beider Seiten zu leiden. Floß und seine umliegenden Ortschaften waren besonders in den Jahren 1620 und 1621 durch den Durchzug von Mansfeldischen Soldaten betroffen. Bei diesen Durchzügen wurden den Bauern Vieh, Getreide, Kleidung, Wäsche, Geschirr, Werkzeuge usw. weggenommen und häufig der Hof und die Nebengebäude zerstört und verbrannt. Eine Schadensaufstellung aus dem Jahr 1621 ergibt für die Ortschaft Floß einen Schaden von 1944 Gulden und 19 Kreuzer. Für das gesamte Amt Floß betrug der Schaden 21403 Gulden und 38 Kreuzer.Adolf Wolfgang Schuster: 1000 Jahre Floss, 1976, Verlag Marktgemeinde Floss, S. 168–195

1614 wurde ein Teil der Jungen Pfalz zum neu gegründeten Herzogtum Pfalz-Sulzbach. Zu Pfalz-Sulzbach gehörten die Ämter Sulzbach, Floß und ein Teil des Amtes Parkstein-Weiden. 1656 wurde Pfalz-Sulzbach durch den Neuburger Hauptvergleich selbständiges, landesfürstliches, reichsunmittelbares Territorium. Das bedeutet, erst seit 1656 hatte der über Pfalz-Sulzbach Regierende die wirkliche Oberhoheit über sein Gebiet.