Historische topografische Namen im Wiener Gemeindebezirk Leopoldstadt

Um 1835 mini|Die Karte von Carl Graf Vasquez Der verarmte Adelige Carl Graf Vasquez, geb. 1796 in Klattau, Böhmen, gest. 1861 in Ofen (Budapest), arbeitet im Biedermeier als Kartograf und bringt ab 1827 detaillierte und illustrierte Stadtpläne der k.k. Polizey-Bezirke Wiens und seiner Vorstädte herausFelix Czeike (Hrsg.): Historisches Lexikon Wien, Band 5, Verlag Kremayr & Scheriau, Wien 1997, ISBN 3-218-00547-7, S. 522 f..

Dem ohne Jahreszahl herausgegebenen Blatt K. K. Polizey-Bezirk Leopoldstadt, bestehend aus den Vorstädten Leopoldstadt und Jägerzeil nebst 14 der vorzüglichsten Ansichten von Carl Graf Vasquez (es muss, da keinerlei Hinweis auf den Bau des Nordbahnhofes aufscheint, vor 1839 erschienen sein) sind folgende topografischen Bezeichnungen entnommen und den alphabetisch angeordneten heutigen Bezeichnungen gegenübergestellt.

Afrikanergasse: Marokkanergasse Ferdinandstraße: An der Holzstätte Große Mohrengasse: Große Hafnergasse Große Sperlgasse: Herrngasse Haidgasse: Badgasse Hollandstraße: Große Ankergasse, 1883–1919 Stephaniestraße Im Werd: Auf der Haid Karmelitergasse: Josephsgasse Karmelitermarkt: K. K. nö. Strafarbeitshaus Kleine Pfarrgasse: damals teilweise Rauchfangkehrergasse Körnergasse: Magazingasse Leopoldsgasse: teilweise Am Gottesacker; Straffhausgasse Nordbahnviertel: In Völkert (Grüngebiet)nach den Grundbesitzern, den Grafen Volckhra, laut Felix Czeike 1997, S. 549 Nordportalstraße, Perspektivstraße: Vermählungsmais (Mais = Jungwald oder Holzschlag) Novaragasse: Gärtnergasse Obere Augartenstraße: Augarten-Damm-Straße Praterstraße: Jägerzeile Salztorbrücke: Carls Kettenbrücke bzw. -steg, 1886–1919: Stephaniebrücke Schmelzgasse: damals teilweise Brunngasse Schwedenbrücke: 1819–1920 Ferdinandsbrücke Stuwerviertel: Schwimmschulmais, Feuerwerksmais, Feuerwerksplatz Taborstraße, Häuserblöcke zum Augarten: Wachtelgründe Untere Augartenstraße: Neue Gasse Zirkusgasse: Große Fuhrmannsgasse

Um 1910

Aus dem Vergleich des Stadtplanes 2008 mit einem um 1910 erschienenen ergeben sich folgende Veränderungen: Böcklinstraße: bis 1919 Valeriestraße, im Pratercottage Friedensbrücke: 1871–1926 Brigittabrücke Mexikoplatz: Erzherzog-Karl-Platz 1884–1919 und 1935–1956, 1919–1935 Volkswehrplatz Floridsdorfer Brücke: Kaiser-Franz-Josef-Brücke, 1945–1955 Malinowskibrücke Ostbahn: Staatsbahn Reichsbrücke: Kronprinz-Rudolf-Brücke bis 1919, 1946–1955 Brücke der Roten Armee Rotundenbrücke: 1811–1819 Rasumofskybrücke, 1825–1919? Sophienbrücke Rustenschacherallee: bis 1921 Prinzenallee, bis 1889 Kronprinzstraße, im Pratercottage Stadionbrücke: 1872–1919 Kaiser-Josef-Brücke, 1919–1937 Schlachthausbrücke Stadlauer Brücke: Staatsbahnbrücke

Brücken mit ihren früheren Namen: siehe hier

Zeit des Nationalsozialismus In der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft, 1938–1945, fanden unter anderen folgende Umbenennungen statt: Heinestraße: Schönererstraße Lassallestraße: Reichsbrückenstraße

Gegenwart

Eine Bürgerinitiative im Stuwerviertel forderte 2008 die Umbenennung der Arnezhoferstraße. Sie wurde unter Bürgermeister Karl Lueger 1906 nach Johann Ignaz Arnezhofer, dem ersten Pfarrer der Leopoldskirche (1671), benannt, der sich 1670 bei der Vertreibung der jüdischen Wiener aus dem Getto im Unteren Werd als Kommissär zur Ordnung der israelitischen Angelegenheiten betätigt hatFelix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Band 1: A–Da. Kremayr & Scheriau, Wien 1992, ISBN 3-218-00543-4, S. 161. und ein überzeugter Antisemit gewesen sein soll. Die Stadtverwaltung lehnte die Umbenennung ab, da deren Aufwand und Kosten zu hoch seien.Leopoldstadt: Keine Straße für Widerstandskämpferin (Die Presse, 12. September 2008) Mittlerweile wurde die Kritik an Arnezhofer durch die historische Forschung nicht bestätigt (siehe Umbenennungen).

Siehe auch

Liste der Straßennamen von Wien/Leopoldstadt

Einzelnachweise

Literatur Margit Altfahrt: Der Donaukanal – Metamorphosen einer Stadtlandschaft (= Wiener Geschichtsblätter, herausgegeben vom Verein für Geschichte der Stadt Wien, Beiheft 1 / 2000), Wien 2000, S. 18 f.

Kategorie:Leopoldstadt Kategorie:Regionale Toponomastik