Die 41. Vierschanzentournee 1992/93 war Teil des Skisprung-Weltcups 1992/1993.

Das Springen in Oberstdorf fand am 30. Dezember 1992 statt, am 1. Januar 1993 das Springen in Garmisch-Partenkirchen und am 4. Januar 1993 das Springen in Innsbruck. Die Abschlussveranstaltung in Bischofshofen wurde am 6. Januar 1993 durchgeführt. Die Tournee gewann Andreas Goldberger aus Österreich.

Weltcup und Favoriten In der nacholympischen Saison gab es mit den Nordischen Skiweltmeisterschaften im schwedischen Falun nur eine bedeutende Großveranstaltung im Skispringen neben der Tournee. Naturgemäß war das Team aus Österreich, welches bei Olympia fünf von sieben möglichen Medaillen gewonnen hatte, mit Springern wie Martin Höllwarth, Heinz Kuttin, Ernst Vettori oder Werner Rathmayr zu den Topfavoriten zu zählen. Die Innauer-Schützlinge hatten in der Vorsaison als eine der ersten Mannschaften auf den V-Stil umgestellt und zeigten auch in der aktuellen Saison bei den ersten Weltcupspringen erneut ihre bestechende Form. Vor allem Werner Rathmayr, für den die Olympischen Spiele eher suboptimal gelaufen waren, war wieder in starker Frühform und führte die Weltcupwertung souverän an. Bemerkenswert war zudem die gute Form von Andreas Goldberger, der sich erst im März des Jahres bei der Skiflug-WM in Harrachov das Schlüsselbein und ein Handgelenk gebrochen hatte. Allerdings gab es im Austria-Team auch bedeutende personelle Veränderungen. Toni Innauer war nach 3 Saisons und den erreichten Erfolgen ausgebrannt und hatte seinen Posten an Heinz Koch weitergegeben. Des Weiteren war Andreas Felder nach der Saison 1991/92 vom Leistungssport zurückgetreten.

Zu den weiteren Tourneefavoriten sollte eigentlich auch der Doppelolympiasieger von Albertville, der Finne Toni Nieminen, gehören. Doch fast erwartungsgemäß machte ihm der Hype um seine Person zu schaffen, hinzu kamen Wachstumsprobleme. Nach eher schlechten Platzierungen im Weltcup gipfelte das Geschehen darin, dass der Trainer Matti Pulli den Shootingstar der letzten Saison zu Hause ließ. Zur Tournee entsandte der finnische Auswahltrainer nur eine vierköpfige Mannschaft, bei der außer Vesa Hakala kein anderer Springer Tourneeerfahrung hatte. Der erst 15-jährige Janne Ahonen, der später zum Rekordsieger bei der Tournee erwachsen sollte, hatte gar erst in der laufenden Saison seine Weltcuppremiere. Die Olympiasieger Nikkola und Mika Laitinen ließ Pulli ebenso zu Hause, Risto Laakkonen, immerhin Tourneesieger von 1989, war vom Leistungssport zurückgetreten. Zu beachten war weiterhin die tschechische Mannschaft um Jaroslav Sakala, die bei Olympia immerhin Mannschaftsbronze geholt hatte. Durch die anstehenden Olympischen Spiele in Lillehammer (1994) und Nagano (1998) war nun auch bei den jeweils gastgebenden Nationen ein Aufwind deutlich zu spüren. Unter dem neuen norwegischen Trainer Trond Jøran Pedersen gelang der Mannschaft die Umstellung auf den V-Stil und prompt befanden sich vor Tourneebeginn drei Springer in den Top Ten der Weltcupwertung. Speziell Espen Bredesen, der noch bei Olympia in Albertville ob seiner schlechten Platzierungen in seiner Heimat mit Eddie Edwards verglichen wurde, erlebte einen enormen Formanstieg und sollte sich in der Folge zu einem der erfolgreichsten Skispringer entwickeln. Unter Trainer Manabu Ono entwickelte sich nun auch die japanische Mannschaft enorm und hatte mit Noriaki Kasai den amtierenden Skiflugweltmeister in ihren Reihen. Außenseiterchancen auf Podestplätze wurden auch noch den Schweizer Springern um Stephan Zünd eingeräumt. Blieb noch das deutsche Team. Neben den Norwegern waren sie als Verlierer der Saison 1991/92 zu sehen, was vor allem mit der fehlenden Umstellung auf den V-Stil zusammenhing. Nachdem mit Andreas Bauer und Josef Heumann zwei Leistungsträger zurückgetreten waren und Heiko Hunger den Umstieg auf den V-Stil nicht geschafft hatte, kam es zum Teil zu einem Neuaufbau der DSV-Auswahl. Wolfgang Steiert wurde als neuer Co-Trainer berufen und hielt vor allem den Kontakt zur Schwarzwälder Springergruppe um Dieter Thoma. Jens Weißflog war hingegen sein langjähriger Heimtrainer Joachim Winterlich abhandengekommen, der nun die italienische Auswahl betreute. Thoma als auch Weißflog sprangen zwar einen stabilen V-Stil, ließen aber gute Weltcup-Ergebnisse bis zum Tourneestart vermissen. Stärkster Springer war daher der Schönwalder Christof Duffner. Im Schatten der deutschen Spitzenspringer gab der 18-jährige Sven Hannawald durch seine Nominierung sein Tourneedebüt.

Die Tournee selbst war wieder etwas bunter geworden. Durch die Auflösung des Vereinten Teams der GUS gab es nun gleich drei Tourneeneulinge als Nationen zu begrüßen; Kasachstan, Russland und die Ukraine. Durch die Auflösung der CSFR gab es nun auch je eine slowakische und eine tschechische Mannschaft, die auch erstmals bei der Tournee begrüßt werden konnten. Im Mannschaftsaufgebot der Slowaken befand sich dabei mit Martin Švagerko ein bekannter Springer, der nach einer einjährigen Pause sein Comeback bei der Tournee gab.

Gesamtweltcupstand vor der Vierschanzentournee 1. Werner Rathmayr 110 Punkte 2. Martin Höllwarth 43 Punkte 2. Steve Delaup 43 Punkte 4. Björn Myrbakken 42 Punkte 5.Lasse Ottesen 39 Punkte 5. Akira Higashi 37 Punkte 7. Urban Franc 33 Punkte 8. Andreas Goldberger 32 Punkte 9. Espen Bredesen 29 Punkte10. Mikael Martinsson 27 Punkte

Nominierte Athleten Nation Athleten Andreas Scherer, Dieter Thoma, Christof Duffner, Jens Weißflog, Marc Nölke, Timo Wangler, Alexander Briest, Gerd Siegmund, Rico Meinel, Sven Hannawald, André Kiesewetter, Hans-Peter Pohl, Roland Braun, Hansjörg Jäkle, Alexander Müller, René Rosenbaum Ernst Vettori, Werner Haim, Werner Rathmayr, Martin Höllwarth, Heinz Kuttin, Andreas Goldberger, Werner Schuster, Mario Stecher, Christian Moser, Alexander Pointner, Andreas Widhoelzl, Christian Reinthaler, Ingemar Mayr, Franz Neuländtner, Alexander Diess, Klaus Huber, Alexander Stöckl Sachari Sotirow, Emil Zografski Vesa Hakala, Jani Soininen, Janne Ahonen, Pasi Kytösaho Steve Delaup, Nicolas Jean-Prost, Regis Bajard, Didier Mollard, Gerome Gay Roberto Cecon, Massimo Vellar, Ivan Lunardi, Federico Rigoni Masahiko Harada, Akira Higashi, Jin’ya Nishikata, Noriaki Kasai John Lockyer Andrei Werweikin, Dionis Vodnev Lasse Ottesen, Kent Johanssen, Øyvind Berg, Espen Bredesen, Magne Johansen, Björn Myrbakken Jarosław Mądry, Robert Mateja, Wojciech Skupień Michail Jessin Staffan Tällberg, Mikael Martinsson, Per-Inge Tällberg, Magnus Westman, Johan Rasmussen Sylvain Freiholz, Reto Kälin, Stephan Zünd, Martin Trunz, Christoph Lehmann Martin Švagerko, Michal Lepko Samo Gostiša, Franci Petek, Matjaž Zupan, Urban Franc, Matjaž Kladnik František Jež, Jaroslav Sakala, Silvester Mikulastik, Jiří Parma, David Jiroutek Walerij Wdowenko, Wassyl Hrybowytsch Jim Holland, Ted Langlois, Robert Holme

Oberstdorf Datum: 30. Dezember 1992 Land: Schanze: Schattenbergschanze

Beim Training machte Christof Duffner zusammen mit Werner Rathmayr den besten Eindruck. Beide erzielten Weiten von 118,5 m. Aber auch Dieter Thoma (117 m) und Rico Meinel (115,5 m) überraschten mit guten Trainingsleistungen. Die gute Form bestätigte Duffner auch beim Wettbewerb. Bereits im ersten Durchgang gelangen 116,5 m und nur Andreas Goldberger konnte mit 116 m annähernd mithalten. Da Duffner oft Schwierigkeiten mit einer sauberen Telemarklandung hatte, war vorher klar, dass er sich durch schlechtere Haltungsnoten noch um den Sieg bringen könnte. Goldberger legte fast erwartungsgemäß im zweiten Durchgang mit 115 m enorm vor, die Duffner aber erneut mit 116,5 m konterte. Am Ende reichte es knapp mit 0,3 Punkten Vorsprung für den Schönwalder, der damit auch seinen ersten Weltcupsieg feiern konnte. Hinter Goldberger platzierte sich Kasai mit zwei Flügen über je 113,5 m auf dem Podest. Der 4. Platz von Harada untermauerte den gewachsenen Formanstieg der japanischen Mannschaft. Sehr zufrieden war auch Jens Weißflog. Der Sachse musste zwar den Weggang seines langjährigen Heimtrainer Joachim Winterlich verkraften, hatte nun aber erfolgreich auf den V-Stil umstellen können. Sein siebter Platz war eine Bestätigung seiner ansteigenden Form.Walliser Bote vom 31. Dezember 1992 S. 20 Pos. Springer Land Punkte 1 Christof Duffner 237,7 2 Andreas Goldberger 237,4 3 Noriaki Kasai 230,3 4 Masahiko Harada 228,3 5 Werner Rathmayr 222,5 6 Jaroslav Sakala 218,7 7 Jens Weißflog 218,3 8 Matjaž Kladnik 215,9 9 Nicolas Jean-Prost 213,9 10 Matjaž Zupan 212,0

Garmisch-Partenkirchen Datum: 1. Januar 1993 Land: Schanze: Große Olympiaschanze Durch den noch ziemliche neuen V-Stil kam die alte Olympia-Schanze in Garmisch an ihre Grenzen. Schon im Training flogen Jens Weißflog und Dieter Thoma bei relativ kurzem Anlauf über den K-Punkt. Da noch aus Luken gesprungen wurde, war man irgendwann an der untersten Luke angelangt und musste einen provisorischen Startpunkt kreieren. Am Neujahrstag selbst sorgten vor allem wechselnde Winde für einen ersten Durchgang der Überraschungen. Während Auftaktsieger Duffner und auch Dieter Thoma sich gerade so für den Finaldurchgang qualifizieren konnten, überraschten Springer wie Siegmund (100,5 m), Nölke (101,5 m) oder gar Andreas Scherer, der mit 104 m mit den Spitzenleuten mithielt. Die hießen Kasai (108,5 m), Lunardi (105 m) und Weißflog (104 m). Speziell beim Italiener Lunardi machte sich offensichtlich der neue Auswahltrainer Joachim Winterlich bemerkbar. Nach einer Anlaufverkürzung vor dem zweiten Durchgang trennte sich dann aber relativ schnell die Spreu von Weizen und nur die wenigsten Springer vermochten ihre Leistung zu halten, geschweige denn zu verbessern. Den krassesten Unterschied erlebte Marc Nölke, der 25 m kürzer als im ersten Durchgang sprang und schon nach 76 m aufsetzte. Aber auch Duffner und Thoma blieben mit Weiten unter 90 m weit hinter ihren Erwartungen zurück. Andreas Scheerer hingegen konnte auch im zweiten Durchgang mit 94,5 m einen ansprechenden Sprung setzen und belegte in der Tageswertung einen sehr guten sechsten. Platz. Es sollte das beste Einzelergebnis bleiben, was der Rohrhardsberger je bei einem Weltcupspringen erreichte. So machte letztlich Andreas Goldberger das Rennen an der Spitze noch einmal spannend, als er mit 101 m die mit Abstand größte Weite des zweiten Durchgangs erzielte. Da er im ersten Durchgang allerdings mit 100,5 m nicht weit genug sprang, reichte es am Ende nur zum dritten Platz. Mit 98,5 m bot Jens Weißflog unter den Bedingungen des verkürzten Anlaufs eine ansprechende Weite und zeigte damit dem scheinbar schon sicheren Tagessieger Kasai die Stirn. Der Japaner behielt aber die Nerven und erreichte mit seinem charakteristischen Sprungstil eine Weite von 97,5 m. Die reichte am Ende für den Tagessieg mit 1,4 Punkten Vorsprung vor Weißflog. Kasai war damit nach Kasaya erst der zweite Japaner, dem ein Tagessieg bei der Tournee gelang. In der Gesamtwertung schob sich nun Goldberger knapp vor Kasai an die Spitze. Dahinter platzierte sich Jens Weißflog, der allerdings schon über 10 Punkte Rückstand auf den Japaner hatte. Duffner fiel durch seinen 32. Platz in der Tageswertung auf den 7. Platz in der Gesamtwertung zurück.Hamburger Abendblatt vom 2. Januar 1993 Zwischenstand nach 2 Springen Pos. Springer Punkte1.Goldberger453,92.Kasai451,13.Weißflog437,74.Rathmayr433,35.Harada433,06.Zupan419,6

Pos. Springer Land Punkte 1 Noriaki Kasai 220,8 2 Jens Weißflog 219,4 3 Andreas Goldberger 216,5 4 Ivan Lunardi 211,1 5 Werner Rathmayr 210,8 6 Andreas Scherer 209,3 7 Matjaž Zupan 207,6 8 Vesa Hakala 207,0 9 Masahiko Harada 204,7 10 Werner Haim 203,9

Innsbruck Datum: 3. Januar 1993 Land: Schanze: Bergiselschanze