Die 34. Vierschanzentournee 1985/86 war Teil des Skisprung-Weltcups 1985/86.

Das Springen in Oberstdorf fand am 30. Dezember 1985 statt, am 1. Januar 1986 das Springen in Garmisch-Partenkirchen und am 4. Januar 1986 das Springen in Innsbruck. Die Abschlussveranstaltung in Bischofshofen wurde am 6. Januar 1986 durchgeführt. Die Gesamtwertung gewann der Österreicher Ernst Vettori vor seinem Landsmann Franz Neuländtner.

Nominierte Athleten Nach der Weltmeisterschaftssaison 1984/85 wurde die Saison 1985/86 allgemein als Zwischensaison gesehen, da außer der Skiflug-Weltmeisterschaft kein Großsportereignis für die Skispringer anstand. So gab es für die Nationaltrainer die Möglichkeit, neue, junge Athleten an das Weltcupgeschehen heranzuführen und eventuell auch neue Dinge auszuprobieren. Vor der Tournee hatte sich zum einen der Jugoslawe Primož Ulaga ins Rampenlicht geschoben. Beim Weltcupstart hatte er die Wettbewerbe in Thunder Bay gewonnen und in Lake Placid noch einen zweiten Platz auf der Großschanze erreicht. Vor dem Tourneestart war der Slowene im Weltcup führend und damit durchaus ein Kandidat für den Gesamtsieg. Zum anderen hatten auch zwei Nachwuchsspringer auf sich aufmerksam gemacht, der Österreicher Franz Neuländtner siegte in Lake Placid von der Normalschanze, der Finne Pekka Suorsa gewann das Springen in Chamonix vor Jens Weißflog und dem Franzosen Frédéric Berger.Zur Tournee meldeten schließlich Mannschaften aus 18 Nationen, darunter erstmals zwei Springer aus Rumänien. Während die Japaner und Schweden nach einjährigen Pause wieder dabei waren, fehlten diesmal Springer aus der Sowjetunion und Bulgarien. Der Favoritenkreis war annähernd der Gleiche wie in der Vorsaison. Da waren die Österreicher um Ernst Vettori und Andreas Felder, die nach einer eher enttäuschenden WM-Saison nun mal wieder einen Tourneesieg feiern wollten. Hinzu kamen die Norweger, bei denen mit Per Bergerud allerdings ein Routinier seine Karriere beendet hatte. Mit Stjernen, Berg, Opaas oder auch Fidjestøl waren aber genügend erfolgshungrige Athleten vorhanden. Die DDR-Vertretung trat wieder mit ihrem Zugpferd und Titelverteidiger Jens Weißflog an, dazu kam natürlich auch der Vorjahresdritte Klaus Ostwald, der allerdings noch im Herbst 1985 eine Verletzung auskuriert hatte. Nach diesen zwei Topleuten klaffte allerdings eine beträchtliche Lücke. Letztlich wurde der Oberwiesenthaler Ulf Findeisen und der erst 17-jährige Klingenthaler Remo Lederer noch mitnominiert. Nach einer dominanten DDR-Mannschaft mit mehreren Springern unter den besten Zehn sah dies nicht aus, so dass auch die DDR-Presse bereits im Vorfeld die Erwartungen bremste. Blieben noch die Finnen, die mit einem Paukenschlag zur Tour anreisten. Mitfavorit Matti Nykänen, kurz vorher zum finnischen Sportler des Jahres von den dortigen Sportjournalisten gewählt, wurde aus disziplinarischen Gründen zu Hause gelassen. Auswahltrainer Esa Klinga hatte den finnischen Ausnahmeathlet bereits vom Weltcup aus Übersee nach Hause geschickt, da Nykänen wegen seiner Alkoholeskapaden und mangelnder Trainingsbeteiligung das Mannschaftsgefüge erheblich gestört hatte. Dennoch hatten die Skandinavier mit Puikkonen und dem Youngster Suorsa mindestens zwei Springer im Team, denen einiges zuzutrauen war. Außenseiterchancen hatte das tschechoslowakische Team, wobei vor allem Ploc und Parma zumindest für einen Tagessieg gut waren. Nation Athleten Thomas Klauser, Georg Waldvogel, Peter Rohwein, Andreas Bauer, Wolfgang Steiert, Lorenz Wegscheider, Uli Boll, Thomas Haßlberger, Thomas Dufter, Jürgen Winterhalder, Andreas Hiemer, Rolf Schilli, Eckhard Reichertz, Robert Leonhardt, Thomas Ihle, Dieter Thoma Klaus Ostwald, Jens Weißflog, Ulf Findeisen, Remo Lederer Andreas Felder, Franz Neuländtner, Ernst Vettori, Günther Stranner, Paul Erat, Franz Wiegele, Raimund Resch, Adolf Hirner, Richard Schallert, Norbert Mörtl, Wolfgang Margreiter, Thomas Feuerstein, Harald Rodlauer, Christoph Beck, Hans-Peter Hilbel, Uwe Steinberger, Erich Kreuzer, Harald Haim, Werner Schuster, Oliver Strohmaier, Rudi Pürstl, Bernhard Zauner, Hannes Staudacher, Bernhard Winkler Pentti Kokkonen, Jari Puikkonen, Jukka Kalso, Pekka Suorsa, Anssi Nieminen, Ari-Pekka Nikkola, Mika Kojonkoski Patric Dubiez, Frédéric Berger, Didier Mollard, Florian Trèves, Gérard Colin Massimo Rigoni, Antonio Lacedelli, Sandro Sambugaro, Carlo Pinzani, Paolo Rigoni, Virginio Lunardi Masahiro Akimoto, Shigeki Tomiya, Akira Satō, Yasuhide Miyazaki, Shin’ichi Tanaka Miran Tepeš, Tomaž Dolar, Matjaž Žagar, Rajko Lotrič, Matjaž Debelak, Primož Ulaga Horst Bulau, Ron Richards, Todd Gillman, Steve Collins Olav Hansson, Hroar Stjernen, Halvor Persson, Ole Gunnar Fidjestøl, Vegard Opaas, Trond Jøran Pedersen, Halvor Persson, Jan Henrik Trøen, Rolf Åge Berg Piotr Fijas, Jan Kowal, Zbigniew Klimowski Arpad Mezei, Lorincz Balint Per-Inge Tällberg, Anders Daun, Thomas Nordgren, Åke Norman Christian Hauswirth, Pascal Reymond, Gérard Balanche Jose Rivera, Bernat Solà Bohumil Vacek, Jiří Parma, Pavel Ploc, Ladislav Dluhoš, Miroslav Polák, Martin Švagerko László Fischer, Gábor Gellér, Mihaly Szalai Mike Holland, Nils Stolzlechner, Rick Mewborn, Zane Palmer

Oberstdorf Noch beim Training war die Skisprungwelt in Ordnung. Die favorisierten Weißflog und Vettori standen auf der mit viel Mühe präparierten und um 1,20 verkürzten Schanze mit je 113 m die weitesten Sprünge. Doch nach dem Fehlen von Nykänen kündigte sich ein weiterer Paukenschlag an. Der Weltcupführende Primož Ulaga nahm nicht am Training und auch nicht am Auftaktspringen teil. Teilweise wurde eine Grippe als Hinderungsgrund genannt, andere Stimmen schrieben vom schlechten Omen, welches Ulaga befürchtete, da der Slowene im Vorjahr nach einem Sturz Letzter geworden war und deswegen nicht antreten wollte. Beim Wettkampf vor ca. 15.000 Zuschauern setzte sich mit Ernst Vettori durch seinen Schanzenrekord von 116 m noch ein durchaus dort erwarteter Topspringer nach dem ersten Durchgang an die Spitze. Doch schon die weitere Reihenfolge verriet Überraschungen. Die weiteren Podestplätze belegten der Finne Pekka Suorsa mit 114 m und der Kanadier Bulau mit 112 m, während Mitfavorit Jens Weißflog hingegen nach 102 m nur auf Rang 28 lag. Und die Überraschungen setzten sich im zweiten Durchgang fort. Während sich Vettoris Landsmann Franz Neuländtner mit 113 m steigern konnte, rutschte der Führende Vettori mit schwachen 103,5 m noch vom Podest. Tagessieger wurde jedoch der Finne Suorsa, der als einziger Springer zwei annähernd gleich weite Sprunge setzen konnte. Hinter Neuländtner landete der Pole Fijas. Mit Rang 10 für den Schweden Tällberg und Rang 16 für den Franzosen Mollard fanden sich weitere Springer auf vorderen Plätzen ein, die man dort nicht vermutet hätte. Jens Weißflog konnte sich zwar auf 108 m steigern, belegte letztlich aber nur einen enttäuschenden 19. Platz. Damit war er jedoch noch der beste Springer aus der DDR.Neues Deutschland vom 31. Dezember 1985, S. 7. Im Nachgang musste die Tageswertung sogar noch berichtigt werden, da sich bei einer nachträglichen Überprüfung herausstellte, dass der Norweger Rolf Age Berg, der den 12. Platz belegt hatte, mit einem nicht regelkonformen Sprunganzug angetreten war. Daher wurde er nachträglich für das Oberstdorfer Springen disqualifiziert.

Datum: 30. Dezember 1985 Land: Schanze: Schattenbergschanze Pos. Springer Land Punkte 1 Pekka Suorsa 212,8 2 Franz Neuländtner 210,0 3 Piotr Fijas 208,1 4 Ernst Vettori 204,8 5 Horst Bulau 204,7 6 Anssi Nieminen 203,7 7 Pavel Ploc 202,9 8 Vegard Opaas 202,5 9 Hroar Stjernen 202,2 10 Staffan Tällberg 201,9

Garmisch-Partenkirchen Datum: 1. Januar 1986 Land: Schanze: Große Olympiaschanze

Nachdem bereits der Tourneeauftakt eher überraschend verlaufen war, nahm auch das Neujahrsspringen einen nicht unbedingt erwarteten Verlauf. Erneut lag Ernst Vettori mit 107 m nach dem ersten Durchgang in Führung. Doch diesmal zeigte sich vor allem die DDR-Mannschaft stark formverbessert. So sprang Ulf Findeisen vorne mit und auch Jens Weißflog lag mit 10 Punkten Rückstand zu Vettori auf Platz sechs. Mit Pavel Ploc und dem erstmals startenden Primoz Ulaga, der knapp hinter Vettori lag, bewarben sich weitere Springer um den Tagessieg. Und nach einer Anlaufverkürzung, reichte es für den Österreicher wie in Oberstdorf erneut nicht für Sieg. Als einzigem Springer gelang Pavel Ploc im zweiten Durchgang ein Sprung über 100 m, während sich Vettori mit 97 m zumindest den Silberrang sichern konnte. Dahinter kam Ulaga ein, der seine gute Form damit bestätigte. Jens Weißflog konnte sich noch auf den vierten Rang schieben und lag nach dem misslungenen Auftakt in der Gesamtwertung nun auf dem 6. Platz. Gesamtführender war nun Vettori knapp vor Ploc. Durch die zwei sehr unterschiedlich verlaufenden Konkurrenzen war auch nach der Halbzeit noch nicht wirklich ein Favorit auf den Gesamtsieg erkennbar. Als Randnotiz bliebe anzumerken, dass der erst 16-jährige Dieter Thoma mit Rang 11 seine ersten Weltcuppunkte holte.Neues Deutschland vom 2. Januar 1986, S. 7. Zwischenstand nach 2 Springen Pos. Springer Punkte1.Vettori416,32.Ploc415,73.Suorsa 410,54.Fijas 404,65.Neuländtner402,16.Weißflog400,5

Pos. Springer Land Punkte 1 Pavel Ploc 212,8 2 Ernst Vettori 211,5 3 Primož Ulaga 208,9 4 Jens Weißflog 208,0 5 Jiří Parma 201,4 6 Ulf Findeisen 200,9 7 Pekka Suorsa 197,7 8 Bohumil Vacek 197,3 9 Piotr Fijas 196,5 10 Horst Bulau 195,4

Innsbruck Datum: 4. Januar 1986 Land: Schanze: Bergiselschanze

Auf dem immer wieder als Schicksalsberg bezeichneten Bergisel ging die bis dahin an Überraschungen nicht eben arme Tournee in die nächste Runde. Und erneut war Ernst Vettori der Trainingsweltmeister und unterstrich mit 110,5 m im Probedurchgang wieder seine Ambitionen auf einen Tagessieg. Und die waren auch nach dem ersten Durchgang noch intakt, wenngleich er hinter dem Finnen Puikkonen und dem Norweger Stjernen auf dem dritten Platz einkam. Doch wie auch bei den beiden ersten Wettbewerben versagten dem Österreicher erneut die Nerven. Am Ende sprang mit 98 m nur ein neunter Platz heraus. Den Tagessieg holte sich nach einer Steigerung im zweiten Durchgang der Finne Jari Puikkonen vor dem Norweger Hroar Stjernen. Den dritten Platz belegte etwas unerwartet der Finne Anssi Nimienen, der im zweiten Durchgang mit der Wettbewerbshöchstweite von 110 m noch vom 24. Platz auf einen Podestplatz vorrückte. Die DDR-Mannschaft erwischte hingegen einen rabenschwarzen tag. Das Finale der besten 50 Springer erreichte nur Ulf Findeisen. Jens Weißflog konnte nach einem Sprung von 85 m, welche am Ende Rang 62 bedeuteten, bereits nach dem ersten Durchgang seine Skier einpacken. Entscheidend war dafür vor allem die sehr niedrige Anlaufgeschwindigkeit, die wohl auch Materialprobleme offenbarte. In der DDR-Presse fehlte es nach dem schlechtesten Abschneiden von DDR-Springern bei der Tournee überhaupt nicht an Kritik, jedoch nicht so sehr an den Athleten, dafür wurde eher die Trainer in die Pflicht genommen. Doch nicht nur Weißflog gehörte zu den Geschlagenen. Auch der Tourneezweite Pavel Ploc, mit weniger als 2 Punkten Rückstand auf Vettori mit hervorragenden Chancen auf den Gesamtsieg ausgestattet, scheiterte an der geringen Anlaufgeschwindigkeit und kam nur auf Platz 42 ein. Und auch der bis dahin Gesamtdritte Pekka Suorsa musste Federn lassen, wie Weißflog verpasste er den zweiten Durchgang. Dadurch wurde die Gesamtwertung gehörig durcheinandergewirbelt und zeigte nach dem bis dahin recht turbulenten Tourneeverlauf ein kurioses Bild. Trotz dreier verpasster Siege und nur einem Podestplatz stand auf Grund der höchst unterschiedlichen Sprungwettbewerbe weiterhin Ernst Vettori an der Spitze. Dahinter platzierten schon mit einigem Abstand Puikkonen und Stjernen. Durch beständige Sprünge rückte mit Wolfgang Steiert seit langer Zeit sogar ein bundesdeutscher Springer unter die ersten Sechs.Neues Deutschland vom 6. Januar 1986, S. 8.