Die 37. Vierschanzentournee 1988/89 war Teil des Skisprung-Weltcups 1988/89.
Das Springen in Oberstdorf fand am 30. Dezember 1988 statt, am 1. Januar 1989 das Springen in Garmisch-Partenkirchen und am 4. Januar 1989 das Springen in Innsbruck. Die Abschlussveranstaltung in Bischofshofen wurde am 6. Januar 1989 durchgeführt. Der Finne Risto Laakkonen gewann die Tournee, ohne ein Einzelspringen gewonnen zu haben.
Weltcup und Favoriten Vor der Vierschanzentournee waren bereits sechs Einzelspringen im Weltcup absolviert worden. Die Saison hatte Anfang Dezember 1988 wie nun schon seit einigen Jahren im kanadischen Thunder Bay begonnen.
Gesamtweltcupstand vor der Vierschanzentournee 1. Dieter Thoma 81 Punkte 2. Jan Boklöv 78 Punkte 3. Risto Laakkonen 59 Punkte 4. Matti Nykänen 55 Punkte 5. Ernst Vettori 54 Punkte 6. Vegard Opaas 44 Punkte 7. Ladislav Dluhoš 41 Punkte 7. Josef Heumann 38 Punkte 9. Pekka Suorsa 36 Punkte9. Erik Johnsen 28 Punkte Nach der triumphalen Olympiasaison 1987/88, bei der der Finne Matti Nykänen 3 olympische Goldmedaillen holte, die Vierschanzentournee und den Skisprung-Weltcup gewann sowie Dritter bei der Skiflug-Weltmeisterschaft geworden war, war dieser naturgemäß erneut der heißeste Anwärter auf den Tourneesieg. Allerdings war die Vorsaison schwerlich zu toppen und ein erneutes Motivieren zu Höchstleistungen musste kein Selbstläufer sein. Dennoch sprang der kleine Finne bei den ersten Weltcupspringen wieder vorne mit. Aber nun bestimmten auch andere Protagonisten die Schlagzeilen. Allen voran Dieter Thoma, der bei den sechs Springen in Übersee drei Podestplätze errang und vor dem Tourneestart die Weltcupführung innehatte. Dahinter lag der lang als Geheimtipp geltende Schwede Jan Boklöv. Sein Sprungstil wurde nun nicht mehr so schlecht bei den Haltungsnoten bewertet und prompt kamen die Spitzenplatzierungen. Auf Rang drei lag etwas überraschend Nykänens Mannschaftskollege Risto Laakkonen. Der 21-Jährige hatte zwar schon in der Saison 1985/86 sein Weltcupdebüt gegeben, bis dahin aber kaum nennenswerte Ergebnisse erreicht und war außerdem noch nie für die Vierschanzentournee nominiert worden. Nun aber musste angesichts seiner Erfolge im Weltcup mit dem Neuling durchaus gerechnet werden. Hinzu kamen mit den Olympiasiegern Puikkonen, Nikkola sowie Pekka Suorsa allesamt Springer, die jederzeit für einen Podestplatz gut waren. Von den Norwegern waren vor allem der unverwüstliche Vegard Opaas und Skiflugweltmeister Fidjestöl als Kandidaten für einen Tourneesieg zu nennen. Aber auch Erik Johnsen, der in Calgary etwas überraschend Silber von der Großschanze gewonnen hatte und Jon Inge Kjørum, Bronzemedaillengewinner mit der Mannschaft bei Olympia, waren nicht ganz außer Acht zu lassen. Bei dem starken tschechoslowakischen Team hatte sich neben den Routiniers Ploc und Parma zu Saisonbeginn vor allem Ladislav Dluhoš erfolgreich in Szene setzen können. Die bundesdeutsche Vertretung unter dem neuen Bundestrainer Rudi Tusch hatte neben ihrem neuen Aushängeschild Thoma in der Leistungsdichte immer mehr gewonnen und neben den Leistungsträgern Thomas Klauser und Andreas Bauer hatte sich mit Josef Heumann ein vierter Athlet in die Weltspitze geschoben. Die Nachbarn aus Österreich wussten indes vor der Tournee nicht so recht zu überzeugen. Außer dem zweimaligen Tourneesieger Ernst Vettori, der mit den Topspringern mithalten konnte, waren die Ergebnisse der Austria-Adler unter dem neuen Auswahltrainer Rupert Gürtler eher verhalten. Am besten schnitt nach Vettori noch Franz Neuländtner ab, der aber bei den letzten Tourneen eher enttäuscht hatte. Blieb noch die Mannschaft aus Jugoslawien. In Calgary war auch durch nicht unbekannten tschechoslowakischen Heimtrainer Zdeněk Remsa bei den Ulaga und Co der Knoten geplatzt. Silber im Mannschaftswettbewerb und Bronze für Matjaz Debelak von der Großschanze hatten den ewigen Geheimtipp nun zu Mitfavoriten werden lassen.
Eine große Unbekannte war hingegen das DDR-Team. Nach dem Debakel bei Olympia, wo für Jens Weißflog nur die Plätze 9 und 31 herausgesprungen waren und überhaupt nur zwei Springer die Olympianorm erfüllt hatten, gab es im Großen wie im Kleinen erhebliche personelle Veränderungen. Der Auswahltrainer Hans-Dieter Grellmann wurde vom Zella-Mehliser Reinhard Heß abgelöst, der nun zusammen mit dem ehemaligen Spitzenathlet Henry Glaß die DDR-Nationalmannschaft im Skisprung betreute. Nicht dazu gehörte nunmehr Altmeister Manfred Deckert. Das größere Beben im DDR-Sport ereignete sich jedoch auf einer Tagung des DTSB-Bundesvorstandes Anfang November 1988. Der allgewaltige DDR-Sportchef Manfred Ewald wurde von Klaus Eichler abgelöst. Bei nicht Wenigen war damit die Hoffnung verbunden, dass nun teilweise neue Wege im DDR-Sport beschritten würden.
Zu guter Letzt machte sich auch die FIS über die Entwicklung des Skispringens Gedanken. Speziell das Starterfeld bei der Tournee war in den letzten Jahren enorm angewachsen und führende Fernsehsender drängten auf eine Verringerung, um die überlangen Übertragungszeiten zu reduzieren. Hinzu kam ein zunehmender Showcharakter, an dem vor allem der britische Springer Michael Edwards, genannt Eddie the Eagle, großen Anteil hatte. Höhepunkt dieses Treibens waren die Olympischen Spiele in Calgary, als bei dem Hype um den sportlich arg limitierten Publikumsliebling die sportliche Glanzleistung Nykänens mit drei Goldmedaillen fast zur Nebensache geriet. Auch im Anschluss an die Olympischen Spiele hatte der Brite mit allerlei Medienpräsenz über eine halbe Million DM verdient und stand damit besser da als viele Spitzenspringer. Es gab daher schon damals Vorschläge für eine Quotenregelung nach dem Leistungsstand, wie sie mittlerweile praktiziert wird. Letzten Endes wurde dieses Ansinnen nochmals zurückgestellt, da die einschneidenden Änderungen wohl sowieso nur ein FIS-Kongress hätte beschließen können. Somit nahmen letztlich insgesamt 109 Athleten an der 37. Vierschanzentournee teil, auch Michael Edwards. Der Niederländer Gerrit Konijnenberg fehlte wie auch das japanische Team. Zudem hatte einige Verbände ihre Mannschaftskader verkleinert, unter anderem auch die DDR-Mannschaft, welche mit nur vier Springern antrat.
Nominierte Athleten Nation Athleten Dieter Thoma, Thomas Klauser, Andreas Bauer, Wolfgang Steiert, Lorenz Wegscheider, Jürgen Winterhalder, Rolf Schilli, Josef Heumann, Thomas Ihle, Robert Leonhardt, Norbert Hils, Eckhard Reichertz, Christof Duffner, Andreas Scherer, Christian Rimmel, Peter Gaffal, Reiko Glass, Heiko Gasche Peter Grundig, Jens Weißflog, Ulf Findeisen, Heiko Hunger Andreas Felder, Franz Neuländtner, Ernst Vettori, Günther Stranner, Werner Schuster, Franz Wiegele, Werner Haim, Paul Erat, Oliver Strohmaier, Klaus Huber, Heinz Kuttin, Stefan Horngacher, Alexander Pointner, Bernhard Winkler, Harald Rodlauer, Alexander Steiner, Norbert Moertl, Andi Rauschmeier Wladimir Brejtschew, Emil Sografski Matti Nykänen, Jari Puikkonen, Vesa Hakala, Risto Laakkonen, Ari-Pekka Nikkola, Pekka Suorsa Didier Mollard, Jacky Arpin, Florian Trèves, Nicolas Jean-Prost Michael Edwards Virginio Lunardi, Antonio Lacedelli, Roberto Cecon, Carlo Pinzani Miran Tepeš, Primož Ulaga, Matjaž Debelak, Matjaž Zupan, Rajko Lotrič, Janez Štirn, Janez Debelak, Primož Kopač Todd Gillman, Colin Capel, Ron Richards Clas Brede Bråthen, Hroar Stjernen, Ole Christian Eidhammer, Ole Gunnar Fidjestøl, Vegard Opaas, Erik Johnsen, Jon Inge Kjørum, Magne Johansen Jan Kowal, Zbigniew Klimowski, Jarosław Mądry, Bogdan Papierz Jan Boklöv, Magnus Åström, Per-Inge Tällberg, Staffan Tällberg, Mikael Martinsson, Åke Norman Christian Hauswirth, Thomas Kindlimann, Pascal Reymond, Christoph Lehmann, Ernst Boesch, Gérard Balanche, Yvan Vouillamoz, Fabrice Piazzini Bernat Solà Andrei Werweikin, Oleg Krasilnikow, Pawel Kustow Jiří Parma, Pavel Ploc, Ladislav Dluhoš, Martin Švagerko, František Jež, Jiří Malec Gábor Gellér Mike Holland, Mark Konopacke, Kurt Stein, Ted Langlois
Oberstdorf Datum: 30. Dezember 1988 Land: Schanze: Schattenbergschanze
Volksfeststimmung herrschte an der Schattenbergschanze unter den geschätzt 30.000 Zuschauern angesichts der Ausgangslage mit dem Weltcupführenden Dieter Thoma. Erstmals seit Max Bolkart hatte ein DSV-Springer realistische Chancen, wieder einmal die Tournee zu gewinnen, was natürlich die Erwartungshaltung steigerte. Allerdings hatte es im Training die erste Schrecksekunde gegeben. Der Finne Suorsa war schwer gestürzt und konnte zum Wettkampf nicht antreten. Beim Wettkampf selbst wurden die Erwartungen der Zuschauer nicht enttäuscht. Bereits im ersten Durchgang zeigte Thoma mit 115 m, das er erster Anwärter auf den Tagessieg sein würde. Dahinter platzierte sich der Finne Laakkonen vor Ernst Vettori. Matti Nykänen belegte zunächst Rang neun. Doch nach einer Anlaufverkürzung wurde das Klassement nochmals durcheinandergewirbelt. Da einzig und allein Nykänen eine Verbesserung im Vergleich zum ersten Durchgang gelang, schob sich der Finne noch auf den dritten Platz. Dieter Thoma war an diesem Tag allerdings nicht zu schlagen, denn auch im zweiten Durchgang sprang er mit 110 m einen halben Meter weiter als Nykänen. Zwischen den beiden reihte sich Nykänens Landsmann Risto Laakkonen ein, der vor allem von seinem guten ersten Sprung zehrte. Ernst Vettori zeigte einmal mehr Nerven, sprang 10 m kürzer als in Durchgang eins und fand sich auf Platz sechs wieder. Zufrieden mit seinem internationalen Saisonauftakt war Jens Weißflog, der einen guten 4. Platz belegte und damit zeigte, dass er nach dem Desaster von Calgary nicht abzuschreiben war. Im Freudentaumel um Thomas Tagessieg ging der 5. Platz des überraschend starken Italieners Cecon etwas unter. Die DSV-Auswahl stellte mit den Plätzen sieben (Heumann), Elf (Klauser) und Zwölf (Bauer) an diesem Tag die stärkste Mannschaft. Pos. Springer Land Punkte 1 Dieter Thoma 219,5 2 Risto Laakkonen 212,5 3 Matti Nykänen 209,0 4 Jens Weißflog 206,5 5 Roberto Cecon 204,5 6 Ernst Vettori 203,5 7 Josef Heumann 201,5 8 Jan Boklöv 201,0 9 Jon Inge Kjørum 200,0 9 Jari Puikkonen 200,0
Garmisch-Partenkirchen Datum: 1. Januar 1989 Land: Schanze: Große Olympiaschanze