Das Wittelsbacher-Gymnasium München ist ein humanistisches und sprachliches Gymnasium in München. Es fungiert außerdem als Seminarschule, in der Referendare für den Lehrerberuf in den Fächern Kunst, Englisch, Latein, Deutsch, Mathematik, Physik, Philosophie/Ethik und Evangelische Religion ein Lehramtsreferendariat absolvieren.

Lage und Gebäude Das Wittelsbacher-Gymnasium liegt im Münchner Stadtbezirk Maxvorstadt am Marsplatz 1 in unmittelbarer Nähe zum Gebäude des Circus Krone.

Das denkmalgeschützte dreigeschossige Gebäude mit erhöhtem Mittelpavillon von Carl Voit ist in historisierenden Formen gehalten.Wittelsbacher-Gymnasium. Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, abgerufen am 10. Dezember 2009

Geschichte Im Jahr 1906 wurde mit dem Bau der Schule begonnen, bereits 1907 fand der erste Unterricht im neu gegründeten Wittelsbacher-Gymnasium statt. Das Kadettencorps auf dem benachbarten Marsfeld wurde nach seiner Aufhebung 1920 als real-gymnasialer Zweig eingegliedert. Von 1938 bis 1945 trug die Schule den Namen Wittelsbacher Oberschule für Jungen. 1944 wurde der Turnhallentrakt durch Bomben zerstört, 1958/59 wieder aufgebaut. Nach den Zerstörungen der Münchner Schulen im Zweiten Weltkrieg beherbergte das glimpflich davongekommene Schulgebäude des nun wieder so benannten Wittelsbacher-Gymnasiums auch die ausgebombte Ludwigs-Realschule (seit 1965 Erasmus-Grasser-Gymnasium, von 1938 bis 1945 zeitweise Oberschule an der Damenstiftstraße genannt) und außerdem das ebenfalls ausgebombte Ludwigsgymnasium. Das später wieder allein dem Wittelsbacher-Gymnasium gehörende Gebäude wurde in den Jahren 1963 bis 1965 umfassend erneuert, der Unterrichtsbetrieb zeitweise an die Gisela-Oberrealschule (heute Gisela-Gymnasium) ausgelagert. Mädchen wurden erstmals im Schuljahr 1974/75 aufgenommen, 1981 ein Erweiterungsbau fertiggestellt. In den Jahren 2017–2019 wurden die Fachräume für Naturwissenschaften und weite Teile des Gymnasiums renoviert.

Schulangehörige Schulleiter 1907–1912 Johann Gerstenecker 1912–1915 Philipp Stumpf 1915–1922 Leonhard Lutz 1922–1930 Joseph Gebhard Himmler 1930–1934 Andreas Fr. Wahler 1934–1945 Karl Hudezeck 1945–1954 Franz Tyroller 1954–1971 Hans Färber 1971–1972 Karl Bayer 1972–1983 Josef Weisenberger 1983–2003 Hermann Reuter 2003–2013 Raimund Wiedenmann seit 2013 Helmut Martin

Bekannte Schüler Eugen Roth (1895–1976), Lyriker und Dichter Carl Orff (1895–1982), Komponist und MusikpädagogeUlrich Rühle: Die Jugend großer Komponisten: Wie sie wurden, was sie waren. München 1983 dtv junior (Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG). ISBN 3-423-70011-4 Max Rheinstein (1899–1977), Jurist Werner Müller (1910–1996), Politiker (CSU) Otto Gritschneder (1914–2005), Rechtshistoriker, Rechtsanwalt und Publizist Alfred Andersch (1914–1980), Schriftsteller Philip Rosenthal (1916–2001), Industrieller und Politiker Joachim Korn (1919–1994), Nachrichtentechniker und Fernseh-Pionier Heinz Thomas (1920–2002), Jurist, Richter Max Kläger (1925–2016), Künstler, Kunstpädagoge und Hochschullehrer Paul Wühr (1927–2016), Schriftsteller Norbert Gastell (1929–2015), Schauspieler und Synchronsprecher Gustl Bayrhammer (1922–1993), Volksschauspieler Dieter Kronzucker (* 1936), Journalist und Fernsehmoderator Johannes Kunisch (1937–2015), Historiker Engelbert Kupka (* 1939), Politiker (CSU) Kurt Faltlhauser (* 1940), Politiker (CSU) Klaus Buchner (* 1941), Physiker und Politiker (ÖDP) Fritz Wepper (1941–2024), Schauspieler Elmar Wepper (1944–2023), Schauspieler Peter Sloterdijk (* 1947), Philosoph Ulrich Chaussy (* 1952), Journalist Heinrich Hußmann (1959–2022), Informatiker Rainer Maria Schießler (* 1960), römisch-katholischer Pfarrer Anton G. Leitner (* 1961), Schriftsteller und Verleger Erwin Lohner (* 1962), Jurist und Staatsministeriums-Amtschef Christoph Schieder (* 1963), Volleyballspieler Matthias Seling (* 1969), Kabarettist Titus Vollmer (* 1969), Filmkomponist Silvia von Steinsdorff, Politikwissenschaftlerin Alexander Dietrich (* 1975), Politiker (CSU) Daniel Holzberg (* 1990), Schauspieler und Regisseur

Bekannte Lehrer Anton M. Kolnberger (1906–1976), Zeichner und Autor Norbert Richter-Scrobinhusen (1929–1975), Graphiker, Radierer und Maler Hans-Joachim Ruckhäberle (1947–2017), Theaterregisseur und Dramaturg

Abfolge des Sprachenunterrichts am Wittelsbacher-Gymnasium Alle Schüler beginnen in der fünften Klasse mit Latein als erster Fremdsprache, zweite Fremdsprache ist Englisch, als dritte Sprache kann Griechisch (Humanistischer Zweig) oder Französisch (Neusprachlicher Zweig) gewählt werden. Nach der zehnten Klasse kann Latein abgelegt und Spanisch als spätbeginnende Fremdsprache besucht werden.

Besonderheiten Das Gymnasium unterhält ein Kellertheater und eine Theatergruppe. Außerdem gibt es drei Chöre (Unterstufenchor, Großer Chor und Kammerchor), ein Orchester und eine Big Band. Jedes Jahr finden sowohl ein Frühjahrskonzert (i. d. R. Ende März) als auch ein Weihnachtskonzert (kurz vor Weihnachten) statt, in welchen die Schüler ihr Können unter Beweis stellen. Dazu wird meist die große Aula der Ludwig-Maximilians-Universität München gemietet. In Endlhausen, südlich von München, steht ein eigenes Landheim, das auch andere Schulen nutzen. Außerdem ist der Wittelsbacher Kurier (kurz WiKu) die älteste Schülerzeitung in München.

Partnerschaften Seit 1990 besteht eine Schulpartnerschaft mit der Kreuzschule in Dresden. Seit einigen Jahren findet jährlich auch ein Schüleraustausch mit der St. Mark's School in Southborough, Massachusetts in den Vereinigten Staaten statt. Seit 2017 bestehen Schulpartnerschaften mit dem Col·legi Mare de Déu del Carme in Terrassa, Katalonien und dem Bambino College in Lilongwe, Malawi.

Quellen und Literatur Wittelsbacher-Gymnasium München (Hrsg.): Programm des K. Wittelsbacher-Gymnasiums in München. München 1908–1914 () Walther Habersetzer: Ein Münchner Gymnasium in der NS-Zeit. Die verdrängten Jahre des Wittelsbacher Gymnasiums. Ein Beitrag der Geschichtswerkstatt Neuhausen e. V. zum 90jährigen Bestehen. Geschichtswerkstatt Neuhausen, München 1997, ISBN 3-931231-04-6. Alfred Andersch: Der Vater eines Mörders. Diogenes, Zürich 2002, ISBN 3-257-05601-X. [Die Erzählung, erstmals 1980 veröffentlicht, beschreibt mit autobiografischen Zügen eine Schulstunde am Wittelsbacher-Gymnasium unter Direktor Gebhard Himmler.]

Weblinks

Website des Wittelsbacher-Gymnasiums

Einzelnachweise

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