Die 42. Vierschanzentournee 1993/94 war Teil des Skisprung-Weltcups 1993/1994.
Das Springen in Oberstdorf fand am 30. Dezember 1993 statt, am 1. Januar 1994 das Springen in Garmisch-Partenkirchen und am 4. Januar 1994 das Springen in Innsbruck. Die Abschlussveranstaltung in Bischofshofen wurde am 6. Januar 1994 durchgeführt. Nachdem mit Ingolf Mork 1972 zum letzten Mal ein Springer aus Norwegen die Tournee gewinnen konnte, folgte ihm nun sein Landsmann Espen Bredesen. In einem packenden Zweikampf mit dem wieder erstarkten Jens Weißflog fiel die Entscheidung erst beim letzten Springen in Bischofshofen.
Weltcup und Favoriten Da durch die Änderung des Winter/Sommer-Rhythmus bereits 1994 erneut Olympische Winterspiele anstanden, war die Tournee eine wichtige Standortbestimmung vor den Titelkämpfen im norwegischen Lillehammer. Die FIS hatte zudem den Weltcup-Kalender athletenfreundlicher gestaltet und begann die Wettbewerbsserie seit langem wieder in Europa mit Springen in Planica, Predazzo, Courchevel und Engelberg, so dass vor der Tournee weite Wettkampfreisen nach Übersee entfielen. Im DSV-Team hatte es nach dem historisch schlechten Abschneiden bei den Nordischen Weltmeisterschaften im schwedischen Falun enormen Wirbel gegeben. Nachdem Dieter Thoma vom damaligen Bundestrainer Rudi Tusch während der WM nach Hause geschickt worden war, verweigerte der Schwarzwälder die weitere Zusammenarbeit mit Tusch und erwog ernsthaft, nach Finnland zu ziehen, um dort zu trainieren und zukünftig für den finnischen Verband zu starten. Letzten Endes löste der DSV-Sportdirektor Hermann Weinbuch das Problem, indem er Tusch vom Posten des Bundestrainers entband und für ihn Reinhard Heß mit der Aufgabe betraute. Der bisherige Auswahltrainer des B-Kaders hatte von 1988 bis 1990 bereits die DDR-Auswahl betreut. Ihm gelang es, Dieter Thoma zum Bleiben zu bewegen und auch Altmeister Jens Weißflog neu zu motivieren. Speziell der Sachse bewies schon im Sommer eine beeindruckende Frühform und gewann mehrere Mattenwettbewerbe. Und auch zum Weltcupauftakt stellte Weißflog seine gute Form unter Beweis, indem er auf der Großschanze in Planica seinen ersten Weltcup seit Januar 1991 gewann. Da er auch den nachfolgenden Weltcup in Predazzo gewann und weitere gute Platzierungen erreichte, lag der Oberwiesenthaler vor Tourneebeginn knapp hinter Andreas Goldberger in der Weltcupwertung auf dem zweiten Platz. Der Österreicher, letztjähriger Tourneegewinner und Weltcupgesamtsieger des Vorjahres, war das neue Zugpferd in einem weiterhin starken österreichischen Team und einer der Topfavoriten auf den Tourneesieg. Allerdings haderten die Männer um Trainer Heinz Koch etwas mit dem Ausgang der WM und wirkten nicht mehr so übermächtig wie in der Vorsaison.Im Schatten der Austria-Adler war mit dem norwegischen und dem japanischen Team Konkurrenz erwachsen, die in Falun erste Erfolge feiern konnte. Der Japaner Harada war Weltmeister von der Normalschanze geworden und der Norweger Espen Bredesen nunmehr Weltmeister auf der Großschanze und mit der Mannschaft. Und auch zum Saisonbeginn zeigte Bredesen, dass mit ihm zu rechnen war, denn mit einem Sieg und zwei weiteren Podestplätzen in fünf Weltcup-Springen war er Dritter in der Weltcupwertung. Harada zeigte sich nicht ganz so stark, aber immerhin befanden sich auch drei Japaner unter den besten Zehn im Weltcup. Mit dem Tschechen Jaroslav Sakala kam ein weiterer Springer hinzu, dem ein Tourneesieg zuzutrauen war. Sakala hatte bei den Weltmeisterschaften drei Medaillen gewonnen und war Dritter der letztjährigen Tournee geworden. Bei den Finnen kam nach dem Ausnahmetalent Nieminen lange nichts. Mit dem erst 16-jährigen Janne Ahonen nominierte Trainer Pulli aber ein Talent, das kurz vor der Tournee in Engelberg seinen ersten Weltcup gewonnen hatte.
Gesamtweltcupstand vor der Vierschanzentournee 1. Andreas Goldberger 330 Punkte 2. Jens Weißflog 290 Punkte 3. Espen Bredesen 275 Punkte 4. Jin’ya Nishikata 195 Punkte 5.Jaroslav Sakala 162 Punkte 5. Takanobu Okabe 160 Punkte 7. Lasse Ottesen 143 Punkte 8. Janne Ahonen 124 Punkte 9. Masahiko Harada 102 Punkte9. Gerd Siegmund 102 Punkte
Nominierte Athleten Nation Athleten Andreas Scherer, Dieter Thoma, Christof Duffner, Jens Weißflog, Marc Nölke, Gerd Siegmund, Rico Meinel, Sven Hannawald, André Kiesewetter, Hansjörg Jäkle, Alexander Müller, René Rosenbaum, Steffen Siebert, Ralph Gebstedt, Alexander Herr, Ronny Hornschuh Ernst Vettori, Werner Haim, Martin Höllwarth, Heinz Kuttin, Andreas Goldberger, Werner Schuster, Andreas Beck, Stefan Horngacher, Werner Rathmayr, Klaus Huber, Christian Moser, Alexander Pointner, Adolf Grugger, Gerhard Schallert, Matthias Wallner, Reinhard Schwarzenberger, Ingemar Mayr, Christian Reinthaler, Martin Kollau, Andi Rauschmeier Jani Soininen, Janne Ahonen, Janne Väätäinen, Risto Jussilainen, Olli Happonen, Ari-Pekka Nikkola Nicolas Jean-Prost, Didier Mollard, Jérôme Gay, Ruddy Jardin, Steve Delaup, Nicolas Dessum Roberto Cecon, Massimo Vellar, Ivan Lunardi, Ivo Pertile Masahiko Harada, Takanobu Okabe, Jin’ya Nishikata, Noriaki Kasai, Hiroya Saitoh, Naoki Yasuzaki John Lockyer Andrei Werweikin Lasse Ottesen, Øyvind Berg, Espen Bredesen, Magne Johansen, Hakon Johnsen, Geir Atle Wøien, Roar Ljøkelsøy, Tommy Ingebrigtsen, Helge Brendryen Wojciech Skupień Michail Jessin, Stanislaw Pochilko Staffan Tällberg, Mikael Martinsson, Johan Rasmussen Sylvain Freiholz, Stephan Zünd, Martin Trunz Martin Švagerko, Vladimír Roško, Marián Bielčik Samo Gostiša, Matjaž Zupan, Matjaž Kladnik, Robert Meglič, Sašo Komovec, Franci Petek, Jure Žagar František Jež, Jaroslav Sakala, Zbyněk Krompolc, Jiří Parma, Jiří Raška jr., Tomáš Goder, Ladislav Dluhoš Wassyl Hrybowytsch Randy Weber, Ted Langlois
Oberstdorf Datum: 30. Dezember 1993 Land: Schanze: Schattenbergschanze
Bereits beim Qualifikationsspringen gab es die ersten Rekorde. Der Schanzenrekord von Werner Rathmayr mit 120,5 m wurde von Espen Bredesen (121 m) und schließlich noch durch Jens Weißflog mit 122 m verbessert. Damit waren schon vor dem ersten Wettkampftag die großen Favoriten für Oberstdorf benannt. Die deutsche Mannschaft machte einen starken Eindruck und war mit 4 Springern unter den ersten 13 die beste Mannschaft. Andererseits konnten sich Springer wie Duffner, Nikkola, Lunardi oder Horngacher nicht für den Wettkampf qualifizieren und verloren somit schon alle Chancen für eine gute Gesamtplatzierung.Walliser Bote vom 30. Dezember 1993 S. 17 20.000 erlebten vor allem im ersten Durchgang eine erneute Rekordjagd. Nachdem Espen Bresdesen mit einem Sprung von 122 m den erst am Vortag aufgestellten Schanzenrekord egalisierte, konterte Jens Weißflog mit einem Sprung auf 124 m, was erneut Schanzenrekord bedeutete. Durch etwas schlechtere Haltungsnoten lag der Sachse allerdings nach dem ersten Durchgang nur einen halben Punkt vor dem Norweger.Der zweite Durchgang war hingegen von zwei Anlaufverkürzungen geprägt. Mit diesen Veränderungen und zusätzlich wechselnden Winden kamen die wenigsten Springer zurecht. Nur 10 Springer kamen noch über die Hundert-Meter-Marke und von den 35 Springern des Finaldurchgangs konnte sich einzig der Schweizer Trunz verbessern. Das Können von Weißflog zeigte sich an diesem Tag, indem er mit 110 m den mit Abstand weitesten Sprung im zweiten Durchgang setzte und Bredesen mit 8,1 Punkten Vorsprung auf den zweiten Platz verwies. Andreas Goldberger sicherte sich den verbliebenen Podestplatz.Der Sachse war endgültig zurück bei der Tournee. Nach zwei eher durchwachsenen Wintern, die von der Umstellung auf den V-Stil geprägt waren, strafte Weißflog alle Kritiker Lügen, die ihn schon abgeschrieben hatten. Auch Mannschaftskollege Dieter Thoma zeigte sich über seinen siebten Platz hocherfreut, war er doch zu Weihnachten noch im Continentalcup angetreten, um nach seiner Verletzung überhaupt ein paar Sprünge zu bekommen. Thoma war erst im Oktober 1993 mit einem Snowboarder zusammengestoßen und hatte sich erneut am frisch operierten Knie verletzt.Walliser Bote vom 31. Dezember 1993 S. 15Hamburger Abendblatt vom 31. Dezember 1993 S. 31 Pos. Springer Land Punkte 1 Jens Weißflog 238,1 2 Espen Bredesen 230,0 3 Andreas Goldberger 217,2 4 Jin’ya Nishikata 216,0 5 Takanobu Okabe 210,0 6 Jaroslav Sakala 208,1 7 Dieter Thoma 204,6 8 Janne Ahonen 198,4 9 Roberto Cecon 195,1 10 Lasse Ottesen 190,0
Garmisch-Partenkirchen Datum: 1. Januar 1994 Land: Schanze: Große Olympiaschanze
Auch am Neujahrstag erlebten die Zuschauer eine Rekordjagd. Den Grundstein hatte Bredesen schon in der Qualifikation gelegt, als er den Schanzenrekord auf 109,5 m steigerte. Im ersten Wertungsdurchgang kam es allerdings durch einen verkürzten Anlauf noch nicht zu den ganz großen Weiten, neben Bredesen und Weißflog lagen auch noch die Japaner Harada und Okabe aussichtsreich im Rennen um den Tagessieg. Nach einer Anlaufverlängerung konnten sich fast alle Springer teilweise enorm steigern und es kam zu einer regelrechten Rekordhatz. Andreas Goldberger schob sich mit 109 m noch enorm nach vorn belegte am Ende den 5. Platz. Dieter Thoma verbesserte sich um 6 Meter und erreichte nach seinem eher schlechten Abschneiden im ersten Durchgang noch den 12. Platz. An der Spitze setzte zunächst der Japaner Okabe die beiden Führenden mit einem 109-m-Satz unter Druck. Jens Weißflog antwortete darauf mit neuem Schanzenrekord von 110 m und lag nun 2,3 Punkte vor dem Japaner. Doch Espen Bredesen war an dem Tag das Maß aller Dinge, mit neuem Schanzenrekord von 111 m gewann er das Neujahrsspringen in Garmisch. Durch seinen Vorsprung von 7,6 Punkten auf Weißflog in der Tageswertung rückte der Norweger in der Gesamtwertung bis auf einen halben Punkt an den Sachsen heran. Spannender konnte der Verlauf der Tour nunmehr kaum noch sein.Walliser Bote vom 3. Januar 1994 S. 19 Zwischenstand nach 2 Springen Pos. Springer Punkte1.Weißflog469,12.Bredesen468,63.Goldberger441,84.Okabe439,05.Sakala434,96.Cecon406,0
Pos. Springer Land Punkte 1 Espen Bredesen 238,6 2 Jens Weißflog 231,0 3 Takanobu Okabe 228,7 4 Jaroslav Sakala 226,8 5 Andreas Goldberger 224,6 6 Roberto Cecon 221,5 6 Lasse Ottesen 221,5 8 Heinz Kuttin 219,1 9 Masahiko Harada 217,0 10 Nicolas Dessum 216,6
Innsbruck