Dieser Artikel beschreibt die letzten Einsätze von Dampflokomotiven im fahrplanmäßigen Betrieb der Staats- und Privatbahnen. Museumsbetrieb und Sonderzugfahrten mit Dampflokomotiven finden bei einigen der beschriebenen Eisenbahnunternehmen zwar heute noch statt, gelten aber nicht als reguläre Zugfahrt.

Offizielles Ende der Dampfepoche Anfang des 20. Jahrhunderts waren nur Dampfloks in der Lage, große Leistungen und hohe erforderliche Zugkräfte für schwere Züge aufzubringen. Die Bahngesellschaften nahmen daher den Nachteil von höchstens 10 % Wirkungsgrad sowie den Aufwand für die Wartung im Bahnbetriebswerk in Kauf. Jedoch fing man an, zunächst für geringere Zugleistungen den elektrischen Antrieb sowie den Dieselantrieb zu nutzen. Mit dem Fortschritt dieser Techniken konnten bis Mitte des 20. Jahrhunderts ebenbürtige Leistungen mit weniger Wartung und höherem Wirkungsgrad erreicht werden, was in den Betriebskosten zu Buche schlug. Dies war auch notwendig, denn die Eisenbahn stand im Wettbewerb mit anderen Verkehrsmitteln wie Automobil und Lastkraftwagen, der Luftfahrt und der Schifffahrt, bei der ebenfalls Dampf durch Diesel ersetzt wurde. Das zwang die Bahngesellschaften, Elektrolokomotiven, Diesellokomotiven sowie Triebwagen einzuführen und sich von der Dampflokomotive zu trennen. So nahm ab den 1950er Jahren weltweit der Einsatz von Dampflokomotiven ab und wurde namentlich in den Industriestaaten weitestgehend durch Diesel- und elektrische Traktion abgelöst.

Die Dampflokomotive war allerdings das prägende Symbol für die Eisenbahn. Ihre besondere Arbeitsweise, die auf der direkten Wirkung des Dampfs auf die Treibräder des Fahrzeugs beruhte, und die charakteristischen Arbeitsgeräusche wie der Dampfausstoß ließen sie viele Freunde finden. Musiker wurden davon inspiriert. Der Komponist Arthur Honegger schuf so sein Werk Pacific 231. Auch ist der Refrain Trulla, Trulla trulla-la des Volkslieds Auf de schwäbsche Eisebahne die lautmalerische Wiedergabe des Dampfausstoßes. Die Literatur wurde um ein Genre von Sachbüchern wie denen des Autors Karl-Ernst Maedel erweitert. Museums- und Touristikzüge mit Dampflokomotiven ziehen auch heute noch Publikum an. Daher wurde das Ende ihrer regulären Einsätze in der Öffentlichkeit verfolgt und auch als Ende der Dampflokära oder als Dampflok-Abschied bezeichnet.

Deutschland Deutsche Bundesbahn Ende Oktober 1977 fuhr die Deutsche Bundesbahn auf der Emslandstrecke zum letzten Mal regulär mit Dampflokomotiven. Der Betrieb in diesem Zeitraum gilt als das Ende des Dampfzeitalters bei der Bundesbahn.Chronik der Eisenbahn, Teil 2 Heel Verlag

Da sich die Elektrifizierung der Emslandstrecke verzögerte und zu wenig Diesellokomotiven für die gefahrenen Züge vorhanden waren, blieben die ölgefeuerten Dampflokomotiven der Bahnbetriebswerke (Bw) Emden und Rheine bis Ende des Sommerfahrplans 1977 noch in Betrieb. Erst als die Schwarzwaldbahn elektrifiziert war, konnten Diesellokomotiven der DB-Baureihe 221 des Bw Villingen ins Emsland verlegt werden. So verfügte die Hauptverwaltung der DB, dass der 26. Oktober der letzte Einsatztag für Dampflokomotiven sei. Die Diesellokomotiven überbrückten den Zeitraum bis zur Fertigstellung der Fahrleitung. Erst am 29. September 1980 konnte der Betrieb mit Elektrolokomotiven aufgenommen werden.Internetseite Eisenbahn in Ostfriesland Zeittafel, abgerufen am 22. August 2008

Letzte Fahrten mini|Die 043 196-5 als Denkmal am Bahnhof Salzbergen mini|Denkmallok 043 903-4 in Emden Am 23. Oktober 1977 fuhr ein Sonderzug der DGEG von Rheine über Salzbergen, Lingen, Meppen nach Emden und zurück mit Dampftraktion.Internetseite der Dampflokfreunde Rheine, Artikel: , abgerufen am 22. August 2008. Viele Eisenbahnfreunde und Fotografen wohnten dieser Fahrt bei. Es war die letzte Fahrt von DB-Dampflokomotiven des normalen Einsatzbestands über die gesamte Emslandstrecke. Eingesetzt wurden 042 113-4, eine auf Ölfeuerung umgebaute Maschine der Baureihe 41, und die ebenfalls mit Öl geheizte 043 196-5, die zur Baureihe 44 zählt. Die 043 wurde danach im Bahnbetriebswerk Rheine einsatzbereit vorgehalten, ohne jedoch noch weitere Zugleistungen zu erbringen.

Am 26. Oktober 1977 fanden die letzten von DB-Dampfloks geführten Zugfahrten statt: Zusammen mit einer Diesellokomotive der Baureihe 290 beförderte die Lokomotive 043 315-1 nachmittags einen Übergabegüterzug aus dem Emder Hafen in den Rangierbahnhof Emden. Etwa gleichzeitig überführte die 043 903-4 einen Hilfszugwagen von Oldersum nach Emden. Diese Fahrt der 043 903-4 gilt als die letzte planmäßige Fahrt einer Dampflok der DB. Gegen 16 Uhr wurden beide Maschinen im Bw Emden abgestellt. Heute ist die Dampflok 043 903-4 vor dem Emder Hauptbahnhof ausgestellt.

Die Lok 043 196-5 kam am gleichen Tag um Mitternacht ins Bw Rheine. Deshalb gilt sie als die letzte aus dem Betriebsdienst genommene Rheiner Dampflok der Bundesbahn.

Die letzte betriebsfähige Rheiner Dampflok (bis Oktober 1977) war die Lok 043 196-5, die heute am Bahnhof Salzbergen als Denkmallok abgestellt ist. Als letzte Dampflok der DB fuhr die 043 903 am 26. Oktober 1977 mit einem Hilfszuggerätewagen ins Bahnbetriebswerk Emden ein und beendete mit dem Löschen der Ölbrenner den Dampflokeinsatz bei der DB.Modelleisenbahner, Ausgabe Nr. 10/2017

Die Wiederinbetriebnahme von Dampflokomotiven bei der Deutschen Bundesbahn Mit Wirkung vom 27. Oktober 1977 00:00 Uhr wurde das verhängte Dampflokverbot der DB wirksam. Allerdings fuhr im Bw Gelsenkirchen-Bismarck bis zum 17. Januar 1979 noch eine als Heizlokomotive eingesetzte Dampflok (044 377-0) regelmäßig freitags zum Ausschlacken, Bekohlen und Wasserfassen aus dem Rundlokschuppen zu den Dampflokbehandlungsanlagen. Bis in die 1980er Jahre hinein blieben im Bw Rheine mehrere Dampflokomotiven abgestellt stehen. 1983/84 wurden einige als Ersatzteilspender ins Bw Offenburg gebracht, andere an private Interessenten abgegeben, wie zum Beispiel die 01 1081, welche zuerst in einem Sanatorium als Technisches Denkmal aufgestellt wurde.Jörg Sauter: Die Schnellzuglokomotiven der Ulmer Eisenbahnfreunde S. 243 Später gelangte sie zu den Ulmer Eisenbahnfreunden.

Im Jahr 1984 kam es im Vorfeld des Eisenbahnjubiläums „150 Jahre Deutsche Eisenbahnen“ wieder zu ersten Abnahmefahrten von aufgearbeiteten Dampflokomotiven auf DB-Gleisen in Südwestdeutschland. Erst fuhren der Nachbau des legendären Adler, dann auch die im Dezember 1959 als letzte DB-Neubau-Dampflok in Betrieb genommene Dampflok der Baureihe 23 (23 105), später je eine Dampflok der BR 01, 50 und 86 bei der Deutschen Bundesbahn als sogenannte Museumsloks. Auf Initiative von Horst Troche fanden Ende 1984 erste Fahrten unter Mitnahme von Fahrgästen statt. Die DB befuhr mit ihrer Handvoll Dampflokomotiven offiziell ab Frühjahr 1985 im Rahmen eines Nostalgie- und Sonderfahrtenprogrammes Eisenbahnstrecken im Raum Nürnberg, später in ganz Deutschland. Seither ist es auch Privatbahndampfloks und Museumsbahnen erlaubt, Sonderfahrten bzw. sogenannte Plandampffahrten mit ihren eigenen Dampfloks auf DB-Strecken durchzuführen. Dies gilt bis heute auf allen Strecken der 1994 neu gegründeten DB AG.

Werk- und Privatbahnen in Westdeutschland Der Dampfbetrieb mit Tenderdampfloks bei Werkbahnen endete im Westen Deutschlands erst am 31. Dezember 1992 beim Eschweiler Bergwerksverein in Alsdorf bei Aachen. Dort sah man Dampfloks auch in der kurzen Zeit des absoluten DB-Dampflokverbotes im schweren Rangierdienst als Zubringer für DB-Dieselloks. Feuerlose Dampfloks werden unter anderem bei Chemie- und Kraftwerken bis heute eingesetzt.

Deutsche Reichsbahn Die Deutsche Reichsbahn konnte trotz eines umfangreichen Dieselloktypenprogrammes (Baureihen 106, 110, 118) und umfangreicher Importe aus Rumänien (Baureihe 119) und der Sowjetunion (Baureihen 120 und 132) lange Zeit nicht auf Dampfloks verzichten. Die zweite Ölkrise 1979/80 führte sogar zu einer kurzzeitigen Renaissance der Dampflok, abgestellte Loks wurden dabei reaktiviert. Um den Devisenbedarf für sowjetisches Öl weiter zu reduzieren, begann die Reichsbahn zudem mit einem umfangreichen Elektrifizierungsprogramm, der Strom dafür konnte aus heimischer Braunkohle gewonnen werden. So konnte erst 1988 der planmäßige Dampfbetrieb der Reichsbahn auf Regelspurgleisen eingestellt werden. Die letzten Loks der Baureihe 50.35 wurden vom Bahnbetriebswerk Halberstadt eingesetzt. Am 29. Oktober 1988 bespannte die 50 3559-7 letztmals einen Umlauf Halberstadt–Magdeburg–Thale–Halberstadt als offizielle Abschiedsfahrt.

Die DR hielt allerdings bis Anfang der 1990er weiterhin einzelne Normalspur-Lokomotiven zusätzlich zu ihrem umfangreichen Park an Traditionslokomotiven als Reserve vor. Unverändert blieb der Dampfbetrieb auf den DR-Schmalspurbahnen. Lediglich auf der Harzquerbahn sollten Diesellokomotiven der Baureihe 199.8 den Dampfbetrieb ab 1989 mittelfristig ablösen, alle anderen Strecken blieben vollständig unter Dampf. Zwischenzeitlich vollständig privatisiert, werden die ehemaligen DR-Schmalspurbahnen auch derzeit noch fast vollständig mit Dampfloks im täglichen Verkehr befahren. Der Plandampf konnte sich auch auf Hauptstrecken bis in die 1990er Jahre halten.

Deutsche Bahn AG Nach Zusammenlegung beider deutscher Staatsbahnen DB und DR zur Deutsche Bahn AG Anfang 1994 kam es immer noch zu planmäßigen Dampfbespannungen, vornehmlich im Raum Berlin. Die 52 8134 zählte neben den Loks 50 3545, 52 8075, 8079, 8087 und 8117 damals zu den letzten voll zugdiensttauglichen „Staatsbahn“-Normalspur-Dampflokomotiven in Deutschland überhaupt. Neben dem Einsatz als Heizlok wurde die Maschine auch vor Sonderzügen eingesetzt. Bekannt war der sonnabendliche Regelzug E 3001/3008 von Berlin nach Lübbenau, der als Gurkenzug vermarktet wurde und bis September 1994 fuhr.Berliner Zeitung, 24. August 1994, siehe MIT NOSTALGIELOKS NACH LÜBBENAU UND RHEINSBERG Der „Gurkenzug“ steht jetzt wieder unter Dampf Nach dem Fristablauf der Schöneweider 52 8075, 8079 und 8117 und der schadhaften Abstellung der 52 8087 wurde die Maschine dann mehrmals vor dem sonntäglichen Ausflugszug zwischen Berlin-Lichtenberg und Rheinsberg/Mark eingesetzt.

Bei der Deutschen Bahn erhielt die Lok auch die neue EDV-Nummer 052 134-4. Am 6. November 1994 hatte sie dann die Ehre, als letzte betriebsfähige Lok des Bw Berlin-Schöneweide letztmals das Zugpaar E3154/E3159 nach Rheinsberg/Mark zu befördern. Gegen 20 Uhr traf der E 3159 in Berlin-Lichtenberg ein. Mit einem langgezogenen Pfiff, der unter der Straßenbrücke an der Bahnhofseinfahrt widerhallte, beendete Lokführer Klaus Hollenbach das Dampfzeitalter der DB AG.

Die 52 8134 war die letzte Staatsbahn-Normalspurdampflok des Regelbestandes in Deutschland, die einen planmäßigen Personenzug befördert hat. Die weiteren Tage war die 8134 noch als Heizlok im Bw Schöneweide eingesetzt, bis schließlich mit Ablauf der Kesselfrist am 13. November 1994 um genau 23.59 Uhr das Feuer in ihr gelöscht und damit das Ende des normalspurigen Dampfbetriebes in Deutschland besiegelt wurde.

Die beiden Schmalspurbahnen Lößnitzgrundbahn und Weißeritztalbahn gehörten noch im Laufe des Jahres 2004 zur Deutschen Bahn AG und setzten dort planmäßig Dampflokomotiven ein (Weißeritztalbahn bis 2002, siehe Elbehochwasser). Seitdem haben sie einen neuen Betreiber und gehören nicht mehr zur DB AG.