mini|hochkant=1.2|Goldsucher warten auf die Registrierung ihrer Claims (1898) mini|Häuptling (Chief) Isaac, fotografiert 1898. Er führte die Tr'ondek Hwech’in bis 1932. Während des Goldrauschs wehrte er sich gegen die Zerstörung der für die traditionelle Lebensweise unverzichtbaren Ressourcen, vor allem gegen das Abschlachten der Karibuherden und die Abholzung der Wälder. Der Klondike-Goldrausch gilt als einer der folgenreichsten unter den zahlreichen als Goldrausch bezeichneten Prozessen. Er brachte ab 1896 mehr als hunderttausend als Stampeders bezeichnete Goldsucher an den Klondike River bei Dawson, führte zur Errichtung des Yukon-Territoriums und zur Festlegung der Grenze zwischen Alaska und Kanada. In den USA fiel er in die Zeit einer Wirtschaftskrise, weshalb zahlreiche Menschen ihr Glück nun am Klondike suchten. Zudem führte ihr Erfolg riesige Goldmengen auf den Weltmarkt, beförderte regional starke Inflationstendenzen, und sein Ende führte zu einer erheblichen Liquiditätskrise. Insgesamt wurden im Klondike-Gebiet bis heute rund 570 Tonnen Gold gewonnen, das entspricht einem Volumen von knapp 30 m³.Mike Burke, Craig J. R. Hart, Lara L. Lewis: Models for epigenetic gold exploration in the northern Cordilleran Orogen, Yukon, Canada, in: Jingwen Mao, Frank P. Bierlein (Hrsg.): Mineral Deposit Research. Meeting the Global Challenge. Proceedings of the Eighth Biennial SGA Meeting, Beijing, China, 18–21 August 2005, Bd. 1, Springer, 2008, S. 525–528, hier: S. 525 (Umrechnung: ca. 20 Millionen Unzen = ca. 570 Tonnen).
Die Lebensweise der indianischen Bewohner, die in Kanada seit den 1980er Jahren als First Nations bezeichnet werden, veränderte sich in der klimatisch von extremer Kälte und sehr stark schwankender Tageslänge geprägten Region durch den Goldrausch grundlegend. Zum einen wurde ihre Lebensgrundlage, die Karibuherden, drastisch dezimiert, zum anderen siedelten sich einige Stämme erstmals fest an, um am schnell expandierenden Handel zu partizipieren. Zudem veränderte die eingeführte Geldwirtschaft das Arbeitswesen. Zahlreiche Indianer fielen eingeschleppten, vormals nicht verbreiteten Krankheiten zum Opfer. Dennoch gelang es gerade den Tr'ondek Hwech’in, die um Dawson – der Hochburg des Goldrauschs – herum lebten, den negativen Folgen partiell auszuweichen und ihre Kultur zu bewahren.
Wirtschaftshistorische Einordnung Der Klondike-Goldrausch bildet nur ein Glied in der Kette derartiger Großereignisse, die mit dem ersten Goldrausch von Minas Gerais in Brasilien in den Jahren 1693 bis 1695 einsetzten.Michel North: Das Geld und seine Geschichte. München 1994, S. 121. Im zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts hatte die jährliche Goldförderung mit weltweit nur noch rund 10 Tonnen einen Tiefpunkt erreicht.Michel North: Das Geld und seine Geschichte. München 1994, Tabelle 7, S. 146. Dies änderte sich ab Ende der 1840er Jahre, als Gold in Kalifornien und Australien, ab den 1850er Jahren auch in Kanada gefunden wurde. In den Jahren 1881 bis 1890 stieg die Jahresförderung auf fast 160 Tonnen. Sie verdoppelte sich im folgenden Jahrzehnt, wobei die Silberförderung zunächst stagnierte. Dementsprechend fiel der Gold- gegenüber dem Silberpreis. Doch bald wurde die Silberförderung so stark erhöht – beispielsweise durch Silberfunde in Nevada –, dass der Silberpreis massiv fiel und die meisten Industrieländer zur Goldwährung wechselten. 1873 bis 1876 führte das Deutsche Reich als erste Nation die Goldwährung ein, weitere nordeuropäische Staaten folgten. Bis in die frühen 1890er Jahre schlossen sich die meisten Industrieländer an, während die eher agrarisch ausgerichteten Länder bei einem System der Doppelwährung blieben, also von Gold- und Silbermünzen.
In dieser Zeit setzte sich auch der Goldstandard durch, der dafür sorgte, dass Geldnoten nur in einem festgesetzten Verhältnis zu den Goldreserven des Landes ausgegeben werden durften. Gemäß der Theorie dieser Zeit sorgte dies für eine Stabilisierung der Währungsverhältnisse durch den Goldautomatismus. Dazu mussten sich die jeweiligen Zentralbanken aber an strikte Regeln halten. Wurde eine Währung schwächer, führte dies der Theorie nach zu einem entsprechenden Goldabfluss in Richtung der stärkeren Währung, womit die Banknotenausgabe entsprechend den verminderten Goldreserven reduziert werden musste. Dies erhöhte wiederum die Zinsen und senkte die Preise. Im Land, dem Gold zuströmte, sorgte dies im Gegensatz dazu für einen höheren Papiergeldumlauf, der die Zinsen senkte und die Preise steigen ließ. War ein bestimmter Punkt erreicht, kehrte sich der Goldfluss wieder um. Die Zahlungsbilanz wurde ausgeglichen, die Währungen stabilisierten sich. Doch hielten sich die Zentralbanken nur allzu häufig nicht an die dazu notwendigen Vorgaben. Dennoch war das System erfolgreich, da man auf die garantierte, jederzeitige Umtauschbarkeit von Geld und Gold vertraute.
Der Goldbedarf war dementsprechend hoch. Zudem senkte preisgünstiger Frachtraum die Preise vieler Waren und erhöhte somit deren Umsätze und Verbrauch. Folgerichtig durfte in jenen Jahrzehnten kein Engpass bei der Versorgung mit Gold eintreten. In Kanada setzte dies umfangreiche Suchunternehmungen in Gang, von denen einige binnen weniger Jahre auch fündig wurden. Sie lösten eine Kette von Goldräuschen aus, die immer mehr Menschen in Bewegung setzten; viele von ihnen eilten von einem Goldfeld zum nächsten. Neben Südafrika konzentrierten sich die Exploratoren zunehmend auf Kanada als Lieferanten für das erforderliche Gold.
In den Vereinigten Staaten war der Widerstand gegen den Goldstandard stark, da bei zu geringen verfügbaren Goldvorräten die umlaufende Geldmenge und damit die Wirtschaft eingeengt würde. Schon am 9. Juli 1896 sprach sich William Jennings Bryan vor einer Versammlung der Demokraten in Chicago vehement gegen die „Dornenkrone“ aus, die auf die „Brauen der Arbeit“ gepresst werden sollte. „Die Menschheit solle nicht gekreuzigt werden an einem goldenen Kreuz“. Bryan war 1896 und 1900 Präsidentschaftskandidat, verlor jedoch beide Wahlen.Kathryn Taylor Morse: The Nature of Gold. An Environmental History of the Klondike Gold Rush, Weyerhaeuser Environmental Books, 2003, S. 17. 1900 wurde schließlich der Goldstandard auch in den USA eingeführt, was ohne die Goldfunde am Klondike wohl kaum möglich gewesen wäre.
Politische Rahmenbedingungen Seit dem Unabhängigkeitskrieg waren die Vereinigten Staaten mit der Kolonialmacht Großbritannien, die den Nordteil Nordamerikas beherrschte, in mehrere kriegerische und diplomatische Konflikte verwickelt. In deren Folge musste die Hudson’s Bay Company, die den größten Teil Kanadas und den Nordwesten der heutigen USA mit Hilfe eines britischen Pelzhandelsmonopols kontrollierte, 1846 ihre Handelsposten südlich des 49. Breitengrades aufgeben. Seitdem setzte die Gruppe unter Gouverneur James Douglas alles daran, die Übernahme British Columbias durch die USA zu verhindern. 1867 erwarben die USA jedoch Alaska von Russland, und viele sagten voraus, dass ganz Kanada an die USA fallen würde. Diese Erwartung wurde im Westen Kanadas verstärkt, als Tausende von Goldsuchern nordwärts strömten, um ab 1858 am Fraser River und ab 1861 im Cariboo-Gebiet ihr Glück zu machen. Nicht nur die Indianer gerieten in die Minderheit, sondern auch die Briten. Diese versuchten nun, ein Gegengewicht zu schaffen, indem sie die Einwanderung aus Europa förderten. Als Kanada auf Initiative Londons 1867 gegründet wurde, um die Expansion der USA nach Norden zu bremsen, dauerte es bis 1871, ehe sich British Columbia gegen erhebliche Konzessionen bereit erklärte, der Konföderation beizutreten. Die Regierung der Provinz British Columbia versuchte, durch Polizeipräsenz und eine strenge Regulierung der langen Anmarschwege die Massenbewegungen unter Kontrolle zu halten und die Golderträge zugleich mit Abgaben zu belegen.
Ein Teil der Goldgräber kam allerdings über Alaska, das den überwiegenden Teil des Küstensaums beherrschte, und das sich unmittelbar westlich des Klondike-Gebiets erstreckte. Dort entstand 1867 das Department of Alaska, doch erst ab 1884 begann die eigentliche Verwaltung durch die USA. Es entstand der District of Alaska. Seine Häfen boten einen leichteren Zugang zum Klondike als die in Kanada. Zwar war die Grenze zwischen dem Hauptteil Alaskas und Kanada schon 1825 von Russen und Briten am 141. Längengrad festgelegt worden, doch war der Grenzverlauf des so genannten Alaska Panhandle, der östlich dieses Längengrads lag und der sich weit in den Süden erstreckte, nicht eindeutig festgelegt. Der daraus resultierende schwelende Konflikt konnte erst 1903 beigelegt werden, so dass beide Länder die Vorgänge am grenzüberschreitenden Yukon, und besonders die am Klondike, genau beobachteten. Eine Kontrolle der langen Grenze war praktisch nicht möglich, und den Goldsuchern im Yukongebiet war es weder klar noch von nennenswerter Bedeutung, ob sie sich gerade auf dem Territorium der USA oder dem Kanadas aufhielten.
Vorgeschichte der Region Klondike mini|Indianische Besucher bei einem Potlatch in Kok-wol-too am Chilkat River, etwa 1895 mini|Fort Selkirk, 2006 Die Rolle der Indianer Am Zentrum des Goldrauschs, am Zusammenfluss von Klondike und Yukon, befand sich bis 1896 ein im Sommer bewohnter Fischplatz der Hän namens Tr’ochëk, ein Dorf, das heute der Tr’ondek Hwech’in First Nation gehört, dem dort ansässigen Indianerstamm.Das Folgende nach: (tc.gov.yk.ca PDF; 3,9 MB). Ihr Führer während des Goldrauschs war Chief Isaac. Das Lager befand sich am Südostrand des traditionellen Gebiets der Tr’ondek Hwech’in, unmittelbar nördlich von Dawson, auf der anderen Seite des Klondike. Isaac gelang es durch Verhandlungen mit der Anglikanischen Kirche und der Polizei, ein neues Lager zu bekommen, das wenige Kilometer flussabwärts lag und Moosehide hieß. Auch hier lebten, ähnlich wie im verlassenen Dorf, seit rund 8.000 Jahren Indianer. Aus dem alten Dorf entstand der Rotlichtbezirk Lousetown, bald Klondike City genannt.
Schon bevor die Hudson’s Bay Company 1874 Fort Reliance im Gebiet des Stamms errichtet hatte, bestand ein reger Handel, etwa mit Tabak und Tee. Auch mit geringen Goldmengen wurde gehandelt und das Edelmetall zog bereits vereinzelte Goldsucher in die Region.
Die einzigen Indianer, die bis zum Chilkoot Pass handeln durften, einem der beiden Übergänge zum Binnenland, waren die an der Küste ansässigen Tlingit. Die zu dieser Gruppe gehörenden Chilkoot und die Chilkat vom Westarm des Lynn Canal bewachten den Pass und kontrollierten so den Zugang zum Hinterland. Damit besaßen sie ein Monopol für den Handel zwischen Alaska und dem Yukon. Auch die ersten weißen Händler, die nach Pelzen suchten, sowie die Pelzhändler der Tutchone und Tagish im Binnenland, die auf die Waren der Weißen hofften, mussten sich ihren Bedingungen fügen, profitierten aber auch selbst, wenn auch in geringerem Maß, vom Zwischenhandelsmonopol. Selbst die weiter nördlich lebenden Trond'ek Hwech'in und Kutchin kamen an den Chilkoot und Chilkat nicht vorbei. Dabei muss man sich diese Handelstätigkeit in großem Maßstab vorstellen, denn manche dieser Händlergruppen umfassten 100 Männer. Im Norden wiederum kämpften diese Gruppen um eigene Handelsmonopole mit der Hudson Bay Company, aber auch mit russischen und amerikanischen Pelzhändlern.
Die Tutchone lieferten dabei Elch- und Karibufelle sowie Schaffelle, aber auch Hörnchen- und Biberfelle, Luchs-, Bisam- und Otterfelle sowie Schneehasenfelle. Außerdem brachten sie das seltene Kupfer, Sehnen und gelbe Blattflechten, mit denen die Chilkat ihre Decken färbten.