mini|Blick auf die Altstadt von Königsbrück, an deren westlichem Rand (im Bild oben) sich das Schloss und die Hauptkirche befinden mini|Schloss Königsbrück mini|Luftpanorama (in der Mitte ist Norden) mini|Marktplatz mini|Großes, historisches Stadtwappen von Königsbrück an der Außenfassade des Palais (Westseite).

Königsbrück () ist eine Landstadt am westlichen Rand der Oberlausitz in Sachsen (Deutschland), knapp 25 km nördlich der Landeshauptstadt Dresden. Sie trägt sowohl die Beinamen „Tor zur Westlausitz“ als auch in neuer Zeit „Kamelienstadt an der Via Regia“ und ist Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Königsbrück.

Geographie Lage Durch Königsbrück fließt die Pulsnitz. Die umliegende Landschaft ist überwiegend bewaldetes Heideland, im Norden die Königsbrücker Heide und im Süden die Laußnitzer Heide, das zum Landschaftsschutzgebiet Westlausitz gehört. 6 km südöstlich erhebt sich der markante Keulenberg.

Stadtgliederung Die Stadt gliedert sich in drei Ortsteile (Einwohnerzahlen zum 16. Oktober 2023): Kernstadt Königsbrück mit Stenz, 4097 Einwohner Gräfenhain, 429 Einwohner Röhrsdorf, 172 Einwohner

Entwicklung des Stadtgebiets Die ursprüngliche Stadt befand sich rechtsseitig der Pulsnitz; das Stadtgebiet wurde im Norden durch die Käbnitz, im Süden und Westen durch die Pulsnitz begrenzt. Nördlich der Stadt lagen auf Weißbacher Lehnsflur die Berghäuser, südlich die Häuser auf der Meißner Lehnsflur und westlich das Dorf Stenz.

Der 1907 geschaffene Gutsbezirk „Garnisonsverwaltung Königsbrück“ war nicht Teil der Stadt. Er umfasste das Alte Lager bei Stenz, den Infanterieschießplatz bei Glauschnitz, das Neue Lager zwischen Königsbrück und Steinborn sowie den nördlich in der Heide neu angelegten Truppenübungsplatz mit den abgesiedelten Dörfern Otterschütz, Quosdorf und Zietsch.

Nach dem Abzug der Roten Armee übernahm die Stadt 1992 auch das gesamte Militärgebiet einschließlich der geschleiften Ortschaften bzw. Ortswüstungen Bohra, Krakau, Otterschütz, Quosdorf, Rohna, Sella, Steinborn, Zietsch und Zochau, wodurch sich das Stadtgebiet erheblich erweiterte.

Nachbargemeinden

Geschichte Königsbrück wurde erstmals 1248 urkundlich erwähnt. Vermutlich ist es kurz vorher als Grenzfeste zwischen der Mark Meißen und der böhmischen Oberlausitz entstanden. Die Entwicklung der Stadt ist eng mit der Hohen Straße/Via Regia – einer mittelalterlichen Handelsstraße, an der im weiteren Verlauf nach Osten Kamenz, Bautzen und Görlitz liegen – verbunden. Hier an der Landesgrenze wurde ein königlicher Zoll erhoben. 1331 erhielt Königsbrück seine Stadtrechte. Königsbrück war ein strategisch wichtiger Grenzort der Oberlausitz, deshalb wehrten sich insbesondere die Städte des Oberlausitzer Sechsstädtebundes gegen etwaige Verpfändungen des Ortes. Als z. B. die Herren von Schönfeld als meißnische Vasallen 1350 die Stadt Königsbrück dem Meißner Markgrafen verkaufen wollten, verhinderten dies die Bautzener mit Gewalt und brachten die Stadt unter die böhmische Krone zurück. 1439–1579 war die Stadt im Besitz der Burggrafen von Dohna, deren Besitzungen 1527 erstmals als Herrschaft bezeichnet wurden. Nach dem Tod von Christoph von Dohna fielen Stadt und Herrschaft Königsbrück als erledigtes Lehen an die Krone Böhmen zurück. Kaiser Ferdinand I. verkaufte sie aber bereits 1562 wieder an Caspar von Dohna auf Straupitz (Niederlausitz), der sie im selben Jahr zur vierten Standesherrschaft der Oberlausitz erheben ließ. 1579 wurden 140 angesessene Bürger gezählt; einschließlich derer, die das Bürgerrecht nicht besaßen, dürfte die Höhe der Einwohner ca. 1000 Seelen betragen haben.

mini|Torhaus des Schlosses Standesherren und -herrinnen von Königsbrück waren: 1579–1726: Herren von Schellendorf – 1703–1726 Johanna Margaretha von Schellendorf geb. von Friesen (1655–1728). 1726–1773: Freiherren von Friesen 1773–1795: Grafen von Redern 1795–1803: Graf zu Münster-Meinhövel 1803–1856: Grafen von Hohenthal 1856–1893: Grafen Wilding, Fürsten zu Radali 1893–1920: Familie Naumann

Das Stadtwappen stammt von 1556.

Die Patrimonialgerichtsbarkeit der Standesherrschaft Königsbrück ging 1839 an den Staat über und wurde zunächst in einer Gerichtsexpedition des Justizamtes Kamenz in Königsbrück wahrgenommen. 1853 wurde diese in das Königliche Gericht Königsbrück umgewandelt und diese 1856 in das Gerichtsamt Königsbrück. 1879 wurde daraus das Amtsgericht Königsbrück und 1952 in der DDR das Kreisgericht Königsbrück. Nach der Wende wurde kein Amtsgericht mehr in Königsbrück eingerichtet.

1819 wurde in Königsbrück die erste sächsische Sparkasse gegründet.

Durch die Gräfin Louise Charlotte von Hohenthal wurde 1835 das Louisenstift, eine Kleinkindbewahranstalt gegründet. Das Anliegen der Einrichtung war es, „Eltern, denen es vermöge ihrer Verhältnisse nicht möglich ist ihre volle Zeit der Erziehung ihrer Kinder zu widmen, die Möglichkeit an die Hand zu geben, ihre Kinder in geordneter Weise erziehen zu lassen und in denselben schon in zartester Jugend den Keim zu einem sittlichen und religiösen Lebensrichtung zu legen und zu bewahren.“

mini|Viadukt Pulsnitztal mini|Bahnhof Am 16. Oktober 1884 erfolgte der Anschluss Königsbrücks an das Eisenbahnnetz mit der Inbetriebnahme der Bahnstrecke Klotzsche–Königsbrück. Diese zunächst als Schmalspurbahn ausgelegte Strecke wurde 1897 auf Normalspur umgebaut und 1899 zunächst bis Schwepnitz verlängert. In den Jahren 1933 und 1934 erfolgte schließlich der Weiterbau nach Straßgräbchen-Bernsdorf.

mini|Sowjetische Nuklearraketen 1892 begann in der Laußnitzer Heide bei Glauschnitz der Bau eines großen Infanterieschießplatzes, zugleich entstand auf der Scheibe bei Stenz ein Barackenlager (Altes Lager). Im Sommer 1893 wurden diese durch das 106. Regiment in Betrieb genommen. Am 30. September 1893 wurde das Militärgebiet ein selbstständiger Gutsbezirk „Schießplatz bei Königsbrück“, der 1895 die neue Bezeichnung „Garnisonsverwaltung Königsbrück“ erhielt. Im Oktober 1893 wurde die Stadt zur königlichen Garnisonsstadt. Südlich des Bahnhofs entstand in den Jahren 1893–1895 die Prinz-Georg-Kaserne. 1906 wurde in der Königsbrücker und Krakauischen Heide der Truppenübungsplatz Königsbrück errichtet. In den Folgejahren entstand nördlich der Stadt ein neuer Kasernenstandort – das Neue Lager. Im Ersten Weltkrieg befand sich in Königsbrück ein Kriegsgefangenenlager. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges besetzte die Rote Armee das Militärgebiet. Bis zum Abzug am 25. Februar 1988 waren während des Kalten Krieges sowjetische Nuklearraketen (NATO-Code: SS-12 Scaleboard) stationiert. 1992 war der Abzug der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland aus Königsbrück abgeschlossen.

Zur DDR-Zeit befand sich in Königsbrück das Institut für Luftfahrtmedizin der NVA. Hier wurden NVA-Piloten und angehende Piloten-Bewerber ab dem 14. Lebensjahr, aber auch Fallschirmjäger, auf ihre Flugtauglichkeit untersucht. Auch den ersten und einzigen DDR-Kosmonauten, Sigmund Jähn, und dessen Ersatzmann, Eberhard Köllner, bereitete man hier auf ihren Raumflug medizinisch vor. Durch die Republik Österreich wurde in den Jahren 1984 bis 1986 aufgrund bilateraler Vereinbarungen zwischen der DDR und Österreich ein kompletter Neubau, der eine Unterdruck-Dekompressions-Kammer sowie eine Hochleistungs-Zentrifuge beinhaltete, gebaut. Hintergrund für dieses Bauvorhaben war die durch die USA in Zeiten des Kalten Krieges verhängte CoCom-Liste, die es unter Strafe untersagte, Hochtechnologie aus westlichen Industrie-Nationen in kommunistische Länder zu exportieren. Österreich als neutraler Staat umging dabei diese Liste und schuf damit einen wichtigen Baustein für die damalige Verteidigungsfähigkeit der DDR. Nach dem Ende der DDR wurden die Anlagen durch den Bund übernommen und modernisiert. Das international renommierte flugphysiologische Trainingszentrum des Zentrums für Luft- und Raumfahrtmedizin der Luftwaffe ist heutiger Hausherr.

2007 wurde der erste Solarpark in Königsbrück mit einer Leistung von 4,4 MW in Betrieb genommen. 2010 wurde ein weiterer mit 15 Millionen Euro errichteter Solarpark in der Königsbrücker Heide eröffnet.

Eingemeindungen Stenz, Laußnitz-Neuer Anbau, Weißbacher Lehn, Schloßbezirk, 1939 Gräfenhain, 1994 Röhrsdorf, 1994

Einwohnerentwicklung Jahr um 1500 1579 1580–1800 1806 1830 1832 1849 1875 1900 Einwohner 140 ca. 1000 1050 1554 1652 1890 1926 3252 Jahr 1925 1950 1970 2012 2015 2020 2023 Einwohner 3201 5.274 5.248 4.362 4.438 4.576 4.683

Religionen Die Einwohner der Stadt sind überwiegend evangelisch-lutherisch.

Politik

Stadtrat Seit der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 verteilen sich die 16 Sitze des Stadtrates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen: Initiative „Lebendiges Königsbrück“ / Freie Wähler Königsbrück: 6 Sitze AfD: 4 Sitze CDU: 3 Sitze Bürgervereinigung Königsbrück Gemeinsam: 3 Sitze +Letzte StadtratswahlenListe202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %Initiative „Lebendiges Königsbrück“634,9425,5426,0Freie Wähler Königsbrück320,1426,3AfD426,6528,9––CDU321,9425,5526,4Bürgervereinigung Königsbrück Gemeinsam316,6––––AFV––––212,6FK/DSU––––18,6Wahlbeteiligung70,5 %66,8 %55,5 %

Bürgermeister mini|hochkant|Rathaus Bürgermeister ist seit 2008 Heiko Driesnack (CDU). +Letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2022Heiko DriesnackCDU47,8201570,5200863,92001Jürgen LoeschkeDSU/CDU66,11994DSU65,0

Wappen Beschreibung: In Blau eine durchgehende goldene gemauerte gewölbte Brücke mit drei Bögen und sieben Zinnen über einem braunen Grund. Eine goldene Blätterkrone schwebt über der Brücke. Kultur und Sehenswürdigkeiten In der Liste der Kulturdenkmale in Königsbrück sind die Kulturdenkmale der Stadt aufgeführt.

Königsbrücker Heide Schloss mit Park Mittelalterlicher Markt Via-Regia-Modellausstellung Evangelische Hauptkirche Katholische Kreuzerhöhungskirche Hospitalkirche Wasserturm Baderbrücke Soldatenfriedhof Bibererlebnispfad Rekonstruierter Kursächsischer Viertelmeilenstein der Poststraße im Zuge der Via Regia an der Straße nach Kamenz mit Originalteilen aus der Friedhofsmauer Originalwappenstück der Kursächsischen Postdistanzsäule des durch den Truppenübungsplatz Königsbrück vernichteten Städtchens Krakau (z. Zt. im Stadtmuseum Dresden) Viadukt Pulsnitztal – eine der wenigen Bahnbrücken mit einer Kurve, erbaut 1899, stillgelegt 2001

Regelmäßige Veranstaltungen mini|Königsbrücker Kamelien Kamelienschau je nach Blüte Ende Januar bis Anfang April Königsbrücker Christmarkt Faschingsumzug Schützenfest

Gedenkstätten mini|Mausoleum der Familie Naumann mini|Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs Mausoleum der Familie Naumann hinter der Königsbrücker Hauptkirche Am Eingang des Friedhofs an der Gartenstraße erinnern eine Grabstätte und ein Gedenkstein an zwei unbekannte, vermutlich polnische KZ-Häftlinge, die bei einem Todesmarsch im Frühjahr 1945 von SS-Männern ermordet wurden. Gedenkstätte auf dem Scheibischen Berg Soldatenfriedhof für die in Königsbrück gestorbenen Kriegsgefangenen Kriegerdenkmal in der Schlossstraße für die Gefallenen der Feldzüge von 1866 und 1870/71 Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs Erinnerungsstätte für die durch den Truppenübungsplatz Königsbrück gewüsteten Dörfer in Röhrsdorf

Freizeit- und Sportanlagen Stadtbad Sportplatz (Kunstrasen) Sporthalle Vierbahnensportkegelanlage Sportanlage mit Kegelbahn für Freizeitsport im Ortsteil Gräfenhain Tennisplatz in Gräfenhain

Naturschutz

Bildung Arthur-Kießling-Schule (Oberschule), vormals Wilhelm-Pieck-Oberschule Juri-Gagarin-Schule (Grundschule) Königsbrücker Ausbildungsstätte gGmbHAnnett Kschieschan: Fünf Millionen Euro für Top-Technik. In: Sächsische Zeitung, 28. Mai 2015. Kinderhaus Regenbogen Kinderhaus Rappelkiste

Verkehr mini|Bahnhof Königsbrück